Review: Maxwell – Kohldampf

2014 hörte man Maxwell zum ersten Mal auf „High & Hungrig“ von Bonez und Gzuz. Nun drei Jahre inkl. einer Top Five-Platzierung plus Echo-Nomnierung („Obststand“ mit LX) und ein Feature auf einer Platin-Single („Ohne mein Team“) später, folgt sein Debüt-Album. Der Mercedes-Stern glitzert, die Grillz sitzen und die Rolex sagt, es ist Zeit für „Kohldampf“.

Ein Debüt-Album aus dem Windschatten von „Palmen aus Plastik“ heraus und als 187-Mitglied in die Läden zu bringen, legt die Messlatte der Erwartungen natürlich höher als bei anderen Newcomern. Hinzu kommen die erwähnten Erfolge – Maxwell ist nicht irgendein 0815-Newcomer, der jetzt mal sein Debüt droppt.

Der 187er lässt sich von diesem Druck aber offenbar nicht groß beeindrucken. Und überhaupt: „Nix war geplant, doch jetzt reißen wir ab“.

„Kohldampf“ ist oberflächlich betrachtet ein klassisches Eins-Acht-Siebööön-Release: Erneut war Jambeatz für fast alle Produktionen verantwortlich, lediglich „Es rollt“ wurde von Beataura produziert, und auch die Features kommen fast alle aus dem Familienkreis: Bonez MC, Gzuz, LX, Sa4, Raf Camora. Die Texte sind rau und provokant und die gutturale Stimme ist dauerheiser. Charakteristisch dafür beginnt auch das Album: „1. Kommt es anders, 2. Als man denkt / Alles was ich hab’, das verdank’ ich meinem Talent, meiner Bande, meiner Fam’ / Guck’ mein Konto ist nicht leer / Meine Olle hinterm Herd, denn die Fronten sind geklärt“ („Intro“)

Statt Einfalt ist hier aber Vielfalt Trumpf. Maxwells Gerichte schmecken keineswegs nur nach dem typischen schmutzigen Straßensmog Hamburgs. Natürlich bilden die kernigen und ruppigen Bretter wie „Fressen und Gefressen werden“, „Gezogen, Gezielt, Geschossen, Getroffen!“ oder „Gangzeichen“ einen großen Teil des Debüts. Das Salz in der Suppe sind aber die immer wieder auftauchenden lässigen Westcoast-Synthies. Das zeigen Songs wie „1ne Million“, „Alles war geplant“, „PLZ“ und „Neben der Spur“. Vor allem letzterer lässt einen mal eben lockereasy durch Hamburg cripwalken.

Zudem zeigt Maxwell mit den bereits vorab veröffentlichen Video-Singles inklusive Reitens auf einem Esel und Zeilen wie „Ich häng’ hier ab wie so ein Leguan“ einen herrlich unterhaltsamen Stumpfsinn. Die wahren Highlights auf dem Album sind aber „Es rollt“ mit einem schön dezent eingesetzten Tory Lanez in der Hook und „Stress mit mir“, das so stark in die gleiche Kerbe wie „Ohne mein Team“ schlägt, dass es schon fast unverschämt erscheint. Dennoch zündet das Konzept erneut.

Auf lange Sicht bleiben auch eher diese beiden Tracks und die klassischen 187-Tracks mit einem Gleichgewicht aus Härte und Humor im Kopf. Altbewährtes schlägt hier die Ausflüge in fremde Gefilde klar. Maxwell ist sich womöglich noch nicht so ganz im Klaren, wo seine Stärken liegen oder was sein Alleinstellungsmerkmal ist. Ist ja auch normal, dass man auf seinem Debüt noch einiges ausprobiert. Auch wenn nicht immer alles klappt – der Junge aus Hamburg-Hohenfelde hat mit „Kohldampf“ ein ausgesprochen stabiles Debüt an den Start gebracht, von dem man fünf bis sechs Songs problemlos in Dauerschleife pumpen kann. Satt ist er, um auf den Titel anzuspielen, jedenfalls noch lange nicht.

Maxwell feat. Raf Camora – Stress mit mir (prod. Jambeatz)

Wer will Stress mit Maxwell und Raf Camora?!

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