Berichten zufolge hat der aus Mississippi stammende Bluessänger und Produzent Syl Johnson bei illustren Namen wie Michael Jackson, Tupac Shakur, N.W.A., KRS One, Will Smith und anderen eine Verletzung der Urheberrechte seines Tracks “Different Strokes“ angeklagt. Samples des Songs aus dem Jahre 1967 wurden zum Beispiel in Michael Jacksons “Blood On The Dancefloor“, Will Smith’s "Who Stole The DJ“, KRS One’s “Criminal Minded“, N.W.A.’s “Real Niggaz Don’t Die“ und gleich zweimal bei Tupac, und zwar in “Peep Game“ und “Nothing But Love“ festgestellt. Im Gerichtsverfahren in Illinois wurden auch die zugehörigen Plattenlabel wie Sony/BMG, Capitol und Universal genannt, um nur ein paar zu erwähnen. Nun fordert Johnson eine unbekannte Summe Schadensersatz. Stellungnahmen zu dem Fall gab es seitens der Künstler oder Plattenfirmen bisher noch nicht.
Mal sehen wie sich vor allem 2Pac da herauswinden möchte… .
Bluesmusiker verklagt Michael Jackson…
DMX Goes Gospel
Dark Man X kurz DMX (mit bürgerlichen Namen Earl Simmons) will zwei Alben am selben Tag veröffentlichen. Eines der beiden Alben soll ein „Gospel-Rap“ Album sein, bei dem Mr. Simmons keine Schimpfwörter gebrauchen will, um seine spirituelle Seite noch deutlicher zum Ausdruck zu bringen. Dieses Album wird "Walk With Me Later and Fly With Me Now“ heissen, während das andere Album, welches ausschließlich straighten Rap beinhaltet, mit “Walk With Me Now And You’ll Fly With Me Later” betitelt sein wird. An den Produktionen der Alben werden unter anderem Swizz Beatz, PK und Dame Grease beteiligt sein. Wir dürfen sehr gespannt sein was uns DMX mit den beiden Alben bescheren wird. Interessant klingt diese Sache allemal.
Ice Cube – Neues Album
"Raw Footage“ heißt nicht der nächste Film, sondern das nächste Album des Rappers Ice Cube: "It’s more political than my last record. That’s all I can say.“ Das erste Video zu dem Song "Gangsta Rap Made Me Do It", ist bereits abgedreht und auf dessen MySpace Seite zu sehen.
Rückblick 2007
Vom Anfang des Jahres an, hat mich persönlich ein Album, ein Rap-Duo bis zum Ende des selbigen hin konsequent beherrscht. Wenig Zeit verging, ohne dass in irgendeinem Abspielgerät "Hang zur Dramatik" von Morlockk Dilemma und V-Mann dudelte. Angesichts dessen, messe ich diesem Album und den zwei absolut wahnsinnigen MCs einen wesentlichen Wert bei, was mich dazu animiert, sie hier vornan zu nennen. Die Künstler des Jahres, neben Animus, der sich mit seinem zweiten Mixtape "Der Kugelschreiber Teil 2“ im Vergleich zu seinem ersten noch einmal steigerte. Man beachte außerdem "Omnipotenz in D-Moll“, Dilemmas neues Werk, angesagt für den Februar 2008, sowie seinen exklusiven Beitrag auf rap.de zum diesjährigen, etwas schwächelnden Feuer Über Deutschland Battle-Turnier.
Auch der Kollege Mike Fiction, neuerdings bei Snuffpro residierend seit 2007, überraschte mit seinem Solo-Debut "Dreckiges Deutsch“ (Hört sein rap.de Exklusiv). Unglaublich wie dieser Rapper seine Emotionen, vor allem Aggressionen, phonetisch umsetzt. Als Schauspieler verdient er ebenso Respekt, bevor ich ihn als Rapper kannte, sah ich ihn unvoreingenommen in der Hauptrolle des Films Wholetrain, von dem KRS One sagte, es sei der Beste Graffiti-Film der jemals gemacht wurde.
