phreQuincy – Ich Kann’s Mir Leisten

Lange haben wir auf dieses Album gewartet, denn der selbsternannte Perfektionist phreQuincy, war mit dem Ergebnis seiner Compilation irgendwie nie ganz zufrieden und so verschob er den Veröffentlichungstermin unzählige Male. Jetzt ist es endlich da, das Producermixtape „Ich Kann`s Mir Leisten“ und nun bleibt die Frage, ob sich dass lange Warten denn auch gelohnt hat?

Der Hamburger, der sich spätestens seit seinem Outro auf Eko Fresh`s Album „Ich Bin Jung Und Brauche Das Geld“ einen Namen machte, hat seither Beats für deutsche und internationale Rapgrößen wie LL Cool J, Olli Banjo, Azad, Samy Deluxe oder G-Unit produziert. Auch für sein eigenes Mixtape hat er nun viele dieser, aber auch unbekannte Künstler überzeugen können, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Wie erwartet ist hier für jeden was dabei. Kommen wir zuerst zu den altbekannten amerikanisch anmutenden Clubsongs. Überraschenderweise hat sich phreQuincy in „Wir Sind Im Haus“, gleich selbst als Rapper versucht. Zusammen mit Juvel und Josof gibt er auf einem tanzbaren, synthesizerlastigem Beat, gar keine so schlechte Figur ab. Dieses kurze, 12-Zeilige Intermezzo reicht aber auch aus, denn Quincy`s Qualitäten als “Beatbastler“ überragen dann doch. Manuellsen und Valezka überzeugen mit dem teils gesungenem, teils gerapptem „Wasser Reichen“, der auch durch das eingängige und detailreiche Instrumental zu einem echten Ohrwurm wird. In die Kategorie "R`n`B Partysongs" gehören ebenso der Track “Superstar“ von Jonesmann und „Ich Fühl Dich“ von Valentin Stilu, die beide das heißblütige Begehren einer Frau in den Mittelpunkt stellen. Zu diesen soften Songs gesellen sich dann “Battlebretter“ wie „G-Musik“ von Azad, der begleitet von einem harten Sound, zu seinen alten “Gangsterrapzeiten“ zurückfindet. Oder Olli Banjo`s „Click Das Game“, in dem er in üblicher Banjo-Manier mit interessanten Reimen um sich spittet.

Doch wer glaubt, dass es auf diesem Album bei oberflächigen Balz-, Club- und “Selbstbeweihräucherungstracks“ bleibt, hat sich geirrt. Juvel`s Zeile: „Der Text ist so simpel, so einfach, so plump, denn das ist nicht für die Uni, dass ist für den Club.“, trifft nämlich nicht auf alle Beiträge zu. Curse` „Mein Glaube“, „So Ein Tag“ von Blaze  oder der aktuelle Track „Jugend Von Heute“ von Phreaky Flave und dem Nachwuchstalent F.R., der das Heranwachsen problematisiert, geben dem Mixtape die nötige Tiefe und einen sozialkritischen Touch.

Und das war immer noch nicht alles an erwähnenswerten „Vorkommnissen“. Denn phreQuincy hat sich für sein Debüt noch mehr Highlights ins Boot geholt. Dazu zählen das kleine „Comeback“ von D-Flame der Flexx ein solides „Exklusivinterview“ gibt, oder Samy Deluxe der in „Krank In The Club“, die andere Seite der Medaille zeigt. Raptechnisch ist Samy hier zwar nicht in bester Form, aber „Krank“ ist thematisch gesehen einfach wichtig, denn hier wird auf humorvolle Art und Weise über Geschlechtskrankheiten aufgeklärt, die man sich von Diskobekannschaften einfangen kann. Dann wäre da noch der, meiner Meinung nach überragende Patrick Mit Absicht, der als „Macho Man“ einen äußerst amüsanten Track beisteuert. „Ich geb`s euch schwarz auf weiß, Freaks eure Zeit ist um. Nutella auf Toastbrot, Seal auf Heidi Klum.“ Mit gekonntem und gut verständlichem Doubeltime Flow lässt er neben den Freunden des Humors, auch das rationale Raptechnik-Herz höher schlagen und hat dazu noch einen wunderbaren Beat aufs Leib geschneidert bekommen. Auch Ali As glänzt mit dem Representer „Ich Bin Ein Rapper“. Am Ende beweist phreQuincy noch, dass seine Affinität zum Amerikanischen sich nicht nur in seinen Instrumentals, sondern auch in seiner Gästeliste widerspiegelt.Es gibt einen Hidden-Track, der unter anderem mit Rappern wie Young Buck von G-Unit oder  Bun B bestückt ist. Und als wäre das alles noch nicht genug, findet man dann auch noch 13 Instrumentals des jungen Producers, die sich allesamt durch hohe Soundqualität und Facettenreichtum auszeichnen.

Wer also sowohl  gerne etablierten Deutschrap hört, als auch einen Hang zu Ami-Sounds hat und dazu noch relativ unbekannten Rap-Hoffnungen gegenüber aufgeschlossen ist, sollte sich “Ich Kann`s Mir Leisten” unbedingt leisten. Durchweg sauber und bouncig produzierte Beats paaren sich hier, mit fast ausschließlich guten Musikern und unterschiedlichen Themen. Dazu wird phreQuincy seinem Ruf gerecht, sehr individuell und typgerecht mit einem Künstler zusammen zu arbeiten. Einzig die etwas nervigen Skits und das zusammenhangslose Intro von Bass Sultan Hengzt, hätte sich der Hamburger Aufsteiger sparen können.

Natürlich ist das Gesamtprodukt dennoch sehr empfehlenswert und hinterlässt sogar irgendwie den Eindruck, als hätte phreQuincy der deutschen Hip Hop-Szene mit diesem Mixtape ein bisschen internationalen Flair eingehaucht.

 

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