Interview mit Dexter: Wie nice sind die Haare, wie fly die Socken?

haare nice

Dexter ist nicht nur einer der unbestreitbar besten Produzenten des Landes – inzwischen rappt der gute Mann auch immer öfter. War er auf seinem letzten Album „Palmen und Freunde“ eher noch ein seltener Gast am eigenen Mic, so steht er bei seinem neuen Album „Haare nice, Socken fly“ viel mehr im Vordergrund. Grund genug, mit dem sympathischen Schwaben über seine Musik, Vibes, Styles und natürlich Haare (nice) und Socken (fly) zu sprechen.

Das Album heißt „Haare nice, Socken fly“. Wie bist du auf diesen genialen Titel gekommen?

Also, eigentlich steckt nicht viel dahinter, aber es fängt den Vibe vom Album am besten ein. Es geht ja schon viel um mich, was ich so mache tatäglich, also nichts besonderes (grinst). „Haare nice, Socken fly“ ist im Endeffekt auch so irrelevant oder ohne tieferen Hintergrund, und das ist wie das ganze Album in weiten Teilen ist, ich dachte, das passt einfach gut. Es kommt in vielen Liedern vor, diese Zeile, ich greife es immer wieder auf. Deshalb dachte ich, das ist eben der rote Faden, der sich so durchzieht. Viele Rapper sagen, sie haben geile Klamotten und tollen Schmuck an. Und die Musik auf „HNSF“ ist ja schon ein bisschen auf, ich will nicht sagen fancy, aber dieser L.A.-Lifestyle und „Ich fahr langsam in meinem Auto und habe meine Kette an“.

Drive slow, homie.

Genau, so diese Sachen. Also der Vibe von der Musik ist schon so. Ich wollte etwas, was ein bisschen… nicht albern, aber witzig gemeint ist, damit man nicht denkt, der macht jetzt diesen Sound – was ist jetzt mit dem los? Dieser „Palmen und Freunde“-Humor ist da auch ein bisschen mit drin. Alles ein bisschen unbeschwert, locker, sommerlich. Der läuft halt durch die Gegend und hat die Haare nice und die Socken fly. Klang irgendwie cool. Ich hab lang damit gehadert, ob ich’s mach. Irgendwann war fly dann Jugendwort des Jahres und ich dachte so, oh Gott, nee. Aber ich habe lange drüber nachgedacht, und fly ist einfach immer noch ein geiles Wort. Also hab ich gesagt, ich mach’s so.

„HNSF“ knüpft an „Palmen und Freunde“ an, aber du stehst dieses Mal noch mehr im Vordergrund. „PUF“ war ja mehr wie ein Sampler oder ein klassisches Producer-Album, wo der Produzent eben auch mal rappt. Dieses Mal trittst du als Rapper noch viel mehr in Erscheinung.

„Palmen und Freunde“ war ja auch mehr ein Sammelsurium aus Tracks, die mehr oder weniger zufällig entstanden sind, als die Leute bei mir waren und aufgenommen haben. Wo ich mich dann einfach eingeklinkt und gesagt habe, ich mach da jetzt mit. Einfach mehr so Session-Tracks, die für nix bestimmtes gedacht waren. Jetzt ist es so, dass ich echt Bock hatte, ein Rapalbum zu machen, richtig konsequent. Ich hab auch geguckt, dass ich nicht so viele Features habe, damit ich das live auch umsetzen kann. Ich wollte einfach mal eigene Tracks machen, ich hab einfach Bock. Viele Leute sagen mir immer, das ist ganz cool, du rappst gut, mach das. Das hat mir schon auch Motivation gegeben. Klar gibt’s auch viele die sagen, mach deine Beats und gut, aber die Reaktionen auf meine Rapperei waren eigentlich überwiegend positiv. Viele sagen, das ist amüsant, ich hör mir das gerne an, ich muss hier und da schmunzeln.

Schmunzeln ist gut, teilweise muss ich richtig laut lachen.

