Boba Fettt – B-O-B-A, der letzte Kaiser..

Von Mixtapes halte ich persönlich nicht sonderlich viel, hoffentlich wird auch dies nur ein Trend der Zeit sein, der bald wieder in Vergessenheit gerät, denn nur selten sind sie wirklich gut. Wer allerdings die offizielle Lizenz des Mixtapeproduzierens erhalten sollte ist ein Herrr aus Berlin, der sich unter anderem bescheidene Namen wie der Herrscher der Welt, der Fürst der Finsternis oder auch der Herr des Lichts gibt, Herr Professor Doktor Fettt.

Seit 1989 ist er dem Rapspiel verfallen, vom Bunker über Edit Entertainment war er Gast einiger Berliner Indielabels, ist er nun bei Prinz Pis Label No Peanuts sesshaft geworden. Und auch hier legt der Professor gleich eines seiner Mixtapes nach. 2006 hat er gleich Teil I und II rausgehauen, nun ist endlich der dritte und auch letzte Teil der Mixtapetrilogie  erschienen. Beatperlen von Black Moon, The Beatnuts, Dr. Dre und Guru, um nur ein paar zu nennen, bilden die perfekte Untermalung zu Bobas unverkennbarem Rapstil und Texten, die durchaus kein Standard sind. Ganz und gar nicht einseitig ist das Themengebiet seiner Texte, ob Battle oder Inhalte, in jeder Disziplin glänzt der Professor. Der Missionar und Sozialpädagoge macht dich darauf aufmerksam, dass du dein Leben verschleierst und wegwirfst, wenn du täglich zur Bong greifst. Immer wieder wird der Hörer dazu aufgefordert Konventionen nicht einfach so hinzunehmen, sondern auch mal zu hinterfragen und zu reflektieren was um einen herum so geschieht. “Die meisten suchen ihr Glück und denken es kommt mit Geld und Huren, doch sollten sie es besser mal mit der Suche nach sich selbst versuchen.“ Auch das Abschmelzen der Polkappen bleibt hier nicht unerwähnt. Die Synapsen werden nicht überfordert, eine ausgewogene Mischung ist Bobas Geheimnis. Wenn real bedeutet kein Image zu haben, Raps zu schreiben die auf eigenen Erfahrungen basieren, dann ist Herr Fettt durchaus real. Besonders “No Love“, vielleicht kann man mir als Mitglied des weiblichen Geschlechts nun übermäßige Sentimentalität vorwerfen, dieser Track sollte jedoch jeden  beeindrucken, da er an Ehrlichkeit kaum zu übertreffen ist. Ein Track an all die braven Jungs gerichtet, die einfach kein Glück bei den Frauen haben, sicher keine Seltenheit, jedoch wird im Rap üblicherweise eher davon gesprochen wie viele Frauen man schon hatte, statt zu erwähnen, wie lange es schon her ist seit der Letzten. Sehr groß.

Erwähnenswert ist auch die erlesene Featureauswahl. Taktlo$$ auf “Die Letzten“ stellt hier sein Rapgenius wieder hervorragend zur Schau. Kursun, ein mir zuvor unbekannter türkischer MC, zerflext alles auf “Soh La La“, Justus beweist auf  “Legenden“ wieder einmal spielerisch seine technische Überlegenheit und auch K.I.Z. sind wieder in Höchstform. Ebenfalls erwähnenswert ist “Triumvirate“(RMX) mit Myka Nyne, Abstract Rude von der legendären Project Blowed und Fettts ehemaliger Edit Labelkollege Wakka, stehen nur einmal mehr für die allgemeine Qualität dieses Mixtapes. Norma Fraser’s "The First Cut Is The Deepest“ Reggae Klassiker lässt Boba fast vollständig durchlaufen “Der erste Schritt ins Herz ist der erste Schritt in eine neue Welt und sie ist nicht gerade freundlich…“.

Ein Geschenk für all die Hoffnungslosen, für Leute mit Lebensfragen und Leute die nach gutem Rap fragen.

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