Hört man Odenwald, denkt man wahrscheinlich als erstes an Idylle zwischen Wäldern und Tälern. Dass schöne Landschaft nicht alles ist, was der Odenwald zu bieten hat, zeigen die K-Rings Brothers seit Jahren. Sie konnten sich durch zahlreiche Gigs quer durch Deutschland und über die Landesgrenzen hinaus einen Namen machen, ohne den Odenwald als HipHop-Mekka deklarieren zu wollen.
Bevor das Debüt-Album der drei Brüder im Sommer die Herzen erfreuen soll, erscheint mit K-Rings Zone zuvor noch eine EP, die den Hunger bis dahin stillen soll. Auf dieser sind 6 Tracks drauf, wobei es sich bei zwei Stücken um Instrumentals handelt.
Durch die tiefe Stimme von Sir Max wird eine fast düstere Stimmung über die Beats verbreitet, die jedoch in den Refrainparts, meist durch Gesang, aufgelöst wird. Die Beats sind mit selbst eingespielten Bläsern und Keyboards versehen und unterstreichen die Vibes der einzelnen Tracks. Die Songs sind gut gemacht und bringen auf jeden Fall Spaß beim Anhören.
Um eine Party zu rocken sind sie, auf Grund der doch ziemlich deepen Inhalte sowie der erwähnten deepen Stimmungen, nicht wirklich geeignet. Doch die EP bietet auf jeden Fall einen guten Vorgeschmack auf das Album Tricolor der drei, übrigens echten Brüdern. Man darf sich also drauf freuen.
K*Rings Brothers – K*Rings Zone
PitRock – Nervenkitzel
Rostock das ist Ostsee, das ist Hansa, Pyranja und vielleicht noch die Underdog Crew. Viel mehr wird den meisten zu dieser Stadt wohl nicht einfallen. Doch wie sollte es anders sein bei solch einer Einleitung da is noch was! Logisch.
Zum Beispiel die Herren von Kasabi Tunez, die eifrig Tapes auf den Markt werfen. Oder das Urgestein PitRock, der eifrig auf letztem Tape besagter Reihe rapped und Beats baut. Siehe Ich Treff` Dich. Ein flotter Rap und ein abgehakter Beat sorgen für Laune. Auf Nummern wie Das Gleiche Lied (Thema: Lebenslauf) gibt es auch Gesangseinlagen, was nicht abschreckend sein soll, denn es klingt durchaus gut.
Gut klingt es ebenfalls, wenn der Mann an den Beatreglern wechselt. So ist der Hitzkopf von Orwo Magnetic, dem Produzent der Rostocker Crew Halbe Hemden gebastelt. Sehr schön das, mit abgefahrener Orgel im Refrain (Ich bin PitRock/ Ich bin ein Hitzkopf/ Jeder Geistesblitz schockt/ Wenn ich den nächsten Hit drop). Besagte Halbe Hemden gastieren dann auch auf Tu was (Du nicht lassen kannst). Thematisch geht es dieses Mal in Richtung Believe in yourself (Fang an dich aufzubäumen gegen jeden Pessimist/ Hör auf die Messages die dich hochziehn wie `n Sessellift Atse.x von Halbe Hemden).
Auch sehr schön sind die zahlreichen Interludes mit Filmsprüchen von Mr. Bobby Deniro höchstpersönlich bzw. dessen deutscher Synchronstimme. Zwar nicht gerade neu der Einfall, aber doch sehr stimmig. Da das Leben an der Küste aber eben nicht nur Angenehmes bereit hält, gibt es auch Nummern wie Deutschland: Du willst nichts daran ändern/ Dass man uns in anderen Ländern/ Immer noch begegnet wie verdammten Sklavenhändlern/ Das gefiel schon Deinem Vadda/ Der meint sie klauen ihm den Arbeitsplatz/ Obwohl Deine Mudda weiß/ Das tut in Wahrheit der Schnaps. Das sind endlich mal die viel vermissten Themen, klingt gut durchdacht, doch Vorsicht, die üblichen Raps kommen (leider) auch nicht zu kurz. Stylez zum Beispiel geht eher in Richtung Ich bin dies und kann das…. Kann man meiner Meinung nach auch drauf verzichten.
Trotz dieses Mankos lautet das Fazit: ruhig mal reinhören, in das was da vom Norden kommt.