Das ist cool, und so ist es auch gemeint. Das zeigt, dass der Humor so verstanden wird, wie ich das meine und das es so rüberkommt, wie ich mir das vorstelle. Dass jeder weiß, eigentlich macht er ja mehr Beats, aber rappt eben jetzt, das hat mir ganz gut gefallen. In dieser Rolle seh ich mich ganz gern, hab immer die Ausrede, ich bin ja gar kein Rapper, was wollt ihr eigentlich? Jede Kritik prallt an mir ab. Meine Haare sind sowieso nice und die Socken sowieso fly. Was soll also passieren? (Gelächter) Deshalb bin ich an das Album anders rangegangen. Ich will das „Palmen und Freunde“-Feeling so ein bisschen transportieren – da waren die Beats ja auch anders, ein bisschen mehr Madlib-artige Sachen, auch schnellere Sachen. Dieses Mal wollte ich richtig einen auf Dom Kennedy machen: Alles slow. Alles muss sehr gemütlich sein und frei von irgendwelchem Pathos.

Gab es einen auslösenden Moment für den Entstehungsprozess?

Lustigerweise war ich in Stuttgart im Freund & Kupferstecher, und dort war Minthendo für den Sound zuständig, der Produzent von RIN. Der legt da oft auf und hat mir einmal so einen Beat vorgespielt, der ist mir so reingelaufen, also hab ich ihn gefragt, wie sieht’s aus, kann ich den haben? Und er so, ja klar, voll gerne. Also hab ich ihn noch bisschen ausproduziert und dann LGoony gefragt, ob er Bock hat, mit auf den Track zu kommen. Zu dem Zeitpunkt stand das noch gar nicht mit dem Album. Aber der Track war irgendwie geil, also dachte ich mir, okay, so irgendwie in die Richtung ist cool. Das war der Startschuss, da hab ich gesagt, jetzt hab ich wieder Bock. Das war vor etwa einem Dreivierteljahr.

Das erklärt, warum der Sound zeitgemäßer ist. „Palmen und Freunde“ klang ja schon noch knistriger.

Das stimmt, das Knistern ist ein bisschen verloren gegangen. Ich habe es beim Mischen auch versucht, das teilweise zu erhalten, aber das ist eben auch schwierig, wenn du das Sample voll drinlässt und dann noch die Subbässe dazukommen, das überschneidet sich manchmal so krass, dass du den Sample-Vibe nicht mehr so gut erhalten kannst. Wenn du willst, dass der Bass richtig reinknallt, dann nimmt er dir alle Energie und Frequenzen weg, weshalb du vom Sample gar nicht mehr so viel drin lassen kannst. Sonst klingt es wie ein riesiger Matsch. Deshalb dachte ich, okay, ich mach jetzt was ganz aufgeräumtes, halte die Drums simpel. Keine Sorge, der Dexter mit dem Knistern ist immer noch da, ich mach immer noch genug Beats, die so klingen. Aber das ist jetzt einfach der Film von diesem Album. Ich hab einfach zu viel Dom Kennedy gehört. Der hat seit „Palmen und Freunde“ ja wieder zwei Alben rausgebracht. Die sind alle für sich eigentlich völlig unspektakulär, du hörst dir das an und denkst, ja okay, wo ist jetzt der Hit?

So ein bisschen wie Curren$y-Mixtapes?

Ja, vielleicht sogar noch eine Spur unaufgeregter. In den Kommentaren steht auch immer, der rappt voll scheiße, warum wird der so gehypet? Der ist ja so ein Westcoast-Liebling, ist schon bisschen älter, alle kennen ihn, und er hat auch nur Frauen als Fans. Auf seinen Konzerten sind echt nur Frauen. Das ist so krass.

Vermutlich hat er auch die Haare nice.

Ja, der ist so ein schöner Nice Boy, einfach ein sympathischer Typ. Bei mir funktioniert viel über den Vibe. Ich weiß genau, dass er nicht der krasseste Rapper ist. Alles sehr simpel, auch die Vergleiche. Aber ja, in dem Film ist das Album.

Dein Dom Kennedy-Album.

Genau.

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