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Baba Saad

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Baba Saad nimmt nicht gern ein Blatt vor den Mund. Das merkt man seinem neuen Album "Halunke" an. Er spielt es uns in einem geräumigen Benz der gehobeneren Klasse vor, der vor dem Sportcafé eines Freundes in einer nicht besonders schicken Gegend von Bremen parkt. Ein Mann in einem traditionellen afrikanischen Gewand läuft über den von Schlaglöchern durchsetzten Gehweg. Die meisten Songs sind genau das, was man von Saad erwartet: Hart, direkt, frech, mit einem Augenzwinkern zwar, aber ohne Kompromisse. Danach bittet er uns in den Keller des Etablissements, das erst in einigen Tagen offiziell öffnen wird. Dort gibt er uns ein Interview, in dem er ebenfalls kein Blatt vor den Mund nimmt, sondern ganz offen über seine Erwartungen an "Halunke", seinen Weggang von EGJ und seine Meinung über diverse andere Rapper spricht.

rap.de: Dein Album – wir haben es gerade gehört – ist zu etwa 50 % einfach voll asozial. War das Absicht?

Baba Saad: Was heißt hier nur 50%?

rap.de: Na gut, dann eben 70%.

Baba Saad: 75.

rap.de: Okay. (lacht)

Baba Saad: So kennt man mich. Also muss ich auch so ein asoziales Album machen, weil die Leute, die mich hören und unterstützen, halt diesen Style feiern. Ich fahr diesen Film schon seit Jahren. Ich bin ja erst 25, aber ich fahr diesen Film, seitdem ich 16, 17 bin. Ich habe mich auch von meinem Ex-Label getrennt, weil die diese Mucke nicht mehr machen und ich dort so eine harte Musik nicht mehr rausbringen kann. Das war auch einer der Gründe, wieso ich mich von denen getrennt habe. Und dann entsteht halt so ein Album. Das ist ein ehrliches Saad-Album, alles andere wäre eine Lüge gewesen. Ich lüge eigentlich sehr ungern. Die restlichen 25% sind traurige Lieder, von Storyteller bis Liebeslied und persönliche Songs, ist ja auch alles dabei, weil ich ja auch dafür bekannt bin, dass ich so etwas mache und auch gut kann. Es gibt viele, die vielleicht nicht die harten Songs feiern, sondern mehr diese Songs feiern, also muss ich quasi beide Parteien zufrieden stellen. Auf meinem Debüt-Album war ich ja auch ziemlich ruhig, dafür war ich dann bei “CCN“ richtig ekelhaft und auf “Saadcore“ habe ich auch nur zwei Themensongs, da war ich auch wieder härter.

rap.de: Aber denkst du wirklich über deine Fans nach, wenn du ein Album aufnimmst oder kommt das erst im Nachhinein?

Baba Saad: Nö, nö. Guck mal: Erstens feier’ ich diese Musik, ich kann sagen, dass ich mir bis heute treu geblieben bin. Ich feiere diese Musik und ich feiere auch diesen Lifestyle, ich mag das einfach. Ich bin nicht so der der Partyrapper. Ich mag es einfach, so zu sein und ich lebe auch mit ziemlich vielen Menschen, die so drauf sind wie ich rappe. Ich bin schon ein Höflicher, aber man kann ja auch ein höflicher Asi sein. Das ist einfach mein Lifestyle, und die Leute, die mich unterstützen und supporten, wir sind auch schon wie eine kleine Familie geworden. Die helfen mir quasi mit den CD-Käufen und wenn sie zum Konzert kommen, und ich gebe ihnen ja auch was zurück mit meiner Musik. Wenn sie diese Musik nicht feiern und fühlen würden, dann würden wir das auch nicht hören, deswegen ist da so ein Mittelweg zwischen beiden. Ich muss das natürlich selbst feiern, aber ich muss auch den Supportern das zurückgeben, was sie mir geben.  Wenn das nicht so wäre, dann wäre ich auch bei EGJ geblieben, da hätte ich die aber angelogen und mich auch selber verarscht, was natürlich am schlimmsten gewesen wäre.

rap.de: Gab es von EGJ konkret eine Ansage nach dem Motto “Entweder machst du jetzt ein softeres Album oder du kannst gehen“?

