V-Mann und Morlockk Dilemma – Hang zur Dramatik

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis sich V-Mann und Morlockk Dilemma für ein gemeinsames Projekt zusammentun würden. Die Berlin-Leipzig Verbindung entstand vor etwa eineinhalb Jahren, kam mit zwei Features auf den jeweiligen Solo-Alben der Protagonisten ins Rollen und bescherte uns eine LP, die ich jetzt im fünften Anlauf durchhöre, ohne einmal die Skiptaste gedrückt zu haben.

Ich kann mich kaum erinnern, dass das jemals bei einer Platte aus Deutschland vorher in meinem Player der Fall war. Was die beiden auf "Hang zur Dramatik" hinrotzen, sucht in Deutschland zweifelsohne vergeblich seinesgleichen. V-Mann und Dilemma vereinen Strasse, retrospektive Melancholie, Battle und Storytelling verpackt in schier unendlichen Metaphern. Der Knackpunkt dabei ist, dass die Raps völlig ungezwungen, ja fast schon freestyle like aus den beiden heraussprudeln. Markante Stimmen, Stakkatoraps, Triplerhymecombos ala MF Doom bündeln sich in einem Wortfeuer, dessen Splitter sich nachhaltig in das Hirn des Hörers bohren.
Klar ist es im ersten Moment nicht einfach den Worten der beiden zu folgen, aber nach genauem Hinhören eröffnet sich einem die Genialität von Tracks wie "WK8/ LSD" oder "Die Kids", das zusammen mit dem großartigen Damion Davis eingespielt wurde. In den meisten Liedern lässt sich der "Hang zur Dramatik" sehr gut nachvollziehen, folglich sollte man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Wer das doch tun will, wird hinter jeder Menge Sarkasmus und abgedrehten Songideen, hinter aberwitzigen Punchlines und Sprüchen durchaus Substanz finden. Leere Worthülsen sind nicht die Sache von Dilemma und V-Mann, radikale Sprüche und überspitzte Darstellungen aber sehr wohl.
Neben ihrem Hang zur Dramatik verbindet die beiden auch ein  sehr ähnlicher Flow. Manche Kritiker sprechen in diesem Zusammenhang von einem MC, mit unterschiedlichen Stimmen.
Für die Produktionen wurde durchweg auf Samples, die einen sehr dreckigen und morbiden Eindruck vermitteln, und sich anhören als stammten sie aus alten siebziger Jahre Ostblockwohnzimmern, zurückgegriffen. Dazu donnern dumpfe und druckvolle Drums und melodiöse Basslines durch die Boxen. Diese staubigen Loops, die ihren ganz eigenen Charme versprühen, bilden die perfekte Grundlage für V-Mann (aka Hiob) und Dilemma. Bemerkenswert auch, dass die Beats untereinander sehr harmonieren, obwohl unterschiedliche Produzenten am Werk waren. Wer dir Credits checkt, wird feststellen, dass neben V-Manns F’unkviertelkollegen Marcello noch Hyronimus (aka V-Mann) und Dilemma selbst zu Gange waren.
Zum Schluss noch einen Anspieltipp, der aufgrund hoher Punchlinequote, Reimtechnik und Killerbeat jeden Guten-Rap-Liebhabe rüberzeugen sollte. Checkt: "Das Land ist still". Basierend auf einem Sample einer ungarischen, deutsch singenden Chansonstimme. Da bleibt nur noch zu sagen: "…scheisse alter jetzt gehts los/ gib dir die bars und man findet dich in deinem bett leblos/ und das einzige was du noch von dir gibst is bräät ey yo."

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