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Roger Rekless

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Wer Roger Rekless als HipHopper bezeichnet, trifft zum einen voll in’s Schwarze andererseits beschreibt man damit, wenn man von Rogers Aktivitäten als Künstler spricht, diese nur unzureichend. Roger ist nicht nur DJ, Producer und MC in Personalunion, er war früher Mitglied einer Metallband, spielte im gefeierten Graffitifilm „Wholetrain“ eine Hauptrolle, studiert nebeher und dürfte sich somit den Titel "Multitalent" redlich verdient haben. Ein Gespräch mit ihm, seinem Partner am Scratch, Mic und als Produzent: Minit über Musik und das liebe Geld, Erziehung und natürlich über Rap.



rap.de:
Normalerweise eine No-Go-Frage, aber in deinem Fall halte ich es schon mal für angebracht nachzuhacken, wieso und wann du angefangen hast zu rappen. Die Sache ist ja die, dass man dich noch als DJ und Produzent von Raptile kennt…

Roger Rekless: Also eigentlich hat das bei mir alles gleichzeitig angefangen: rappen, producen und auflegen. Mit 12-13 habe ich meine ersten Texte, vor allem auf Englisch, geschrieben. Da mir das scratchen viel mehr Spaß gemacht hat, habe ich dann darauf mehr und mehr meinen Fokus gelegt und wurde DJ von Raptile.
Auch 4zu1 gibt es eigentlich schon länger. Wir haben das aber anfangs weniger ernst genommen. Das Ganze hat sich dann weiterentwickelt, und als wir bemerkten, dass das Rappen mit 4zu1 viel Spaß macht, wurde es wieder etwas ernster.

rap.de: Es gibt ja einige Künstler in Deutschland, die so wie du Produzent, DJ und MC in Personalunion sind. Wie ist das denn bei dir: beeinflusst das Produzieren oder Djing das Rappen oder umgekehrt?

Roger Rekless: Also ich glaube, das hat gar nicht so viel damit zu tun, was man macht, sondern wie man das macht. Natürlich kenne ich die Arbeitsweise als Produzent, DJ und MC und das verändert dann auch meine Heragehensweise ans Texteschreiben. Bei mir ist es einfach so, das ich ein rhythmusorientierter Mensch bin. Das merkt man, wenn man mir beim Rappen oder Freestylen zu hört. Das mag sich jetzt komisch anhören, aber mir ist es wichtig, wie ich etwas sage, und nicht unbedingt, was ich sage. Das ist weit undramatischer, als sich das jetzt anhört. Aber stimmt so auf jeden Fall. Bei Beats ist es mir wichtig, was für ein Gefühl da transportiert wird. Ich rappe  vielleicht etwas  musikalischer als andere.

Minit: Als DJ hörst du dir ja häufig Sachen viel bewusster an als andere und nimmst daher Erfahrungen mit. Du analysierst Lieder viel mehr als „normale“ Konsumenten.
Aber ich glaube, dass sich da auch vieles unterbewusst abspielt und man gar nicht bemerkt, woher der Einfluss kommt.

rap.de: Euer gemeinsames Album wurde ja vielerorts gelobt, aber ich kann mich erinnern, dass du in einem Interview meintest, dass du insgesamt nicht ganz zufrieden gewesen bist. Was hast du damit gemeint und was hat dich da so unzufrieden gemacht?

Roger Rekless: Also unzufrieden hat in diesem Zusammenhang überhaupt nichts mit dem Album an sich zu tun. Es ist so, dass wir alle drei schon seit über 10 Jahren Musik machen und dieses Album als unser Debüt gilt und die Leute einen da schnell in eine Schublade stecken. Dagegen kann man nichts tun und man muss sich eben Aufmerksamkeit erkämpfen, da die Leute nicht wissen, was sich in irgendeinem Winkel Süd-Deutschlands abspielt. Es geht gar nicht um Verkäufe, sondern, wie wir gesehen werden. Wir müssen noch einiges an Aufbauarbeit leisten und dann wird es was.

rap.de: Kommt das Problem nicht auch daher, dass ihr eben immer Vorgruppe von Münchner Acts wie Blumentopf oder Main Concept ward? Als Vorgruppe steht man ja nun mal im Schatten der Main Acts und wird da gerne zu denen mit in die Schublade gesteckt.

Roger Rekless: Für uns wäre es bis vor Kurzem wahrscheinlich unmöglich gewesen, selbst eine Halle zu füllen. Wir hatten ja kein Album. Deshalb war es immer praktisch mit dem Topf oder Main Concept zu touren. Dadurch konnten die Leute einfach unsere Stärke erleben und die ist ganz eindeutig live zu spielen. In diesem Bereich macht uns keiner was vor. Dazu kommt, dass eine Topf-Tour immer gut besucht ist. Bei der Main Concept-Tour war es so, dass das unsere gemeinsame Tour war. Wir haben das Theaterstück zusammen vorgetragen, also Vorgruppe waren wir da nicht wirklich. Da waren die Münchner unterwegs. Mittlerweile haben wir uns so weit verbessert, dass wir für eine eigene Tour bereit wären.  Jetzt kennen wir jede mögliche Live-Situation. Vom besten Live-Konzert bis zum beschissensten Ding, wir kennen alles.

rap.de: Warum habt ihr das gerade eben erwähnte Theaterstück eigentlich nie irgendwie veröffentlicht. Ich kann mich erinnern, dass jeder, der es gesehen hat, begeistert war und die Reaktionen auch während den Shows ungemein positiv waren.

Minit: Das Theaterstück haben wir eigentlich für nur eine einzige Show in München entwickelt. Als wir dann den Entschluss getroffen haben, auf Tour zu gehen, lag es auf der Hand dieses Theaterstück auch live zu spielen, weil eben alle Beteiligte bei der Tour dabei waren. Der Grund, warum es später nie auf CD veröffentlicht wurde, ist ganz einfach der, dass man das Stück sehen muss und eine DVD-Produktion wäre einfach zu teuer gewesen. Daher haben wir das fallen gelassen.

rap.de: Auf deinem vorab veröffentlichten Mixtape waren ja einige Featuregäste, die keinesfalls dem Blumentopf–Main Conzept Umfeld angehören. Kann ich Leute wie Pretty Mo zu einer neuen Münchner Bewegung zählen, tut sich da gerade etwas in München und wo steht ihr?

Roger Rekless: Jein, die Sache ist die, dass Leute wie Ali A$ auch schon länger Musik machen, aber einfach nicht wahrgenommen wurden. Es gab immer das Blumentopf–Main Conzept–Lager, es gab immer schon das Echorausch/Flavaclub- und Feinkost Paranoia-Lager. Zwischen all den Camps gab es zwar nie Stress, aber die Stimmung war auch nicht so toll. Mittlerweile bekommen diese Leute einfach auch mehr Aufmerksamkeit und das freut mich in einem Fall wie Pretty Mo unheimlich, weil ich ihn einfach gerne mag. Ich mache gerne Musik mit den Töpfen und mit
Pretty Mo auch. Das Problem ist nur, dass manche Leute so etwas nicht verstehen und das komisch finden. Aber es geht hier ja auch um Freundschaften und nicht musikalische Dogmen.

rap.de: Das Thema verschiedener Sound möchte ich an dieser Stelle mal aufgreifen. Mir ist aufgefallen, dass sich das 4zu1 Album in Sachen Sound deutlich von deinem Album unterscheidet. War das eine bewusste Entscheidung?

