Review: Azad – NXTLVL

Mit „NXTLVL“ erscheint ein neuer Markstein in der Vita der Deutschrap-Legende Azad. Vor seinem letzten Release „Leben II“ war es lange Zeit still gewesen um den „Bozz“ aus der Main-Metropole. Jetzt, nur knappe 18 Monate nach dem Erscheinen seines Comebacks, kommt Azad bereits mit dem nächsten vollwertigen Album um die Ecke und verkündet obendrein schon im Titel direkt ein „neues Level“ in seiner musikalischen Laufbahn – nicht ohne Grund.

Azad experimentiert auf seinem achten Soloalbum gewagter denn je mit neuen Sounds. Hierbei ist deutlich spürbar, dass die aktuellen Trends im internationalen, aber auch deutschen Rap bei Weitem nicht spurlos am Frankfurter vorbei gezogen sind: Zwischen wirr-penetranten Hi-Hats und Gewitter-artigen 808-Bässen wird, besonders in den Hooks der drei Feature-Parts von Sänger Calo, mit einer gehörigen Portion Autotune gearbeitet.

Im Gegensatz zu den letzten Veröffentlichungen bei Bozz Music sind auch die Vocals in den Strophen stellenweise in ihrem Gesamtumfang reduzierter und beinhalten nicht selten Relaps, was die deutliche Färbung des Albums durch Trap-Marotten unterstreicht. Die Ansage ist über alle 16 Tracks hinweg unmissverständlich: Auf dem „NeXT LeVeL“ wird die Vision verfolgt, Azads etablierten Style wuchtig auf ein zeitgerechtes Niveau zu hieven. Eher beiläufig wird dabei die restliche Trap-Szene, sozusagen als irrelevanter Kollateralschaden, vom Altmeister rasiert.

Azad vergisst hierbei jedoch keineswegs, wofür ihm die Community seit fast zwanzig Jahren Tribut zollt: Sowohl seine angenehm dominante Stimme, ihres Zeichens vielleicht wichtigstes Markenzeichen des Frankfurters, als auch der Flow, durch den er sie wieder und wieder zum Einsatz zu bringen weiß, sind exakt gleich geblieben und zum Glück keineswegs künstlich frisiert worden. Auch inhaltlich bleibt sich der „Bozz“ grundsätzlich treu: Harte Geschichten aus der Mainhatten-Downtown und ein untrennbar an Loyalität und Fairness gekoppeltes Wertesystem treffen auf den gewohnten Pathos der Frankfurter Straßen-Schule.

Vielleicht ist das der entscheidende Punkt: Eben weil er seine Attitüde alter Tage kategorisch beibehält, funktioniert „NXTLVL“ trotz des weitgehend neuen Soundbildes als vollwertiges und ansehnliches Album, dass guten Gewissens das Gütesiegel „Azad“ auf seinem Cover tragen darf, ohne sich dafür schämen zu müssen. Wer dem Oldschooler nun den Vorwurf unterbreiten will, er habe unkreativ aktuelle Trends kopiert, muss sich fairerweise eingestehen, dass Azad beispielsweise schon immer einen Faible und ein einzigartiges Gespür für melodiöse, teils gesungene Hooks hatte und dies keine aus modernen Schattierungen abgekupferte Neuerung seines Sounds ist.

Während der Trend in den aktuellen Releases anderer großer deutscher Rapper zunehmend auf der Ein-Produzenten-Theorie liegt, scheint die Faust des Nordwestens mehr denn je vom Mehrwert möglichst vieler verschiedener Beat-Architekten überzeugt zu sein: Ganze 18 (!) Produzenten haben Anteil an der musikalischen Rahmengestaltung von „NXTLVL“. Trotz der spürbar breiten Sound-Pluralität der unterschiedlichen Instrumentals entsteht im Gesamtbild dennoch ein roter Faden, der Azads Skills zu jedem Zeitpunkt gerecht wird und von einer hohen Klangreinheit zeugt.

Ob „NXTLVL“ ein richtungweisender Meilenstein für die Marschrichtung kommender Azad-Releases oder ein in sich geschlossenes Experiment des Deutschrap-Wegbereiters aus der Bankenstadt darstellt, wird die Zeit zeigen. Ein Hinweis auf zukünftige Projekte, die eher zu altbewährten Mustern zurückkehren könnten, könnte der ausgekoppelte Feature-Track „Endgegner“ mit Savas sein, der das Album abschließt: Hier gibt es wohlig vertraute Spitter-Kost vom feinsten.

Nxtlvl
  • Azad, Nxtlvl
  • Bozz Music (Groove Attack)
  • Audio CD

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