Fler und das Pallas: Der Schöneberger Block

Fler hat sich für sein neues Album „Weil die Straße nicht vergisstdafür entschieden, statt der sonst bisher üblichen Porträtbilder ein Bild des Berliner Wohnblocks Pallas als Cover zu verwenden. Das Foto stammt von 2002, wie er auf Nachfrage gegenüber rap.de erklärt. Zu sehen an der Fassade: ein Fler-Bombing, direkt neben einem Schöneberg-Schriftzug. Es handelt sich dabei aber nicht um einen ganz normalen Wohnblock, wie er in jedem zweiten Gangsta-Rap-Video zu sehen ist, nein, das Pallas hat eine ganz eigene Stellung in der Berliner Rap-Geschichte.

Das Pallasseum wurde 1977 errichtet. Früher stand an dieser Stelle übrigens der Berliner Sportpalast, in dem Goebbels 1943 seine berühmte „Wollt ihr den totalen Krieg„-Rede hielt. Der Altbau wurde 1973 aber abgerissen. Zwischen der sozial gehobenen Hood um den Winterfeldplatz und  dem Rotlicht-Kiez an der Potsdamer Straße teilt das Pallas den Bezirk Schöneberg fortan in zwei komplett verschiedene Gegenden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Wohnanlage immer mehr zum Problemfall, Vandalismus und fehlende Sauberkeit taten ihr übriges zur Erlangung des Rufs als sozialer Brennpunktes.

Der Block war Ende der 90er Jahre so heruntergekommen, dass die Senatsverwaltung es sogar in Erwägung zog, ihn komplett abzureißen. Wenig später haben Fler, Bushido und die Kollegen von Aggro Berlin genau dort angefangen zu rappen, aufzunehmen und Videos zu drehen. Das Aggro Berlin-Büro war um die Ecke und bot den Tempelhof-Schönebergern Bushido und Fler die Möglichkeit, ihre Meilensteine „Carlo Cokxxx Nutten“ und „Vom Bordstein bis zur Skyline“ aufzunehmen und damit erst Berlin- und dann Deutschrap zu verändern.

Das Pallas und die Gegend drumherum sind heute immer noch eine einzigartige Umgebung. Das autonome Jugendzentrum Potse, der Straßenstrich Kurfürstenstraße, und der Schwulenkiez um den Nollendorfplatz sind wohl selbst innerhalb Berlins ganz spezielle, von außen nahezu unberührte Orte, die diesen Teil Schönebergs nach wie vor prägen. Viele Berliner Rapper haben hier begonnen und sind ihrer Hood auch treu geblieben. Alpa Gun und Big Baba drehen nach wie vor immer wieder Videos vor dem Block. Immer noch ist das Pallas eines der wichtigsten Symbole der Süd-West-Berliner Rapszene und wird deswegen auch gerne für Provokationen genutzt.

Schöneberg ist geil Pallas

Posted by Farid Bang on Donnerstag, 13. Juni 2013

 

Heute ist das Pallas nicht mehr ganz so Ghetto wie einst. Durch Quartiersmanagement und Anwohnerinitiativen wurden viele Wohnungen saniert, Kameras eingerichtet und für mehr Sicherheit gesorgt. Mittlerweile ist der Block eine beliebte Wohngegend, an der durchaus auch Besserverdienende interessiert sind. Passt insofern ganz gut – auch Fler hat inzwischen schließlich einen höheren Kontostand als 2002. Ob er mit diesem alten Pallas-Bild als Cover zu seinen Wurzeln und zum harten Berlin zurückzukehren möchte? Mit „Keiner kommt klar mit mir“ hat er das schon versucht. „Weil die Straße nicht vergisst“ scheint noch eine Spur tiefer in der Vergangenheit Westberlins zu graben.

VÖ Datum: 2015-06-19
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