Roger Rekless: Man muss sich das so vorstellen, beim 4zu1-Album habe ich nicht produziert. Bei meinem Solo-Album war das anders. Mir war da einfach sehr wichtig, dass alles aus meiner Feder kommt. Daher ja auch der Albumtitel.

rap.de: Mir sind vor allem in Sachen Beats Unterschiede aufgefallen. Dein Album kam mir weitaus clubbiger vor.

Roger Rekless: Clubbiger würde ich jetzt nicht unbedingt sagen; es gibt drei Lieder, die in die Club-Richtung gehen. Mein Album ist eben einfach von einer ganz anderen Seite her inspiriert. Das 4zu1 Album war ein Sammelsurium von Einflüssen der letzten Jahre. Als ich mein Album gemacht habe, war ich total auf dem Französischen Rap-Film. Daher ist mein Album etwas aggressiver ausgefallen. Damit meine ich die Art, wie ich rappe, und nicht, was ich rappe. Ich bin z.B. wahnsinnig großer Sniper-Fan und mag es, wie die mit ihrer Musik Gefühle transportieren. Klar verstehe ich, was die sagen, aber das müsste ich nicht. Ich mag diesen Umgang mit der Musik, diese Powerraps. So in die Richtung wollte ich gehen. 

Das hat auch meine Produktionen beeinflusst. Ich habe dieses Mal völlig auf Samples verzichtet und fast alles selbst eingespielt. Daher wurde das alles etwas musikalischer: Hier noch n Streicher, da n Klavier. Als alles fertig war und ich mir s angehört habe, dachte ich mir: "Klingt eigentlich wie ich vor fünf Jahren geklungen habe: Jung und Wütend:"

rap.de: Im Pressetext zu deinem Album steht nun „Studentenrapper mit Affinität zur Straße“ ich fand das etwas verwirrend, vielleicht erklärst du, was damit gemeint ist.

Roger Rekless: Also im Augenblick reitet jeder darauf herum, wo er herkommt, und wie krass er ist. Es gibt genügend Leute, die aus schlechten Verhältnissen kommen, aber trotzdem nicht kriminell werden, wie ja gerne propagiert wird. Mir geht es darum, Perspektiven aufzuzeigen. Außerdem gibt es momentan recht viele Leute, die auf böse Jungs machen, aber das nicht sind. Das nervt. Ich will für die Leute Musik machen, die vielleicht auch nicht aus den besten Verhältnissen kommen, so wie ich, aber trotzdem auch gerne lachen und nicht künstlich auf bösen Buben machen.



rap.de: In meinem Interview mit Raptile hat der auf den Zusammenhang zwischen Musik machen und Geld verdienen hingewiesen. Er meinte, seine Art von Musik würde ihm helfen, Geld zu verdienen und darum ginge es doch  schlusssendlich.

Roger Rekless: Aber wir reden hier doch von Musik! Mir ist Musik total wichtig und wenn jemand kommt und Musik so anwendet, als Mittel zum Zweck, könnte ich kotzen. Ich finde das mit Verlaub verachtungswürdig und ich kann das nicht respektieren.

rap.de: Was ist denn deine Motivation Musik zu machen?

Roger Rekless: Also auch wenn Leute zu mir sagen werden, dass das idiotisch ist: ich mache Musik, wie sie mir gefällt und weil sie mir so gefällt. Ich denke in dem Punkt nicht an’s Geld. Ich wäre nicht der, der ich bin, wenn die Musik mir nicht so oft geholfen hätte. Natürlich macht dich so eine Einstellung in den Augen mancher Leute zum kleinen Depp, der keine Ahnung vom Business hat. Der Liebe wegen macht man das ja nicht mehr. Na klar muss man was verkaufen, aber es kann einfach nicht sein, dass Geld verdienen zur obersten Direktive wird. Ich will hier nochmal ganz deutlich sagen, dass ich kein Beef mit Raptile habe oder gar haben will, wir verstehen uns menschlich gut. Allerdings muss er sich von mir vorwerfen lassen, das seine letzten Singles alle das Gleiche ausgesagt haben: gleicher Text, unterschiedliche Worte. Wer braucht da ein weiteres Album? Ich mache da lieber Musik, die mich repräsentiert und das ist genau die Musik, die ich mal meinen Kindern zeigen -und stolz darauf sein kann. Ich kann dieses Album meiner Mutter geben und sie kann es auch nachvollziehen. Wenn ich richtig liege, habe ich ein Album, das den Leuten, die es mögen lange im Gedächtnis haften bleibt, wenn nicht, hatte ich eben Pech.

rap.de: Wie war das bei deinem Album, bei dem du ja einen anderen Film fährst, als man das erwartet hätte. Wie waren die Reaktionen deines Umfelds, hattest du Angst vor den Reaktionen der 4zu1-Fans, wie hat das Label reagiert?

Roger Rekless: Also ich hatte anfänglich Angst, dass mein Label das Album nicht veröffentlichen wollen würde. Ich wusste von Anfang an, dass es anders werden würde. Wir sind drei Leute in der Gruppe, die alle drei eigen sind und die eben alle drei zu einem Album beitragen. Wenn ich nicht in der Gruppe rappe, bin ich ein anderer Künstler und genau davor, dass die Leute das nicht akzeptieren können, habe ich Angst. Ich würde mich freuen, wenn die Leute sich mein Album ebenso wie ein 4zu1 Album anhören würden, weil es sich jedesmal um die gleiche Person handelt. Der Solo-Track auf dem 4zu1-Album gibt für mich genau das Gleiche wieder, wie die Tracks auf meinem Solo-Album. Ich würde mich freuen, mit meinem Album Leute zu erreichen, die sich mit mir emotional verbunden fühlen.


rap.de: Minit, du wirst auch demnächst ein Solo-Album veröffentlichen: wie wird sich das anhören, ähnlich?

Minit: Nein, das wird sich völlig anders anhören. Meine Einflüsse wirst du eben auch raushören und die liegen wo ganz anders als bei Roger. Mein Abum wird den Versuch unternehmen, mal einen ganz anderen Film zu fahren. Roger meint, das wäre so die J Dilla-, Madlib-, Stones Throw-Ecke. Es wird auf jeden Fall ganz anders klingen, weitaus experimenteller. Mir fällt es schwer das zu definieren. Eine Sache ist jedenfalls klar, mein Album soll einen Style haben und vom Sound her in eine Richtung gehen. Es wird 2007 veröffentlicht werden und so habe ich mich selbst zu 100% verwirklicht.

rap.de: Was sagst du denn zu Rogers Album, gerade wenn du einen ganz anderen Film fährst?

