Konzertbericht: A$AP Rocky in Berlin

By Stefanie Richtsteiger
In NEWS
Jun 20th, 2012
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In Anbetracht der stattlichen Hysterie im Vorfeld – der Damentraube, die schon mittags vor Ort Spalier stand, um einen Blick (oder Fick) vom Pretty Mothafucka zu erhaschen, der restlos ausverkauften Tickets oder auch der Unmengen auf Hipster Swag hochglanzpolierten Fans, die vor der Venue noch verzweifelt nach einer letzten Eintrittskarte suchten – konnte man am Abend des 14. Juni die gar nicht mal so vage Vermutung äußern, dass sich an diesem Tag im Festsaal Kreuzberg Großes ereignen würde. Wenn nicht sogar eines derer Konzerte stattfände, die sich mit der Randnotiz 'legendär' in die Gedächtnisse der Rap-affinen Hauptstädter einbrennen.

Ein gewisser A$AP Rocky hatte sich in Begleitung seines illustren Purple Swagger Mobs aus Harlem für seinen allerersten und gleichzeitig einzigen Kurzbesuch in Deutschland angekündigt – und jeder, der den kometenhaften Aufstieg und Welteroberungsfeldzug des New Yorker Hipsterjungen mit dem dezidierten Down South-Flow so mitverfolgt, der weiß, dass bei diesem Milchbubi ein Auftrittsskandal den nächsten jagt. Zurecht konnte man also gespannt sein, ob sich die Codein-vernebelte Bande vielleicht auch in Berlin durch's Publikum prügeln wird, oder ob Rocky auch hier eine Uhr im Wert eines Kleinwagens verlieren werde.

21:30 Uhr. Noch nie war der Feststaal bei einer Rapveranstaltung so früh schon derart rappevoll – jedenfalls nicht in jüngerer Vergangenheit. Noch vor zehn Uhr legte Rockys Support Star Slinger, seines Zeichens britischer Produzent und DJ mit dem Phänotyp eines wohlgenährten Beat-Nerds mit kurioser Mobfrisur, eine lässige Demonstation seiner Skills aufs Parkett.

Eine gute Stunde später war es dann soweit – Lichter aus, alle Blicke elektrisiert und gespannt wie Bolle zur Bühne gerichtet: A$AP Rocky und irgendeiner aus der Always Strive And Prosper-Entourage enterten die Bühne (Wer Rockys Backup MC jetzt eigentlich genau war, das wusste keiner so recht, war aber auch ziemlich egal, da die ganzen A$AP-Jungs sowieso zum Verwechseln ähnlich klingen…)

Hüpfend schickten sich die jungen New Yorker an, den jubelnden Fanmassen in Berlin das Konzert ihres Lebens zu bieten – und wurden sogleich von Technikproblemen auf den unliebsamen Konzertboden der Tatsachen zurück geholt. Naja, alles kein Problem für den Pretty Flacko: mit einem spontanen Stage Dive ließ sich diese Panne und damit verbundene Showunterbrechnung schnell überspielen. A$AP kredenzte fortan in seiner vielleicht einstündigen Show einmal sämtliche Sahnehäubchen des Mixtapes, seien es "Peso", "Bass", "Wassup" oder "Goldie" vom im Herbst erscheinenden Debüt-Album "LongLiveA$AP" rauf und runter.

Der Pretty Flacko scheute zudem auch nie die direkte Interaktion mit dem begeisterten Publikum, in welches er entweder gleich komplett hineinsprang oder der ersten Reihe zumindest andauernd seine äußerst begehrte Hand zum Highfive darbot. So richtig was abliefern konnte der Pretty Mothafucka allerdings nicht, sei es dem miserablen Sound geschuldet oder daran, dass er gar nicht wirklich delivern musste – wurde er doch jetzt schon nur aufgrund seiner pysischen Präsenz wie ein ganz Großer gefeiert.

Den krönenden Abschluss für ein gutes Duzend Fans (beziehungsweise Groupies) bildete A$APs Aufforderung, auf die Bühne zu kommen und da weiter zu feiern – Happy End backstage inklusive. Ein merkwürdiges Schauspiel – diese sich anbiedernden Frauen, die sich eine nach der anderen vor hunderten von gaffenden Zuschauern mal ganz beherzt von irgendwelchen fremden Männern begrapschen ließen. Ein Anblick, der nicht wenige Besucher mit einer gehörigen Portion Fremdscham erfüllte und nach wenigen Minuten dieses Irrsinns dazu veranlasste, dann doch mal entnervt aus dem Konzertsaal zu verduften.

Alles in allem aber eine solide A$AP Rocky-Vorstellung, zudem beeindruckende Demonstration seines doch schon so fortgeschrittenen Rockstar-Statusses – das legendärste Konzert seines Lebens hat man jetzt mit Sicherheit nicht erfahren, aber Grund zum Meckern lieferte Rocky ebenfalls nicht wirklich. Und wenn dieser goldbegrillte Bubi sagt "Party like a cowboy or a rockstar // Tell that bitch, hop up on my dick, rolled up on her quick / In a six, told her suck the dick, motorboat her tits", dann hat man am 14. Juni in Berlin den empirischen Beweis erfahren, dass es sich bei dem gros seiner bizarren Tales aller Wahrscheinlichkeit nach wirklich um authentische Wiedergaben seines verrückten Rap-Star Alltags handelt…

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