Massiv ohne Schimpfwörter – so neu ist das gar nicht (Kommentar)

Mitte Februar gab Massiv bekannt, dass er auf seinem neuen Album „Ein Mann ein Wort 2“ auf Schimpfwörter verzichten werde. Es sei ein beispielloses Projekt: „das erste deutsche HipHop-Album“ dieser Art.

Sicher? Massiv ohne Beleidigungen gab es doch schon, vor allem als er bei Sony Music unter Vertrag stand. Damals erschienen die Alben „Ein Mann ein Wort“ (2008) und „Meine Zeit“ (2009). Auf diesen CDs versuchte es der gebürtige Pirmasenser mit tiefsinnigeren Texten. Wasim Taha, so sein richtiger Name, zählt zum Beispiel in „Weißt du wie es ist“ auf, wie fies das Leben sein kann – Vergewaltigung, Krebserkrankung oder Bürgerkrieg. Lieder, auf denen er ausfällig wird, sind die Ausnahme. Sogar auf dem Battle-Rap-Song „Ein Mann ein Wort“ wird er nur ein mal grob ausfallend: „Ich ficke Politiker/ degradiere jedes Bundesland„. Das war’s dann auch schon mit Ausdrücken.

Sony konnt aus seiner Gangsta-Rap-Hoffnung keinen deutschen 50 Cent formen: 2009 kam es zur Trennung. In einem Interview mit der Juice beklagte er, dass ihm zu dieser Zeit vorgegeben worden sei, wie er seine Texte zu schreiben habe. „Meine Musik ist härter als je zuvor. Ich lasse es auch nie wieder zu, dass mir irgendeiner was zu sagen hat, was meine Musik betrifft„, so Massiv weiter. Und auf seinen letzten zwei Alben „Blut gegen Blut 3“ (2013) und „M10“ (2014), veröffentlicht über sein eigenes Label Al Massiva, rappte er wieder aggressiv und ungehobelt.

Aber auch ohne von außen verpassten Maulkorb versuchte es der palästinensische Pfälzer schon mal mit dezenter Wortwahl. Die Rede ist von „Solange mein Herz schlägt“ (2012), ein weiteres Album ohne harte Verbalinjurien, dafür mit viel Melodie und Gesang: Es chartete mäßig, Top 20 der deutschen Album-Charts. Begleitend dazu erschien seine Biographie, die den gleichen Titel trägt – Top10 der Spiegel-Bestseller Charts.

Wieso der Musiker sich freiwillig nun für etwas entschieden hat, was ihm einst aufgezwungen wurde, bleibt bisher offen. Auch sein Entschluss aus freien Stücken, auf brachiale Sprache zu verzichten, wurde nicht von Erfolg gekrönt. Es bleibt abzuwarten, wie er seine feinfühligere Wortwahl für das kommende Album in den kommenden Interviews begründet. Seine Hörer dürfen gespannt sein, ob auf den Verzicht auf Beleidigungen ein neuer unverkennbarer Stil des Berliners folgt.

Eins aber ist sicher: Massiv ohne Schimpfwörter – so neu, wie man zunächst denken könnte, ist das nicht.

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