Minit: Ich bin ein krasser Fan von Roger, weil ich ihn so gut kenne, und wenn er mir was vorspielt, denke ich mir immer "Fuck, was er da wieder gebracht hat". Mich pusht das immer und ich versuche dann dagegen zu halten, aber auf eine ganz andere Art und Weise. Rogers Album ist für mich ein richtiges Rapalbum, also Beats und Cuts, für mich soll es genau so sein. Nur ich kann das zum Beispiel überhaupt nicht, ich gehe an Lieder völlig anders heran.

Roger Rekless: Ich bin genauso Fan von Minit und ich denke, dass das auf Gegenseitigkeit beruht. Wir sind verschieden und wenn wir uns gegenseitig was zeigen und uns gegenseitig pushen, sorgt das dafür, dass wir einen eigenen Sound kreieren können, weil wir Versuchen die Vorschläge vom Anderen auch einzubauen. Trotzdem weiß jeder vom Anderen, dass er dessen Sound nie so hinkriegen wird.


rap.de: Ich habe gelesen, dass du Pädagogik studierst. Bei deinem Albumtrack „Halt Dein Kind Hoch“ würde ich jetzt fast darauf tippen, dass dieses Lied von deinem Studium beeinflusst wurde, liege ich da richtig?

Roger Rekless: Nein, eigentlich nicht. Also ich studiere Pädagogik, weil mich das ganze immer schon interessiert hat. Ich habe dieses Lied daher geschrieben, weil ich in meinem Umfeld viele Leute kenne, die zum Zeitpunkt der Liedentstehung gerade Kinder bekommen haben. Dazu kommt, dass ich von früher einige Jugendliche kenne, die einfach in jeder Hinsicht Pech hatten. Schlussendlich wurde ihnen aber der schwarze Peter zugeschoben und die Jugendlichen haben sich irgendwann von zu Hause gelöst. Unabhängig von meinem Studium habe ich einfach erkannt, dass es für die Eltern wichtig ist, dass sie ihren Kindern eine Basis bieten. Ich habe ja zu jedem Albumtrack jeweils ein paar Sätze geschrieben und bei diesem Lied bin ich Monate später auf genau die gleiche Einsicht in einem Buch eines Wissenschaftlers, der mit kriminellen Jugendlichen gearbeitet hat, gestoßen. Der Umgang mit kriminellen Jugendlichen interessiert mich nämlich sehr. Aber du brauchst kein Studium, um zu verstehen, was falsch und richtig ist. Nur manchmal kann dir das eben auch nützen, wenn du den theoretischen Background kennst.
Dieses Lied besteht ja aus zwei Teilen, einer ist an die Eltern gerichtet und einer geht an die Kinder. Das soll ein Hochzieher sein. Es ist eine große Aufgabe für Eltern, ein Kind in die Welt zu setzen, aber es ist ebenso eine große Aufgabe für ein Kind, groß zu werden.


rap.de: Bist du als studierter Rapper der Ansicht, dass es, überspitzt ausgedrückt, mehr intellektuellen Rap bräuchte, oder braucht Rap doch kein Abitur?

Roger Rekless: Also "Rap braucht kein Abitur" finde ich erstmal einen total bescheuerten Spruch. Das andere Extrem finde ich aber auch unpassend. Es braucht einfach Leute, die das sind, was sie sind. Niemand ist immer der Härteste am Block, Niemand ist immer der Intelligenteste der Clique, jeder hat seine verschiedenen Seiten. Wenn jemand mit Herz und Seele bei einer Sache ist und nichts vorspielt, dann  gefällt mir das. Nimm Paris und das Black Panther Movement als Beispiel, das hat mir so viel gegeben.
Momentan ist eben aggressiver Rap angesagt und das ist nicht nur ein Spiegel der Zeit, sondern auch so lange OK, wie er eben ehrlich ist und das nicht zu nem Livestyle wird und von Leuten kopiert wird. Vielleicht werden Rapper irgendwann nicht unbedingt intelligenter, aber reifer und älter und wollen mit ihren Texten wieder etwas vermitteln. Das muss nichts unsagbar wichtiges sein, eben einfach nur ein Gefühl.


rap.de: Bei Rappern wie Curse hatte man, wenn man die letzten Interviews gelesen hat, so den Eindruck, dass er sich daran stört, dass er in eine bestimmte Schublade gesteckt wird, und da große Probleme hat rauszukommen: Wie siehst du das bei euch?

Roger Rekless: Das ist genau das Ding. Wir wurden auch in eine Schublade gesteckt und dann wollen die Leute bei uns eben studentenraptaugliche Themen. Wenn du dann mal was anderes machen willst, wird’s schwer. Es ist immer schwer aus diesen Schubladen zu kommen. Als Gegenbeispiel fällt mir da nur jemand wie Olli Banjo ein, auf den Bowdee überkrass steht, der steckt in keiner Schublade.

rap.de: Ich wollte gegen Ende nochmal auf „Wholetrain“ zu sprechen kommen. Da spielen ja eine ganze Menge Rapper Graffiti-Writer. Ist der Film so etwas wie der Gegenentwurf zu der Behauptung, dass die HipHop-Elementn nichts mehr miteinander zu tun hätten?


Roger Rekless: Also wir wurden ja alle durch Zufälle Teil dieses Films. Es haben sich bei dem Film auch viele Writer beworben, die da mit machen wollten, aber wir waren eben die besseren Schauspieler. Das Lustige ist, dass eigentlich jeder, der etwas mit dem Film zu tun hatte, auch früher mit Graffiti in Kontakt war. Aber es ist so oder so Blödsinn davon zu sprechen, dass es keine Zusammenhalt mehr innerhalb der Kultur gibt. Alleine bei uns 4zu1ern ist es so, dass wir einfach alle Elemente kennen und da früher auch aktiv waren. Ich bin froh, dass es bei dem Film so lief und ich viele nette Leute kennen gelernt habe. Mit dem ein oder anderen werde ich auch definitiv noch zusammen arbeiten.

rap.de: Darf man genaueres Wissen?

Roger Rekless: Also mit Damion Davis ist definitiv ein Track in Planung und mit Serch vom Funkviertel bin ich mittlerweile sehr gut befreundet. Ich bin richtig froh, dass ich solche Leute kennen gelernt habe, weil die zwar in einer ganz anderen Stadt wohnen, aber wir genau den gleichen Film fahren. Ich denke, dass ich mit ihm auch noch etwas machen werde, bisher waren das eher so Sachen auf dem Comedy Level, mal sehen.
Außerdem habe ich auf diesem Weg die
Hitfarmers kennen gelernt, die auch an meinem Album mitproduziert haben. Mit diesen Jungs habe ich auch so ein Verhältnis. Das ist eine Wellenlänge, der völlig gleiche Geschmack. Manchmal sind gar keine Worte nötig, da weiß einfach Jeder, was der Andere mag und denkt.

rap.de: Letzte Worte?

