Naughty Dog – Uncharted 3: Drake’s Deception

Man kennt das: da besichtigt man ein uraltes, verlassenes Schloss, geht in die Katakomben und findet einen Geheimeingang. Man folgt ihm und entdeckt einen Hinweis auf ein großes Geheimnis der Menschheit und schon wird man von einer Armee  viel zu großer Spinnen überrannt. Und während man gerade noch so vor ihnen entkommen kann, bemerkt man am Ausgang, dass das ganze Schloss in Flammen steht und Männer in schwarzen Anzügen das nicht als Anlass sehen, sich zu retten und einen selbst in Ruhe zu lassen, sondern lieber mit leichten, schweren und explosiven Waffen dafür sorgen, dass der Höllenritt noch höllischer wird als die Hölle höchstpersönlich. Und am Ende muss man noch aufpassen, nicht von einem Schlossturm erschlagen zu werden.

So zumindest kann man sich einen normalen Werktag von Nathan Drake vorstellen, der im dritten Teil der Uncharted-Reihe einmal mehr beweist, dass Alltag nicht langweilig sein muss. Nachdem der zweite Teil vor zwei Jahren seinen Vorgänger in jeglicher Hinsicht in die Schranken verwiesen hat, erwartet man natürlich viel vom Entwickler Naughty Dog. Ob sie ihrem guten Ruf gerecht werden, kann man ab sofort exklusiv auf der PS3 herausfinden.
 

Und wie kommt es zu diesem dritten Abenteuer? Nun, der Abenteurer und Protagonist der Serie Nathan Drake und sein ewig loyaler Mentor Victor „Sully“ Sullivan wollen in einem zwielichtigen Hinterzimmer einer schäbigen Bar einen silbernen Ring verkaufen, der dem legendären Sir Francis Drake gehört haben soll. Der Käufer zeigt sich äußerst interessiert, doch mit der Bezahlung scheint etwas nicht zu stimmen. Die Situation eskaliert, plötzlich wollen ein Dutzend Typen Nate und Sully den Kopf abreißen. Prügelnd verduften beide aus der Bar, doch da werden sie eiskalt von einem Lakaien der eigentlich am Ring interessierten Oberbösewichtin erschossen. Und das in den ersten zehn Minuten!
 
Natürlich endet das Spiel nicht an dieser Stelle, doch ich möchte nicht zu viel verraten. Uncharted 3 lebt einmal mehr von seiner spannend erzählten und inszenierten, wenn teilweise auch vorhersehbaren Handlung. Wie in den Filmen um Indiana Jones oder den Tomb Raider-Spielen wird im Laufe der Zeit ersichtlich, welcher Schatz von den Helden und Bösewichten gesucht wird. Doch bis Nathan Drake dort landet, müssen diverse Länder besucht, Geheimnisse gelüftet, Rätsel gelöst und Schurken verhauen werden. Uncharted 3 gestaltet dies alles sehr abwechslungsreich. Immer wieder wechseln sich Schusspassagen mit den Abenteuerpassagen ab, in denen man in erster Linie an allen möglich Dingen herum klettert, um Rätsel zu lösen, tiefer in eine Höhle zu gelangen oder aus den Situationen zu entkommen, in die sich Drake regelmäßig selbst bringt. Das Ganze funktioniert noch dynamischer als im zweiten Teil und ist besser in sich verzahnt. So gibt es Passagen, in denen man sich VERTIKALE Schussgefechte liefert, da man gerade an einem Turm hochklettert, die Gegner das aber nicht so gerne sehen. Ein schönes Storyhäppchen ist der Ausflug in Nates Kindheit innerhalb eines ganzen Kapitels, in dem er erstmals auf seinen Mentor Sully trifft. Wer den ersten und/oder zweiten Teil noch nicht gespielt hat, der sei unbesorgt: Vorwissen wird eigentlich nicht benötigt. Die Handlungen der Teile sind episodenhaft und bauen nicht aufeinander auf. Es tauchen zwar wiederkehrende Charaktere auf, aber die wurden in den vorherigen Teilen auch nicht anders eingeführt. Leider verpasst es Naughty Dog, Nebencharaktere näher zu beschreiben und ihnen ein tieferes Charakterprofil zu geben. So spannend und dynamisch die Handlung und der Spielverlauf auch sind, wie im oder sogar noch mehr als im zweiten Teil ist das Prinzip „Deus Ex Machina“ ein häufig verwendetes und selten verschleiertes Hilfsmittel des Spiels. Zu oft kann sich Nathan Drake auch schier tödlichen Situationen retten, zu oft fallen Säulen oder Trümmer genau so, dass er sich daran aus Gefahr klettern kann und zu oft kann er sich gerade noch so irgendwo festhalten. Und natürlich tauchen die Bösewichte immer da auf, wo man gerade ein Rätsel gelöst hat und problemlos aus der Rätselhöhle laufen könnte. Richtig absurd wird es in einer Mission in einem Flugzeug, aber mehr sollte ich dazu nicht sagen. Das Schöne am Spiel ist ja das erste Durchspielen und die unzähligen Momente, in denen man große Augen macht und sprachlos ist über das, was da gerade auf dem Bildschirm passiert. Und da verzeiht man gerne auch die praktischen Storywendungen. Was allerdings einen leichten blassen Nachgeschmack hinterlässt, ist das Ende, das vergleichsweise wenig furios und spielerisch ohne großen Knall ausfällt. Mal abgesehen davon, dass es ein bis zwei Kapitel zu früh kommt.
 
