Bush Babees

Seit 1996 war es still um die Bush Babees. Mit ihrer Europa-Tour meldeten sich Mister Man, Kaos und Y-Tee nun wieder zurück. Der Auftakt für den im nächsten Jahr anstehenden Release eines neuen Albums.

rap.de: Seit dem letzten Album „Gravity“ ist eine lange Zeit vergangen. Woran lag das?
Mr. Man: Wie waren sehr beschäftigt. Wir haben Platten produziert, Songs geschrieben, wir hatten Gast-Appearances, sind auf Tour gewesen, haben Drehbücher geschrieben und Filmregie geführt. Wir haben eben andere Sachen gemacht. Wir haben nicht als Bush Babees Platten veröffentlicht, haben aber dennoch gearbeitet.
rap.de: Es gab also keine Probleme mit dem Label, so wie das bei anderen Künstlern der Fall war?
Mr. Man: Nicht wirklich. Wir konnten unsere Sachen sehr leicht veröffentlichen. Nur das Marketing und die Promotion-Maschinerie von Warner Brother war nicht das, was wir für unsere Platte brauchten. So haben wir uns entschieden, das Label zu verlassen. Sie haben uns gehen lassen. Danach haben wir independent gearbeitet. Wie ich schon sagte, haben wir produziert. Wir haben eine Produktionsfirma mit dem Namen Mastertrack Audio. Wir gehen ins Internet. Die Präsenz kommt im Januar. Wir produzieren für Beenie Man, Mos Def, Talib Kweli, De La Soul, Jermaine Dupri, eine Masse an Leuten. Das ist gut. Jeder Künstler hat Probleme mit seinem Label. Es ist nur die Frage, wie du mit diesen Problemen umgehst. Wir haben begriffen, dass unsere Musik sehr wichtig, stark und verschieden ist. In diesem Fall kann man sich nicht erlauben, missbraucht zu werden. Bei Warner wurde unsere Musik missbraucht. Es war an der Zeit zu gehen. Wir sind gegangen, jeder von uns hat darüber nachgedacht, was er tun möchte. Jetzt wissen wir es, und wir sind nicht in dieser Missbrauchs-Situation. Wir sind in der Lage, mehr zu teilen, bessere Musik zu machen und sie für jeden zu veröffentlichen.
rap.de: Also gab es nach „Gravity“ zunächst einen stärkeren Fokus auf das Geschehen hinter den Kulissen?
Mr. Man: Ja. Aber auch davor. Wir haben eine Menge mit Rawkus zusammengearbeitet. Wir hatten da eine Single draußen. Haben Mos Def und Kweli nicht nur produziert sondern auch bei einigen Songs mitgemacht.
rap.de: Kommt ein neues Album?
Y-Tee: Definitiv. Wir arbeiten gerade daran. Es wird in der ersten Hälfte 2004 herauskommen. Deswegen haben wir die Tour gemacht. Eben um uns in die Gedächtnisse der Leute zurückzubringen. In Deutschland haben wir mit Samy Deluxe und Afrob gearbeitet. Wir sind zurück, um das wieder aufzugreifen, was wir zurückgelassen haben. Es war ein guter Platz für die Tour, denn Deutschland steht sehr hinter HipHop. Wir wollten sicherstellen, alle Städte mitzunehmen, damit nach der Album-Veröffentlichung im nächsten Jahr der gleiche Support da ist.
rap.de: Wie fandet ihr Europa auf der Tour?
Mr. Man: Ich liebe es. Es ist beinahe so, dass ich sagen könnte, ich möchte hierher ziehen. Ich werde definitiv viel mehr Zeit hier verbringen. Mit einigen Künstlern zusammenarbeiten. Die Szenerie ist schön, die Leute sind ganz anders, die Kommunikation ist anders, die Sprache ist anders. Es ist interessant. Ich habe hier eine gute Zeit.
Y-Tee: Reggae ist hier ebenfalls groß. Ich fühle mich wie zu Hause. Überall bekommt man gute Musik, viele Reggae-Unterstützer und gutes Gras. Wie er schon sagte, haben wir darüber geredet, uns hier eine Wohnung zu nehmen.

rap.de: Wie sind Stimmung und Support im Vergleich zu den USA?
Mr. Man: Ich weiß nicht, ob ich das vergleichen kann. Wir haben in den USA seit Jahren keine Shows mehr gemacht. Wir haben die Zeit im Studio verbracht. Ich weiß aber, dass es hier eine Wertschätzung gibt, die in den USA nicht existiert. Dort gibt es so viele Künstler, ein Überschuss an HipHop und Rap-Music. Die Leute können den Wert der Musik, die wir haben, gar nicht schätzen. Hier können die Leute nicht genug davon bekommen. Es ist ein ganz anderes Level an Respekt da. Den gleichen Respekt, den das Publikum für mich als Künstler hat, den habe ich für das Publikum. Ich schätze das alles sehr.
rap.de: Kann es sein, dass US-Künstler in den 90ern Europa noch gar nicht wirklich als Markt erkannt haben? Schließlich waren ja Shows noch eher eine Seltenheit.
Y-Tee: Ich denke, in den 90ern gab es wenig Respekt von Seiten der Labels. Die Labels hatten keine Wertschätzung für die Gruppen. Sie dachten nicht, dass es finanziell Sinn machen würde. Sie gingen mit der Einstellung heran, die verkaufen nur 500 Tausend Platten, die sind es nicht wert, nach Europe auf Tour zu gehen. Das ist die falsche Mentalität. Wie schon gesagt. Deutschland hat auf HipHop gewartet, und niemand kam. Ich denke, das war eine Sache der Labels.
rap.de: Ihr seid stark durch jamaikanische Musik geprägt. Wo liegt da die Wurzel?
Y-Tee: Ich bin Jamaikaner. Ich bin nicht dort geboren, meine Familie stammt aber daher. Ich bin als kleines Kind nach Jamaika gezogen, bin mit 16 zurück nach Amerika gekommen. Für mich ist es ein Teil von mir. Es wird immer in unserer Musik sein. Mr. Mans Familie kommt auch von den West Indies, aus Trinidad. Es ist eben ein Teil von uns. HipHop und Reggae – es fing zusammen an.
rap.de: Werden diese Einflüsse auch auf dem neuen Album zu hören sein?
Y-Tee: Natürlich. Dieses Mal werden wir kontrollierter sein. Wir sind älter und schlauer geworden. Haben mehr Erfahrungen.
Mr. Man: Größer, stärker und schneller.
Y-Tee: Man wird aktuelle Reggae-Tunes auf dem Album hören. Alle Arten von Musik. HipHop und Reggae, Reggae und HipHop.

