Trojan Records

Town & J-Dan, Pressure Beat & Amalgamated, Treasure Isle & Duke Reid, Jackpot, Upsetter, Summit, Randy`s, Gayfeet & High Note, Big, Clandisc, GG, Hot Rod, Harry J, Joe, Moodisc, Q, Techniques, Song Bird, Big Shot, Blue Cat, Duke, Dynamic, Explosion, Grape, Smash, Attack, Spinning Wheel… All diese Namen sind Bezeichnungen diverser Labels, die im Laufe der im Folgenden erzählten Geschichte maßgeblich zum schier unglaublichen Erfolg eines der größten Labels der vor allem schwarzen Musikgeschichte beigetragen haben. Die Rede ist von `Trojan Records`.
Aber starten wir am besten mit dem Beginn der Saga „Trojan“ – im Jamaika der 50er Jahre. Einer Zeit, in der für die jamaikanischen Einwohner Ghetto-Dances, „veranstaltet“ durch mobile Soundsystems, einen kleinen Lichtblick im harten Alltag bedeuteten. Ein solches mobiles Soundsystem unterhielt zu dieser Zeit ein Ex-Cop namens Arthur „Duke“ Reid , welcher eigentlich Owner eines Spirituosen-Shops war, den er „Treasure Isle“ (Bond Street/ Kingston, welche später auch zum Firmensitz des Labels wurde) nannte.
In den Besitz eines englischen Lieferwagens der Marke Trojan (7 Tonnen Leyland Laster) gekommen, schaffte er sich kurzerhand ein zweites Standbein und funktionierte seinen Wagen um, zu eben einem solchen Soundsystem. Read traf mit seinen hotti hotti US-R`n`B- Importen den Nerv jener Tage und erspielte sich so, dreimal in Folge, den Titel „Duke“. Sein Soundsystem bekam, abgeleitet vom Markennamen seines Wagens, den Namen „Duke Reid The Trojan“. Soweit so gut. Inzwischen in das Musikgeschäft involviert, veröffentlichte Duke Reid später unter dem Namen Trojan eine hübsche kleine Serie Calypso Songs, doch erst viel später, im Jahre 1967, startete man (mit Chris Blackwell und seinem Label Island) den Versuch, Trojan auch in Großbritannien groß zu machen. Zeitweise jedoch auch als Duke Reid und Treasure Island – welches nach dem Tode Reids 1974 von Sonia Pottinger übernommen wurde, die sich aber 1985 aus dem Business zurückzog. Der Erfolg war jedoch mäßig, und Trojan dümpelte ein geschlagenes Jahr mehr oder minder vor sich hin. Wieder mit Island Records im Rücken und dem neuen Partner Beat & Commercial (unter Eigentümer Lee Gopthal ) wurde `Trojan Records` 1968 quasi neu geboren – offiziell gilt deshalb diese Zeit als Gründungsdatum `Trojans`.

Die Männer der ersten Stunden `Trojans` hießen Joe Sinclair Des Bryan und Webster Shrowder und arbeiteten sowohl als Texter und Produzenten, wie auch als Studio Techniker. 1969 begann dann schließlich der – vorerst – unumstößliche Aufstieg von `Trojan Records`, inklusive der zeitweise bis zu 40 etablierten Sublabels (siehe Aufzählung oben). Man verpflichtete u.a. Joe Mansano (Joe) und Dandy (Down Town / J-Dan) für Produktionen aus UK, in Jamaika operierten Größen wie Lee „Scratch“ Perry (Upsetter) Bunny „Striker“ Lee (Jackpot) Clancy Eccles (Clandisc) aber auch – ganz klar – Duke Reid. 1969 sollte ein äußerst erfolgreiches Jahr für Trojan im allmählich immer mehr von Reggae begeisterten Musikmarkt werden – wobei Trojans größte Absätze lange Zeit durch die zahlreiche Anhängerschaft der so genannten „Trojan-Skins“ bestimmt wurden. Bis 1975 veröffentlichten Trojan, als Mutterlabel, und dessen Sublabels weit mehr als 250 Alben, u.a. die Compilation-Serien TRL und TTL (letztere brachte z.B. die recht beliebten „Tighten Up“ Veröffentlichungen hervor), sowie rund 2000 Singles. Hier ein kurzer Abriss einiger Top Chart Veröffentlichungen dieser Ära: Tony Tribe „Red Red Wine“ (Down Town) – Jimmy Cliff “Wonderful World Beautiful People” (Trojan) – Upsetters “Return of Django/Dollar in the Teeth” (Upsetter) – Pioneers ”Long Shot Kick the Bucket” (Trojan) – Harry J.Allstars “Liquidator” (Harry J.) 1971 schafft es der Titel „Double Barrel“ (auf Winston Rileys Label Techniques) sogar, sein Flagschiff Trojan bis auf Platz 1 der britischen Charts zu hieven. Die Interpreten dieses Songs waren Dave (Barker) & Ansel Collins die sich später auf den Weg nach Großbritannien machten, wo sich das Deejay/Keyboarder-Duo 1975 leider auflöste. In Jamaika unterdessen begannen sich Sound und Lyrics (Rastafarismus wurde immer mehr zum Thema) zu verändern, aus Ska und Rocksteady bildete sich eine neue Form von Reggae-Musik – Roots-Reggae. Trojan widmete sich nun auch verstärkt dem West Indie Markt und begann mit dem Aufbau junger jamaikanischer Nachwuchs-Acts wie Dennis Brown (a.k.a. „The Crown Prince Of Reggae“, u.a. für Amalgamated) Gregory Isaacs (a.k.a. „The Cool Ruler“, u.a. für Big) U-Roy und last but not least Bob Marley & the Wailers (zwischen `69 und `72 für Upsetter), die bis dahin in UK noch völlig unbekannt waren. In etwa zur gleichen Zeit unternahm Trojan einen weiteren Schritt in Richtung Marktkompatibilität und führte die für Populär-Musik zuständigen Labels `Trojan Horse` und `Green Door` ein. Während u.a. Judge Dread Greyhound oder Dandy Livingstone (a.k.a. Robert Tompson) in altbekannter Manier weiterhin in UK für Trojans Chartplatzierungen sorgte, richtete sich das Hauptaugenmerk des Labels immer mehr auf jamaikanische Artists. Dies hatte 1972 den Bruch zwischen Trojan und Island Records zur Folge – Chris Blackwells Label konzentrierte sich fortan deutlich auf den britischen Markt. Traurig aber wahr – in den folgenden zwei Jahren verblasste der trojanische Stern zusehends. 1974 noch einmal durch Ken Boothe`s Tunes „Everything I Own“ bis an die Spitze der Charts katapultiert, machten hingegen Lizenzstreitigkeiten und Missmanagement, bis hin zum finanziellen Bankrott unter der Führung Lee Gophals der Trojan-Ära ein unrühmliches Ende – 1975 lösten Beat & Commercial und Trojan ihre Verbindungen endgültig.

