Fundkiste #13: Jonas Platin – Hook-Genie aus NRW

Jonas Platin

Das Internet ist voller Schätze. Nicht selten stößt man auf einen wenig beachteten Rohdiamanten. Das Format „Fundkiste“ gibt eben jenen Juwelen die Möglichkeit, einem größeren Publikum vorgestellt zu werden. In unregelmäßigen Abständen werden handverlesene Künstler, Tapes oder Songs vorgestellt. Ob aktuell oder alt – Hauptsache dope.

Heute: Jonas Platin

Bucket Hat, Ketten und trappen mit angewinkeltem Ellenbogen. Klar, klingt nach dem nächsten Kleinstadt Internet-Larry, der ein wenig zu viel Glo Up Dinero Gang gepumpt hat und jetzt auch mal einen Song mit diesem Autotune ins Netz gestellt. Im Grunde genommen ist es mit Jonas Platin sogar ähnlich, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass die Songs des gebürtigen Bad Oeynhauseners irgendwie anders sind – und er eigentlich aus einem anderen musikalischen Bereich kommt: „2012 hab ich angefangen EDM und House zu produzieren. Das ging dann bis Ende letzten Jahres, da hatte ich dann endgültig keinen Bock mehr auf die Szene weil da mittlerweile jeder jeden kopiert“. Lyrisch geht es zwar auch bei Jonas nur selten über den Turn Up-Horizont hinaus, aber irgendwie hat dieser Typ etwas. Nicht umsonst schlugen die 257ers ihn als nächstes Signing bei YSL Know Plugs GUDG vor.

Was der 18 Jährige am besten kann, liegt nach dem Hören von zwei oder drei Songs auf der Hand: Hooks und Melodien. Beispielhaft dafür soll der Song „Heroin stehen. Die gesamte Redaktion summte die Töne dieser schrecklich schönen Autotune-am-Maximum-Hook über Tage hinweg vor sich hin. Wie kann man auch nicht? Dieses Ein-Wort-Monster bohrt sich dank einer fein abgestimmten Mischung aus Trash-Oversdose und skurrilster Soundästhetik direkt in den Kopf.
Erste Remixe zum Song sind auch schon Online. Das Video zum Track tut sein übriges:

Genauso verhält es sich auch mit der exzellent effektierten Hook der Fastfood-Hmyne „Ich chill‘ den ganzen Tag bei Mc’s“. Jonas gibt ohne zu zögern zu, dass YSL Know Plug oder LGoony eine Art Vorbilder sind. Inspiration findet er aber auch anderswo: „Ich höre auch viel House, Trap und Future Bass-Zeug aus den Staaten, gerne auch ohne Rap“. Im Gegensatz zu den hervorragenden Refrains stechen die gerappten Parts teilweise nicht allzu sehr heraus. Zu oft verfällt Jonas Platin in Standard-Reimschemata: „Ich muss auf jeden Fall noch an meinem Rapstyle und an meinem Flow arbeiten. Den Leuten gefallen meine Hooks oft viel besser als die Parts“. Auf den neueren Songs sind jedoch deutliche Fortschritte zu erkennen.

So zum Beispiel bei „Veränderung“, dem Titeltrack der gleichnahmigen EP, die im April erschien. Das Pro-Trap und Anti-Standardrap-Plädoyer wird erneut von einer Hook garniert, die sich dank Melodie und perfekt eingestelltem Autotune sofort ins Ohr brennt. „Meistens spiele ich ein paar random Akkorde auf dem Piano und überlege mir nach dem ersten Loop eine Hook, die sich gut über die Tonarten bewegt und trotzdem nicht zu kompliziert ist“, sagt Jonas über seine Herangehensweise bei den Refrains.

2016 schoss Jonas mit „Trap to the Future“ und „Veränderung“ bereits zwei größtenteils selbst produzierte Mixtapes ins Netz, weitere sollen folgen: „Es werden noch ein oder zwei Mixtapes erscheinen. Ein paar Features und eine Kollabo-EP sind auch schon in der Planung“.

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