Sidos Statements: „Es wird mit dem schlechten Geschmack der Fans gespielt…“
Nachdem die Zusammenarbeit Sidos mit Tomekk (wir berichteten am vergangenen Freitag) für ordentlich Furore gesorgt hat, haben wir uns einmal ein paar eurer Ansagen und Kommentare vorgenommen und bei Sido nachgehakt.
mf zum Beispiel wirft Sido Verrat vor und meint, er hätte sich einfach nur verkauft – Hauptsache man ist in den Medien. Sido: „Hauptsache Medien ist irgendwie schon richtig, aber Tomekk hat mir bis jetzt noch nicht viel geholfen!“
mAdiZo sieht in Sido den nächsten Rapper, der eben nur ans Geld denkt, und findet das einfach nur arm. Sido: „Ja, na klar, Staaani, Geld ist doch cool…“
JeGuPHAT wurde angeblich von Aggro aus deren Chat gekickt und weiß seitdem genau, dass von denen eh bald nichts mehr zu hören sein wird! Sido: „Ja, scheiß mal auf Dich!“
Als ein Typ ohne Rückgrat wurde Tomekk von CH4Doktor identifiziert, der nun auch selbiges von Sido befürchtet. Der hingegen meint dazu: „Es tut mir jetzt nicht leid und das wird es auch nicht!“
P ist folgender Meinung: „Das Lächerliche gewinnt neue Ausmaße, dieses ganze Berlin-Zeugs ist doch eh alles nur Fake. Aber das sie jetzt ihre eigene Ideologie verraten?“ „Niemals!“, meint Sido. „Ich habe nie was Anderes gemacht als jetzt. Hätte Tomekk mich früher gefragt, hätte ich auch ja gesagt!“
Schlussendlich ist noch die Frage zu klären, ob das Biz nun die Fans verarscht oder nicht? Sido: „Auf jeden Fall – es wird mit dem schlechten Geschmack der Fans gespielt…“
Und somit wären zumindest ein paar Unklarheiten beseitigt, oder?
(Foto: Oli NBK / Art Direction Aggressives Aussehen)
VA – Dancehall Party 2004
Auf dem Cover der Dancehall Party 2004 Compilation leuchtet ein goldener Kleber, der eindringlich darauf hinweist, dass auf selbiger der Smash-Hit schlechthin verewigt wurde logo Kevin Lyttles Turn Me On darf nicht fehlen, wenn ein Sampler dieser Tage rulen will! Und dann ist eben genau dieser Song auf Platz 1 des Tracklistings. Die Titel zwei bis vier bieten anschließend an, was unumgänglich scheint: Jean Paul, Wayne Wonder und den mit Abstand größten Dancehall-Star aller Zeiten: Missy Elliott (mit Pass That Dutch).
Aber betrachten wir das Ganze gutgläubig als nett gemeinten Aufklärungsversuch, denn jawohl da gab es vor den Kollegen Paul und Lyttle wirklich und wahrhaftig schon ein paar Entertainer mehr, die mit wehenden Fahnen und, teilweise, schon weit mehr als einem Jahrzehnt Karriere auf`m Buckel, Dancehall- und Reggaemusic voranzutreiben gewillt waren. Dass diese sich hier eher in den hinteren Reihen des Tracklistings tummeln, ist sicher marktstrategisch sehr schlau, und doch, mir treibt es, auf Grund derer Platzierungen, die Schamesröte ins Gesicht, und ich bin schon ziemlich froh, dass ich den Herren Levy, Killer und Capleton und allen voran einer alt gedienten Lady wie Dawn Penn nicht erklären muss, warum man sie auf die hinteren Ränge verwiesen hat.
Aber davon mal abgesehen ist diese Compilation eine nette Mixtur aus gut 10 Jahren Dancehall-Geschichte, beginnend im Jahre 1994, mit den Titeln Boom Shak-A-Tack, der legendären Formation Born Jamericans und You Don`t Love Me (No, No, No) der nicht minder legendären Dawn Penn. Des Weiteren gibt es auf Dancehall Party 2004 ein Wiederhören mit Lady Saw, T.O.K., Buju Banton und den bereits erwähnten Barrington Levy, Bounty Killer und Capleton. Beendet wird diese karibische Berg- und Talfahrt im Jahre 2003, und wenn man mal von den üblichen Chartsverdächtigen absehen möchte, sei für jenes Jahr stellvertretend der ewig glucksende General Levy erwähnt, der den herrlich sympathischen Titel Shake (What Ya Mam Gave Ya) besteuert und sich dabei von Zeus & Bally Jagpal featuren lässt.
Doch, doch, es ist eigentlich ganz nett, dieses Album – und eigentlich finde ich ja auch den `Buy Out`-Riddim tight, nur dass man sich seit Sean Pauls Like Glue nicht mehr so richtig zu wagen traut, diesen auch auf dem Dancefloor zu requestieren. Hm& aber dafür gibt es ja jetzt die Dancehall-Party für zu Hause.