Erfreulich war das gerettete splash! 2007, welches trotz neuem Standort, also etwas Traditionsverlust, sehr erfolgreich war. Man erinnere sich an unvergessliche Performances von Snoop Dogg, Redman, Papoose, Kool Savas, Olli Banjo, der ohnehin immer die geilste Lifeshow hat, K.I.Z, Nico Suave, Toni L & Safarisounds und vielen mehr. Selbst die alten Herren des deutschen Raps, La Familia und Freundeskreis, konnten ihre historische Bedeutung, die das Festival mittlerweile auch inne hat, mit ihren Auftritten rechtfertigen.
Die Veranstaltung war sogar so erfolgreich, dass es eine beachtliche ebenso erfolgreiche Winteredition des Festivals in Amsterdam gab und, dass für nächstes Jahr schon hochkarätige Künstler zugesagt haben, um auf der Halbinsel Pouch mit den Fans Hip-Hop zu zelebrieren. Bald wird es sogar eine Dokumentation über diese wichtige Veranstaltung geben.
Der Herbst war heiß und es gab jede Menge Output, der an dieser Stelle noch mal Erwähnung findet: Kool Savas, "Tod Oder Lebendig" – daran scheiden sich die Geister, auch ich. Trotzdem eine tolle Platte neben dem enttäuschenden Album von Ercandize und dem kürzlich veröffentlichten Mixtape von Amar. Azad, "Blockschrift" – gilt bei vielen als überbewertet. Wu-Tang Clan, "8 Diagrams" – Dieses Album kann ich guten Gewissens wie mein Redaktionskollege Stefan, als gelungenes Comeback bezeichnen! Pharoahe Monch, "Desire" – großartige Scheibe, bei seinem Auftritt in Berlin im Kreuzberger Festsaal, spürte man unglaublich viel Energie auf der Bühne, sowie sein immenses Charisma hinter den Kulissen. M.O.R., "Simply The Best" – ebenfalls eine gelungenes Comeback, der etwas live-müden Berliner Rapveteranen. Nico Suave, "Suave and Friends" – Damit hat er sich selbst übertroffen und auch um Längen sein letztes Soloalbum "Mit Liebe Gemacht“. Olli Banjo, "Lifeshow" – Geht nach vorn aber kein ewig rotierender Klassiker, man warte gespannt auf das Remixalbum. Snaga & Pillath, "Aus Liebe Zum Spiel" – Ein Brett durch und durch, bis jetzt deren beste Veröffentlichung mit Charakter! Reno und Germany – "Zu Schön Um Wahr Zu Sein“ und "Die Stunde der Wahrheit“ sind schöne Platten, damit beweisen sie, dass sie es gemeinsam und genau so gut alleine drauf haben.
dd
………….
Der richtig dicke Hund kam wie so oft am Ende des Jahres: Während mich die Rücktrittsankündigungen von Separate und Eko Fresh weniger emotional berührten, nahm mich Marcus Staigers Ankündigung, das Label Royalbunker zu schließen doch mit. Irgendwie. Rap aus dem Bunker ist immer schon weit mehr gewesen als Rap und steht auch für ein Lebensgefühl. Es war übrigens auch Marcus Staiger, der uns einen Flächenbrand brachte, der schon seit zwei Jahren schwelte: KIZ. Sie brachten es zu wohlverdienter Bekanntheit und Popularität und beschäftigten die Redaktion mit diversen Schlagzeilen zu ihrem illegalen Konzert in Berlin, ihrem Charteinstieg oder ihrer Zensur. Sil-Yan und Maxim überzeugten auch im Interview, lesen empfehlenswert.
Das in den letzten Jahren totgesagte Berlin trat aber auch 2007 mit einigen für mich überdurchschnittlichen Alben wie denen von Godsilla, Sera Finale oder Mach One & Darn und Imbiss Bronko in Erscheinung. Andere Alben, die mich nach Feierabend auch noch privat auf den Kopfhörern durch den Alltag begleiteten durften, waren „American Gangster“ (Jay-Z), „Mach Et einfach“ (Icke & Er), „Desire“ (Pharaohe Monch), "Graduation" (Kanye West), „Base Ventura“ (Marteria) und "Radio Blood Money" (Le Peuble de L’herbe), um nur einige zu nennen.
2007 bescherte zwar die ein oder andere Enttäuschung, weder Azad noch Kool Savas, weder die Spezializtz noch MOR konnten die hoch gesetzten Erwartungen erfüllen, dafür überraschten und überzeugten zum Beispiel Mädness, Morlock Dilemma und Ali As um so mehr.