Im Übrigen funktioniert der Spielfluss so gut, dass man wie bei Metal Gear Solid 4 einen halben Film vor sich hat. Dabei lässt das Spiel dem Spieler allerdings überwiegend die Kontrolle über Nathan und passt die Steuerung an. So kann man in bestimmten Passagen nicht rennen oder andere auffällige Aktionen machen. Dadurch entsteht eine filmreife Singleplayerkampagne, die auch als Zuschauer interessant ist. Aber natürlich ist man lieber direkt am Controller. Die Steuerung funktioniert sehr gut. Nur selten passiert es, dass man falsch springt und in den Abgrund stürzt, die Nahkämpfe sind jetzt noch wichtiger und cineastischer. Natürlich darf man nicht vergessen, dass Uncharted 3 ein halber Shooter ist und auch wenn manche Passagen aufgesetzt wirken, zeigt es dennoch kaum Steuerungsschwächen. Man kann – für einen Konsolenshooter zumindest – präzise zielen und das Deckungssystem bildet durch Blindfeuer, Lehnen und Hinterhalte ein wichtiges Element im Kampf. Apropos Hinterhalte: Im Übrigen kann man bei vielen Kampfpassagen auch heimlich vorgehen und leise einzelne Gegner ausschalten, ohne, dass der Rest alarmiert wird. Die sind nämlich grundsätzlich in der Überzahl und keineswegs dumm, denn die KI flankiert, wirft Granaten und sucht Deckung. Oft befindet man sich im Nahkampf und darf sich an kleinen Quick Time Events austoben, besonders gegen die starken „Unmenschen“.
 