Rik Dex – Not for Everybody, Perfect for Some
Nachdem ich vor einiger Zeit das Little Italy Album aus dem Hause 98 Proof Recordings rezensiert habe, erreicht mich das neuste Release des aus New Jersey stammenden Ìndependent Labels. Das Debüt-Album vom 98 Proof Artist Rik Dex beinhaltet 16 tighte Tracks, die überwiegend pumpende Beats besitzen und oft mit melodischen Klassik-Samples versehen sind.
So z.B. bei dem Titeltrack zum Album Not for Everybody, Perfect for Some. Hier Introduced sich Rik Dex mit powervollen Raps und geilen Flows über einen bouncenden DJ Piklz-Beat. Da das die erste Trackmarke auf dem Silberling ist, lässt es mich auf mehr hoffen.
Der nächste Song, den ich etwas genauer beschreiben will, heißt This is me Now. Auf diesen Song rapt Rik über seine aus Italien stammende Familie und darüber was er als Kind erlebt hat. Ein Track zum Zuhören und Kopfnicken zugleich, denn auch diese Produktion von DJ Piklz beweist, dass der 18-jährige ein Talent zum Beatbasteln hat.
Die ehemals bei 98 Proof gesignte, doch jetzt bereits gedropte Künstlerin Iris würde bei dem Track Past, Present, Future gefeaturet. Sie singt die Hookline, und das tut sie nicht schlecht, doch habe ich schon bessere Sängerinnen gehört. Die Strophen-Parts von Rik sind bei dem Track auch nicht so gut wie bei den vorhergegangenen.
Im Club könnte man den Track Bounce With Me durchaus spielen, denn diese Produktion bounced buchstäblich mit mir. Hier zeigt Rik, dass er auch Clubbanger Songs machen kann. Natürlich erzählt er darüber, wie er im Club abgeht und Ladies für sich gewinnt.
Orchestraed War kommt mit einem, wie der Songname schon verrät, sehr bekannten Orchester-Sample an den Start und hat eine Menge Power. Die Hook, aus Scratches und Raps bestehend, kommt cool rüber. Ein Representer-Song von Rik, der durchaus eine Bereicherung für das Album darstellt.
Das Album Not for Everybody, Perfect for Some ist ein durchweg gelungenes Album des 98 Proof Artist Rik Dex. Er ist ein sehr guter Rhyme-Spitter, der scheinbar viel Wert auf Reimtechnik legt, denn er benutzt viel gutüberlegte Double- und Triple-Rhymes in Zusammenhang mit einem guten Flow. Die Beats sind alle von DJ Piklz produziert und sind durchweg tight, doch fehlt ihnen teilweise etwas Abwechslung im Arrangement, und sie klingen hier und da für mein Empfinden etwas zu elektronisch.
Da es für uns in Deutschland etwas schwieriger sein wird, die CD zu beziehen, empfiehlt es sich durchaus, die Webpage der Jungs auszuchecken. Man kann jedem Head, der auf Underground Rap aus den Staaten steht, diese CD ans Herz legen.
EMI – Umstrukturierungsmaßnahmen
Laut Reuters wird die EMI sich weltweit von 1.500 Angestellten und 20% der bei dem Konzern unter Vertrag befindlichen Künstler trennen. 900 der Arbeitsplätze sollen durch die Schließung konzerneigener CD- und DVD-Produktions-Standorte in Europa und den USA eingespart werden. Den Umstrukturierungsplänen zufolge wollen die Briten ihre Produktionsstätte in Jacksonville im US-Bundesstaat Illinois schließen und ihre Fertigungsfabrik in den Niederlanden an eine andere Firma auslagern. Damit sollen jährlich mindestens 50 Millionen Pfund (rund 75 Millionen Euro) gespart werden. An Kosten erwartet EMI 75 Millionen Pfund in bar sowie weitere Belastungen über 80 Millionen Pfund – unter anderem als Folge von Abschreibungen – im Geschäftsjahr 2003/2004.