Dieser wunderbare Job bei rap.de gibt mir die Chance hier und da eine etwas tieferen Einblick zu bekommen, als das den meisten Rap Fans möglich ist und dabei viele nette, witzige und beeindruckende Menschen kennen zu lernen. Eines der Interview-Highlights dieses Jahres war für mich Ja Rule, den ich einige Minuten am Telefon hatte. Bringen wir 2007 also mit einer kleinen Interview Ankedote zu Ende: Der gute Mann verstand meinen Namen nicht, obwohl er mehrmals nachfragte und nannte mich das Gespräch über nur noch "Honey" und "Baby". Charmant!
Am Ende des Jahres wird man gerne ein wenig sentimental und so sehr ich es auch leid bin, mich dafür „zu rechtfertigen“, dass ich „als Frau Sido gut finden kann“, Images zu diskutieren und vor allem deutschen Rap „verteidigen zu müssen“ , so gehe ich trotzdem fest davon aus, dass Rap mir auch 2008 wieder zurückgibt, was all diese Diskussionen wieder sinnvoll werden lässt: Amüsante, bewegende und technisch ausgereifte Musik. Gute Musik.
Nora
———–
Newcomer Releases 2007
Auch dieses Jahr konnten sich einige Rapper, Crews und Bands einen Namen machen, wenn auch nur einen „kleinen“ und auch wenn es noch ein weiter Weg an die Spitze der Rapwelt ist. Sie fanden Erwähnung bei uns und somit auf eine der größten deutschsprachigen Internet Portalen und gewannen somit auch etwas an Bekanntheit dazu.
Sicherlich sorgten einige der Veröffentlichung für etwas Aufregung auf rap.de, doch überwiegend nur in Form von Kommentaren, die User hinterlassen haben:
Sie veröffentlichten im November 2007 über das Label „Kopfhörer Recordings“ ihre EP „Ryoma“. Die Rede ist von dem Rapper Ryo und dem Beatbastler Algorhytmiker die zusammen das Duo Ryoma bilden. Ihr Sound wird in unserer Review als sehr abwechslungsreich und gutklingend bezeichnet. „Ryoma gelingt es, einen facettenreichen Sound zu kreieren, der mit dem gefühlvollen Inhalt im Einklang steht.“
Zur rap.de Review
www.myspace.com/ryomamusic
www.kopfhoerer-rec.de
The Jazoburbs aus Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) sind ein Produzententeam, das in diesem Jahr ein Album veröffentlicht hat. Es heißt “Weight Of Soul” und liefert genau das, was der Titel verspricht: Rap mit Soul! Tweak Sensei und Efalive (The Jazoburbs), die bereits seit 2002 zusammen arbeiten, veröffentlichten ein Album auf dem sie dicke Unterstützung von unter anderem Riddlore (Project Blowed) und LMNO (Visionaries) bekammen.
Zur rap.de Review
https://www.myspace.com/thejazoburbs
Als „Einzelkind“ bezeichnet sich der Bremer Montana Max, der mit seinem Album „Einzelkind“ im Jahre 2007 auch bei rap.de Erwähnung gefunden hat. Zwar ist die Review nicht ganz so gut ausgefallen, wie es sich Max oder sein Label 203 Records gewünscht hätten, doch kann sie sich das Album und die Review trotz alle dem sehen lassen.
Zur rap.de Review
www.203records.com
rap.de berichtet nicht nur über Newcomer in Deutschland, auch findet ab und zu mal ein Silberling eines Newcomers aus Österreich oder der Schweiz den Weg in unsere Redaktion. So zum Beispiel bekamen wir im März 2007 die CD von Mek MC. Der aus Kärnten, Österreich stammende Producer, Rapper und Songwriter lieferte sein Werk „Es Wird Zeit Für Metanoia“ ab und schickte einen Gewissen Anspruch an das Werk voraus – bei so einem ehrfürchtigen Titel.
Zur rap.de Review
www.mekmc.com
Manchmal finden Newcomer CDs den Weg in unsere Redaktion, die alleine schon durch ihren Titel oder gar den Namen auffallen. Entweder fallen sie durch übertriebenes Waffengepose, schlechter Grafik oder einfach durch ihre lustigen Namen auf. Letzters bescherte uns das Album von Nic Knatterton & Johanna, dessen Titel „Knatterton Goes Popmusik“ schon eher dazu verleitete, die CD nicht 100 %ig ernst zu nehmen. Doch ganz anders kam es dann in der CD Bewertung.