Baba Saad: Ich bin einfach hingefahren und habe mein Album abgegeben, dann haben sie es gehört und mir gesagt, so können wir das nicht raus bringen, weil das so zu hart ist, zu Saad. Dann habe ich gesagt, ich mach doch diese Musik schon seit Jahren, ihr habt doch auch mit dieser Musik angefangen. Ja nee, hieß es, das können wir so nicht raus bringen, mache das bitte noch mal. Irgendwann, ein paar Monate später kam noch mal ein Anruf, dass ich ein Album abgeben soll. Und ich habe denen eiskalt das gleiche Album wieder hingeschickt. Sie haben mich angerufen, da habe ich konkret gesagt: Ey, entweder so oder gar nicht. Ich bin hier kein Sklave, für keinen, und ich mache die Musik so, dass sie mir gefällt. Ich muss mir auch treu bleiben. Und wenn die damit nicht klar kommen, dann tut es mir leid, dann fickt euch.

Baba Saad im Interview

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Übernächste Woche erscheint Baba Saads neues Album "Halunke". Es ist seine erste Veröffentlichung, die nicht über sein Ex-Label Ersguterjunge erscheint.

Über die Gründe der Trennung von EGJ spricht er im Interview mit rap.de, das ihr seit heute auf unserer Seite findet. "Ich bin einfach hingefahren und habe mein Album abgegeben. Sie haben es sich gehört und mir gesagt, so können wir das nicht raus bringen, das so zu hart ist, zu Saad." Davon habe er sich aber nicht beeindrucken lassen. "Ein paar Monate später kam noch mal ein Anruf, dass ich ein Album abgeben soll. Und ich habe denen eiskalt das gleiche Album wieder hingeschickt. Sie haben mich angerufen, da habe ich konkret gesagt: Ey entweder so oder gar nicht. Ich bin hier kein Sklave, für keinen, und ich mache die Musik so, dass sie mir gefällt. Ich muss mir treu bleiben. Und wenn ihr damit nicht klar kommt, dann tut es mir leid, dann fickt euch."

Aber nicht nur musikalisch, auch, was den Lifestyle angeht fühlte sich Saad bei EGJ nicht mehr gut aufgehoben, erklärt er. "So “Ich poppe jetzt mal ein Model und ich muss mich jetzt auf jeder Promi-Party blicken lassen mit irgendwelchen verstrahlten Menschen“, das ist nicht mein Ding."
Die Welt der Reichen und Schönen sei nichts für ihn: "Das ist alles eine verlogene Gesellschaft. Jeder lächelt den anderen an, aber keiner interessiert sich für dich. Die sind alle so komisch, das sind auch alles Penner wenn sie irgendwo ein Buffet sehen, rennen sie hin wie die letzten Tiere, als ob die zuhause kein Essen hätten. Das ist nicht meine Welt."

Seine abfälligen Äußerungen über seinen Ex-Labelchef Bushido bei einem Haftbefehl-Konzert relativert Saad allerdings. "Da waren noch Spannungen in der Luft, ich habe einen über den Durst getrunken. Dann sind halt die Emotionen mit mir durchgegangen und ich habe einen blöden Satz gesagt, ich stehe auch dazu, das ist ja nicht so schlimm. Vor kurzem hat man dann noch mal telefoniert, hat ein bisschen geredet, und auch, wenn er das wahrscheinlich nicht zugeben würde, hab ich doch gemerkt, dass auch ihm was an mir liegt, so wie mir auch an ihm."

Was Saad sonst noch so alles erzählt hat, könnt ihr in unserem ausführlichen Interview mit dem Bremer nachlesen.

Zur Einstimmung gibt es hier noch mal seinen Video-Shoutout für rap.de:
 

 

Eko Fresh über sein neues Album

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Nächste Woche erscheint Ekos neues Album "Ekrem", über das wir bereits kürzlich vorab berichtet haben.

Im Interview mit rap.de, das wir vor kurzem mit ihm geführt haben, erklärt Eko, warum er das Album einfach mit seinem bürgerlichen Vornamen betitelt hat. "Das soll bedeuten, dass es so persönlich ist, wie bisher noch kein Release von mir", so der Wahlkölner. "Die Kunstfigur Eko Fresh hab ich auf diesem Album weitestgehend raus gelassen. Es ist das Album, das am nächsten an mir dran ist."