Roger Rekless: Mein Album ist draußen, hört es euch an und ganz wichtig auch:
Vor dem Schlafengehen Zähne putzen nicht vergessen.


Seryoga

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Vorgeschmacks-Wort:
So, nun war es also soweit und ich stand vor dem Ritz Carlton Hotel Berlin am Potsdamer Platz. Ich wäre wohl ohne dieses Interview nie hierher gekommen oder auf die Idee, dieses Haus zu betreten und hätte es mein Leben lang als Bonzen-Absteige abgestempelt.
Jetzt stand ich aber schon mal auf dem roten Teppich – in meinen Air Force Ones – und ließ mir prompt von einem mich entsprechend musternden Portier die Tür öffnen und einen guten Tag wünschen. Daraufhin führte ich meinen Weg schnurstracks zur Rezeption fort, wo ich ebenfalls etwas verwundert angeschaut wurde, und sagte dem netten Herrn, dass ich gerne zu Seryoga wolle, um ein Interview mit ihm zu führen. Er ließ mich noch einen kleinen Moment warten, kam dann um seinen Tresen herum, musterte mich ein weiteres Mal (nicht begeistert) und führte mich dann in den Vorraum von Seryogas Interview-Zimmer, wo eine Managerin und ein Bodyguard schon auf mich warteten.
Dann der Interviewraum und los ging es…

rap.de:  Du hast Germanistik studiert und kannst daher recht gut Deutsch sprechen. Hast du dir deswegen Deutschland als erste Adresse ausgesucht oder gibt es da noch eine andere Verbindung?

Seryoga: Weißt du, wir haben ja in unserem Leben einfach nur  Sachen, die um uns sind. Jede Sache passiert meiner Meinung nach nicht zufällig, sondern ist ein Zeichen für etwas. Das führt dich irgendwo hin. Die deutsche Sprache war für mich immer schon so ein Omen. Das hat in der Schule schon angefangen. Ich war sehr gut im Deutschunterricht. Wir hatten auch keine andere Fremdsprache, Englisch oder so. Bei uns war das damals in der Sowjetunion so, dass eine Schule Englisch, die andere Deutsch und die dritte Französisch gehabt hat. Wir hatten eben Deutsch und da war ich einfach der Beste. Ich habe ja kein Diplom, keinen Abschluss, gar nichts, ich habe nur Mittelschule. Aber ich glaube, das hat auch etwas mit meinem musikalischen Talent zu tun. Wenn ich etwas höre, dann kann ich das sofort wiederholen oder nachahmen, was ja total wichtig bei Fremdsprachen ist. Kinder lernen das auch sehr schnell: Wenn du dein Kind in den Kindergarten steckst, kann es in drei Monaten sprechen. Ich glaube, dass, wenn ich jetzt noch andere Sprachen studieren würde, ich sie auch so schnell könnte. Gib mir ein halbes Jahr und ich kann das. Das ist einfach mein Talent. Ich habe schon mit 15 Deutsch gekonnt und als das dann bei mir auch mit Rap-Musik anfing, habe ich auch viel Deutsch-Rap gehört. Ich kenne zum Beispiel die Azad-Sachen seit Mitte der 90er. Da war ich noch lange kein Seryoga, kein Superstar und konnte auch noch nicht einmal davon träumen, dass ich mal mit diesem Mann die Bühne rocken würde. Oder auch Savas, der King Of Rap. Ich habe ihm „King of Rap“ vorgerappt und er guckt mich natürlich total komisch an und denkt sich: "Was ist das denn für einer? Da kommt ein Russe und kennt meinen Text?" Also, ihr müsst aufpassen. Ihr werdet beobachtet! (lacht)

rap.de: Es soll sich bei euch (in Russland) bei Black Music, wenn überhaupt, eher um R&B oder Clubshit handeln. Wie sieht es mit der Konkurrenz aus? Soweit ich das mitbekommen habe, gibt es außer dir bisher noch keinen großartigen Nachwuchs, der außerhalb was reißen könnte.

Seryoga: Im Moment scheint es irgendwie eine Art Erlösung für Hip-Hop zu geben, im globalen Sinne. Du kannst ja z.B. durch Provokation, so wie Eminem, was im Hip-Hop erreichen oder groß auf die Kacke hauen, so wie P. Diddy, was in Russland überhaupt nicht gefragt ist. Diese Art von Posen ist nur „Ami“. Wenn du das machst, verkackst du und machst dich zum Clown. Oder du machst halt Sozialkritik, wie 2 Pac oder so. Wir haben im Moment keine MCs mit solchen Charismen. Es geht also nur über R&B. Wir haben auch mehrere DJs, die die Szene aufbauen und unterstützen. Mit der Konkurrenz ist es so, dass es russischen Rap schon seit mehr als 10 Jahren gibt, aber ich sehe eben gerade keine. Wenn es die gibt, dann sitzen die wahrscheinlich so tief im Untergrund, dass die nicht einmal Mixtapes aufnehmen. Die gibt es bestimmt, aber die machen nichts; die rappen dann nicht, also gibt es die nicht.

rap.de: Woran liegt es, dass der russische Rap, wie du selbst sagst, noch keine Identität hat, und was gedenkst du, dagegen zu tun?

Seryoga: Ja, einfach weiter machen, weiter machen, weiter machen. Ich habe jetzt gerade mein Label aufgebaut und versuche, selber MCs zu selektieren, zu produzieren und ihnen nachzuhelfen. Nicht unbedingt beim Rappen, aber ich versuche zu gucken, wer was werden könnte. Es gibt schon Talente, aber die sind noch jung und haben noch zu lernen. Dem russischen Rap ist ein böses Schicksal widerfahren. Das heisst, wir haben zwar eine Geschichte und es gab auch schon ältere Genossen, die auch Hits gemacht haben, drei bis vier andere, aber ich bin der Einzige, der das Ganze systematisiert hat. Die haben irgendwie aufgehört. Da kam der zweite Hit und plötzlich waren die von der Bühne. Ich weiss nicht, ob Drogen der Grund waren oder ob sie einfach keinen Bock mehr auf Hip-Hop hatten oder irgendetwas anderes  zu tun. Wir hatten schon Talente. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die russische Sprache mehr Zeit braucht, um gerappt zu werden, einfach um sich mit Rap als Ausdrucksform anzufreunden. In Thailand z.B. gibt es ja auch Rap. Ich bin neulich in Bangkok gewesen und habe mir da so eine Thai-Underground-Hip-Hop-CD gekauft. Das fängt da aber auch erst an, weil diese Sprachen einfach ein bisschen mehr Zeit brauchen. Guck mal, Deutsch und Englisch sind eher verwandt als z.B. Russisch und Englisch oder Russisch und Deutsch. Das merkst du schon am Wortschatz, allein daran, wie viele Amerikanismen ihr habt. Die Texte von Savas hören sich schon so an, als hätte er nur Englisch gerappt. „Step ans Mic“, weißt du, nach dieser Art. Da kann man doch gleich „Step to the Mic“ oder „Take the Mic“ sagen. Ja, das ist einfach ein Globalisierungsprozess, der in anderen Sprachsystemen anders funktioniert. Wir Russen haben länger gebraucht, aber jetzt fängt es an, und die Russen gewöhnen sich langsam daran, dass Texte gerappt werden können und nicht nur gesungen. Längere Texte mit mehr Informationen als im Pop. Viel mehr Zeilen, Wörter, Silben, komplizierte Reimschemen und so.

rap.de: Ich habe beim Hören des Albums festgestellt, dass du trotz deines recht modernen Sounds auch immer wieder Klänge  benutzt, die man eher mit dem orientalisch-östlichen Raum verbindet. Hast du das aus Lust und Laune gemacht oder wolltest du dadurch etwas bewusst transportieren?