"Wir glauben, dass wir unser Umsatzpotenzial steigern und zugleich unsere Kosten senken werden, indem wir unsere Anstrengungen auf eine engere Auswahl an Künstlern konzentrieren", erklärte EMI-Musikchef Alain Levy. Trennen werde man sich von Nischenkünstlern und solchen, die die Erwartungen nicht erfüllten. Namen wurden nicht genannt
Various Artists – DefJux Presents III
Wenn DefJux expandiert, bedeutet das, dass man von der einen Seite des Flurs in der Greenwich Street auf die andere wechselt und ein 16-Quadtratmeter-Büro zugunsten eines 24-Quadratmeter-Büros aufgibt. Andere Plattenfirmen einschließlich zahlloser Indies würden das DefJux-Headquarter sicher als nicht sonderlich repräsentativ empfinden. Bei DefJux selbst hat man sich für solche Äußerlichkeiten nie besonders interessiert im Gegensatz zu anderen Plattenfirmen existiert DefJux auch noch, und ganz offenbar bewegt man sich wirtschaftlich oberhalb des Existenzminimums. 2004 stellt für die Firma aus Downtown Manhattan mittlerweile das 5. Geschäftsjahr dar. Seit den ersten Veröffentlichungen (man denke an die legendäre Doppel-/Split-12-Inch von Company Flow und Cannibal Ox im Jahr 2000) ist viel Wasser den Hudson runtergeflossen, und in wenigen Wochen wird das zweite Murs-Album mit dem Titel 3:16 The 9th Edition und der Katalog-Nummer DJX80 erscheinen. Der Output des Labels unter quantitativen und qualitativen Gesichtspunkten war und ist enorm. Dennoch hat DefJux in den vergangenen 12 Monaten ein wenig seiner ursprüngliche Magie verloren, erste Zeichen einer Midlife-Crisis zeichneten sich ab. Weder das C Rayz Walz- noch das Fun Party Committee- Album vermochten wirklich zu überzeugen, und einige Veröffentlichungen wirkten ein wenig, als ob man nur drohenden Leerlauf verhindern wollte.
Nun schreiben wir jedoch 2004, und schon jetzt kann ich verraten, dass das anstehende Murs-Album ein Oberbrenner und ein Meilenstein des Labels wird. Auch Produzentengott RJD2 ist den Jukies erhalten geblieben und veröffentlicht nur unwesentlich später als MURS ebenfalls sein zweites Album auf Definitive Jux. Beiden Platten schickt das Label nun jedoch noch die dritte Label-Compilation DefJux Presents III voraus, und auch dieser Sampler hat es mehr als in sich. Auf Vinyl kommt er auf stolzen drei Scheiben daher, die CD-Ausgabe enthält eine Zusatz-DVD, die sieben DefJux-Videos featuret. Extrem fett darunter vor allem Mr. Lifs Live From The Plantation (selten ein lustigeres Video gesehen) und das Aesop Rock-Video No Jumper Cables (Rmx), letzteres eine geniale Collage aus neu aufgenommenen Szenen und Bildschnipseln des Sprüher-Films Stylewars.
Doch zur Musik: Den ersten definitiven Hit liefert Rob Sonic mit Dyslexia schon die hypnotische Snythie-Linie im Intro ist an sich Ansage genug, trotzdem gut, dass ihr auch der nicht minder bemerkenstwerte Synthiebass folgt. Anschließend zwei absolute Ohrwurm-Beats von El-P im Beatslope-Remix für Hangar 18 und im Track WMR, in dem er an der Seite Camu Taos rappt. Lange hat man nichts vergleichbar Eingängiges von El gehört, für WMR ließ er sich sogar zu einer klassischen Bläsersatz-Hook hinreißen. Großartig. Wenn El dann noch Gulliani that ´s Mussolini believe me Mu rappt, weiß man: Die Meinungsfreiheit ist auch in Big Brothers Lieblingsstaat nicht totzukriegen. Nach Homesickness, einem der wenigen für meinen Geschmack eher lückenfüllenden Tracks, kommt mit Devil In The Hole von S.A. Smash dann ein amtlicher HipHop-Blues, dessen Hook ihresgleichen sucht. Hammer unzweifelhaft auch der No Jumper Cables-Remix von DJ Pawl. Man könnte so weitermachen, würde aber irgendwann müde, sich in Superlativen zu ergehen. Nur eins noch: RJD2s Clean Living am Ende der Platte mit Wahwah-Gitarre, Funk-Bass und irgendwelchen Störungen im Höhenanteil ist die angemessene Offenbarung zum Abschluss des dritten Teils der Saga.
Fetter Scheiß ist das. DefJux: Back again on a higher stage!
Sido (Aggro Berlin) meets DJ Tomekk
Jetzt ist es offiziell. Aggro Berlins Vorzeige-Rapper macht gemeinsame Sache mit dem Jury-Mitglied der Pro Sieben „ComeBack Show“. Auf der am 26.04.2004 erscheinenden Sido-Single „Mein Block“ wird ein Remix von dem Ober-Gangster DJ Tomekk zu hören sein. Des weiteren soll laut Insiderinformationen eine Tomekk-Maxi erscheinen, die Sido mit Xzibit featuren wird. Stellt sich die Frage, ob für eingefleischte Aggro-Fans jetzt eine Welt zusammenbricht oder DJ Tomekk jetzt wieder bei den Untergrund-DeutschRap-Fans an Ansehen gewinnt. Man darf also auf die Reaktionen gespannt sein.