Im übrigen sei er es leid, immer nur über seine vieldiskutierte und teilweise umstrittene Vergangenheit zu reden. Vielmehr wolle er endlich wieder nach vorne schauen. "Ich kann ja nicht die ganze Zeit über meine Vergangenheit rappen. Das kann man mal auf EP-Länge machen, aber ein Album soll schon zukunftsorientiert sein.
Auch der vermeintliche oder tatsächliche Mangel an Respekt für seine Verdienste, früher ein Lieblingsthema von Eko, sei kein Thema mehr auf "Ekrem". "Ich wollte auch nicht schon wieder der Vergangenheit hinterhertrauern nach dem Motto "Ich hab nicht bekommen, was ich verdiene"."

Schließlich und endlich habe er das ja auch gar nicht nötig, betont Eko. "Wenn man nur die Erfolge betrachtet, hab ich genug Platten verkauft. Nur weil ich ein weiches Herz habe und möchte, dass alle wirklich die Wahrheit kennen, war ich auf so einer Mission, alle zu überzeugen.

Selbstkritisch reflektiert er die Gründe seines Handelns, untermauert aber seine Aussage, er habe damit inzwischen endgültig abgeschlossen. "Ich hätte einfach nur weiter kommerzielle Videos machen und mein Geld kassieren können. Stattdessen hab ich halt aus meinem Komplex heraus gehandelt. Da kann man jetzt tausend Jahre drüber reden. Ich red da mittlerweile ungern drüber. Wissen doch jetzt alle. So etwas kommt von mir nicht mehr. Es ist alles auf die Zukunft gerichtet."

Und in der nahen Zukunft könnt ihr das ganze Interview mit Eko Fresh bei rap.de lesen. Wie nahe? Nun, nächste Woche ist schon ziemlich nah, oder?

Bis dahin könnt ihr euch nochmal die exklusiven 12 Takte reinziehen, die Eko für uns eingerappt hat:
 

 

Silla – Ansage zur Tour

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Silla geht auf Tour und das Ende September. Mit im Gepäck hat er den Newcomer Mo Trip und Joka. Das Ganze wird von rap.de präsentiert. Die genauen Tourdates findet ihr hier. Und. hier seht ihr seine Videoansage zur Tour:
 
 

Timeless – Sonne für euch feat. Vega

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Kürzlich wurde bekannt gegeben, dass Olson Rough nicht mehr zu Vegas Label Freunde Von Niemand gehört. Sein Nachfolger, sowohl auf der Tour wie als Label-Signing, ist der Kölner Timeless, den wir euch heute hier vorstellen wollen. Seine EP "Sonne für euch" ist soeben erschienen und kann hier heruntergeladen werden. Daraus könnt ihr euch den Titelsong anhören:
 
 
rap.de: Der Titel deiner EP “Sonne für euch” hört sich sehr positiv an. Warum hast du diesen Titel gewählt?
 
Timeless: In erster Linie bedeutet der Titel, dass ich den Leuten mit meiner Musik etwas geben möchte, Sonne eben. Auf der EP sind insgesamt sechs Titel und ein Feature von Vega ist auch dabei. Es ist befreiend auf diese Weise meine Gefühle zu zeigen, weil ich privat nicht unbedingt über meine Gefühle reden kann, deshalb mache ich das mit meiner Musik. Das habe ich schon immer so gemacht, es ist alles real und das merkt man bei mir.
 
rap.de: Du bist bei Freunde von Niemand quasi der Nachfolger von Olson Rough. Ein schweres Erbe?
 
Timeless: Ich bin ja noch nicht so lange dabei und viele denken bestimmt, dass ich jetzt Olson kopiere. Ich respektiere ihn als Künstler, aber ich sehe nicht die Gefahr, dass man mich mit ihm verwechselt – wir sind so verschieden. Wir haben ganz andere Prioritäten wie wir an die Musik rangehen, ich hab auch einen anderen Ehrgeiz. Ich würde sagen, ich bin technisch versierter als er, ich hab so dieses MC-Ding in mir und er ist mehr so der Inhaltliche. Allerdings hab ich mir aber noch nicht so viel von ihm angehört, muss ich gestehen. Also, im Grunde genommen bin ich der Techniker von uns beiden.
 
rap.de: Wie kam es überhaupt dazu, dass du bei Freunde von Niemand gesignt hast?
 