Zur rap.de Review
https://www.nic-knatterton.de
https://www.myspace.com/nicknatterton
Ein Album mit dem Namen „Wer Schweigt, Gibt Recht“ mit Aussagen, schlauen Texten und philosophischen Ansätzen brachte Audio88 über Himalaya Pop raus. Er zeigte auf mehr oder weniger beeindruckenden Weise, wie man Rap Musik „noch“ verstehen, bzw. missverstehen kann.
Zur rap.de Review
https://www.myspace.com/audioachtacht
Aus Hamburg City erreichte uns ein Labelsampler der den klangvollen Namen „Die Gesellschaft der Schwarzen Raben – Rabenmukke Vol.1“ trägt. Das im Stadtteil Hamburg-Ost ansässige Label Jentown Crhyme und deren Künstler Karim, Caine, Secret, Mag, Simon und Bonez MC zeigten ihre Stadt von einer eher unbekannten Seite.
Zur rap.de Review
https://www.jentown-crhyme.de/
https://www.myspace.com/jentowncrhymeofficial
Einen sehr mutigen und gewagten Titel trug eine 10 Tracks starke EP von Panik & Koljah. Sie nannte sich „Mut Zur Blamage“ und erschien über pogo productions. Die beiden sehr sympathisch wirkenden Jungs Panik & Koljah haben einen Drang zur Selbstironie und hatten dadurch bei ihrer Review und unserem Redakteur schon ein „Stein im Brett“.
Zur rap.de Review
https://www.panik-panzer.de/
Aus Berlin und aus dem Hause 80Hz Records kam Anfang 2007 eine Scheibe in unser Haus geflattert, die auf einem hohen Level produziert wurde. Doc Sun & Skize One mit ihrem 18 Track starken Streetalbum “Die Welt Ist Nicht Genug” konnte durch eine Vielfalt an Styles überzeugen. Von Party- über Story- bis hin zu nachdenklichen Tracks war alles auf der Scheibe vertreten.
Zur rap.de Review
https://www.80hz-records.de
https://www.myspace.com/skizeonemusic
Olli
——–
Es sollte das Jahr des Megastars 50 Cent werden. Nun, im Grunde war es dies auch, nur weiß man nicht, ob dieser Erfolg auch bei ihm einen schalen Nachgeschmack zu hinterlassen beginnt. Wenn man die Nachrichten und den Trubel verfolgt, der um die Personalie Curtis Jackson herum generiert wird, macht sich dieser nach Verderben schmeckende Nachgeschmack selbst beim Beobachter breit.
Zugegeben, es ist schwierig in einem Musikgenre, in dem Wahrhaftigkeit so ziemlich allem untergeordnet wird, kommerzielle Erfolge zu feiern. Denn was passiert als erstes, wenn man Erfolg, Geld und Macht anfängt anzuhäufen? Man will mehr davon, vollkommen menschlich. Was aber, wenn das komplizierte Gefüge aus Artist, Plattenfirma und Publikum irgendwie nicht mehr im vernünftigen, nachvollziehbaren Verhältnis zueinander steht und Wahrhaftigkeit und das Mehr an Geld und Erfolg, das sich der Artist wünscht, nicht mehr miteinander in Einklang zu bringen sind? Dann sieht man sich in 50 Cents Lage.Vielleicht war er noch nie der talentierteste Rapper, aber was man ihm hoch anrechnen muss: er hat dem Musikgenre Hip Hop Hits und damit eine neue Ära des Fames eingebracht. Für Hits hat er ein Händchen, das war nach „In Da Club“, „P.I.M.P.“ und „Candyshop“ sowieso klar. Aber was verpasst wurde, ist vielleicht unverzeihbar und bringt die ganze Szene an den Rand der Verzweiflung: die Anknüpfung an diese Erfolge, um eine neue Ausdrucksform des Hip Hop, den Hip Hop des 21. Jahrhunderts sozusagen, zu etablieren. Und das kann man nicht 50 alleine anlasten, er war und ist überhaupt nicht fähig, das alleine zu Stande zu bringen, aber er hat eine fatale Entwicklung mitgetragen und war ein Teil davon.