Seryoga: Beides, glaube ich. Ja klar, Ziehharmonika und Balalaika, das sind meine Sachen, mein Style. Das sind richtig geile Instrumente, die mich sofort grooven. Bei dieser Balalaika flippe ich sofort aus. Das ist krass geil und einfach so ein Kennzeichen, ein Alleinstellungmerkmal für mich. Ich fürchte, Balalaika-Rap hat keiner vor mir gemacht.

rap.de: Du stehst wegen angeblich zu sozialkritischen und zu harten Texten in deinem Heimatland auf dem Index. Ich, und wahrscheinlich auch der Großteil der Deutschen, bin deiner Sprache leider nicht mächtig. Was ist es also, was manche nicht hören wollen bzw. sollen?

Seryoga: Ok, pass auf. Es geht z.B. in einem Text darum, dass ein Mädchen vergewaltigt und umgebracht wird. Es wird da genau beschrieben wie, ich rappe also ein Protokoll. Das Mädel ist gefunden worden, dann wird es untersucht und so langsam, Detail für Detail, wird die Geschichte hergestellt. Und das rappe ich dann überschnell. Das ist ein Double-Time-Rap und dabei erzähle ich total krasse Sachen. Fünf Leute haben die vergewaltigt, und solche Sachen werden eben nicht gespielt. Das wollen die nicht hören. Und verdammt nochmal, in der Stadt, wo ich herkomme, gab es solche Banden, die das gemacht haben. Vor ein oder zwei Jahren sind sie alle erwischt worden, aber solange waren sie frei. Ein Journalist aus meiner Heimatstadt hat mich nur deswegen angerufen und gesagt: „Ey sag mal, darüber hast du doch gerappt. Das ist doch wahr?“ Unglaublich, das können für mich keine Zufälle sein. Das ist das, was ich aber auch am Leben so mag, dieses Mystische. Kunst ist ein Kanal für etwas, ein Kanal für irgendwelche Informationen. Das heisst, wenn ich plötzlich diesen Schmerz fühle, möchte ich darüber rappen. Wenn irgendwas passiert in meinem Leben oder in deinem Leben,  muss man das loswerden. Das wollen die natürlich nicht hören. Nicht einmal „Black Boomer“ (Seryogas Megahit über die Freude an schwarzen BMWs) wollten die hören. Die haben das erst gespielt, als es in ganz Russland ein Hit geworden ist. Dann haben die sogar so ein interaktives Voting im weißrussischen Fernsehen organisiert und da hat es dann auch mit deutlicher Mehrheit gewonnen. Die sollten dann daraus so eine Compilation von den 10 oder 15 besten Songs rausbringen aber sie haben „Black Boomer“ einfach weggelassen. Ich bin immerhin in Weißrussland „Man Of The Year 2005“ geworden, und ich habe mehr Platten als jeder andere dort in Belarus verkauft. 100.000 Einheiten in einem Land,  das nur 10 Mio. Einwohner hat. Was verkaufen Sido oder Bushido hier? 100.000 und das bei 80 Mio. Einwohnern. Also heißt das doch, dass ich hier ca. 800.000 verkauft hätte. Also, ich kann nicht klagen, auch wenn ich auf der Index-Liste stehe. Das gibt mir nur noch mehr Kraft und die Leute sagen sich ja dann trotzdem: "Was? Das ist verboten? Das hole ich mir!" Ich habe einfach nur Straßengeschichten erzählt. Wenn du Erfolg hast, gibt es immer wieder Leute, die sagen, dass du es nicht verdient hast und das man sich lieber andere Helden suchen sollte. Und die haben Macht, diese Leute in der Regierung.

rap.de: Ich habe mir hingegen auch sagen lassen, dass du dich im Gegensatz dazu recht gut mit den politischen Kreisen in Russland verstehst. Wie kann man sich das vorstellen?

Seryoga: Pass auf, ich bin einfach ein Profi, der gute Mukke macht, gut performt und kein Arschloch als Mensch ist. Und das wissen die alle. Ich kann nichts dafür oder habe auch nichts dagegen, dass eben auch Mächtige mich gern haben – aber ich bin kein Bruder oder Vetter von denen. Manchmal ist es schon so, dass ich ein Konzert spiele und dann kommen Leute an: „Ich habe einen kleinen Sohn, der möchte solche Kleider tragen wie du und ist ein großer Fan von dir. Könntest du bitte eine CD unterschreiben?“ Und zack, war das ein Minister oder so. Auch diese Uhr, die du hier siehst, hat mir der Sohn vom Präsidenten in Kirgisien zum 30. Geburtstag geschenkt. Ich wusste nicht einmal, dass er das ist. Da ist ein Mann in den Club, in dem ich gefeiert habe, reingekommen und hat gesagt: „ Hier pass auf, ich habe gehört, dass du Geburtstag hast…“ Und da standen ganz viele Leute um ihn herum, die dann natürlich alles seine Bodyguards waren. Ich habe aber einfach nicht gerafft, wer das war und jemanden gefragt, der meinte: „Ja, das ist doch der Sohn von…“ Ich habe ja jetzt auch in dieser Karaoke-Show mit Zhirinovskiy 10 Tracks performt, über die sich ganz Russland kaputt lachen wird. Und dadurch, dass ich dort war, habe ich sehr viele Künstler und Schauspieler und so weiter persönlich kennengelernt, die ich schon gesehen habe, als ich noch klein war. Wir haben da so wie wir hier gesessen und uns geduzt. Du musst einfach kein Arschloch sein, einfach deinen Job machen und den anderen Leuten gegenüber Respekt haben und das hab ich.

rap.de: Das Azad-Feature soll ja von deiner Seite aus eingeleitet worden sein, da du sein Zeug schon länger kennst und sogar ein regelrechter Fan sein sollst. Wie sieht es denn mit anderen deutschen Kollegen aus? Wir haben ja hier eine recht große Auswahl.