Timeless: Von Anfang bis Ende, ja? Vega hat via Facebook gefragt, wen die Fans gerne als Vorgruppe der "Freunde von Niemand“ Tour sehen würden und meine Kölner haben mich dann so oft erwähnt, dass Hadi El Dor (Manager des Labels – Anm. d. Red.) auf mich aufmerksam geworden ist. So kam eins zum anderem, er hat sich bei mir gemeldet und es hat eben auf Anhieb gepasst. Ich bin stolz ein Teil davon zu sein, ich hatte noch kein Label und ich habe Vega und Bizzy schon früher gefeiert. Das ist schon was großes für mich!
 
rap.de: Wirst du auf der Straße schon erkannt?
 
Timeless: Bei mir ist das in Köln und Umgebung jetzt schon ein bisschen länger so, man gewöhnt sich schnell daran und ich bin ein freundlicher Mensch, wenn ich von Fans angehalten werde. Allerdings braucht man schon eine harte Schale und da fällt mir auch eine bestimmte Situation ein. Ich war mit meiner Ex in einem Supermarkt und wir haben gestritten, auf einmal sind uns vier Typen hinterher und haben uns beobachtet. Wir waren eben mitten im Streit und das war schon heftig. Wenn ein Magazin darüber schreiben würde, ginge ich gar nicht darauf ein, ich könnte damit umgehen.
 
rap.de: Was ist denn dein Ziel, wohin willst du mit deiner Musik?
 
Timeless: Ich wünsche mir von der Musik leben zu können und das ist ein großer Traum, aber es ist machbar, weil im Moment geht das für mich alles in die richtige Richtung! Ich probe jeden zweiten Tag für die "Freunde von Niemand"-Tour, ich denke ich bin sehr fleißig und das zahlt sich aus. Ich habe gerade angefangen an meinem Album zu arbeiten, es soll im März / April erscheinen. Ansonsten haben wir viele Ideen aber dazu darf ich noch nichts sagen.

Game „The R.E.D. Album“

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Ach, Game. Game, Game, Game. So beeindruckend der Mann aus Compton seine Rapkarriere mit dem fulminanten Debüt „The Documentary“ auch gestartet hatte – schon der Nachfolger „Doctor’s Advocate“ konnte das hohe Level des Vorgängers nicht mehr halten. Und dessen Nachfolger „LAX“ schon gar nicht. Ohne die wachsame exekutive Aufsicht von Dre und 50 verlor sich der bekennende Blood mit der markanten Stimme immer mehr in Belanglosigkeiten, nur an-, aber nicht zuende gedachten Songs und bisweilen seltsam verzweifelt anmutenden Durchhalteparolen.

Sein nun endlich vorliegendes viertes Werk, das „R.E.D. Album„, das man schon beinahe versucht war, in die Schublade „Sankt Nimmerleinstag“ zu legen, wo auch „Detox“ selig schlummert, ist leider auch nicht der große Befreiungsschlag geworden, den man erhofft und dem sympathischen, ungestümen Jungen auch von Herzen gegönnt hätte. Dabei waren die Voraussetzungen nicht die allerschlechtesten: Niemand anderes als Pharrell Williams spielt den ausführenden Produzenten und auch der gute, alte Dre lässt es sich nicht nehmen, Intro, Outro sowie zwei kurze Skits zu sprechen, die ein wenig Licht in die Irrungen und Wirrungen des Jayceon Terrell Taylor bringen sollen.

Statt nur herumzulabern hätte Dre indes lieber mal selbst Hand anlegen sollen und ein paar richtige Granaten produzieren sollen, denn daran, also an Granatenbeats, mangelt es dem roten Album allerdings. Während der Produktionsphase hatte Game noch verkündet, mit einer absolut wahnsinnig anmutenden Armada von Produzenten zu arbeiten, als da wären Jim Jonsin, No I.D., Swizz Beatz, will.i.am, Just Blaze, DJ Quik, Nottz, Hi-Tek, Maestro, Ryan Leslie, Don Cannon, Scott Storch, J.U.S.T.I.C.E. League und Lex Luger. Übrig geblieben sind von dieser irrsinnigen Liste  lediglich Maestro und Don Cannon.