Die Fehlentwicklung besteht (und bestand auch schon seit Jahren) darin, dass versucht wurde, dem geneigten und zum Teil einfach auch unwissenden Publikum eine Art Hip Hop light oder wie es auch schon in einschlägigen Kreisen heißt, Hip Pop oder Gangsta Pop schmackhaft zu machen, was denn auch zum Teil gelingt, was die kurzfristigen Verkaufszahlen von „Curtis“, dem letzten im September erschienenen Longplayer 50 Cents, bewiesen. Aber eben nur kurzfristig. Und Verkaufszahlen sind ein sehr schlechtes Indiz für Qualität und die schon erwähnte Wahrhaftigkeit respektive Realness. Immer mehr wird mit Ablehnung auf die Arroganz reagiert, mit der 50 Cent immer öfter in den Medien auftaucht, angefangen mit seiner zweifelhaften Wette um Verkaufszahlen, die er dann auch noch gegen den (zumindest in den Staaten) erfolgreicheren Kanye West verloren geben musste. Realness, das heißt die Treue gegenüber den Prinzipien, die Hip Hop Künstler seit jeher vorzuleben versucht haben. Eines dieser Prinzipien ist, die Musik und die Inhalte, die diese transportieren soll, nicht für Geld zu kompromittieren und diesen Schritt hat Curtis Jackson getan. Nicht als erster, sicher, aber dafür mit der größten Tiefenwirkung. Diese Treulosigkeit merkt man der Musik an und diese Kompromissmusik, die Verwässerung dessen, was eigentlich mal Rapmusik war, ist als Einzelprodukt nicht vermittelbar – nicht für die Hip Hop Fanbase und auch nicht für den Mainstream, also wird dieses Produkt auch noch mit allen möglichen Nebensächlichkeiten, die hier zur Essenz der Verkaufsstrategie gehören, unterfüttert. Fifty, der Gangsta aus dem Ghetto, Ex-Drogendealer und neunmal angeschossen. Das Gangsta-Image war perfekt! Und neben ihm singt nun Goldkehlchen Timberlake in pseudofrivoler Manier „She wants it!“ und im Video stellen die beiden heißen Frauen nach, die sich selbstverständlich gerade bis auf die sexy Unterwäsche entkleiden. Zweiter Aufhänger der Strategie: Sex.
Mag sein, dass es den Majorlabels schlecht geht, nicht zu leugnen, dass die Internetpiraterie ein ernstes Problem ist, auf die Antworten gefunden werden müssen. Aber ist das die Antwort? Sex sells, Gangsta sells. Wo bleibt die Musik?
Längst wird dagegen gearbeitet. Die Indie-Szene, die auch in der Hip Hop Musik schon immer recht groß war, rüstet sich, um abseits von Images und Verkaufsstrategien zu versuchen, die in ihren Augen wahre Musik zu machen und diese auch an den Mann und die Frau zu bringen – und das mit erheblichem Aufwand und Selbstrisiko, was nur eine ausgeprägte Liebe zu dieser Musik rechtfertigen kann. Viele von ihnen sind Teil der Undergroundbewegung, die sich von der Ostküste über den ganzen Kontinent zur Westcoast erstreckt und sie sind sich einig – ich hatte die Gelegenheit mit ein paar von ihnen zu sprechen – , dass die Musik in den kommenden Jahren nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie auch wieder Inhalte hat. Echte Themen, Themen die mitreißen, mit denen man sich identifizieren kann und in kein Gangter-Disneyland entführt wird. Vielleicht wird diese Erkenntnis auch in Bälde mal in die Führungsetagen der Labels einsickern und zum Umdenken zwingen – die 2007 erneut gesunkenen Plattenverkäufe sollten mehr als alarmierend sein. Man kann nicht alles dem Internet anlasten, es wurde auch einfach falsch reagiert, fast schon panisch und auf Sicherheit bedacht. Es werden nur noch Acts gesignt, die wenig bis nichts zu sagen haben und bloß nichts Neues, Anstößiges an sich haben dürfen, es sei denn, sie haben vorher über MySpace oder ähnliches bewiesen, dass das was sie repräsentieren, mehrheitsfähig ist. Man könnte jetzt zur großen Kapitalismuskritik ausholen, das würde hier zu weit führen, aber klar ist, dass auch bei Plattenfirmen alles den Zielen Gewinnmaximierung und Zufriedenstellen der Aktionäre untergeordnet wird. Das geht nicht zusammen mit der ursprünglichen Aufgabe eines Labels, nämlich eine Art Bindeglied zwischen dem Act und dem Publikum zu sein. Am Ende ist man geneigt zu sagen, Musik aus Liebe zur Musik zu machen und dabei Geld zu verdienen, ist unmöglich – wenn es doch passiert, ist es Zufall und ganz viel Glück.