Noch im selben Jahr fand sich in Marcel Rodd und seiner Produktionsfirma `Allied / Saga` ein neuer Besitzer für Trojan. Immer noch im Boot: Webster Shrowder, der inzwischen als Geschäftsführer für Trojan agierte. Mit Linval Thompson und Sugar Minott veröffentlichte man ansehnliche Werke von bis zum heutigen Tage höchst respektierten Künstlern, so richtig konnte man aber nicht an die zurückliegenden güldenen Zeiten anknüpfen. Doch um es nicht schlechter zu reden, als es war: großartig, vor allem in finanzieller Hinsicht, waren einige Re-Issues älterer Trojan Klassiker, die unter der Führung Sagas Ende der 70er / Anfang der 80er veröffentlicht wurden. Sei es drum, der einstige Riese Trojan hatte weitere schlimme „Verletzungen“ erlitten, ein erneuter Besitzwechsel bahnte sich an und wurde schließlich 1985 besiegelt. Nun war es an Colin Newman und seiner Firma Newman & Company (Receiver Records), das etwas lädierte Trojan-Erbe anzutreten. Immerhin kümmerten sich in dieser Zeit Leute wie Steve Barrow und Chris Prete um den Fortlauf von traditionellen Wiederveröffentlichungen der bereits vorhandenen Schätze. Wichtiges historisches Material wurde dank dieser beiden Herren erneut auf CD und Vinyl gebannt, das Weiterbestehen des fantastischen trojanischen Soundkatalogs war somit sichergestellt. Nichtsdestotrotz ging auch diese Liaison zu Ende. Im Jahre 2001 wurde das Kapitel Trojan durch die Sanctuary Records Group Ltd. neu geschrieben. Seit fast vier Jahren glänzt das Label, welches klassische jamaikanische Klänge (Soul, Ska, Rocksteady, Reggae) salonfähiger machte, wie nur wenige andere, in neuem Licht. Und nicht nur das! Inzwischen ist eine alte Trojan-Tradition wieder aufgegriffen worden:
Sanctuary kümmerte sich im Herbst letzten Jahres um Zuwachs in der großen, fröhlichen Trojan -Familie und betreut nun auch die Labels `RAS / Real Authentic Sound` (gegründet 1980 durch
Gary „Dr.Dread“ Himelfarb , mit Sitz in Washington, 1996 Grammy für B.Wailers „A Tribute to Bob Marleys 50th Anniversary“) und `Creole` (Gründung in den frühen 70ern, u.a. Hits wie „Girlie, Girlie“ – und „OK Fred“ – Sophia GeorgeErrol Dunkley ), die zwar weiterhin auch eigenständig agieren, jedoch die Bandbreite von Trojan/Sanctuary maßgeblich erweitern werden. In diesem Sinne präsentieren Trojan und Sanctuary dieser Tage zwei Set Boxen á 50 Tunes („The Creole Reggae Box Set“ und „RAS Reggae Box Set“), die jeweils eine Übersicht der vielschichtigen Labelkataloge bieten sollen. Anhängern des guten alten Rocksteady und Soul bis hin zu den frühen Reggaeproduktionen sei an dieser Stelle zum einen die „Blessed Love – Jamaican Producers 1960–1969“ Compilation ans Herz gelegt, die mit Duke Reid, Coxsone Dodd , Sonia Pottinger, Joe Gibbs , Bunny Lee, Leslie Kong und Grammy-Gewinner Lee „Scratch“ Perry das unglaubliche Schaffen einer Produzentenriege – die bis heute ihresgleichen sucht – vereinigt. Zum anderen „Work Your Soul – Jamaican 60s & Northern 1966-74“, ein Album welches, durch Titel wie „Do It Right“ – The Three Tops oder „Never You Hurt“ – Laurel Aitken & The Soulmen jedem Trojan-Supporter Wasser in die Augen treiben dürfte. Man kann es drehen und wenden, wie man will – Trojan ist keineswegs totzukriegen, und das ist gut für uns alle. Denn wer – im Zeitalter der synthetischen Klänge und Retortenstars – weiß schon noch, wie sich Musik von echten Vollblutentertainern in Verbindung mit live eingespielten Instrumentalen anhört?

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