Und statt Dr. Dre dürfen Cool & Dre dreimal ran – nicht, dass die beiden ihre Sache schlecht machten, im Gegenteil, der Opener „The City“ gehört mit zum Besten, was von Game in den letzten sieben Jahren kam. Mit ordentlich Wut in der Stimme eröffnet er sein neues Album forsch und mit einer ungewohnten Tonlage, die gar nicht mehr so gewohnt lässig und überheblich daherkommt, sondern mit ihrer Verbissenheit fast schon eher an einer abgeschwächte Variante von DMX erinnert. Zur Hand geht ihm dabei der Senkrechtstarter Kendrick Lamar, der sich ebenfalls nicht lumpen lässt und vor allem gegen Ende alle Register seines lyrischen Könnens zieht. Ein starker Auftakt.

Das darauffolgende „Drug Test“ war schon vorab bekannt, kann daran aber leider nicht anknüpfen. DJ Khalil versucht sich als Aushilfs-Dre, was eigentlich noch nie gut gegangen ist. Auch in diesem Fall nicht. Gut, sagt man sich, ist ja erst der zweite Song, da ist ein bisschen Westcoast-Retro-Folklore mit den eher lethargisch agierenden Legenden Snoop und Dre am Mikrofon schon okay.
Der dritte Song, „Martians vs. Goblins„, ist dann wieder richtig stark, hat allerdings einen großen Schönheitsfehler: Er kommt überhaupt nicht wie ein Game-Song rüber. Die allesvernichtende zweite Strophe rappt nämlich der Odd Future-Vampir Tyler, the Creator mit seiner versoffen sägenden Mörderstimme dermaßen eindrücklich, dass der rote Rapper sich anscheinend davon mitreißen lassen und seinen Flow so dermaßen an Tylers Style angepasst hat, dass man fast glauben könnte, der ganze Song sei ein Odd Future-Song.

Und damit sind wir schon beim Hauptproblem von „The R.E.D. Album“ angelangt: Game kann oder will die Rolle des Hauptdarstellers einfach nicht ausfüllen. Stattdessen lässt er sich von seinen hochkarätigen Gästen desöfteren die Schau stehlen, etwa von Young Jeezy bei „Parademics„, was schon damit anfängt, dass Maestro dafür einen klassischen Südstaatenbanger hingehauen hat, auf dem Schreihals Jeezy weit weniger fremd wirkt als Game. Und auch Bauss Ricky alias Rick Ross fühlt sich auf dem StreetRunners-Beat von „Heavy Artillery“ hörbar wohler als der wackere Compton-Representer.

Natürlich gibt es auch richtig starke Momente auf „The R.E.D. Album„, der DJ Premier-Stampfer „Born In The Trap“ etwa oder das flotte „Speakers On Blast„, auf dem Game sich in Bestform präsentiert, weshalb ihm auch Big Boi und E40 nicht die Butter vom Brut nehmen können. Auch der letzte Song vor dem Outro, das gut sechsminütige „California Dream“ (produziert von Mars) trifft voll ins Schwarze und erzeugt einen dieser magischen Game-Momente. Game ist einfach immer noch am besten, wenn er die Geschichte der Westcoast in pathetischen Worten beschwört. Er ist der charismatischste Geschichtsprofessor, den Rap kennt. Fast erstaunt stellt man außerdem fest, dass der Song mit Nelly Furtado, „Mama Knows„, nicht in die Hose geht, ganz im Gegenteil, aber da haben die Neptunes schon durch den dezent melancholischen Beat vorgesorgt.

Leider stehen dem aber verwirrend uninspirierte Songs wie die wenig überzeugende Single „Red Nation“ oder die drei kaum von einander zu unterscheidenden Stücke „Hello„, „All The Way Gone“ und „Pot Of Golds“ gegenüber, deren banale Hooks jeweils Lloyd, Mario und Chris Brown trällern dürfen. Das erzeugt keine Spannung und schon gar keine Gänsehaut.