Im Fall 50 Cent war es nur anfangs so, aber um den Status Quo zu halten, waren oben genannte Strategien nötig und eine eigentlich nicht hinnehmbare Verdummung seiner Musik. Jetzt steht er ziemlich einsam da. Fast schon als tragische Figur muss man ihn dieser Tage wahrnehmen – der letzte verbliebene Superstar des Raps, geschasst von der eigenen Zunft. Von allen Seiten prasseln Vorwürfe auf ihn nieder, wird er öffentlich diffamiert, etwa vom Wu-Tang Clan, der sich 2007 wie ganz nebenbei auf die Agenda setzte, um gewissermaßen die Ehre und die alte Straßenattitüde des Hip Hop zu retten, und das mit gar nicht wenig Erfolg – ein Hoffnungsschimmer. Fiddy ist auf jeden Fall der Buhmann der Stunde und zeigt sich zudem mehr und mehr der Realität entrückt, wie neulich, als er sich schuljungenhaft in Belgrad beim (mutmaßlichen) Koksen erwischen ließ und genervt ein Interview geben musste, obwohl er wohl am liebsten den Kameramann zu Brei geschlagen hätte. Oder beim Interview in der aktuellen Ausgabe der Juice (01/08), wo er alles andere als sympathisch rüberkommt und trotzig der Technologie die Schuld an den schlechten Plattenverkaufszahlen gibt und – natürlich – nicht die Spur einer Idee der Lösung anbieten kann.
Was man sich für 2008 nur wünschen kann, ist ein emanzipierteres Publikum, das sich darüber im Klaren ist, was es will. Ob es weiterhin unmündig Scheinwelten kauft oder ob es ihm um die Musik geht. Und es braucht Medien, die diese Stimmung klar wiedergeben, sich weniger für Promotionzwecken einbinden lassen und objektiv darüber berichten, was in der Hip Hop Welt und der Musikwelt allgemein vor sich geht und wo sich kulturell wirklich etwas bewegt. Willkommen in Utopia.
Stefan
———–
Boba Fettt – B-O-B-A, der letzte Kaiser..
Von Mixtapes halte ich persönlich nicht sonderlich viel, hoffentlich wird auch dies nur ein Trend der Zeit sein, der bald wieder in Vergessenheit gerät, denn nur selten sind sie wirklich gut. Wer allerdings die offizielle Lizenz des Mixtapeproduzierens erhalten sollte ist ein Herrr aus Berlin, der sich unter anderem bescheidene Namen wie der Herrscher der Welt, der Fürst der Finsternis oder auch der Herr des Lichts gibt, Herr Professor Doktor Fettt.
Seit 1989 ist er dem Rapspiel verfallen, vom Bunker über Edit Entertainment war er Gast einiger Berliner Indielabels, ist er nun bei Prinz Pis Label No Peanuts sesshaft geworden. Und auch hier legt der Professor gleich eines seiner Mixtapes nach. 2006 hat er gleich Teil I und II rausgehauen, nun ist endlich der dritte und auch letzte Teil der Mixtapetrilogie erschienen. Beatperlen von Black Moon, The Beatnuts, Dr. Dre und Guru, um nur ein paar zu nennen, bilden die perfekte Untermalung zu Bobas unverkennbarem Rapstil und Texten, die durchaus kein Standard sind. Ganz und gar nicht einseitig ist das Themengebiet seiner Texte, ob Battle oder Inhalte, in jeder Disziplin glänzt der Professor. Der Missionar und Sozialpädagoge macht dich darauf aufmerksam, dass du dein Leben verschleierst und wegwirfst, wenn du täglich zur Bong greifst. Immer wieder wird der Hörer dazu aufgefordert Konventionen nicht einfach so hinzunehmen, sondern auch mal zu hinterfragen und zu reflektieren was um einen herum so geschieht. “Die meisten suchen ihr Glück und denken es kommt mit Geld und Huren, doch sollten sie es besser mal mit der Suche nach sich selbst versuchen.“ Auch das Abschmelzen der Polkappen bleibt hier nicht unerwähnt. Die Synapsen werden nicht überfordert, eine ausgewogene Mischung ist Bobas Geheimnis. Wenn real bedeutet kein Image zu haben, Raps zu schreiben die auf eigenen Erfahrungen basieren, dann ist Herr Fettt durchaus real. Besonders “No Love“, vielleicht kann man mir als Mitglied des weiblichen Geschlechts nun übermäßige Sentimentalität vorwerfen, dieser Track sollte jedoch jeden beeindrucken, da er an Ehrlichkeit kaum zu übertreffen ist. Ein Track an all die braven Jungs gerichtet, die einfach kein Glück bei den Frauen haben, sicher keine Seltenheit, jedoch wird im Rap üblicherweise eher davon gesprochen wie viele Frauen man schon hatte, statt zu erwähnen, wie lange es schon her ist seit der Letzten. Sehr groß.