 

rap.de: Auf dem ersten Bush Babees Album gab es den Song „We Run Things“ mit der berühmten Hookline. (“It’s like this, it’s like that. We represent the hiphop an not the rap”) Wie denkt Ihr über HipHop heutzutage und diese allgegenwärtigen Stereotypen?
Mr. Man: Es kommt darauf an, wer der Pimp ist. In der Situation zwischen dir und einem Plattenlabel ist es nicht gut, sich verhuren zu müssen. Wenn du dein eigenes Plattenlabel hast und dich selbst zum Pimp machst, dann ist das gut. Ich bin nur ein Künstler. Ich schätze jeden Standpunkt, denn wir brauchen sie, um alles auszubalancieren. Wir brauchen Vielfalt. Man darf es nicht verbieten. Wir brauchen das. Wenn es keine Jiggy-Leute gäbe, bräuchte man auch nicht die Gegenbewegung. Wir brauchen beide Seiten, weil sie sich gegenseitig ausgleichen.

rap.de: Aber Elemente wie B-Boying und Graffiti sind heutzutage stark unterrepräsentiert.
Y-Tee: Ich denke, diese Elemente existieren, sie sind nur nicht im Mainstream. Tanzen war immer ein großer Teil von HipHop. Es verändert sich ein wenig. Die Leute nehmen, dank HipHop, Tanzen jetzt viel ernster. Vor 20 Jahren wollten viele Leute Tänzer werden. Was für ein Tänzer? Ein Stripper? Heute werden Tänzer viel stärker respektiert. Jennifer Lopez hat als Tänzerin angefangen. Puffy hat als Tänzer angefangen. Graffiti ist ebenfalls noch da. Die Graffiti-Künstler sind jetzt Architekten und haben Klamotten-Labels und verdienen Millionen Dollar. Der Punkt ist, HipHop entwickelt sich weiter, denn HipHop sind nur Leute. Ich denke, wenn wir weiterhin HipHop-Parties machen, Breakdance-Zirkel machen, dann werden die Kids reifer und machen weiter. HipHop ist ein Teil von uns allen. Wenn man seinen Teil beiträgt, braucht man sich keine Sorgen darüber machen, ob das jetzt zu jiggy ist. Mit der Zeit wird sich alles ausbalancieren.
rap.de: Werdet Ihr nach der Album-Release wieder auf Tour gehen?
Mr. Man: Sicher. Wir genießen es. Es ist Spaß. Wir werden bereits im Januar wieder in Berlin sein. Am 16. Januar in der X-Box-Lounge.

 

rap.de: Ihr sprecht über all die Sachen, die ihr seit eurem letzten Album gemacht habt. Wie wichtig sind diese Dinge für euch?
Y-Tee: Wir wollten immer Sachen machen, wo wir stark drin sind. Ich wollte schon immer Filme drehen, visueller sein. Ich glaube, so können wie HipHop besser und mehr Leuten zeigen. Mr. Man hat eine Dokumentation gedreht. Wenn die richtigen Leute, mit Wissen um HipHop, Filme machen, dann können Leute etwas lernen. Bilder sind wichtig, Fernsehen ist sehr stark, stärker als Radio heutzutage. Ich wollte dabei sein. Ich habe Drehbücher geschrieben, ein wenig geschauspielert, den Film „The Blues“ gedreht.
rap.de: Was sind die Pläne nach der Tour?
Mr. Man: Zurück ins Studio. Ich lebe da. Wenn wir nicht für uns eine Platte machen, dann machen wir die Platte eines anderen. Wenn nicht das, dann Musik für Videospiele, Werbung, Film. Ich bin Musiker, das ist alles, was ich tue.
Y-Tee: Die Zeit, wo uns niemand gesehen hat, waren wir beschäftigt. Wir haben das Label verlassen, sind durchs Leben gegangen, sind älter und schlauer geworden, haben Sachen gelernt. Mr. Man ist ein besserer Produzent, ich schreibe besser. Wir starten das jetzt unabhängig, allein. Wir haben größere Ressourcen und mehr Kraft. Wenn wir loslegen, dann werden wir alles überfluten. Wir machen das Schlag auf Schlag – jeden Tag. 2004 ist es wieder an der Zeit. Auf mastertruckaudio.com kann man alles sehen, was wir tun. Wir werden, wie gesagt, in Europa stärker agieren. Zusammen mit Samy und Afrob, Gentleman, Joy Denalane, all die Leute, die wir getroffen haben und mit denen wir in Kontakt stehen. Ich freue mich darauf.

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