Handsome Boy Modeling School – White People

Nathaniel Merriweather und Chest Rockwell haben ihre Handsome Boy Modeling School ein zweites Mal geöffnet. Für all die, die das 1999er-Debüt So& How´s Your Girl verpasst haben, hinter Nathaniel und Chest stecken keine Geringeren als die beiden Produzenten Dan The Automator (Gorillaz) und Prince Paul (Stetsasonic, De La Soul).

Mit White People präsentieren die beiden nun die zweite Klasse ihrer Benimmschule, die wieder einmal interessante Gäste und durchaus ungewöhnliche Gastkombinationen auf einzelnen Songs aufbietet.So tummelt sich zum Beispiel Del Tha Funky Homosapien zusammen mit dem Reggae-Barden Barrington Levy und Alex Kapranos von Franz Ferdinand (!) auf dem Song The World´s Gone Mad. Und gerade auch, wenn man die erste Scheibe kennt oder mal bei den Gorillaz reingehört hat, das funktioniert!

Natürlich ist White People nicht einfach nur ein HipHop-Album. Es ist vollgepackt mit witzigen, skurrilen und bisweilen kitschigen Skitz und Soundschnipseln. Den Namen haben die beiden übrigens in der amerikanischen Sitcom Get A Life gefunden. Das ganze Projekt basiert also nicht unbedingt auf Ernsthaftigkeit, aber in Sachen Produktion haben die beiden natürlich ihrer Kreativität freien Lauf gelassen.Dan, der sich unter anderem mit der Produktion des Dr. Octagon-Albums in die erste Liga spielte, und Prince Paul, das Mastermind von Stetsasonic und in den Anfangstagen von De La Soul sind definitiv auf einer Wellenlänge. Das kann man nicht nur an der Größe des jeweils angeklebten Schnurrbartes festmachen, sondern auch an den einzelnen Stücken auf dieser LP.

Der rote Faden ist auf jeden Fall Rap, aber der Platz links und rechts des Genres wurde auch gnadenlos ausgenutzt. Und das eben nicht nur in der musikalischen Form sondern auch bei der Auswahl der Künstler. Nach dem schon obligatorischen Intro, in dem ein gewisser Father Guido Sarducci von den Vorzügen und dem Erfolg seiner Teilnahme an der Handsome Boy Modeling School berichtet, geht es mit If It Wasn´t For You gleich richtig gut los. Niemand Geringeres als De La Soul werden auf dem Track gefeaturet, und man meint, die alte Magie zwischen Paul und De La noch spüren zu können. Ein wenig kitschig, mit 50er-Jahre-Charme, kommt schnell wieder 3 Feet High & Rising-Gefühl auf. Auch Starchild Excalibur stimmt in den Track mit ein.

Die Reise geht weiter mit Highlights wie Are You Down With It mit dem Sänger Mike Patton, Rob Swift an den Decks und Cat Power im Background. Auch wenn euch einige der Namen wenig bekannt vorkommen, solltet ihr dieses Album unbedingt mal antesten.
Breakdown feat Jack Johnson, die Band, die der Rockband von Mos Def den Namen streitig macht  weil sie zuerst da waren  überzeugt ebenso wie die in der glamourösen HipHop-Welt selten gewordenen MCs Casual, auf It´s Like That, Lord Finesse, Rahzel, Grandwizzard Theodore und Jazzy Jay auf der genreübergreifenden Hymne Rock And Roll Part 2″ oder  jetzt aufgepasst  Dres von Black Sheep. Der Mann beweist mit First& And Then eindrucksvoll, dass er immer noch ein erstklassiger MC ist und völlig zu Unrecht so in der Versenkung verschwunden ist.

Auch RZA ist auf dem Album vertreten, zusammen mit der Hardcore-Legende Mars Volta und Altmeister AG auf A Day in the Life. Allerdings erreichen nicht alle Tracks das hohe Niveau, das die beiden extravaganten Produzenten mit dem ersten Album vorgelegt haben, aber für alle, die ein wenig mehr als nur gewöhnlichen Rap wollen, ist dieses Album absolut Pflicht. Für Fans sowieso. Eigentlich sollte sich jeder mal einen Aufenthalt in der Handsome Boy Modeling School gönnen. Da kann man möglicherweise noch was für´s Leben lernen. Viel Spaß dabei.

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