Bushido – Sonny Black (Review)

Ach, ist das schön. Bushido ist wieder Sonny Black. Die Lunge ist wieder voller Teer, der Blick feindselig, die Haltung auch. Wer damals das erste und einzig wahre „CCN“ und das Aggro-Solodebüt „Vom Bordstein bis zur Skyline“ voller Faszination gepumpt hat, der wird verstehen, welches Gefühl den Autor dieser Zeilen beim Hören von Bushidos neuem Album „Sonny Black“ beschleicht. Es ist eine Mischung aus Nostalgie und Zufriedenheit. Endlich wieder Staatsfeind. Endlich wieder Stinkefinger. Endlich wieder die arrogante und wütende Scheiß-auf-euch-alle-Attitüde. Herrlich.

Erinnern wir uns kurz an Bushidos letztes Album, oder an die letzten beiden Alben. „AMYF“ und „Jenseits von Gut und Böse“ hatten sicherlich ihre Qualitäten, waren in ihrer Wohlabgeschmecktheit und Ausgeglichenheit aber leider sehr fade, mittelprächtige Werke. Man hatte das Gefühl, dass es dem Protagonisten zu gut ging. Und so war es ja auch: Bambi, Talkshowauftritte, Auszeichnungen, öffentliche Auftritte mit Politikern – Bushido war vom Staatsfeind zum Popstar geworden. Im Herzen der Gesellschaft angekommen. Doch – der Schein trog. Die bürgerliche Gesellschaft wollte einen wie Bushido nie wirklich in ihrer Mitte haben. Ihn, den Ausländer, der besser Deutsch spricht als viele, die keinen Migrationshintergrund haben. Die heuchlerische Aufregung um den Integrationsbambi für Bushido brachte die allgemeine Haltung auf den Punkt: Klar bist du reich, aber mitspielen darfst du deshalb noch lange nicht.

Nun mag man es gesellschaftspolitisch bedauern, dass die Elite so einseitig und engstirnig in der Auswahl ihrer Mitglieder verfährt. Musikalisch und künstlerisch aber ist es ein Segen. Denn „Sonny Black“ lässt einen endlich wieder die Wut und den Elan spüren, den Bushido irgendwo zwischen „Electro Ghetto“ und Auftritt mit sido bei Markus Lanz verloren zu haben schien. Der erste Song des Albums heißt einfach „Fotzen“ und feuert breitstreuende Schüsse in alle möglichen Richtungen ab.

Ich bin hochkarätig, großes Ego, großer Penis
Es gibt kein Happy End, fick deine Existenz
Fick deine Baggy Pants
Und deine Missgeburten-Gang
Wenn ich komme, könnt ihr Wichser nur noch rennen

So und nicht anders will man Bushido hören. Das ist die Musik, um seine Hände trotzig in den Taschen zu vergraben und mit Ihr-könnt-mir-garnix-Haltung lässig die Straße entlangzuschlendern. Und diese Linie wird an keiner Stelle des Albums aufgeweicht. Es gibt keine Liebessongs, es gibt keine Themensongs, es gibt kein „Kopf hoch, Bruder„. Es gibt nur „Kopf runter, oder ich ficke dich, Bruder„. Und das ist in seiner ganzen Trotzigkeit, die man spätpubertär oder sonstwas schimpfen darf, einfach unglaublich unterthaltsam und kurzweilig. 

Dabei fällt es schwer, klare Höhepunkte auszumachen, zu homogen und schlüssig kommt das Album in seiner Gesamtheit rüber. Songtitel wie „Messerstecherei„, „Baseballschläger“ oder „Bleipatronen“ halten genau das, was sie versprechen. Die Featuresparts von Shindy sowie Kollegah und Farid Bang hätte man sich auch genauso gut sparen können, zumal die beiden letzteren doch deutlich unter ihren Möglichkeiten bleiben. Für den Gesamteindruck jedenfalls braucht es hier keine Gäste. Das an „Sonnenbankflavor“ erinnernde „Osama Flow“ treibt die Lust an der Provokation vielleicht am verdichtetsten auf die Spitze.

Samurai, Rambo 3
Nahost, Chaos
Landtag, Anschlag
Asylantrag

Und homogen sind auch die Beats auf „Sonny Black„, die zum Großteil vom Team Bushido, Shindy, Beatzarre und Djorkaeff gemeinsam nach der bewährten Formel „Keep it simple“ produziert wurden. Sprich: Harte Drums, ein einfaches, gerne leicht orientalisch-asiatisch angehauchtes Sample, fertig. Auch X-Plosive hält diese Linie auf „Tausend Gründe“ ein, DJ Desue und m3 brauchen ohnehin niemandem mehr zu beweisen, dass sie den Straßensound, den sie selbst entscheidend mitgeprägt haben, immer noch beherrschen.

Natürlich weiß man inzwischen, dass Bushido nicht am Block, sondern beim Elternabend chillt. Natürlich weiß man, dass er keine Mütter fickt, sondern selber Vater ist. Natürlich. Aber: Das stört keine Sau. Vielleicht nie zuvor war Gangsta-Rap so klar als ganz bewusst überspitzt vorgetragene Attitüde erkennbar, war jedem vernunftbegabten Menschen so eindeutig möglich zu verstehen, dass die Gewalt in den Texten keinen direkten Bezug zur Realität hat. Natürlich stecken echte Wut und Enttäuschung in den Zeilen, aber das heißt nicht, dass Y-Titty, Bruce Darnell, Prinz Marcus von Anhalt, Klaus Wowereit, Lena Meyer-Landruth, Heino, MC Fitti, Oliver Pocher, Olivia Jones, Rosenstolz, Samy Deluxe, Bastian Schweinsteiger, Die Orsons, Dieter Bohlen und wer eben sonst noch alles namentlich erwähnt wird, irgendetwas zu befürchten hätten.

Mit „Sonny Black“ kehrt Bushido glaubwürdiger denn je zu den Wurzeln seiner Kunst zurück. Im Gegensatz zu damals wird er damit keine neue Ära prägen. Aber allen, die diese Ära miterlebt, den Spaß an der Grenzüberschreitung gefühlt und die Lust an der rebellisch-provokativen Haltung geteilt haben, beschert er damit großes Vergnügen. Und wer nicht dabei war, wird nach diesem Album vielleicht eine Ahnung haben, warum der Name Bushido immer fallen wird, wenn es darum geht, wer Gangsta-Rap in Deutschland geprägt, meinetwegen auch erfunden hat.

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