Fundkiste #14: Planemo – Autotune & Emotionen

Das Internet ist voller Schätze. Nicht selten stößt man auf einen wenig beachteten Rohdiamanten. Das Format „Fundkiste“ gibt eben jenen Juwelen die Möglichkeit, einem größeren Publikum vorgestellt zu werden. In unregelmäßigen Abständen werden handverlesene Künstler, Tapes oder Songs vorgestellt. Ob aktuell oder alt – Hauptsache dope.

Heute: Planemo

Wissenschaftlich betrachtet ist ein Planemo ein Planet, der aus seinem angestammten System herausgerissen wurde und einsam seine Runden durchs Weltall dreht. Raptechnisch betrachtet ist Planemo ein jünger Künstler aus dem Schwarzwald, der eine Runde nach Berlin gedreht hat und seitdem dort wohnt. Nach Neunfünf und Qriffin ist eben jener Planemo der nächste spannende Mcee und Producer aus der Nugod Cloud. „Es wird wohl eher keine Boombap-Songs von mir geben und wer kein Autotune mag wird bestimmt auch keinen Spaß an meiner Musik haben, aber das ist schon okay so“, sagt der Künstler selbst über seinen Sound.

Ich schreib‘ Songs für die gebrochenen Kids“, heißt es auf „Detailansicht“, dem Opener seiner „06:15“ EP. Das Leitmotiv, dass sich durch die Songs zieht, ist in der Tat eine gewisse Sehnsucht und Melancholie. Planemos Musik würdest du eher nicht im Club oder auf einer Homeparty spielen, dafür aber auf dem Heimweg oder am verkaterten nächsten Tag pumpen: „Ich mach wirklich gerne Musik zum Spaß, aber die wahre Kunst lag für mich immer darin, Sachen über die man eigentlich nicht gerne redet, in Songs zu verpacken“, sagt Planemo über seine Vorliebe für atmosphärische Musik. Geht es nicht gerade um die großen Emotionen, gibt es aber auch gerne mal direkt ins Gesicht: „Ich entleer das Magazin/ Man, die gottverdammten Sterne sind das Ziel“ („Levels„). Die Stimme klingt dabei teilweise bewusst brüchig und leidend, teilweise bewusst druckvoll. Vor allem auf den neueren Songs wechseln sich gerappte Parts mit gesungenen Autotune-Passagen ab, oder es entsteht ein undefinierbarer Hybrid aus langgezogen Wörtern, unkonventionellen Betonungen und verspulten Effektierungen.

Ein kreativen Push erhielt der Badenser durch seinen Umzug in Bundeshauptstadt: „Seitdem ich mein Equipment hier habe, hatte ich schon unzählige Sessions mit befreundeten Künstlern die hier wohnen. In Süddeutschland wäre das leider gar nicht so möglich, gewesen mit allen persönlich Musik zu machen. Meine Produktivität ist unheimlich angestiegen“.

Dass das Lila und Grün auch im Leben des Planemo keine zu kleine Rolle spielt, wurde jüngst auf dem Track „Den ganzen Tag“ samt Hugo Nameless-Feature unterstrichen: „Sie kann dieses Team noch nicht verstehen/ Einen Löffel von dem Lean in meinem Tee drin“. Statt das Thema aber auf dem x-ten austauschbaren Turn Up-Instrumental aufzugreifen, wird das Ganze auf einer smoothen Mantineo-Produktion getan. Generell hat man bei Planemo durchgehend das Gefühl, wie wichtig dem Protagonisten das komplette Soundbild und nicht nur der eigene Sechzehner ist.

Inspiration findet er dabei in nah wie fern gleichermaßen: „Ich bin von den üblichen Verdächtigen inspiriert – allem vorran natürlich von der ganzen Musik aus Toronto. Außerdem bin ich viel auf Soundcloud unterwegs oder lasse mich natürlich auch gerne von meinen Freunden inspirieren“. Neue Musik soll es im Juni in Form eines neuen Mixtapes geben. Abschließend sagt er einen Satz, den man leider zu selten aus den Müdern hiesiger Rappern hört: „Zur Zeit gibt es wieder unglaublich viele interessante Künstlern und es macht sehr viel Spaß, ein Teil von diesem Genre zu sein“.

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