Seryoga: Es gibt hier in Deutschland hervorragende MCs, deren Level bei weitem das Level von manchen amerikanischen Vorbildern übertrifft. Deutsch-Rap hat auch immense Fortschritte gemacht, was die Technik angeht und macht es auch noch. Unglaublich, es gibt wirklich tolle MCs: Kool Savas, Samy Deluxe, Curse, Sido und Megaloh sind meine Favoriten. Sido hat z.B. ein super Charisma für mich, vielleicht eine einfache Technik,  aber ich glaube, er kann mehr, als er zeigt. Er ist ein Clown, er ist das, was ein MC eigentlich auch sein sollte. Er ist ein Entertainer. Azad ist auch ein Entertainer, aber der möchte einfach kein Clown sein. Das ist einer, der macht keine Witze. Du stehst auf der Bühne und du erzählst lieber traurige Sachen oder welche, die zum Nachdenken anregen. Weißt du, manchmal geht es mir scheisse, aber ich muss auf die Bühne und trotzdem Witze machen, weil die Menge das möchte. Und ich wäre ein schlechter Profi, wenn ich das nicht könnte. Ein Auge muss dann lachen und das andere weinen. Das ist die Kunst des Clownseins. Also, wie gesagt, wenn Savas mich anrufen würde: „Ey Seryoga, hättest du Bock auf ein Feature mit mir?“, würde ich sofort "Ja" sagen.  Ich habe Savas ja auch schon kennengelernt, ein super Typ. Du musst auch wissen, ich bin Fan von manchen Tracks von Azad und nicht von allen, aber eben von dem Mensch Azad. Es ist nicht so, dass ich hier jeden Track auswendig könnte, aber z.B. „Gegen Den Strom“ höre ich auf Repeat.

rap.de: Du kannst Deutsch, du kannst rappen und bist hier auch ganz gut angekommen. Da kommt natürlich unweigerlich die Frage auf: Wie sieht es mit einem Part oder sogar Track auf Deutsch aus?

Seryoga: Ja klar, aber das ist auch immer eine Frage der Authentizität und der Ehrlichkeit. Deutsch ist für mich nicht die Sprache, in der ich denke. Versuchen könnte ich es wahrscheinlich, aber das wäre dann nicht "ich". Auf russisch kann ich mein Produkt von außen sehen oder hören und sagen, das ist scheisse, und das ist gut.

rap.de: Wir haben auf eine News zu dir und Azad ein paar interessierte Resonanzen bekommen, wie dein Zukunftsplan hierzulande aussieht und ob generell schon weitere Projekte geplant sind. Wie sieht es da aus?

Seryoga: Ja ich habe doch hier meine Kette. Das heisst „King Ring 2006, -7, -8, -9 und 10", glaube ich (lacht). Ich habe jetzt mein eigenes Label gegründet und da schon fünf Künstler unter Vertrag genommen. R&B, Hip Hop, alles, mal sehen. Es gibt Talente und Potential da drüben. Auf jeden Fall ist ein International-Mixtape geplant, für Anfang 2007 – mit großen deutschen Namen. Amis auch, aber ich werde jetzt nicht sagen, welche. Lass dich überraschen! Zwei zusätzliche russische Rapper von meinem Label King Ring werden auch drauf sein. Dann noch St1m (Stiem ausgesprochen), ein Deutsch-Russe, der hier in Wiesbaden lebt, aber russisch rappt, total geiler Battler und totaler Savas-Fan ist (lacht). Und noch ein Moskauer Rapper, der sich $T nennt, ein richtig geiler Freestyler und tiefer Lyriker. Also ein original russisch-deutsch-amerikanisches Mixtape.

rap.de: Was wäre eigentlich  aus Herrn Seryoga geworden, wenn er damals nicht mit Rap in Verbindung gekommen wäre bzw. die Sache nicht so in die Hand genommen hätte, wie er es letztendlich  – zum Glück – doch getan hat?

Seryoga: Ich glaube, es wäre nichts aus mir geworden. Es hätte mich nicht gegeben. Deshalb bin ich auch erfolgreich geworden: Weil mir irgendwann klar geworden ist, dass es mein einziger Ausweg ist. Und einen Menschen, der das versteht, den kannst du nicht stoppen. So ist das. Bei allem, was du machst, musst du no limit gehen. Seitdem ich mir gesagt habe,  „Das machst du jetzt und zwar richtig“,  da ist jede Wand gefallen.

rap.de: Respekt.

Seryoga: Danke! Auf einmal treffe ich hier in Berlin jemanden, der das sagt. Weißt du, das Problem des russischen HipHop ist, dass so wenige sagen können: Respekt. Die denken das und die fühlen das, aber die können das nicht bringen. Das ist sehr wichtig, dass man das einander sagt.

rap.de: Und jetzt noch mal ganz ehrlich: Auf welchen Wodka schwört der Russe – und bedient ihr überhaupt dieses Klischee?

Seryoga: Gestern bei TRL, da hättest du das gesehen. Ich habe Wodka mitgebracht und alle mussten trinken und danach rappen (lacht). Und gestern Abend auch…Übrigens, gib dicke Props an Gilmano von mir. Gilmano und das ganze Slowjam-Team kriegen Probs, also mein Geheimtipp- und Favorite-Producer. Pass auf, Wodka sollte man nicht übertreiben. Wodka ist immer Wodka. Wodka ist Wasser und Spiritus, in einer bestimmten Mischung. Das sollte natürlich alles klar sein, aber dass der Wodka besser schmeckt als der, ist alles Mist. Wodka schmeckt nicht, Wodka ist einfach ein Seelenzustand (grinst). Ich trinke ganz gerne diesen Chilli-Wodka, so etwas ganz scharfes. Das Ganze dann zusammen mit Bier als Cocktail, ist das, was ich gerne trinke. Das nennt sich bei uns Jorsch (auf Deutsch). Das sind zwar harte Sachen, aber ich mag es halt (grinst).

rap.de: Deine abschließenden Worte an die rap.de-Leser?

Seryoga: Erstmal Respekt an rap.de, weil ihr sehr viel für meine Promo in Deutschland gemacht habt. Dann möchte ich allen danken, die dieses Interview lesen werden und möchte ihnen im Angesicht der anrückenden Feste, Sylvester und Weihnachten, allen viel Erfolg, positive Energie, Liebe und Gesundheit, also alles Gute wünschen. Und bitte Single und Album kaufen (grinst).

rap.de: Danke für das Interview und viel Erfolg.

Seryoga: Ich habe zu danken.

Nachgeschmacks-Wort:
Ich war nun soweit fertig mit dem Interview, aber leider noch nicht mit der kleinen Apollinaris-Flasche, die ich mir genommen hatte, nachdem mir Seryoga ein Bier angeboten hatte. Ich ging also mit der besagten Flasche die Stufen des riesigen Foyers runter, in Richtung Ausgang, als mich mein Lieblingsportier noch mal abfing und mich fragte, ob ich das da in meiner Hand mitnehmen wolle. Ich antwortete mit einem: „Ja, was denn sonst?“ Er wollte gerade zu einer Erklärung ausholen, beließ es dann aber doch bei einem einfachen, aber deutlichen: „Tschüss“. Meine Antwort war dann ebenfalls nur noch ein: „Hauste“ und so verließ ich das Gebäude letztendlich auch mit einem Eindruck, der meine Vorurteile bestätigte.

