Gute Besserung, G-Hot, aber: Was hat das mit Rap zu tun? (Kommentar)

Am letzten Wochenende gab es wohl einen Angriff auf den (Ex?)Maskulin-Rapper G-Hot. Mehrere Angreifer attackierten den Berliner mit Schlägen und Messerstichen, als dieser auf seine Freundin vor einem Spätkauf wartete. Es braucht wohl kaum extra betont zu werden, dass es für so eine feige und sinnlose Aktion keinerlei Rechtfertigung gibt. Darum soll es hier aber nicht gehen. Sondern vielmehr um eine bemerkenswerte, ja, seltsame Erwartungshaltung, die uns als Rapmedium in so einem Fall von Teilen der User entgegengebracht wird.

Da fragen Rapfans uns via Twitter und anderen sozialen Medien, warum wir nicht über diesen abscheulichen Angriff berichten würden. Ganz im Ernst: Geht’s noch? Was hat es mit Rap zu tun, wenn ein Rapper völlig abseits seines Schaffens als Artist grundlos angegriffen und schwer verwundet wird? Warum sollte ein Rapmedium über so etwas berichten? Weil es die Sensationsgeilheit einiger User befriedigt? Weil es Klicks und Reichweite bringt? Nein, danke. Das überlassen wir gerne anderen, die dieses Spielchen besser draufhaben.

Auf rap.de geht es, wie der Name schon sagt, um Rap. Klar schließt das immer wieder auch Themen ein, die nicht direkt mit der Musik zu tun haben. Wenn Celo & Abdi ihre Fans auffordern, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen oder Kurdo einen genau gegenteiligen Aufruf startet, hat das eine politische Dimension, die auch unabhängig von der Musik interessant ist. Wenn Bass Sultan Hengzt ein Cover wählt, auf dem zwei Männer sich küssen, ist das mitsamt der nachfolgenden Diskussion etwas, an dem man sowohl Tendenzen innerhalb der Rapszene als auch in der Gesamtgesellschaft festmachen kann. Aber wenn ein junger Mann von anderen Männern ohne jeden Grund niedergestochen wird? Noch einmal: Was hat das mit Rap zu tun?

Mir ist bewusst, dass auch rap.de in der Vergangenheit nicht immer völlig richtig in solchen Fragen entschieden hat. Gerade zu Beginn 2014 wurde immer von uns über Dinge berichtet, die im Rap eigentlich nichts verloren haben. Hausbesuche, Konzerstürmungen, Gewaltandrohungen und Beschimpfungen im Internet. Aus diesen Fehlern haben wir aber gelernt. So findet bei uns eine Bildzeitungs-Meldung, laut der Bushido seine Frau geschlagen haben soll, ebenso wenig Erwähnung wie die Tatsache, dass sich die 187 Strassenbande auf dem Flohmarkt über einen Künstler von Banger Musik lustig macht. In letzterem Fall konnte man die möglichen Folgen von allzu reißerischer und sensationsgeiler Berichterstattung übrigens sehr gut sehen: Die Hamburger Straßenrapper löschten ihren witzig gemeinten Post nach einigen Stunden wieder, weil durch die völlig überzogene Berichterstattung gewisser Medien aus einem harmlosen, beiläufigen Scherz beinahe ein weiterer, unnötiger Beef geworden wäre.

Daran kann man sehen, dass Berichterstattung das Geschehen nicht nur abbildet, sondern zum Teil auch mitgestaltet. Und deshalb wünschen wir G-Hot alles Gute und eine möglichst rasche Genesung. Mögen die Täter bald gefasst und ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Aber bitte: Fragt uns nie wieder, warum wir nicht über so etwas berichten.

Edit: Einige aufgeweckte Zeitgenossen haben zu Recht angemerkt, dass wir durch diesen Kommentar natürlich doch irgendwie über die Sache berichten. Das ließ sich leider nicht vermeiden. Es war uns wichtig, gerade in diesem Fall deutlich Stellung zu beziehen. Der zeitliche Abstand zum Vorfall war bewusst relativ groß gewählt.

 

1 KOMMENTAR

  1. Euren neuen Anstrich in Ehren, finde ich es dennoch angemessen über so einen Vorfall wie den mit G-Hot zu berichten. Es kommt meiner Meinung nach viel mehr darauf an, wie man darüber berichtet. Ob man daraus jetzt eine Narrative spinnt und diese mit Spekulationen anreichert, wie BILD oder RU, oder tatsächlich einfach nur trocken die Fakten wiedergibt, um den Fans von G-Hot gerecht zu werden.

    Ohne den Teufel jetzt an die Wand zu malen, hätte er dabei auch so beeinträchtigt werden können, dass er nicht mehr rappen kann. Das würde man als Fan schon wissen wollen, denke ich mal.

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