The Rythm Club – Willkommen im Club

Vor nicht allzulanger Zeit konnte man sich in unserer rap.de-Allstars-Radioshow ja schon ein musikalisches Bild von der 5-köpfigen Crew rund um den letztjähriger Bundesvision Songcontestant Clueso machen. Der Erfurter Rythm Club, bestehend aus Norman Bates, Dirt M, Steer MC, DJ Malik und Peter Sellers aka Clueso heißt alle Besuchern nun ein weiteres Mal "Willkommen Im Club", jetzt aber in Albumformat. Mit Jiggy-Bounce is hier  nicht viel und, man mag es kaum glauben,… es geht auch ohne!

Wer den Erfurter Raum in der Vergangenheit aufgesucht hat, dürfte mit großer Sicherheit auf eine Gruppe namens Rowdy Club gestoßen sein. So betitelten sich die 5 Protagonisten auch noch auf ihrem 2002er "Rowdyclub"-Tape. So gesehen spricht die Liste der Künstler, die neber ihnen auf der Bühne Platz nahmen, schon Bände. Darunter finden sich DJ Vadim, Grand Agent, Blumentopf, Flowin Immo, Afu Ra und und und. Ein gutes Zeichen also.

Wie beginnt man am stilvollsten einen Clubabend? Zur guten Gepflogenheit zählt sicherlich ein herzliches "Willkommen", welches Peter Sellers in der Hook in Anlehnung an Ray Charles‘ "Hit The Road, Jack" herrausposaunt. Erstmal locker machen, könnte hier die Devise sein. Der "Dance Hit" fällt dann schon etwas pumpender aus, wobei ich immernoch am rätseln bin, ob Roman Flügel seinen Feedback-Bass nicht langsam mal vermisst? Experimentierfreude pur und das kommt zumal noch richtig gut rüber. Wer seinen Spaß an der 2Step-Welle hatte, wird bei "Erfurt City" auf seine Kosten kommen, leiht man sich hierfür doch einige Elemente, die für gewöhnlich eher die gängigen Sunship-Produktionen zieren durften.

Musikalische Vielfalt wird hier demnach schon mal groß geschrieben. Ansonsten hält man lyrisch den Spaßfaktor größtenteils weit oben, man ist ja auch im Club! Mit den Händen in der Luft, kreisenden Hüftenbewegungen und ausgelassenen Spungaktionen soll man demnach bei ,,Komm Runter (ft. Laas Unltd. & Rasputin)" aus der Reserve gelockt werden. Rasputin hat dann auch noch ein paar Richtlinien parat und spittet ,,mitte benehmen / es könnte beschissener gehen / fick das System / piss einen See / richtig gesehen / oben bleiben und Drogen meiden / bitte benehmen". ,,Ich Such Ne Party", ,,Bitte Bring Mich Um Den Schlaf" und ,,Abtaun" halten an der exzessiven Partystimmung fest. Bei Letzterem bringt es Dirt M passend auf den Punkt: ,,Ihr verliert die Kontrolle / wie gute Vorsätze / was ich Euch vorsetze / wie Säure ins Ohr ätze".

Natürlich gibt es auch einige introperspektive Songs, die sich mit mehr als nur dem Club beschäftigen. Leichte marxistische Ansätze findet man auf ,,Banken Aus Marmor", welches sozialkritisch mit der BRD in den Ring steigt und schön das Charakterbild des Landes umschreibt. Das ruhige ,,Ich Mach Musik", welches mit einer sehr starken Hook aufwartet und ,,Lass Los", das eine gehörige Portion positives Denken verbreitet, seien hierzu noch erwähnt.

Am Ende zeigen Stücke wie das futuristische ,,Medizin" und ,,Sonderfahrt", dass speziell dem musikalischem Background eine enorme Gewichtung zugesprochen wurde, die mit viel Liebe zum Detail und der vorhandenen Wärme in Deutschland nur selten zu finden sein dürfte. Das hilft auch dabei, über kleine Löcher im Skill-Repertoire von zwei der fünf Protagonisten hinweg zu sehen.

  

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