Was „The R.E.D. Album“ ironischerweise trotz der häufigen Verwendung des Begriffes „rot“ fehlt, ist ein roter Faden, eine stringente Geschichte, ein nachvollziehbarer Spannungsbogen. Eigentlich schade, dass so ein guter Rapper erneut so ein harm- und wahlloses Album abliefert, dass leider überhaupt keine Suchtgefahr entwickelt.

Reaktionen von Laas und Schwartz

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Gestern habe ich in einem Beitrag die „Anti-Download-Kanmpagne“ von Laas Unltd. kritisiert und angemahnt, die Künstler, in diesem Fall vor allem die Rapper, sollten sich lieber auf neue Gegebenheiten wie die massenhafte Verbreitung von Musik, Filmen und Texten durch das Internet einstellen anstatt einen aussichtslosen Kampf gegen Windmühlenflügel zu führen.

Gestern abend erreichte mich dann ein offener Brief von Laas‚ Manager, in dem dieser Bezug auf unseren Kommentar nahm und seine Sicht der Dinge darlegte. Er wies darauf hin, dass es aus seiner Sicht genügend legale Formen gebe, sich von Laas‘ neuem Album „Blackbook“ vor einem möglichen Kauf einen Eindruck zu verschaffen, beispielsweise beim Streamingdienst simfy oder auch bei unseren Kollegen von Mixery Raw Deluxe, bei denen es seit gestern die Möglichkeit gibt, das komplette Album in einer Live-Version zu hören.

Im weiteren legte er Wert darauf, dass es sich bei der Kampagne nicht um einen Versuch handele, Downloader zu stigmatisieren oder zu verfolgen. „Wir bedauern zutiefst das diverse Deutschrap-Acts mit hoch bezahlten Anwälten gegen „Fans“ vorgehen. Wir bedauern zutiefst das es mittlerweile spezialisierte Agenturen gibt, die man damit beauftragen kann Urheberrechtsverletzungen zu verfolgen. Wir bedauern zutiefst das es bis heute noch keinen Einigung zwischen der GEMA und YOUTUBE gibt, damit Fans auch dort endlich wieder Musik genießen können.“ Stattdessen gehe es um „die Stärkung und Erweiterung des „Support“-Gedanken der Fans„.

Und noch jemand schaltete sich in die laufende Diskussion ein, jemand, der eher nicht im Verdacht steht, besondere Sympathien für Laas Unltd. zu hegen: Schwartz von Hirntot. Dieser attestiert mir in einem recht polemisch gehaltenen Blogbeitragjournalistische Schlampigkeit“ und „intellektuelle Kurzsichtigkeit„. Die von mir erwähnte Studie der GfK wird als „Milchmädchenrechnung“ bezeichnet und deren Nichtveröffentlichung durch die Filmindustrie ins Reich der Verschwörungstheorien verwiesen. Schwartz beharrt auf seinem vermeintlichen Recht als Künstler, mit seiner Kunst Geld verdienen zu können und verweist darauf, dass ohne Geld kein gut hörbares Album zu produzieren sei.

Im Titel seines Blogs nimmt er interessanterweise Bezug auf einen Aufsatz des Philosophen Walter Benjamins von 1936, der „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ heißt und feststellt, dass das Kunstwerk durch seine massenhafte Reproduktion (z. B. auf Tonträgern, in Funk und Fernsehen) einem Wandel unterworfen sei. Durch die Reproduzierbarkeit verliere es darüberhinaus seine „Aura“. Folgt man Benjamins Ansatz einmal zum Spaß, so macht es jedoch keinerlei Unterschied, auf welchem Weg ein Kunstwerk (in diesem Fall ein Song) massenhaft verbreitet wird, auf CD oder als mp3-File. Die „Aura“, die ein selbst erlebtes Konzert oder gar ein selbstgesungenes/gerapptes Lied haben, ist ohnehin nicht reproduzierbar.

Wie immer auch man zu all dem steht, ich finde es jedenfalls gut und sinnvoll, wenn durch Laas‚ Aktion, meinen darauf bezogenen Kommentar sowie die wiederum darauf bezogenen Erwiderungen und Einwände eine ernsthafte, sachliche und ehrliche Diskussion über die Verfügbarkeit von Musik und deren Folgen angestoßen wurde. 
 

