Kool DJ GQ

Die Situation im Musikgeschäft hat sich in den letzten Jahren ebenso zum Negativen verändert wie die Lage in Deutschland. Die Zeiten sind härter geworden.
In der Politik geht es fast nur noch um Schulden und deren Tilgung in Form von Mehrwersteuererhöhung und auch im schnelllebigen Musikgeschäft spielen Verkaufszahlen und goldene Schallplatten die zentrale Rolle. Wer es wagt zu Träumen, findet sich rasch auf dem harten Boden der Realität wieder.

Dennoch gibt es immer noch Leute wie Kool DJ GQ. Dieser kam in den frühen Neunzigern zum Plattendrehen, rockt seither die Partys von Stuttgart über Frankfurt bis Köln, tourte mehrmals mit Curse durch die Republik und hat neben all dem ein Album produzieren. Und das ohne Budget, ohne Label, aber dafür mit einer Vision. Bevor sich diese Vision in der Realität beweisen musste, traf ich den DJ aus Wiesbaden im Frankfurter Club Unity, wo er immerhin Resident ist und stellte ihm die üblichen Fragen, die man so stellt, wenn der Release des Debutalbums bald ansteht…

„Obwohl ich ja schon vorher Vieles gemacht habe, hatten mich die Leute nicht auf dem Schirm. Mit „Birth of Kool“ soll sich das ändern. Ich trete aus dem Schatten in das Licht der Öffentlichkeit.“
Für diesen Schritt hat er sich jede Menge Zeit genommen. Drei Jahre hat es gedauert, bis das Album erschien. In dieser Zeit hat er mit fast der gesamten Deutschen Rap Elite gearbeitet. Dabei kontaktierte GQ alle Künstler selbst und zahlte- wie er betont, für keines der Features auch nur einen Cent.
Die Gästeliste, die von Savas über Grand Agent bis zu Dendemann reicht, führte zu ungewöhnlichen Kollabos. So hört man nun Tatwaffe, Harris, Bintia und Flipstar gemeinsam auf einem Track. Aber nicht nur mit den ungewöhnlichen Kollabos, die auf seinen Wunsch hin entstanden, hat der Wahl-Wiesbadener seine eigene Vision von künstlerischer Arbeit umgesetzt. So erhielt jeder Künstler keine Beat CD, sondern jeweils einen maßgeschneiderten Beat, der für ihn bestimmt war und der auch in den meisten Fällen gerne genutzt wurde.
Am Ende hatte Kool GQ sein komplettes Album alleine geplant, umgesetzt und er war auch nach den Aufnahmen war dann auch er der Einzige, der alle Tracks kannte.

Mit Alles Real fand GQ dann ein Label, das bereit war, das Album zu veröffentlichen und nach mehreren Nachpressungen dürfte man dort glücklich sein, einen Erfolg errungen zu haben, mit dem im Vorfeld so nicht zu rechnen war.

Zeitsprung. Nachdem sein Album seit 3 Wochen auf dem Markt erhältlich ist, treffe ich GQ abermals und führe mit ihm noch mal ein Gespräch, in dem es um Reviews, die Fans und nicht zuletzt Verkaufszahlen geht.
„Alles in Allem bin ich sehr zufrieden, die Künstler mögen die Platte und bis auf wenige Ausnahmen sind auch die Kritiken sehr positiv. Klar kann man nicht nur Lob für sein Produkt erhalten, es wird immer jemanden geben, der eben nicht ganz zufrieden ist, das ist normal“, erklärt er mir sichtlich zufrieden.
Sicherlich stellt sich bei dem vorher beschriebenen Artistroaster die Frage, ob die guten Verkaufszahlen der LP nicht auch damit zu tun haben könnten, dass unter den auf dem Album gefeatureten Künstler, durchaus der eine oder andere große Namen zu finden ist?
GQ sieht das anders. Er schreibt den Erfolg seiner LP – ganz bescheiden einer Symbiose aus dem Wirken aller Beteiligten zu:

Nur, die Beats auf CD wären ebenso langweilig, wie die Raps als Accapella. Ich sehe das realistisch: Die Leute kennen mich als Producer noch kaum. Wenn sie also ihren Lieblingskünstler auf der Platte hören und dazu noch ein paar andere Artists, die sie feiern, werden sie die CD mögen. Dennoch spielen die Beats eine große Rolle – auch wenn die Fans hinter meinem Album teilweise vielleicht weniger das Produceralbum sehen, aber das ist OK. Noch bin ich eben keine so krasse Identifikationsfigur.“

Obwohl die Platte durchaus als Visitenkarte verstanden werden kann, hat sich für den Producer und DJ seither die Welt nicht völlig verändert. Die Anzahl der Beatanfragen und DJ-Bookings ist nach dem Album noch nicht ins unermessliche gestiegen, aber dennoch geht es in der Karriere des Allroundkünstlers weiterhin Schritt für Schritt voran. Er ist mittlerweile nicht mehr nur der Tour DJ von Curse, sondern nach dieser LP eben auch ein selbst ständiger Solokünstler, der zunehmend bekannter wird.

Wie der nächste Schritt in seiner Producerkarriere aussehen wird, weiß GQ allerdings noch nicht genau.
„Ich bin kein Produzent, der am Tag seine 10 Beats macht, ich mache das wirklich nur wenn ich Lust drauf habe. Ich bin da sehr kritisch und es kann sein, dass ich einen Beat, den ich den Tag über geschraubt habe, am Abend wieder verwerfe und am nächsten morgen etwas völlig neues beginne.“

Natürlich wird er für seine kollegen vom Alles Real-Camp den einen oder anderen Beat schrauben, und man wird sich wahrscheinlich über GQ Produktionen auf den neuen Werken von Italo Rino und ebenso Germany freuen dürfen, und auch Stress und Trauma, so wie Curse könnten unter Umständen auf dem einen oder anderen GQ Instrumental zu hören sein, aber der Wahl Wiesbadener bleibt weiter seiner Linie treu und setzt Qualität weit über Quantität und so gibt er keine halbgaren Produktionen heraus.
Wer die Vielschichtigkeit der GQ Produktionen kennt, wird sich vielleicht wundern, dass der Produzent mit seinem Akai S3000XL, einem MAC Powerbook mit Logic Pro und einem Rohland Keyboard auskommt und über selbst sagt, das seine Arbeitsweise recht minimiert sei.
Live wird man GQ dieses Jahr an der Seite von Curse wohl auf dem Splash und auf dem HipHop Kemp antreffen können. Was danach kommt steht mehr oder weniger in den Sternen. „Ich plane da nicht groß, ich bin mehr spontan. Wenn’s passt kommt irgendwann ein neues Album mal sehen, welche Chancen sich bieten, es wäre aber toll, wenn nochmal alles so gut zusammen laufen würde…“

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