PS2 – Steig auf deinen Drachen…

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Eragon, vor der Kinoveröffentlichung des Films "ERAGON" am 14.Dezember stand schon am 24.11.2006  das dazugehörige Fantasy-Game für die PS2 und die Xbox 360 in den Regalen der Händler.

In dem Abenteuer steuert Ihr den jungen Eragon, der in den Bergen einen blauen Stein findet. Doch es stellt sich heraus, dass der Stein in Wirklichkeit ein Drachenei ist, der dem Besitzer magische Kräfte verleiht. Der böse König Galbatorix ist sich der Macht des Drachen bewusst und versucht dem jungen Drachenreiter seine Kräfte zu nehmen und ihn umzubringen. Als junger Auserwählter verliert Eragon in einer Nacht seine Familie und zieht los, um die Mörder zu finden.

Dabei benutzt das Spiel die Vorlage der gleichnamigen Bücherreihe des amerikanischen Schriftstellers Christopher Paolini. Das Spiel beginnt mit einem Tutorial, um die Fähigkeiten von Eragon vorzustellen. Dazu gehören verschiedene Bewegungsmöglichkeiten wie laufen, rennen, springen oder rollen.

An Vorsprüngen kann sich Eragon, wie früher Lara Croft, hochziehen oder am Berg entlanghangeln. Bei den Action-Moves gibt es verschiede Combos, für den Kampf mit dem Schwert. Es macht sich schnell bemerkbar, dass man mit den Schwerthieben nicht nur Gegner, sondern auch Hindernisse aus den Weg schlagen kann. Als zweites Kampfinstrument stehen Eragon Pfeil und Bogen zur Verfügung. In dem Tutorial wird natürlich auch diese Variante vorgestellt. Doch für manche Situation hilft kein Schwert oder Pfeil, um die reichlich anstürmenden Gegner aufzuhalten. Eragon besitzt die Macht als Drachenreiter, Gegenstände zu bewegen oder Gegner aus weiter Entfernung zu beseitigen. Auch Seilbrücken oder andere Gegenstände können funktionell bewegt und genutzt werden, um schließlich das Level erfolgreich zu beenden.

Überwiegend erlebt man Eragon in der Third Person-Perspektive. Die Kamera-Einstellung bleibt dabei überwiegend gleich. Dadurch hat man zu jeder Zeit eine gute Übersicht vom Geschehen in den Levels. In späteren Spielabschnitten kann man mit Saphira, Eragon´s Drache durch die Berge und Landschaft von Alagaesia fliegen. In diesen Levels erweitert sich erneut der Bewegungskatalog des Spiels. Um die Aufgaben zu lösen und sich vor Angreifer zu schützen, kann Saphira mit dem Drachenschwanz schlagen oder Feuerschüsse abgeben. Für die kleineren Ziele hat Eragon immer noch sein Pfeil und Bogen im Sortiment. Die Spielgrafik von Eragon ist selbst auf der etwas älteren Playstation 2 sehr gelungen und macht einen guten Eindruck.

Die Atmosphäre wird also von der Grafik nicht getrübt. Das Spiel erweckt mit ihrer Atmosphäre schon sehr früh die Neugier und die Spiellust des Käufers. Der Sound des Spiels wirkt relativ unspektakulär, ist aber auch durch die Häufigkeit der Kämpfe und Aktionen nicht erheblich.
Die Steuerung bzw. die Tastenbelegung des Gamepads ist gut gewählt und leicht verständlich.

Für die Mehrspieler kann man bei Eragon den sogenannten Koop-Modus verwenden. So kann man das komplette Spiel zu zweit bewältigen. Aber auch im Single-Modus bringt Eragon genügend Spielspaß für die Anhänger des Genre oder der Bücherreihe. Eragon gehört auf jeden Fall zu den Titeln, die für die Konsole gut umgesetzt worden sind und im Weihnachtsgeschäft eine mittelgroße Rolle spielen könnten.

Kaisa – Nixx Für Kinda

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Es sind gerade einmal knappe 10 Monate vergangen, dass Kaisa und seine Hassmonstaz mit dem Crew-Album "Traumfabrik" um die Ecke geschossen kamen, da gibt es auch schon  sein nächstes Solo "Nixx Für Kinda" auf die Ohren. Doch so allein ist der Berliner auch diesmal gar nicht, denn seine Majestät bewegt sich über einen Beatteppich, der von diversen Leuten mit äusserst ansprechenden Namen wie Dj Desue, Frantic, Undercover Molotow, Montana Beats, Paul NZA, Blokkmonsta, Santos, Gee Beatz und seiner selbst geknüpft wurde. Des Weiteren sei auch Phrequincy besonders zu erwähnen, der die musikalische Untermalung zum Vorab-Banger "Hinterhof" zu verantworten hat, zu dem man nicht nur eine Maxi, sondern auch schon das nächste Video nach "Kinder An Die Macht" an die Medien weitergab. Kurzum: Der Marketing-Aufwand war riesig und die Erwartungen sind hoch, schon allein anhand der vielfältigen Namensliste, zu der sich ausserdem noch die Featuregäste DnA, Skinny Al, Deso Dogg, Dissput, Blokkmonsta, GPC und die 4.9.0 Friedhof Chiller gesellen.

Wie Kaisa schon im rap.de Interview bekräftigt hat, soll jetzt  zwar wieder kräftiger auf die Kacke gehauen werden und  der inhaltliche Faktor eine etwas geringere Rolle spielen, dennoch fällt schon beim ersten Durchlauf auf, dass die Vielfalt an Themen und Aussagen keinesfalls unter dieser "Vorgabe" zu leiden hat. Das, was der Backpacker gemeinhin als Conscious-Rap bezeichnet, bleibt also weiterhin ein nicht unerheblicher Teil seiner Musik, wenn auch, wie sich das gehört,  im ganz eigenen Kaisa-Style, der mit Rucksacktragen dennoch nicht viel gemein hat. Dass auch ein Untergrund-Rapper mit allgemein eher hartem und schockierendem Ruf durchaus in der Lage ist, eine gesunde Brise tiefsinniger Inhalte in seine Texte einzubauen, was einige gern offen anzweifeln, wird auf "NFK" einmal mehr durch Tracks wie "Krankenhaus", "T.E.X.A.S", "Heavy Metal Beatz Teil 3" und zahlreiche weitere Lines bewiesen. Dieser Teil gehört schon seit dem ersten Album "Hassmonsta" zu Kaisa und daran hat sich glücklicherweise bis heute nichts geändert, sehr hörenswert und auf ganzer Linie überzeugend.
Etwas stärker aber kommt diesmal sein so markanter "Horror-Schock Style" zum tragen, davon zeugen vor allem "Kinderzimmerhorrorfilm" und "Wieder Mal Der Reisswolf".  "Nixx Für Kinda" ist nicht nur Name, sondern auch Programm. Diese Erkenntnis setzt sich auch im weiteren Verlauf der LP fort. In härtester Berlin-Rap-Manier zieht der Kaisa gegen Frauen "Typisch Frau" und den Rest der Szene (beispielsweise "Scheiss Auf Euch", "Nixx Für Kinder")  in den Krieg und representet mit "Der Schwarze Hai" oder "Gerne Gross" ohne Luft zu holen.
Zwischendurch gibt es dann aber auch noch die Selbstreflexion "Phantombild", in der Kaisa von wahren und falschen Freunden erzählt, sowie das vielleicht gewagte aber vollends gelungene "Keine Wärme". Ausserdem sollte das wie eine Filmstory wirkende "Dunkelkammer" noch hervorgehoben werden. Nur äusserst selten gibt es Anlass zu leiser Kritik. So hätten wahrscheinlich "Gestern Noch" und "Wieso Weshalb Warum" ohne die halb gesungenen Hooks etwas kompletter gewirkt, was aber dem positiven Gesamteindruck des Albums keinen grossen Abbruch tut.