Wer nach dem Storymodus (in bis zu vier Schwierigkeitsgraden) immer noch Lust auf mehr hat, kann sich im Multiplayer austoben. Hier hat Naughty Dog noch mehr in Richtung führender Multiplayershooter geschaut und ein umfangreiches Tool zur Individualisierung des Charakters und seiner Ausrüstung kreiert. Oder eher der Charaktere, denn jeder Spieler hat einen „Helden-“ sowie „Schurken“charakter, die entsprechend in Teams aufgeteilt werden. Man kann dem eigenen Avatar einen Haufen Kleidungsgegenstände kaufen oder gleich ein Modell eines Storycharakters. Die ausgerüsteten Waffen sind modifizierbar und es gibt natürlich auch Perks und Abschussbelohnungen. Und mit diesen kann man sich in denen zahlreichen kompetitiven Modi austoben, die neben den typischen Vertretern auch einen Team-Dreikampf bieten. Wer nicht gegeneinander spielen möchte, kann auch die kooperativen Modi ausprobieren, in denen man in einer Art Survivalmodus Gegnerwellen beseitigt oder ganze Missionen mit  (seichter, aber immerhin vorhandener) Story absolviert. Für die kooperativen Modi hat man ein abgesondertes Ausrüstungssegment, da man wie im Singleplayer Waffen nur finden und nicht von Anfang an ausrüsten kann. Dafür kann man jede aufgehobene Waffe von Anfang an als verbesserte Version aufklauben, wenn man dieses Upgrade denn gekauft und eingeschaltet hat. In allen Multiplayermodi ist es übrigens sehr schön, dass man viele Möglichkeiten hat, herum zu klettern, wodurch sich die Karten viel dynamischer gestalten.

Aber was wäre ein Spiel, das sich wie ein Film spielt, ohne die entsprechende Grafik. Uncharted 3 ist zwar kein PC-Skyrim und macht auch keinen Grafiksprung wie sein(e) Vorgänger, aber trotzdem wurde die Engine verbessert und liefert noch schönere Bilder. Gerade bei den vielen exotischen Schauplätzen macht das verdammt viel her! Oft stand ich einfach nur da und habe die Kamera über die Umgebung geschwenkt. Dass die Hauptcharaktere wesentlich detaillierter sind als die NPCs am Wegesrand, ist ein kleiner Wermutstropfen, aber Naughty Dog hat sich meiner Meinung nach auf die wichtigsten Grafikaspekte konzentriert und aus der mittlerweile 5 Jahre alten Playstation 3 jede Menge Leistung herausgeholt.

Der Sound bewegt sich auf ähnlichem Niveau. Da in diesem Spiel besonders viel in die Luft fliegt oder auch ab- bzw. umstürzt, ist die Geräuschkulisse grandios, zum Glück auch in der Umsetzung. Der Soundtrack wurde einmal mehr von Greg Edmonson komponiert und liefert passende Abenteueratmosphäre. Besonders wichtig ist hier meiner Meinung nach aber die Sprachausgabe. Ich hatte eigentlich vor, dieses Mal die original englische zu benutzen – man hat ja die Wahl. Aber ich habe mich schon so sehr an die deutschen Sprecher von Nate und Sully gewöhnt, dass ich sie viel, viel lieber höre. Darunter leidet die Lippensynchronität, die englische funktioniert einwandfrei. Die Sprecher an sich sind jedoch jeden Zweifels erhaben und leisten exzellente Arbeit. Oft reden die Charaktere nicht nur in Zwischensequenzen, sondern bei jeder Gelegenheit. Gerade die Sticheleien zwischen Nate und Sully sind grandios. An dieser Stelle möchte ich noch kurz das kleine Notizbuch von Nathan Drake erwähnen, welches man sich auf jeden Fall genauer anschauen sollte.  Leider haut die Soundabmischung (zumindest in der deutschen Version) ab und zu nicht gut hin. Da  wird ein Sprachschnipsel gerne mal merklich lauter oder leiser abgespielt als es sollte. Das gilt zum Glück nicht für die Zwischensequenzen.

Uncharted 3: Drake’s Deception erfindet das Rad nicht neu und stellt auch keine Überraschung mehr dar. Jeder, der Uncharted 2 nicht mochte, wird das jetzt nicht anders sehen. Aber es ist eine in jeder Hinsicht konsequente und solide Fortsetzung einer grandiosen Spielereihe, von der ich mir noch viele weitere Teile wünsche. Der Charme von Nathan Drake liegt auf dem Niveau von Indiana Jones, James Bond und ähnlichen Weltenrettern da draußen – vielleicht sogar noch drüber. Auf jeden Fall ist sein Alltag aufregender als von den anderen beiden zusammen. Für den vierten Teil würde ich mir aber eine etwas längere Handlung wünschen.

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