Abroo – Abroo steht ‚Zwischen Liebe und Hass‘

Abroo ist ein Rapper, wie er im Buche steht. Souverän, reflektiert und abgewogen. Kein aufgesetztes Gangstergehabe, kein gepose, kein ‚ich bin der Beste‘. Er steht für die pure Liebe zum Rap. Dass sein Weg nicht einfach war und dass er in seinem Leben viel Mist durchmachen musste, spiegelt sich in seinen Texten wieder. Abroo baut seine Lebenserfahrung immer mit ein, nicht um den Oberlehrer zu markieren, sondern damit man es besser macht und aus den Fehlern anderer lernt. Durch Abroos Reife kommt seine Scheibe komplett ohne Provokationen, die Beef verursachen könnten, und ohne rumgehate aus. Angenehm mal eine Diss-Freie Platte in den Händen zu halten.

Der Einstieg in das Album ist eine gesprochene Einladung in sein Leben und ein Stück seines Weges. Klingt ja schonmal ganz gut. Bei ‚Ruft meinen Namen‚ erhält man einen Einblick auf die Einflüsse des amerikanischen, auf den deutschen HipHop. Leider schwächelt das Feature, Snaga und Pillath, auf ‚Heavyweight Champions‚. Allerdings wird man durch ‚Komm schon‚ wieder in gute Laune gebracht: Der Track ist eine Hommage an die Eifersucht seiner Freundin. "Du glaubst ich vögele ’ne andere im Bett/ ich komm ständig nach Hause und meine Möbel sind weg" oder "Als ob ich nur am Poppen bin…klar…pss… ich wär so egoistisch ich trag beim Kondom die Noppen innen". Auf ‚Ihr seid alles‚ wird es wesentlich besinnlicher. Abgesehen von der gesanglich erstklassig untermalten Hook, gibt dieser Song einen noch tieferen Einblick in Abroos Innenleben, als ‚Oh Daddy‚, der an Ehrlichkeit wirklich kaum zu übertreffen ist. "Die Wahrheit ist gerade/ich steh jetzt über den Dingen" Eine letzte Abrechnung mit seinem Vater, dem er sagt, dass seine Tür zu ist und ein Versprechen an seine noch ungeborenen Kinder: ein besserer Vater zu sein. Mit dem Sean Price Feature hat er sich einen Jugendtraum erfüllt. Rapskillz und Beat verschmelzen auf ‚Oh mein Gott‚ zu einer akustischen Einheit. Bei den ersten Klängen von ‚Mach dein Geld‚ wird man endgültig aus tiefergehenden Gedankengängen herausgezogen. Es wird auf allen Ebenen durchgepumpt. Etwas dick aufgetragen von Vega, aber ein wie immer herrausragender Separate. Ansonsten geht es sehr motiviert nach Vorne. ‚Zurück‚, ‚Lasst uns Vorbei‘ und ‚Lass es regnen‚ schliessen sich dem härteren Sound an und reissen einen vom Hocker. ‚Wer hätte gedacht‚ ist ein gelungener Abschluss.

Die Beats auf dem Album sind so facettenreich wie Abroo und die vielen Produzenten mit denen er zusammen gearbeitet hat. Für die Instrumentals lassen sich Henski, Djorkaeff, Monroe, Benz, Shuko, Beatzarre, Yourz, Paradox, Benz, Cutheta und M-Crisis verantwortlichen. Sehr gute Arbeit geleistet Jungs, vom klassischen Klavier Pathos über Funk, Jazz und Gospel Samples, eingespielten Instrumenten, bis hin zu South-Side Tunes. Abwechslungsreich sind auch die Features. Besonders die Stimme von Soulice lässt einen neugierig werden, was sie zu sagen hat. Das Glück eines Sean Price Features, der die Bars nur so spittet, erwähnte ich bereits. Die Buckwheats Music Allstars müssen bei einer hauseigenen Produktion ja vertreten sein, sonst würde etwas fehlen. Separate und Paolo Magic, muss man nichts zu sagen, einwandfrei. Kobra lieferte auch einen konstruktiven Beitrag. CJ Taylor wird meiner Meinung nach überschätzt.

Ein vielseitiges Werk mit Humor und Tiefsinn. Man wird gut unterhalten und man hat viel zu lachen. Wer Abroos Rapflows bemängelt dem kommt er in ‚Denken und Sprechen‚ zuvor. "Kein perfekter Flow nicht, dass ihr den Fehler begeht/ich Rap hier extra so, dass es jeder versteht" Er hat viel zu erzählen und man entdeckt auch nach dem zehnten Mal hören etwas Neues. Wie er auch treffend bemerkte "Am Ende des Tages stehen wir alle zwischen Liebe und Hass", denn (Zitat:Flexis) "Liebe und Hass liegen so nah beieinander wie Mut und Angst, liegen so nah beieinander wie Herz und Verstand, liegen so nah beieinander wie Stark und Schwach, so wie Genie und Wahnsinn-Gegensätze ziehen sich an"!

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