RZA

rap.de: Dein neues Album „The World According To RZA“ enthält Songs, die du mit europäischen Künstlern aufgenommen hast. Wie unterscheidet es sich sonst noch von deinem ersten Solo-Album „Bobby Digital“ ?

RZA: Die Arbeit an diesem Album war sehr unterschiedlich zu der am ersten Album, das ich ohne den Wu-Tang Clan aufgenommen habe. Bei „Bobby Digital“ gab es keinen roten Faden, ich habe einfach meinen Gefühlen freien Lauf gelassen. Dieses Album soll die Aufhebung der Grenzen im HipHop zeigen. Es wird immer gesagt, dass man in bestimmten Sprachen nicht rappen kann, es muss immer nur auf Englisch sein. Ich wollte zeigen, dass das nicht stimmt. Dieses Album erfüllalso einen bestimmten Zweck, was ich auch beabsichtigt habe, das ist der Unterschied zum ersten Album. 
rap.de: Wie kamst du dazu, als Amerikaner europäische Künstler in dein Projekt mit einzubeziehen?

RZA: Ich war mit dem Wu-Tang Clan viel in Europa unterwegs. Tausende von Fans kommen zu unseren Shows, sprechen aber kein Wort Englisch. Ich wollte das Ganze umdrehen und den Fans meine Anerkennung zeigen, mit Songs in ihrer eigenen Sprache.
rap.de: Aus Deutschland hast du auch mit Xavier Naidoo und Kool Savas
zusammengearbeitet. Wie kam das zustande?

RZA: Mit Xavier kam ich durch eine gemeinsame Bekannte, Eva Ries, in Kontakt. Bei uns beiden stimmt die Chemie, fast so, als ob wir, spirituell gesehen, Brüder wären. Kool Savas kenne ich schon sehr lange aus einer Zeit, als er noch keinen Plattenvertrag hatte. Er hat eine sehr rebellische Ader, das hat mir an ihm gefallen.

rap.de: Wie kann man sich die Zusammenarbeit vorstellen? Habt ihr euch Demo-CDs hin- und hergeschickt?

RZA: Nein, alle kamen zu mir nach Amerika, und wir haben im Studio aufgenommen. Wir haben das sogar dokumentiert. Es ist lustig, Kool Savas jetzt zu sehen, weil er damals keinen Bart hatte, er sah ganz anders aus.
rap.de: Du hast mal gesagt, dass es dir europäische Rapper angetan haben, weil es ihnen um das Wesentliche im HipHop geht und nicht nur um das Geld…

RZA: …auf jeden Fall. Die europäischen Rapper sind nicht so verwöhnt und vom Geld geblendet. Das erinnert mich etwas daran, wie es vor zehn Jahren in Amerika war. Hier geht es den Leuten darum, Spaß zu haben, ihre Träume zu verwirklichen. Natürlich spielt Geld auch eine Rolle, aber es darf nicht die Hauptrolle einnehmen.
rap.de: Dein Album liest sich in kurz „W.A.R.“ (deutsch: Krieg) und wird in einer Zeit veröffentlicht, wo dieser Begriff an den Krieg im Irak denken lässt. War das beabsichtigt?

RZA: Eigentlich nicht. Man befindet sich jeden Tag im Krieg mit sich selbst, jeden Tag herrscht der Krieg zwischen Körper und Seele. Diese Leute, die sich für einen Krieg entschieden haben, ob im Irak oder sonst wo, haben diesen inneren Krieg nicht besiegt. Der eigentliche Feind ist der Feind in dir selbst. Diese Menschen lassen Eifersucht, Hass und Habgier vorherrschen, führen die Welt mit diesen Eigenschaften. Ich bin kein Politiker, aber ich werde, wenn ich gefragt werde, mich dazu äußern. Jeder, der die Situation beobachtet, wird sehen, dass dieser Krieg ein Krieg von Idioten ist, es ist kein triftiger Grund dafür gegeben, dass sich diese Menschen in Sachen einmischen, mit denen sie nichts zu tun haben.

rap.de: Zurück zu RZA: Man nennt dich ja nicht nur RZA sondern auch Bobby Digital Prince Rakeem etc. Wieso die ganzen Namen?

RZA: Ich drücke mit diesen Namen meine verschiedenen Persönlichkeiten aus. Diese bilden dann natürlich eine Einheit. Jeder hat verschiedene Persönlichkeiten, im HipHop wird das öffentlich ausgelebt. Ein Künstler von mir nennt sich Cilvaringz, in Wirklichkeit heißt er Tarik. Vielleicht nennt er sich in Zukunft anders, aber er ist trotzdem derselbe. Ein Name ist nur ein Wort, das dich beschreibt.
rap.de: Als Drahtzieher des Wu-Tang Clan hast du die HipHop-Kultur nicht nur verändert, sondern gefestigt. Stimmt es, dass du dich auch wissenschaftlich engagierst? 

RZA: Musik ist für mich ein Hobby. Ich bin sehr dankbar, dass ich aus meinem Hobby einen Beruf machen konnte. Da ist noch viel mehr in mir. Die Leute sagen mir, dass ich mit meiner Musik ihr Leben geändert habe, aber ich kann noch viel mehr und freue mich darauf, mein Wissen mit Leuten zu teilen. Das kann durch ein Buch passieren oder auch anders, das wird sich noch zeigen.
rap.de: In deinen Songs benutzt du oft Filmmelodien bekannter Kung Fu-Filme. Woher kommt die Leidenschaft gegenüber dieser Kultur?

RZA: Es geht nicht nur um die Kung Fu-Kultur, sondern um Wahrheiten, die zum Beispiel vom „Shaolin“ übermittelt werden. Ich fühle eine Leidenschaft für Wahrheiten, egal woher sie kommen. Man kann so viel sehen und lernen, wenn man sich mit diesen Dingen beschäftigt.

rap.de: Du bist so viel unterwegs, hast mit „Wu-Wear“ eine eigene Klamottenlinie, produzierst andere Leute, interessierst dich für Wissenschaft und überirdische Dinge. Wird dir das alles nicht manchmal zu viel?

RZA: Nein, in keinster Weise. Ich sehe das so: Die Sonne scheint, egal ob sich gerade die Erde um sie dreht oder andere Planeten, sie scheint auf das, was sich ihr nähert. Ich mache das genau so, egal was passiert, ich höre nicht auf zu scheinen. Ich bin ja nicht in allem direkt involviert. Nur weil ich eine Klamottenlinie habe, heißt das nicht, dass ich jeden Pullover selbst entwerfe. Ich komme meistens nur dazu, wenn’s brenzlig wird.
rap.de: Was kann sich ein Mann wie du noch wünschen?

RZA: Ich lass alles auf mich zukommen, sehr oft habe ich gesagt, das oder jenes wünsche ich mir, und es wurde wahr. Diesmal will ich mich selbst überraschen. Danke für Euer Interesse. Peace!

 

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