Azad – Assassin

Der Bozz ist back! War er überhaupt weg? Jedenfalls ist er wieder da und nachdem man das filmmusikartige Intro hinter sich gebracht hat, kommt mit “Bandog“ auch schon direkt der Block ins Wohnzimmer. “Das ist Knasthofmusik“ dröhnt es da aus den Boxen und wenn man sich den Track so anhört, bekommt man tatsächlich Lust sich sein Hemd vom Leib zu reißen und spontan ein paar Gewichte zu stemmen. Man könnte es auch gewohnte Azad Kost nennen.

Als nächstes wird “Guerilla“ aufgetischt. Hierfür hat sich Azad, nach dem gemeinsamen Track mit Kool G Rap, einen weiteren alten, großen Herren des Hip Hop in die Gesangskabine geladen, das vieldiskutierte Rakim Feature ist nun endlich auf diesem Album mit drauf und siehe da, der Altmeister macht seine Sache immer noch erstaunlich gut. Mit dem Titeltrack “Assassin“ wird dann auf dem dritten Track in Folge die Hood ausreichend repräsentiert, nur dass diesmal zusätzlich noch die Bozzmusiker von 439 ran dürfen. Trotz der aktuell eher ernüchternden Lage im Musikgeschäft, gibt es hier, die für Labletracks typischen Allmachtsfantasien und Übernahme Ansagen zu hören, weshalb man der Sache eine Gewisse unfreiwillige Komik nicht absprechen kann.

Leider passiert auf den folgenden Tracks nicht wirklich etwas neues, was auf den bisherigen Tracks nicht auch schon passiert wäre, weder inhaltlich noch musikalisch. Spätestens nach dem 8. Track weiß dann wirklich jeder, dass man mit dem Bozz der Bozze im "Rocky" Modus lieber nicht Löffelchen macht, da man sich ansonsten mit seinem "Stacheldraht" Flow auseinander setzten muss, bevor es zur endgültigen "Detonation" kommt.

Natürlich ist das kein richtiger Kritikpunkt, denn was wäre Rap ohne großspurige Ansagen und eine gesunde Portion Selbstüberschätzung, nur kommt es gerade im Rap darauf an, wie das Ganze umgesetzt wird und an der Umsetzung hapert es auf “Assassin“ ein bisschen.
Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass, das alles schon mal wesentlich hungriger, aggressiver und frischer geklungen hat.  Auch die “Klagelied“ betitelte Single kann an diesem Eindruck nichts ändern. Natürlich lässt sich über diesen Track streiten und einige finden sicher,  dass Azad dem Hörer einen ungemein tiefen Einblick in das eigene Gefühlschaos gewährt. Im Angesicht von Zeilen, wie, “ Sieh mein Herz ist gebrochen und ich weine im Schutt“ oder “Es ist kalt in den dunklen Zeiten/ Zeit vergeht aber innere Wunden bleiben.“, könnte man allerdings genauso gut behaupten, dass der Frankfurter einen neuen Tiefpunkt erreicht hat, was Pathos und das Zur-Schau-Stellen des eigenen Weltschmerzes  erreicht hat.
 
Weiterhin hält  “Assassin“ auf “Was Anderes“ noch eine gelungene Kollabo mit One Kollege Kool Savas bereit, Manuellsen darf sich an zwei Hooks vergreifen und auf “Actionmuzik“ kommen mit Jeyz und Hanybal noch einmal zwei Rapper aus dem Bozz Camp zum Einsatz, bevor dann auf "Armageddon" ein für alle mal klar gestellt wird, dass man sich beim sonntäglichen Spaziergang besser nicht in die Nordweststadt verlaufen sollte.

Auch wenn es nicht gleich Max Herre Beats oder Gentleman Features sein müssten, ein wenig Abwechslung hätte “Assassin“ sicher gut getan, den trotz der gewohnt souverän umgesetzten Block, Blut, Beton Thematik gibt es bestimmt auch in der Nordweststadt den ein oder anderen Tag im Jahr, an dem ausnahmsweise mal die Sonne scheint. Hoffentlich.

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