Interview mit den Betty Ford Boys

Die Betty Ford Boys, das sind Dexter, Suff Daddy und Brenk Sinatra. Das Produzenten-Trio bezeichnet sich selbst als die erste deutsche HipHop-Producer-Supergroup – nicht ganz zu Unrecht, nebenbei. Nach ihrem ersten gemeinsamen Album „Leaders of the Brew School“ veröffentlichen sie nun ihr neues Album „Retox„. rap.de traf sich mit den Betty Ford Boys und führte ein erheiterndes Gespräch über ihr neues Album, Inspirationsquellen, getöpferte Penise und die Möglichkeit einer eigenen Oper.

rap.de: Im Produktionsprozess von „Retox“ habt ihr euch in einem Häuschen in der Pampa eingeschlossen. War’s schön? 

Suff DaddyOlski und Robert von MPM (Melting Pot Music – Anm. d. Verf.) waren dabei, Robert hat Fotos gemacht, Olski hat gekocht. Wir hatten also nichts zu tun außer Beats zu machen und haben dann in der Woche 35 Skizzen entworfen, die wir untereinander aufgeteilt haben. So konnte jeder dann seinen Batzen daheim in Ruhe ausproduzieren.

Dexter: Die Grundgerüste sind in dieser Woche entstanden. Waren sogar knapp 50 Dinger und auf der EP haben wir jetzt  20 Tracks daraus verwurschtelt.

rap.de: Braucht ihr jetzt erstmal Urlaub oder habt ihr schon wieder was neues in der Pipeline?

Suff Daddy: Urlaub brauchen wir nicht. Beats machen ist ja nicht anstrengend. Dexter arbeitet ja (Arzt im Praktikum – Anm. d. Verf.), da ist das Ganze eher eine Art Ausgleich für ihn. Aber ja, man freut sich darauf jetzt wieder eigene Projekte verfolgen zu können. Ich hatte jetzt die ganze Zeit irgendwelche Kollabos am laufen und will jetzt einfach wieder meinen Solo-Shit machen. Aber natürlich geht’s bei uns allen irgendwie gleich weiter. Außer Brenk, der hört auf.

Brenk Sinatra: Ja genau, ich spiel jetzt nur noch Ziehharmonika. Ab jetzt nur noch Ziehharmonika-Bau und Töpferkurse.

rap.de: Töpfern soll ja sehr entspannend sein.

Brenk Sinatra: Jaja, klar. Ich war bei Suffys Workshop in Amsterdam. Der hat da so getöpferte Penise gemacht, das hat mich sehr inspiriert.

rap.de: Was sind denn sonst so eure Inspirationsquellen?

Suff Daddy: YouTube (lacht). Nee, kann man schwer sagen. Alles was man so hört. Im positiven, aber auch im negativen. Man hört zum Beispiel einen Oli P.-Track und denkt sich: Boah, wie behindert ist das denn? Das ist dann quasi Anti-Inspiration.

Brenk Sinatra: Ach, das sagt er jetzt halt vor dir. Normalerweise feiert er Oli P. hart.

Suff Daddy: Stimmt. Ertappt. Die erste Single war Killer, aber was dann gekommen ist, naja.

Brenk Sinatra: Bei Samples zum Beispiel greifst dir einfach alles, was dir in dein Beuteschema passt. Ich höre gerade sehr viel Prog-Rock der 70er. Hab ich mir gerade wieder ziemlich viel neue Platten angeschafft. Aber im Prinzip, schnapp ich da alles was man Sampeln, bzw. zerhacken kann. Also inspiriert mich eigentlich alles. Auch schlechte Sachen, wie Suffy schon meinte.

Suff Daddy: Ganz kurz noch dazu: Auf dem letzten Album hat er unter anderem Dr. Alban geflipped. Am Anfang denkt man sich dann natürlich, was für eine Scheiße, aber am Ende kannst auch noch aus sowas was machen. Alles inspiriert.

rap.de: Vielleicht auch der hochprozentige Input. Deutet der Titel „Retox“ eigentlich an, dass ihr rückfällige Alkoholiker seid?

Brenk Sinatra: Ich denke, wir sind alle auf einem guten Weg zu entziehen. Wobei wir jetzt wieder Retoxen, also wir giften jetzt wieder. Aber danach werden wir wahrscheinlich wieder entgiften.

Suff Daddy: Ja, das letzte halbe Jahr war etwas ruhiger. Jetzt mit der ganzen Tour wirds wieder etwas härter.

Dexter: Wir müssen unserem Namen ja auch gerecht werden. Aber im Ernst: Reines Imageding.

rap.de: Trap-Einflüsse, derzeit sehr beliebt in Deutschland, sucht man auf „Retox“ freilich vergeblich. Fangt ihr damit nichts an?

