DJ Tomekk – The New Generation

DJ Tomekk, allein dieser Name hat in unserer Redaktion Diskussionen ausgelöst. Man könnte es so sagen: er ist in der HipHop-Szene nicht unumstritten, was aber nicht immer negativ sein muss. Bevor der DJ aber selber im nächsten Jahr ein neues Album auf den Markt bringt, hat er über sein Label Boogie Down Berlin sein neues Mixtape „DJ Tomekk presents The Next Generation“ veröffentlicht, in der Hoffnung, dass es unter dem Weihnachtsbaum landet. Das Anliegen dieses Projektes ist erst einmal ein gutes: er will zeigen, dass es neben Savas, sido oder Azad noch eine Vielzahl guter Rapper gibt: „Es ist beeindruckend, wie sich die deutsche HipHop-Szene in den letzten Jahren entwickelt hat … Ich habe selbst vor 15 Jahren im Untergrund angefangen und nicht vergessen, wo ich herkomme. Deshalb möchte ich jungen Künstlern hiermit die Chance geben zu zeigen, was sie drauf haben“. Damit sollte das Projekt genug erklärt sind, nun zu der Musik. DJ Tomekk hat selber nur zwei Tracks auf dem Album produziert, die von seiner neuen Nachwuchskünstlerin Yassmin. Die restlichen 18 Lieder sind alle in Eigenarbeit der Künstler, z.B. Chakuza, Sentino, Pat CashBeneluxus etc., entstanden.

Der ebenso umstrittene Sentino leitet diesen Sampler mit „European Gigolo“ ein. „Wenn ich sage, dass ich’n Ficker bin, dann heißt das nicht, dass ich ein Ficker bin, sondern dass ich ficke und ich gucke nicht ma hin“. Abgesehen von diesem nutzlosen Zitat am Anfang glänzt Sentino durch einen flüssigen Prolltext (natürlich mit Fler-Diss) und somit angenehmen Track. „In your arms“ ist anscheinend eins der Lieblings-Sample für HipHopper geworden. Nach einem unsäglichen Cover von Toxik & King Juelz auf ihrer letzten CD haben sich jetzt auch Smo und Yassmin diesem Lied angenommen. Viel besser gelungen ist es auf jeden Fall. Alles in allem ein solider Track mit solidem Rapper („Es kracht, als wäre es Savas“). Nach dem Ami-Verschnitt „Ass 2 me“ von Yassmin & D.Tell und dem RnB-Track „Rizzaus“ von Bintia folgt Chakuza und Bushidos Lied „Mein Game“. Der  Österreicher berichtet uns hier sein angstrengendes Leben im Gegensatz zu den anderen Pseudo-Rappern und wird dabei im Refrain von der gewohnt ruhigen Stimme von Bushido unterstützt: „Dein Game, ist einfach einen auf hart machen und warten, aber meines ist hart arbeiten und tagelang nicht schlafen“. Nach zwei eher oberflächlich-nachdenklichen Tracks von BeneluxusAuge des Tigers“ und „Ich habe nen Traum“ von Mnemonic und drei englischsprachigen Liedern, von denen nur das groovige „Paper gotta roll“ von Bazz & Leverne zu erwähnen ist,  kommt Deso Doggs „Liebe, Hass, Schmerz und Gewalt“ , das irgendwie bei mir hängen geblieben ist. Auf einen sehr tiefen Beat rappt Deso Dogg auf eine sehr martialische Weise, die mich überzeugt. „Die Ladung ist geballt, wenn es knallt“, das ist sie auf jeden Fall.  Nach einem weiteren nachdenklicheren, warnenden Straßenlyrik-Track von Asek, „Im Schatten des Lichts“ und dem anständigen „Die neue Generation“ von Pat Cash („Die Ladys schreien "Take me tonight" wie Alexander“) kommt „Zucka“ von Pain & Said. Mal von dem pseudo-erotischen Inhalt abgesehen handelt es sich hierbei um ein hörbares Lied mit schöner Melodie und gutem Flow. Den Rest der CD kann man fast vergessen. Das soulige "Was sie nicht weiß" von Amir T., Boese Zungen & Afro Hesse ist nervig, die Gesellschaftskritik "Überall Gunfight" von Mob.Inc langweilig, das prollige "Ok" von Siamak enttäuschend und Gregpipe’s Exclusive hat immerhin einen guten Pfeif-Beat.

Das ist also der Nachwuchs, den DJ Tomekk ins Rennen gegen die "Großen" schicken wollen. Potential ist sicherlich vorhanden, denn raptechnisch haben sie alle ihr Können, doch kaufen würde ich mir diese CD trotzdem nicht. Dazu ist das Ganze einfach noch zu durchschnittlich.

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