Masta Ace & Marco Polo im Interview: Diskriminierung, Eltern, Selbstverletzung und Musicals

Masta Ace rappt und Marco Polo baut die Beats. Das Ergebnis: Ein gemeinsames Album namens „A Breukelen Story“. Dafür trafen die beiden sich wieder und wieder in Marcos Wohnung in Breukelen. Über Skype beantworten sie unserer Redakteurin Krissi Kowsky ein paar Fragen zur Platte.

In dem Album geht es viel darum, dass du – Marco Polo – nach New York gezogen bist. Am Anfang und am Ende des Albums kommen deine Eltern diesbezüglich zu Wort. Sie äußern sich eher kritisch über deinen Umzug. Was hat das in dir ausgelöst? 

Marco Polo: Am Anfang waren meine Eltern zwar skeptisch, sie haben mich aber trotzdem extrem unterstützt. Meine Mutter ist da der eher aufgeschlossenere Part. Mein Vater hatte sicherlich Bedenken, die er vor mir niemals geäußert hat. Ich war so aufgeregt, dass ich bald in New York leben werde, dass mir egal war, was alle anderen darüber gedacht haben. Jetzt sind sie extrem stolz auf mich und ich finde es fantastisch, dass sie auf dem Album vorkommen!

Glaubst du, dass sie nun sogar stolzer auf dich sind, als wenn du auf die gehört hättest und in deiner Heimatstadt geblieben wärst? 

Marco Polo: Ich denke, dass sie sehr stolz auf mich sind. Wenn jemand gegen den Strom schwimmt und seine Träume verwirklicht, ist das etwas großartiges. Nicht jeder ist bereit, ein Risiko einzugehen und auf die innere Stimme zu hören, die einem sagt „Ich muss das tun, was ich liebe!“

Worum geht es in dem Track „Sunken Place“?

Masta Ace: Ich habe zu viel Nachrichten geschaut und mich zu sehr damit beschäftigt, was in der Welt los ist – hauptsächlich im Bereich der Politik und der Polizeigewalt in den Vereinigten Staaten. Ich hatte den Eindruck, dass People of Color in diesem Land ununterbrochen herabgewürdigt werden.

Was können sowohl Schwarze als auch Weiße deiner Meinung nach tun, um diesen Konflikt zu beenden? 

Masta Ace: Das ist eine schwierige Frage. Leider muss ich sagen, dass da die Verantwortung bei den weißen Menschen liegt. Es gibt so viele weiße Menschen, die die Unterdrückung und Ungerechtigkeit, welche People of Color widerfährt, sehen, aber nichts dagegen tun. Die Mehrheit schweigt. Sie beziehen keine Stellung. So lange das so bleibt, wird sich nichts verändern. Weiße sollten sich mit Schwarzen solidarisieren und Verantwortung für ihre Rolle in diesem Konflikt übernehmen. Wenn das geschieht, können wir über Veränderung sprechen.

Was hilft dir dabei, mit der Situation klarzukommen? 

Masta Ace: Ich lebe einfach mein Leben und äußere meine Meinung, wann immer ich kann. Außerdem versuche ich, meine Familie so weit es geht zu beschützen.

Kommen wir zum Beat. Marco, wolltest du bestimmten Emotionen in den Menschen aufkommen lassen, als du den Beat produziert hast? 

Marco Polo: Ich wollte nur, dass die Leute der Meinung sind, dass ich es nicht verkackt habe (lacht). Die Chance, Beats für das komplette Album einer Legende wie Ace zu produzieren, ist eine Aufgabe, die ich sehr ernst nehme, weshalb ich mit die beste Musik meines Lebens machen musste. Ich habe mich auf die Herausforderung gefreut und viel Spaß gehabt. Wenn man schonmal mit einem Künstler Musik gemacht hat, erwarten die Hörer und Hörerinnen einen gewissen Sound. Diese Erwartungshaltung musste ich erstmal aus meinem Gehirn verbannen und versuchen, einfach interessante Beats zu bauen, die Ace zum Texte schreiben inspirieren.

Könnt ihr mir diese Textpassage erklären?

Love us on the field and we loved on the real 
Love when we thugs and the drugs we conceal 
Love when we makin‘ people laugh, Key and Peele

Masta Ace: Es geht darum, dass die Gesellschaft Schwarze Menschen liebt, solange diese zum Beispiel erfolgreich an Sportveranstaltungen teilnehmen, lustige Rollen in Filmen spielen oder Drogen verkaufen.

Du möchtest also die Stereotypisierung von Schwarzen aufbrechen? 

Masta Ace: Ja, auf jeden Fall.

10 KOMMENTARE

        • Naja, vielleicht sollte man mal die Kirche im Dorf lassen und ihn nicht gleich als Rassisten betiteln, sondern vielmehr auf sein rassistisches Verhalten aufmerksam machen. Wie oft hat man sich selbst schon latent rassistisch verhalten, bis es einem wie Schuppen von den Augen gefallen ist, dass das eigene Verhalten nicht richtig ist? Die Weissen schnallen es halt oft nicht, besonders die Heteromänner. Ist lästig, aber doch lösungsorientierter, oder?

    • Dude, was ist rassistisch wenn man über Polizeigewalt gegenüber People of Color anspricht? Hast du eigene Erfahrungen, die dies widerlegen können? Ich kenne Frau Ramsey übrigens nicht, bevor du was sagst.

  1. Ich glaube diese Methode kommt zu 99% von einfältigen Leuten, die es nicht besser wissen, weil ihnen die Empathie dazu fehlt. Aber jeder kann sich ändern.

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