Rap ist schon wieder schuld

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Letzte Woche berichteten wir über die in diversen britischen Medien verbreitete Behauptung, HipHop und Rap seien (mit)verantwortlich für die Randale und Plünderungen in einigen englischen Städten. Mit ganz ähnlichen Thesen hat nun der Historiker David Starkey für Aufsehen gesorgt. In einem BBC Kommentar schlug er in die gleiche Kerbe. Er prangerte den seiner Meinung nach negativen Einfluss der schwarzen Jugendkultur, sprich HipHop, auf die britische Gesellschaft an.

Konkret sagte er: „Die verwahrlosten weißen Jugendlichen sind schwarz geworden. Eine besondere Art von gewalttätiger, zerstörerischer, nihilistischer Gangster-Kultur ist zur Mode geworden. Schwarze und Weiße, Jungen und Mädchen verkehren miteinander in dieser Sprache. Diese Sprache, die völlig falsch ist, ein jamaikanisches Patois, das in England eingedrungen ist. Deshalb haben so viele von uns dieses Gefühl, dass wir buchstäblich in einem fremden Land leben."

Man muss kein linksradikaler Spinner sein, um einen gewissen rassistischen Unterton in diesen Aussagen zu erkennen. Vom Vorsitzenden der Labour Partei, Ed Milliband wurden seine Äußerungen umgehend als "widerlich und empörend“ bezeichnet. Auch BBC– Chefredakteur Robert Peston war not amused. Man geht davon aus, dass Starkeys Kariere beim BBC damit zu Ende geht. Was die Diskussion, die eigentlich geführt werden müsste, allerdings kein Stück voranbringt.

Rückendeckung erhielt hingegen Starkey vom Chef der Hilforganisation "Generation GeniusTony Sewell. In der Daily Mail stärkte er Starkeys These und führte diese weiter:  "dass man mittlerweile bei geschlossenen Augen die ethnische Zugehörigkeit der Jugendlichen nicht mehr erkennt, da mittlerweile alle den Ton, die Phraseologie und Sprachmuster der schwarzen Jugendlichen verwenden.
Weiterhin stellte er in Frage, dass die Randale von Armut und Hoffnungslosigkeit motiviert seien. Vielmehr wären die Plünderungen aus reiner Raffgier erfolgt. Die Gier nach materiellem Besitz sei fester Bestandteil der schwarz geprägten Jugendkultur, die sich in den Texten und Bildern der Hip-Hop- und Rap-Musik wieder finde. Auch die Missachtung der Polizei und der Rechtstaatlichkeit sei ein wesentlicher Aspekt dieser "Gangsta"-Kultur“.

Nun ist es kein Geheimnis, dass auch im HipHop Gewalt verherrlichende und Besitz glorifizierende Texte großen Anklang finden. Und selbstverständlich haben Künstler einen gewissen Einfluss auf ihre Hörer. Die Behauptung, Rapper wären nicht auch Vorbilder, zeugt von einer gewissen Weltfremdheit. Auch, wenn diese ihre Vorbildfunktion abstreiten, orientieren sich manche Hörer sehr wohl an ihnen und lassen ihr Weltbild beeinflussen und etwa ihre Toleranzschwelle erhöhen – oder senken. Ein Rapper gibt dem Fan keinen Stein in die Hand, zeigt mitunter aber durchaus, wo dieser zu finden ist.

Nur die HipHop-Kultur, die viele Aspekte und auch Widersprüche in sich vereint, pauschal haftbar für frustrierte und gewaltbereite Jugendliche machen zu wollen, greift aber zu kurz. Gewalt gab es schon immer, auch in den vermeintlich seligen Zeiten, als man noch auf Baumstämmen zu trommeln pflegte. Gewalt gibt es unter anderem auch beim vom Staat sehr großzügig geförderten Fußball, deshalb kommt aber niemand auf die Idee, Fußball als "schädliche Kultur" zu diffamieren. Das ganze dermaßen über einen Kamm zu scheren und zu verteufeln, hat fast schon selbstparodistische Züge.

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