Dexter: Also, dieses reine Trap-Ding finde ich jetzt nicht so geil. Es hat natürlich schon etwas, jetzt gerade von den einzelnen Elementen und der Geschwindigkeit her ist das schon interessant. Nutze ich selber eigentlich auch ganz gerne. Aber  ich kombinier das halt ganz anders, als man es jetzt von diesem Standard-Trap gewohnt ist. Ich bin da schon offen und mag die Rythmik. In der letzten Zeit hab ich auch Sachen gemacht, die in diese Richtung gehen. Aber dann halt kombiniert mit Samples oder discoideren Sachen. Das reine Trappige, hmm, ich glaub das wird irgendwann auch wieder uninteressant sein.

Brenk Sinatra: Discoidere Sachen. Sehr schön, Felix. Ein wirklich wunderschönes Wort.

rap.de: Ihr seid für eure geilen Live-Performance bekannt. Habt ihr euch für die aktuelle Tour irgendwas besonderes einfallen lassen?

Brenk Sinatra: Also in erster Linie mal zwei Schnaps-Breaks. Früher gabs immer nur einen Schnaps während unseren Shows, jetzt gibts zwei. Das ist eine der groben Veränderungen, die wir vorgenommen haben.

Suff Daddy: Daran merkt man einfach, bei uns läuft’s.

Brenk Sinatra: Ja, es läuft. Nein, es fliegt sogar. Und deswegen gibts zwei Schnaps-Runden.

rap.de: Nehmt ihr die Energie so einer Tour dann auch wieder mit ins Studio?

Suff Daddy: Ja, vollkommen richtig. Wir hätten zwar die Platte auch gemacht, wenn die Tour gefloppt wäre. Aber uns hat das einfach so viel Energie gegeben zu sehen, dass es so gut ankommt, wenn wir nur Beats spielen. Und egal, wie die Tour läuft, irgendwann machen wir halt ein drittes Album.

Brenk Sinatra: Und da wir schon so gut eingespielt sind, ist es auch live einfach ein größerer Genuss, wie wenn wir allein auftreten. Allein ist mehr ein Job, zu dritt ist es einfach nur Spass.

Dexter: Und beim Merch-Stand kann man dann auch Brenks getöpferte Penise kaufen. Ganz exklusiv.

rap.de: Wieviel kostet so ein gutes bzw. bestes Stück?

Brenk Sinatra: Je nachdem, wie lange Suffy dran gesessen hat. Ich vermarkte das nur. Ich manage seine Skills sozusagen.

Dexter: So zwischen 1.000 – 1.500 Euro.

rap.de: Wow. Sind die Dinger wenigstens auch sexuell stimulierend?

Brenk Sinatra: Alles aus eigener Hand. Richtig gut. Aber nee, sind leider nicht stimulierend. Eigentlich handelt es sich nur um Mikrofone.

rap.de: Wär es eigentlich für euch denn denkbar…

Brenk Sinatra: (unterbricht) Ein Musical zu machen? Natürlich! Wenn’s nach mir ginge, würde ich sofort auf die Musik scheißen und ein Musical machen. Das Bühnenbild steht auch schon. Darauf hätte ich richtig Bock, stimmt, gute Frage.

rap.de: Eher Drama oder Komödie?

Brenk Sinatra: Auch wieder eine gute Frage. Müssen wir erstmal überlegen. Ich glaub es sollte so ’ne Mischung aus „Cats“ und „König der Löwen“ werden. Das würde wahrscheinlich am besten passen.

rap.de: Mal überlegt, ein Producer-Album mit Rappern zu machen?

Brenk Sinatra: Wir sind ziemlich wählerisch bei Rappern. Deswegen wär das alles sehr schwer zu organisieren. Die ganzen Amis, auf die wir stehen, sind halt schwer zu getten am haven – oder halt sehr teuer. Und wenn man bei denen dann irgendwelche 16er kauft, sind die meistens nur lieblos hingeschissen.

Dexter: Das ist es ja. Wie das schon klingt: 16er kaufen.  Ich hab kein Bock, Rapper Geld dafür zu geben, dass sie mit mir Musik machen. Ich steh ja darauf wenn sich sowas einfach entwickelt, unverzwungen und auf freundschaftlicher Basis.

rap.de: Vielleicht habt ihr nach „Retox“ ja auch so viel Geld, dass ihr es schon aus Steuergründen in lieblose 16er von euren Lieblingsrappern investieren müsst. Wie sind denn so eure Erwartungen diesbezüglich?

Suff Daddy: Äh, ich hab eigentlich gar keine Erwartungen aber…

Brenk Sinatra: (unterbricht) Doppel Platin! Auf jeden Fall, wenn wir unter 500.000 Platten verkaufen, scheiß ich auf alles!

Suff Daddy: Stimmt, dann hörst du auf, hast du gesagt.

Brenk Sinatra: Richtig. Dexter setzt tiefer an, bei ihm sind’s nur 250.000.

Dexter: Ja, das reicht. Naja, ich erwarte bzw. erhoffe mir eigentlich, dass wir alle loskriegen (lacht). Sind nicht soviele die wir gepresst haben. Wir haben ja eigentlich ganz gut angefangen letztes Jahr und ich denke, da knüpfen wir an.

Suff Daddy: Und selbst wenn, ist uns das wurscht. Das ist ja nicht der Grund, warum wir das machen.

VÖ Datum: 2014-11-28
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