DCVDNS – D.W.I.S (Album)

 

DCVDNS stellt so manchen Raphörer, der glaubt, Rap müsse per se eine bierernste Angelegenheit sein, vor arge Probleme. Das fängt mit seinem Namen an – mal steht er für Der Coole Von Der Neuen Schule, dann soll er zufällig durch willkürliches Drücken auf die Tastatur entstanden sein und neuerdings sind DCVDNS die Initialen seines Namens Dominik Christoph Von Der Nordsee stehen. Echt jetzt? Ja. Klar. 

„Jetzt kommen wir zu einem Jungen der einen echten  Scheißnamen hat“ , sagte folgerichtig Stefan Raab als DCVDNS im Mai bei TV Total zu Gast war – mit diesem Zitat fängt auch das Album an, jedoch nicht als „Intro“, sondern als „Intro vom Intro.“ Ein „Intro vom Intro“, das steht sinnbildlich für den verschachtelten Sinn für Humor, den DCVDNS auszeichnet und der ihn mühelos von allen anderen Rappern unterscheidbar macht. Dass sein Understatement nur eine vermeintlich freundliche Maske ist, hinter der sich ein eiskalter, gnadenloser Killer ist, will er uns nun mit seinem neuen Album „D.W.I.S.„, „Der Wolf im Schafspelz“ weismachen. DCVDNS gibt in provokantem Ton zu verstehen, dass er mit den zeitgenössischen Stilwerken des Raps nicht viel am Hut hat. „Dieses Album wird dein Bestes sein, bis mein nächstes erscheint, nicht ein einziger Drecksvergleich oder peinliche Hashtaglines, einfach keine Musik für die Unterschicht, denn die ist viel zu dumm für mich.“ Sozialpädagogen schlucken entsetzt, während die echte Unterschicht so etwas breit grinsend zur Kenntnis nehmen dürfte.

DCVDNS braucht in der Tat keine Vergleiche und schon gar keine Hashtaglines, sein Rap ist auch so gut. Sehr gut sogar. Davon kann auch die manchmal merkwürdig anmutende Rolle, die er sich ausgesucht hat, nicht ablenken. Spätestens nach „German Choppers“ dem ersten eigentlichen Albumsong nach den beiden Intros, muss man einsehen, dass sich DCVDNS raptechnisch vor keinem verstecken muss. Sein Doubletimeflow ist unglaublich gut –  beinahe  jedes Wort ist schon beim ersten Hören verständlich.  Auch Tamas, der auf dem Track einen Part hat rappt schnell und einwandfrei – der Track geht ein  bisschen länger als eineinhalb Minuten, die Bars würden anderen Rappern aber locker für drei Tracks reichen. Es folgt „Eigentlich wollte Nate Dogg die Hook singen“, der Song mit dem DCVDNS beim Bundesvision Song Contest den fünften Platz erreicht hat. Ein weiteres Beispiel für DCVDNS‘ subtilen Humor. Wie er es schafft, sich gleichzeitig über Westcoast-Klischees lustig zu machen, ohne dabei auch nur eine Sekunde lang den fälligen Respekt vor einer leider zu früh verstorbenen Legende zu verlieren – einfach groß.

Wo andere Rapper den Latinlover mimen, sagt DCVDNS ganz offen: „Ich sage nicht ich liebe dich.“  Mit diesem Song wird es DCVDNS schwer haben die Herzen der Frauen zu erobern. Dafür liefert er mit klarem Blick verblüffende Erkenntnisse, die man sich gleich mal notieren sollte. „Niemals trag ich deine vollen Taschen aus dem Edeka, wo wäre der Sinn, nehme ich sie wiegen sie nicht weniger“ Genau so sieht es doch mal aus. Wer seine Freundin möglichst schnell los werden will, muss sich nur ein Beispiel an DCVDNS nehmen – auch wenn er schließlich doch noch durchscheinen lässt, dass auch ein Wolf so etwas wie Gefühle haben kann: „Dass ich nie sage ich liebe dich, bedeutet nicht ich lieb dich nicht“.

DCVDNS lebt von seinen kreativen Ideen, seiner Ironie und davon, dass man irgendwie nicht genau weiß, welche Zeile er nun eigentlich wirklich ernst meint. Immer genau dann, wenn man glaubt, man habe verstanden, dass das nur ein Witz war, kommt der Saarländer mit einer neuen, überraschenden Wendung. Man wird einfach nie so ganz schlau aus ihm – das macht ihn so interessant. In die Karten schauen lässt er sich nicht. „Ich brauch dir meine Kunst nicht zu erklären, du bist zu dumm um sie zu lernen“,  so DCVDNS im Track „Atelier“, bei dem auf der Premium Edition MoTrip mit am Start ist.

Auch die anderen Features können sehen lassen, sind gut ausgewählt und enttäuschen auch nicht. Ob DCVDNS mit Celo und Abdi Drogendeals macht („Frankfurter Zoo“), mit Morlockk Dilemma die Deutschrapszene auseinander nimmt(„Wir reiten ein“), mit Genetikk fusioniert („D.C.V.D.N.A“) oder mit Tamas und Basstard Vaporizer raucht („Vapo“), es passt einfach und DCVDNS ist mit allen auf Augenhöhe.

 DCVDNS hat mit D.W.I.S. “ etwas geschaffen hat, dass es in dieser Form im Deutschrap noch nicht gibt. Weit schlüssiger als auf seinem Debüt „Brille“ ist hier das Wechselspiel von Ernst und Ironie. Alles erscheint einem so ausgeklügelt und durchdacht, und die Rapskills von DCVDNS kann niemand ernsthaft haten.  Und wenn ihn im „Outro“ eine Stimme sagt, dass er in ein zwei Featureparts entgegen der Ankündigung von DCVDNS Wie-Vergleiche entdeckt hat und DCVDNS darauf antwortet, „Ah das kann sein, die hab ich mir gar nicht bis zum Ende angehört“ , ist das einfach große Klasse und man ist bereits gespannt, was dieser sehr spezielle Künstler als nächstes vorhat.

 

 

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