Es geht wieder einmal kräftig zur Sache, neben Draufhauen ist auch Tiefsinn angesagt und Kaisas einmaliger Horror-Faible bleibt uns Gott sei Dank erhalten. Ein Album zum abschalten, abgehen und abhängen, dass sich auf eine besondere Art und Weise vom Standard abgrenzt und definitiv "Nixx Für Kinda" ist. Und das ist auch richtig so. Punkt.

Freedom Writers-Soundtrack

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Gute Mukke darf zu einem guten Film natürlich nicht fehlen. So wurden für das im Januar in die Kinos kommende Sozialdrama „Freedom Writers“ nicht nur die Oscar-Gewinnerin Hilary Swank und R´n`B-Act Mario als Schauspieler engagiert, sondern für den dazugehörigen Soundtrack z.B. auch Namen wie Talib Kweli, Pharcyde, Will I.am und auch Common. Letzterer wird übrigens voraussichtlich auch im Sommer nächsten Jahres sein 7. Album „Finding Forever“ an dem Start bringen. Na da sind wir aber mal in beiderlei Hinsicht sehr gespannt…

Doppelalbum

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Als Model begonnen, als Fernsehmoderator weiter gemacht, dann ein Album mit Platinstatus veröffentlicht, um sich dann erst einmal der Schauspielerei zu widmen. So liest sich das bisherige Leben von Tyrese aka Black Ty in kurzer Kurzform. Nun bekommt auch die Musik wieder seine präsente Rolle. Denn Tyrese hat ein jetzt Doppelalbum namens "Alter Ego" veröffentlicht. Die Liste der dabei beteiligten Features wäre auf jeder Rap-Gästeliste das absolute Highlight, denn er konnte u.a. Method Man, Snoop Dogg, Lil Jon, David Banner und The Game für sein Album mobilisieren.
Nach den Rappern zu urteilen, ist Qualität auf jeden Fall vorhanden!

P.Diddy sucht Boyband!

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Das Making The Band Projekt vor 3 Jahren scheiterte ziemlich kläglich. Da Band entpuppten sich uneingespieltes Team, daher verschwand die Band auch ziemlich schnell von der Bildschirmfläche. Danity Kane haben es nun allerdings ganz anders gemacht. Ihr Album wurde inzwischen mit Platin ausgezeichnet, das kann sich sehen lassen. Nun will P.Diddy an diesem Erfolg anknüpfen, mit einer All Men Band will er für Furore sorgen. Der Casting-Aufruf bringt die Sache eigentlich ziemlich schnell auf den Punkt:

"Wenn deine Stimme, die von Justin Timberlake in den Schatten stellt und deine Dancemoves Usher wie ’nen Anfänger aussehen lassen, dann hast du vielleicht das Zeug dazu in der Band zu landen!"

Na dann, viel Erfolg bei der Suche…

VA – Inspired by „Goldene Zeiten“ Soundtrack

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„Inspired by Goldene Zeiten Soundtrack“: wenn das mal kein schöner Name für eine CD ist, der sicherlich erstmal einer Erklärung bedarf. In diesem Sommer kam der dritte Teil der Unna-Trilogie von Peter Thorwart ins Kino, namentlich „Goldene Zeiten“. Im Oktober wurde der Film-Markt dann mit einer ganz besonderen Special Edition bereichert. Mutant Musik hat dieser "Triple-DVD Special Edition" nämlich noch einen eigenen komplett neuen Soundtrack beigesteuert. Auf diesem 19 Lieder starken Album befinden sich mit Lenny, Millionadi & Jesen, Pal One, Franky Kubrick,  Creutzfeld & Jacob u.a Künstler aus dem HipHop-Bereich, aber auch ein Rocklied und einige elektronisch angehauchte Musik, frei nach dem Motto “Da ist für jeden was dabei“.
Lohnt es sich nun, diese CD einzeln oder die Premium Edition dieses Filmes als HipHop-Fan zu kaufen?

Was sind die guten Seiten dieser Bonus-CD, die es musikalisch wert wären, die CD oder die Premium Edition zu kaufen?
Lenny, der Kölner Hauptartist von Mutant Musik, ist auf diesem Sampler gleich fünf Mal und damit mit Abstand an meisten vertreten und rappt routiniert und angenehm. Zusammen mit Creutzfeld & Jacob bildet er auch das absolut HipHop-technische Highlight dieser CD: „Nicht allein“. Auf einem ruhig-angenehmen Beat gibt es Schauspieler-Wortspiele vom feinsten: „Ich bleibe treu wie Moritz oder lasse Till schweigen, potenter als Franka werde ich Skillz stylen, versuche mich morgen zu verhaften, ich bin morgen free, man …. viele Bitches klopfen an meine Tür, aber ich lass nur Meg rein.“ Da darf man doch auf das neue Creutzfeld & Jacob-Album gespannt sein, was nächstes Jahr erscheinen soll, da sie uns eben „Nicht allein“ lassen wollen.
Ebenso gut ist der Track von Millionadi & Jesen, die auf der Suche nach „Bessere Zeiten“ auf einem etwas traurigeren Beat gut flowen: „Wir haben Dinge getan,  wir haben Dinge geregelt, nun sind wir in der Lage unseren Jungs eine Stimme zu geben. Noch laufen wir gestresst durch eine Welt voller Scheiße, doch wir glauben fest daran, es kommen bessere Zeiten“.
Generell kann man auch die „nicht HipHop-Tracks“ als gelungen bezeichnen. So gehören das einen an Prodigy erinnernde „U can run“ von The Machine sowie das sehr ruhige, country-lastige „Golden Times“ von Mazana zu den besseren Liedern dieser CD.

Warum sollte man sich nicht die CD oder die Premium Edition wegen der CD zulegen?
Weil bis auf den starken Creutzfeld & Jacob-Part zwar solide Arbeit geleistet wurde, aber das allein nicht für eine einen CD-Kauf ausreicht. Das Material auf der CD, die einzeln unter anderem hier erhältlich ist, ist als quasi kostenfreies Bonus-Feature auf einer Premium Edition angemessen, aber für den Einzelkauf der CD nicht ausreichend, auch wenn einige Lieder dann doch manchmal aufhorchen lässt.

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