Schulte – Dipsomanie

Dass dieses Album nicht wie jedes andere aus Berlin zu sein scheint, fällt bereits bei Betrachtung des Covers auf. Hier liegt die Hauptperson schlafend auf einer einer Parkbank, garniert von leeren Bierflaschen. Hier sieht man niemanden übertrieben cool oder drohend dastehen. Hier geht es nicht darum, der Härteste oder Realste zu sein. Nein, hier handelt es sich um Schultes Album  "Dipsomanie – Aus Dem Leben Eines Taugenichts", bei dem sich nahezu alles ums Bier dreht.  Eine Homage an den so heiss geliebten Gerstensaft und überhaupt alle alkoholhaltigen Getränke. Musik vom Saufatzen für die Saufatzen.

Schulte geht es mit Sicherheit nicht um das niveauvollste Album des Jahres, sondern vielmehr um bestmögliche Unterhaltung für Gleichgesinnte und diese Einstellung ist ja manchmal auch garnicht so fehl am Platz. Vom ersten bis zum letzten Track liefert er kompromisslose Saufmusik für die Parks und Bahnhöfe dieser Nation. Dabei gibt es sogar einige Songs, die sogar dem etwas gemässigteren Rapfan unweigerlich ein Lachen abgewinnen. Was kann man Titeln  wie "Volle Pulle", "Meine Parkbank", "Vollrausch" oder "Hebt Das Glas" noch hinzufügen?
Wer jetzt vermutet, ausser laut gegröhlten Ansagen, hätte Schulte nichts zu bieten, dem muss  widersprochen werden. "Nur Du" beispielsweise ist ein wunderbarer Liebesbeweis ans kühle Blonde und "Eine Zugfahrt Die Ist Lustig" macht, kurz und knapp gesagt, einfach nur Spass. Auch "Bier und Schnaps" zählt zu den Lichtblicken dieses Albums, die durchgängig mit der gewissen Portion Humor versehen sind.
Dagegen bietet zum Beispiel "Billigfusel" auch raptechnisch gesehen nicht mehr als ebendiesen und gelegentlich verrennen sich Schulte und Kollegen auch etwas zu sehr in endloses Saufgebrüll.

Dennoch ist ein anti-arrogantes Album dieser Art auf jeden Fall eine ganz witzige und willkommene Abwechslung zum verkrampften deutschen Rapalltag.  Schulte hat sein eigenes Thema und muss sich nicht um aktuellste Beef-Geschichten oder Representing-Ansagen kümmern. Hier rappt ein Vollblut-Trinker mit Energie und Originalität. Dass diese sich beim immer gleichen Thema aber spätestens nach 10 der 17 Tracks langsam erschöpft ist eben auch unumgänglich. Da liegt dann auch schon die ganz entscheidende Schwachstelle von "Dipsomanie". Ohne unterschiedliche Themen kann man die Abwechslung nicht besonders lang hochhalten, auch wenn der "Saufatze" das ganz gut beherrscht.

Für die gut geübten Bierkonsumenten sollte das aber kein grösseres Problem darstellen. "Dipsomanie – Aus Dem Leben Eines Taugenichts" wird sich mit Sicherheit auf jedem Saufgelage bewähren. Für diejenigen, deren Stärken in anderen Bereichen des Lebens liegen, gibt es trotzdem Witz und Spass en masse, auch wenn das über die gesamte Dauer eines Albums wohl manchmal etwas zu einseitig ist.

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