F.R. – Mittelweg

Der MANN hat echt was zu sagen. Das war mein erster Eindruck, schon nach dem ersten Drittel der Platte. Und das hörte dann auch nicht mehr auf. 22 Tracks ist sein Angebot, für nur 80 Minuten uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Und die hat er sich wahrlich verdient. Er liefert uns Battle, Representer-Shit, Selbstreflexives, Storytelling, und und und, und alles ungeheuer souverän, glaubwürdig, abgeklärt und trotz der Zahlen in seinem Ausweis neiderweckend reif. Und das ist so erfrischend!

Er hat die ganz große Möglichkeit sich allen bekannten Genrekategorisierungen zu entziehen. Er ist zu weitsichtig für eindimensionalen Gangsta-Rap, zu vielseitig für schlichtweg hatenden Battle-Rap, zu uninteressiert für kurzweiligen Party-Rap und einfach zu Party, zu Gangsta und zu Battle für Backpacker-Rap. Außerdem ist er zu ehrlich, zu ehrlich für leicht zu konsumierenden Chart-Rap. Mit den richtigen Produzenten und dem richtigen Geld wäre mindestens ein monitärer Achtungserfolg drin, wie der von Eko mit seinen damaligen 16 Jahren! Er hält es aber bewusst unten, was ihn nur noch glaubwürdiger und hypenswerter macht.

Die textliche Bandbreite bedarf hiermit also keiner weiteren Erwähnung, außer: SIE IST GROß! Seine Technik ist sehr ausgefeilt und auf allen Tracks absolut souverän. Es lässt sich nirgendwo ein Schnitzer finden. Seine Stimme ist immer noch nicht ganz entwickelt und für den, der will, auf jeden Fall streitbar, aber wer sich davon abhalten lässt, diese Platte zu hören, ist einfach dumm. Die Stimme darf hier einfach nicht zum Argument werden! (zumal es einige gestandene Rapgrößen gibt, deren hohe Stimmchen in meinen Ohren wesentlich unangenehmer klingen)

Die Beats sind durch die Bank passend zu den Raps und gehen sehr nach vorne. Busys Mix und sein Mastering sind deutlich rauszuhören, denn klanglich gibt es hier da Parallelen zur "Sinnflut" von Curse. Der Sound ist trocken und straight und es fehlt manchmal einfach das letzte Quentchen Dicke. Aber das ist Busy-Sound und entweder es gefällt oder es gefällt nicht. Die Qualität der von Zwieback, CSP, Joe Rilla, Busy, Necrow und Brisk Fingaz produzierten Bretter lindert dies aber nicht.

Fazit: Replay

Wunsch: Beim nächsten Album mehr Varianz in den bpms.

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