Pimpulsiv – Hepatitis P

Timi Hendrix und Skinny Shef, das sind Pimpulsiv aus Bielefeld. Zusammen mit DNP und Sudden bilden sie das Label Trailerpark, das im Internet ja zur Zeit einen kleinen Hype genießt und vor allem durch ihre in Interviews offensiv nach außen getragene, leicht infantile „Wer Drogen nimmt ist cool“-Mentalität stark polarisiert.
Okay, davon kann man jetzt halten was man will. Von dem neuen Pimpulsiv Album Hepatitis P werden aber sogar Skeptiker positiv überrascht sein, denn dies ist im Gegenteil ein richtig gutes und lustiges Werk – ganz ohne etwaige Peinlichkeiten.Auf diesem Album dominieren tatsächlich Ironie, provokante Lines und lustige Songkonzepte, statt der Tristesse und Ideenlosigkeit vieler Kollegen. Das ist endlich wieder Rap, abseits vom 0815 „Straße“, „Club“, „Liebeslied“ – Album. Aus dieser grauen Masse sticht Hepatitis P knallbunt heraus, prägt sich ein und bleibt hängen. Provokanter Spaßrap, der nicht nur gut gemeint, sondern auch gut gemacht ist und deshalb auch tatsächlich Spaß macht. Vor Allem durch die zum Mitgrölen animierenden Chöre in einigen Hooks, erinnert das dann in Art und Weise schon mal an die Speerspitze des deutschen Spaßraps, die Gruppe mit den drei Buchstaben. Ja dieser Vergleich ist stets unbeliebt und ungeliebt, aber den muss sich heutzutage wohl jeder Rapper, der etwas in diese Richtung macht, gefallen lassen. Ist ja auch schon fast so was wie ein Kompliment.

Fast alle Hooks auf dem Album, bleiben direkt im Kopf hängen, was ohne Zweifel für ihre hohe Qualität spricht. Zu nennen wären da vor allem „Fernsehkompatibel“,„Multimorbid“,… ach da kann man fast alle nennen. Außerdem kann man schon an ihnen erkennen, für welches Klientel diese Musik gemacht ist. Das ist nichts für Menschen, die bei Kerzenlicht mit einem Glas gutem Wein in der Hand in ihrem Schaukelstuhl sitzen, während sie dabei verträumt aus dem Fenster in die Ferne starren, um ein bisschen Musik zu hören. Kann man natürlich auch machen, wirkt aber durch einen Chorus wie: „Bühne frei! (Freitag Nacht)/ Prügelei! (Freitag Nacht)/ Flaschen auf! Massenrausch! Rastet aus! (Freitag Nacht)/ Anarchie! (Freitag Nacht)/ Paradies! (Freitag Nacht)/ Pausenlos blau und stoned! Hausverbot! (Freitag Nacht)“ reichlich absurd.
Nein, diese Lieder sind aufs Feiern und den Liveeinsatz zugeschnitten und für Menschen die eben feiern, lachen, durchdrehen, mitgrölen und pogen wollen.

Vollkommen abstrus sind dabei zum Großteil die Songthemen, aber allesamt sehr abwechslungsreich. Da doppelt sich nichts. Bis auf Ausnahmen sind sie zudem alles andere als langweilig und fangen dadurch den Hörer sofort ein.
In „Multimorbid“ diagnostizieren Pimpulsiv beispielsweise als drogensüchtige Hypochonder die Schäden ihres Konsums als Symptome von  Krankheiten, die dann natürlich auch wieder mit Medikamenten behandelt werden müssen. Auf „Fernsehkompatibel“ wird die eigene Verdummung durch das Mainstream Fernsehen gefeiert und auf „Ameisenhaufen“ werden zusammen mit den glänzend aufgelegten JAW und Morlokk Dilemma Tiere gequält: „Damals zu Hause am Ameisenhaufen/ nahm ich den Gartenschlauch und ließ sie zahlreich ersaufen./ Machte den Sandkasten zum Grab einer Taube./ Seit diesem Tag fehlt dem Kater ein Auge.“
Alle Texte sind mehr oder weniger geprägt von der Überzeichnung der eigenen Kaputtheit und der Kaputtheit der Umwelt, kombiniert mit einem ebenfalls überspitzten (Selbst-) Zerstörungstrieb.

Neben den genannten Features können auch Sudden, DNP und vor Allem aber Casper auf diesem Album überzeugen. Von den Gastbeiträgen von Meister Elch, Johnzen und Randale 5.000 bleibt allerdings nicht allzuviel hängen.
Genauso wie von den Schwachpunkten der CD. „Dispokredit“, in dem die beiden Protagonisten eine Bank überfallen. Das Thema ist ja nun mehr als ausgelutscht und Pimpulsiv fügen dem Ganzen auch nichts Neues hinzu. Zusammen mit dem unspektakulären Beat und der unspektakulären Hook, ist das dann so ein typisches 0815 Deutschrap-Lied, was schade ist und eigentlich gar nicht zu Pimpulsiv passt, da sie sich doch ansonsten sehr angenehm von der Masse abheben.
„Tokio Bordell“ hätte man sich auf dem Weg auch sparen können. Aber ansonsten gut. Sehr gut sogar. Sehr, sehr gut!

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