Erwähnenswert ist auch die erlesene Featureauswahl. Taktlo$$ auf “Die Letzten“ stellt hier sein Rapgenius wieder hervorragend zur Schau. Kursun, ein mir zuvor unbekannter türkischer MC, zerflext alles auf “Soh La La“, Justus beweist auf “Legenden“ wieder einmal spielerisch seine technische Überlegenheit und auch K.I.Z. sind wieder in Höchstform. Ebenfalls erwähnenswert ist “Triumvirate“(RMX) mit Myka Nyne, Abstract Rude von der legendären Project Blowed und Fettts ehemaliger Edit Labelkollege Wakka, stehen nur einmal mehr für die allgemeine Qualität dieses Mixtapes. Norma Fraser’s "The First Cut Is The Deepest“ Reggae Klassiker lässt Boba fast vollständig durchlaufen “Der erste Schritt ins Herz ist der erste Schritt in eine neue Welt und sie ist nicht gerade freundlich…“.
Ein Geschenk für all die Hoffnungslosen, für Leute mit Lebensfragen und Leute die nach gutem Rap fragen.
Battle Of The Year – Battle Of The Year 2007 DVD
Endlich ist es soweit! Die offizielle Videodokumentation zum wohl größten Breakdance-Event der Welt, dem Battle of the Year 2007, ist ab sofort erhältlich.
Das Battle of the Year ging, wie schon in den Vorjahren, in der Volkswagenhalle in Braunschweig über die Bühne. Etwa 9000 Zuschauer konnten wieder einmal die spektakulärsten Showeinlagen und natürlich die Battles der Welt-Elite im Breakdance bewundern.
Nate Dogg im Krankenhaus
Nate Dogg, die Stimme der Westcoast, die bereits sämtlichen Größen der Rapszene geliehen wurde, hat Berichten zufolge die Weihnachtsfeiertage im Krankenhaus verbracht, da er einen leichten Schlaganfall erlitten hat. Am 26.12.2007 entlassen, konnte er wenigstens Silvester im Kreis seiner Liebsten verbringen.
Nate Doggs 5tes Soloalbum soll in diesem Jahr erscheinen. Viel Erfolg hierbei und gute Besserung!
Def Jam ohne Jay-Z
Jay-Z hat sich entschieden, seinen Posten als Def Jam Präsident aufzugeben. Mit dem Ende dieses Jahres, lief der Vertrag aus und wurde nicht erneuert. Gerüchte kursierten, dass Jigga zu hohe Geldansprüche an das Label stellte, die aufgrund der schlechten Verkaufszahlen in der Musikindustrie nicht tragbar wären.
"I’ve been incredibly fortunate to have served as president of such a culturally-defining label as Def Jam over the last three years. During that time, I’ve had the pleasure of working with many of the world’s most dynamic artists and many of the most dedicated and talented executives in the music business today, including [IDJMG Chairman/ CEO] Antonio "L.A." Reid. But now it’s time for me to take on new challenges. I am pleased to have had the opportunity to build upon the Def Jam legacy, helping to move the company into a new era of artistic success," gab Shawn “Jay-Z” Carter in einem Statement bekannt.
Angeblich soll Jay, entgegen seinen kürzlichen Aussagen, weiterhin als Künstler bei Roc-A-Fella über Def Jam unter Vertrag bleiben.




