NRW (Der Neue Westen, Sam Kasam, Toxik & King Juelz) – Der neue HipHop-Westen

 

Der Westen ist im/am Kommen oder vielleicht ist er sogar schon angekommen? Auf jeden Fall gibt es mittlerweile viele Releases aus NRW, so auch in den letzten Wochen und Monaten. Diese Review wird sich mit drei dieser Release beschäftigen: Der Neue Westen -"Was weißt du vom Westen", Sam Kasam – "Die Chance meines Lebens", Toxik& King Juelz – "Pottproll".

Der Neue Westen-Was weißt du vom Westen

Was weißt du vom Westen, was weißt du vom Westen, nichts weißt du vom Westen“, schallt es gleich mal durch meine Kopfhörer und der Grundton des Albums ist erst einmal geklärt: Battle-Rap. Und, ja, ich weiß nicht viel vom Westen, aber ob ich jetzt nach dem Hören der CD mehr weiß, möchte ich bestreiten. Trotz allem sind Der Neue Westen sicherlich einigen Leuten ein Begriff: wegen der eindrucksvollen Performances auf der von Kool Savas präsentierten "Feuer über Deutschland/One on One Championsleague" Battle-DVD. Glänzten sie da noch durch kreative und knallharte Lyrics, reicht diese Freestyle-Lyrik der acht Rapper, Jesen, Millionadi, Micro, Flaze, Melsche da Monsta, Sam Kasam und Koree, leider nicht für ein komplettes Album. Freudige Ausnahmen auf diesem Battle-Rap-Album ist “Die Chance meines Lebens” von Sam Kasam, mit einem nachdenklichen Text und einem angenehm ruhig-klassischen Beat: “Und ich greif zu, zu der Chance meines Lebens, und mich befreit  nur der Zorn meiner Seele und ich beiß zu in einer trostlosen Gegend. Das ist die Chance meines Lebens”. Auch das etwas andere Frauen-Lied “Sie ist ne Bitch” sowie das groovige Düsseldorf-Liebeslied “Düsseldorfa” sind positive Ausnahmen. Die Crew hat sicherlich Potential, aber Texte wie bei “Der König der Welt” braucht diese Welt nicht mehr: “Mit mir ficken könnt ihr knicken … Ich bin ein Bild für die Götter, renne durch die Stadt und schreie: Fickt eure Mütter.” Danke, nein! Ich würde es mir wünschen, wenn man seine Texte mit mehr Inhalt anfüllen könnte als dieses  stillose Prolo-Gehabe. Denn, dass sie rappen können, haben sie beim Battle bewiesen und die Beats auf diesem Album sind zwar nichts besonderes, aber akzeptabel.

(3 von 7)

Sam Kasam – Die Chance meines Lebens

Bei diese CD handelt es sich zwar nur um eine EP, die aber immerhin fünf Lieder aufweist. Benannt nach dem schon erwähnt starken “Die Chance meines Lebens” sind außerdem noch so NRW-Battle-Lieder wie “NRW Rapmusik”, “Willkommen” oder “Lifestyle-Rap” auf dieser CD vetreten. Wie schon auf dem Album aufgefallen war, benutzt Sam Kasam angenehm ruhige Beats, die aber hier leider langweilig sind, und weniger harte Punchlines. Doch das, was "Chance des Lebens" angefangen hatte, wird auf dem Album nicht zu Ende gebracht: “Keiner von euch kriegt diesen Mistkerl gebändigt … ich geh bis an die Grenze mit meiner Westenfamilie, und werde in diesem Business noch zum Besserverdiener…ich mag diesen Savas, doch plan noch bessere Tage.” Wenn er sich da mal nicht zuviel vorgenommen hat.

(3 von 7)

Toxik & King Juelz – Pottproll -Facts of Life

Highlight Entertainment proudly presents ihr estes Release, die Ruhrpott-Prolls Toxik & King Juelz. Sollen wir ihnen dafür dankbar sein? Denn auch dieses Album zeichnet sich durchgängig durch harte Battle-Texte mit Gangster-Gehabe aus. Aber Zeilen wie “Wenn ich rap, represent ich den Pott, wenn einer besser ist, dann ist es Gott” sind deutlich zu hochgegriffen. Zwischen dem nur nervigen Gast-Gelabere von Ami-Künstlern befinden sich 16 eher schwache Tracks. Ist das Proll-Porno-Gehabe bei einem Lied noch in Ordnung, ist es mir spätestens beim dritten Mal zu viel. Zu den besseren Liedern gehören “Highlight Shit”, vielleicht auch, weil es das erste Lied ist, und das irgendwie amüsante “Facts of Life”. Auf einem tanzbar-positiven Beat rappen die beiden Künstler, bei denen Juelz sich durch einen besseren Flow auszeichnet, auf eine so prollig-lustige Weise, dass man meinen könnte, dass sie das alles nicht ernst meinen. “Diese Asis sind wie Otzen, diese Otzen sind wie Asis, das sind die Facts of Life … Man kann der Bratze untern Rock sehen, bei ihrer Otze mußte ich kotzen, das sind die Facts of Life“.  Aber um es in ihren Worten zu sagen: "Laber mich nicht voll".

(1-2 von 7)

Bei soviel verbaler Power ist nicht mehr viel hinzuzufügen, außer das vielleicht nicht alles glänzt, was aus dem Westen ist.

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