Interview mit Karmo Kaputto: RAF Camora, Autotune & Powerkiffen

 

Gutes Schlagwort: In einem deiner Songs äußerst du dich recht negativ über Autotune. Dein ganzer Style ist ja auch eher klassischer Straßenrap ohne die Einflüsse, die gerade angesagt sind. Ist das eine bewusste Entscheidung?

Erstmal habe ich eigentlich gar nichts gegen Autotune. Es kommt halt immer drauf an, wie du es einsetzt. Was ich gar nicht leiden kann, sind Leute, die nichts drauf haben, aber nen guten Produzenten haben, der ihr Gestammel irgendwie melodisch zusammenschneiden kann.

Es gibt aber auch richtig viele positive Beispiele, bei denen Autotune oder auch Trapbeats wirklich gut funktionieren. Dass ich es selbst nicht mache, liegt einfach an meiner eher klassischen HipHop-Sozialisierung, was aber nicht heißt, dass ich nicht hier und da mal ein bisschen rumprobieren werde. Aber alles zu seiner Zeit und alles immer noch in meinem eigenen Style. Ich werde jetzt sicher nicht nächste Woche mit einem Anglerhut rumtanzen und auf Autotune irgendetwas murmeln. Ich renn dem Markt nicht krampfhaft hinterher, nur um festzustellen, dass nach kurzer Zeit wieder irgend etwas Neues angesagt ist. Ich mach das, worauf ich Bock hab.

Um mal auf dein neues Album zu sprechen zu kommen: Mir ist aufgefallen, dass du hin und wieder ein bisschen ernstere Themen hast. Jetzt nicht super tiefgründige Texte, aber es geht mittlerweile nicht mehr nur noch ums kiffen. „Träumerei und Realness“ soll da einmal als Beispiel dienen.

Das Leben besteht halt nicht nur aus kiffen. Das Ding ist, dass witzige Punchlines und Gespitte mir am meisten Spaß machen und das auch am leichtesten von der Hand geht. Etwas nachdenklichere Themen fallen mir da schon schwerer und brauchen auch länger, gehören aber halt auch dazu. In meinen Texten schreib‘ ich auch drüber was grad so bei mir abgeht.

Zum Beispiel mein letztes Album „Tarakan“ ist inhaltlich nicht wahnsinnig anders als mein „Kakerlakentape“, muss es aber auch nicht sein. Manchmal läuft alles gut und man rappt nur übers Kiffen und disst witzig irgendwen und irgendwas, manchmal passiert dir irgendetwas in deinem Leben und du verarbeitest das in deinen Texten. Da warten auch noch einige ernstere Songs auf meinem Rechner.

Gut, dass du die Unterschiede zwischen deinem letzten „Tarakan“ und dem „Kakerlakentape“ erwähnst. Mir ist nämlich aufgefallen, dass du deutlich mehr Features auf deinem neuen Album hast als auf früheren Releases. Vor allem Provo ist da ein häufig vertretener Name.

Provo ist Los Kaputtos-Teammember, Alter. Der hat auch grad noch ne EP auf der hohen Kante. Wir kennen uns, seit wir dreizehn sind. Damals sind wir noch schön zur Tanke gefahren und haben versucht, Wodka zu kaufen (lacht). Provo hat sogar noch vor mir angefangen Tracks zu produzieren. Der hat einfach mies potential.

Aber auch mit anderen Kollegen wie Gera Berlin hab ich viel zusammengearbeitet. Gera ist noch nen paar mal vertreten. Mit dem hab ich in der Zeit ne Menge Musik gemacht. Da liegen noch nen paar unveröffentlichte Songs rum.

Karmo, wir nähern uns dem Ende. Hast du noch abschließende Worte?

Klingt zwar hart nach Moralapostel, aber egal: Fangt nicht zu früh an zu kiffen. Auch das muss gelernt sein und manche vertragen es besser als andere. Bleibt sauber, bleibt korrekt. Selbst wenn ihr Hartz IV kriegt, macht was draus. Nutz deine Zeit.

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