Farid Bang – Der letzte Blog deines Lebens
Azad – Videoansage zu „Nebel“
Tricks – Weck Mich Auf
Maeckes
rap.de: Für ein Provisorium ist das aber doch ganz schön eingerichtet.
Maeckes: Ach, manche Räume sind noch viel besser eingerichtet. Wir haben uns hier ja bloß ein paar Stühle und einen Schreibtisch reingestellt und ‘ne Aufnahmeecke gebaut.
rap.de: Du bist anscheinend ein bisschen nomadisch, wa?
Maeckes: Im Herzen ja. Aber eigentlich bin ich sehr viel hier in Stuttgart. Ich hab aber auch mal ein dreiviertel Jahr in Wien gewohnt, einfach nur, weil ich von hier wegwollte.
Damals hab ich den Song “Ich muss gehen“ geschrieben, der auf “Null“ dann erschienen ist, so eine seltsame Skizze in der ich seltsam schief singe. Erst während des Schreibens des Songs ist mir klar geworden, dass ich weg musste. Ich hab dann alle Schnüre gekappt und bin nach Wien gegangen, ohne Plan oder Aufgabe.
Rap.de: Als Berufskünstler hat dich hier in Stuttgart ja auch nichts gehalten.
Maeckes: Ja. Außerdem, in Zeiten des Internets kannst du ja überall wohnen, meinetwegen auch am Nordpol. Songs schreiben kann ich überall, nur für Auftritte müsste man mich dann einfliegen (grinst).
rap.de: Du bist also keiner, der in der hiesigen Rapszene so verbreiteten Internet-Hater. Meinst du nicht, wie manche deiner Kollegen, dass du ohne Musiktauschbörsen, drei.to etc. mehr Geld verdienen würdest?
Maeckes: Wer weiß es?! Guck mal, wenn man so spezielle, nerdige Musik macht wie ich, weiß ich nicht, ob das Internet mehr Freund oder Feind ist. Vor kurzem hab ich mit JAW darüber gesprochen. Der erzählte mir, dass er früher auf Freiburger Jams total der Außenseiter war, weil da im Gegensatz zu ihm alle so normalen HipHop gemacht haben. Und wenn man Musik für Misanthropen macht, für Leute die selten das Haus verlassen: Wie sollen die auf seine Musik stoßen, wenn nicht übers Internet? Klar, die Leute, die auf jedes Konzert gehen und mit allen möglichen Menschen quatschen, kriegen das auch so mit. Aber die einsamen und verlorenen Seelen werden übers Internet gefüttert.
rap.de: Apropos JAW. Du hast ihn kürzlich einen “der letzten Humanisten unserer Tage“ genannt. Wie meinst du das?
Maeckes: Er wird ja als der krasse Menschenfeind dargestellt, aber wenn du das Album durchhörst, merkst du, dass an sehr vielen Ecken und Enden die Hoffnung aufkommt. Zum Beispiel durch Humor.. Ich glaube, er zeigt nur auf, wie behindert der Mensch ist, aus Hoffnung, dass er besser wird. Das macht ihn zum Humanisten. Er hat einen richtigen Wertekatalog in seinen Liedern, er ist im Endeffekt für den Menschen. Er zeigt es bloß an negativen Beispielen.
Vasee über seine Pilgerreise
Vasee: Also, der ausschlaggebende Punkt war, dass ich drei Jahre lang unterwegs war und die ganzen Touren gemacht habe. Ich war mit Tua und den Orsons unterwegs. Dann haben wir unser "Evigila"-Album herausgebracht, das war auch ziemlich anstrengend. Zu guter letzt habe ich mich sowas von ausgebrannt gefühlt, innerlich total lustlos. Also habe ich gesagt, okay, ich brauche eine kreative Pause, um mich wiederzufinden. Aus dem Gedanken heraus ist mir die Idee gekommen, eine kleine Pilgerreise zu machen. Im Fernsehen habe ich einen Typen gesehen, der so etwas ähnliches gemacht hat. Das hat mir den Impuls gegeben. Letzten Endes hatte ich aber gar keine Ahnung, was mich da erwarten würde. Ich habe früher zwar auch schon so ähnliche Sachen gemacht, aber nicht in diesem Ausmaß.
rap.de: Was heißt ähnliche Sachen?
Vasee: Ich war schon 2001 für drei Monate in Italien, ohne Geld. Ein Selbstexperiment. Und 2005 bin ich drei Monate nach Portugal, auch ohne Geld. Selbstexperiment-mäßig. Was passiert, wenn ich einfach losfahre? Damals habe ich Sokrates gelesen, die Geschichte seines Lebens, und da ging es genau darum, Ursache und Wirkung. Er meinte da, normalerweise müsste immer zum richtigen Zeitpunkt das Richtige passieren. Das war für mich der ausschlaggebende Punkt. Okay, wenn das so ist – in der Bibel steht ja etwas ähnliches. Dass der Herr sich um uns kümmert. Sich einfach mal austesten, weisch.
rap.de: Bist du sehr religiös?
Vasee: Ich bin schon gläubig, ich glaube schon an Gott. Aber ich versuche das ganze nicht so märchenhaft zu sehen. Deswegen mache ich diese Selbstversuche, um mir selbst ein Bild zu schaffen von dem, was wir Gott nennen. Und um mich selbst zu verlieren. Im Februar hatte ich einfach das Gefühl, ich bin ausgebrannt, ich kann nicht mehr. Was mache ich jetzt? Ich hatte keinen Bock mehr, Musik zu machen oder Konzerte zu spielen, ich habe eine neue Herausforderung gesucht. So bin ich dazu gekommen, Schritt für Schritt, mit Vorbereitungen. Bis ich gesagt habe, okay, ich laufe los. Am 17. Juni habe ich den ersten Schritt aus der Tür gemacht.
rap.de: Das heißt, du hast dich schon ausgiebig und gründlich vorbereitet?
Vasee: Ich habe mich drei Monate intensiv darauf vorbereitet, ja. Jeder, der mich in dieser Zeit gesehen hat, wusste, auf was für einem Film ich bin. Ich war nur im Internet, habe alles studiert, Ausrüstung gekauft, alles drum und dran. Das war schon eine extreme Sache. Ich bin ja kalt da rein, stell dir einfach einen Stadtmenschen im Wald vor. So ungefähr war ich. Ich hatte schon ein paar Erfahrungen, aber im Großen und Ganzen war es doch eher spontan. Oder unüberlegt. In der Vorbereitung sind auch ganz geile Dinge passiert. Zum Beispiel habe ich die Ausrüstung für ein Viertel des Preises bekommen. Das waren alles Dinge, die es im Endeffekt erst überhaupt möglich gemacht haben, dass ich loslaufe.
rap.de: Du hattest also das Gefühl, alles passt zusammen?
Vasee: Genau, das war so was von reibungslos in der Vorbereitungsphase, ich habe nie ein besseres Gefühl gehabt. Auch mein Umfeld – jeder hat positiv darauf reagiert. Jeder hat gesagt, klar, Vasi, auf jeden Fall, das ist voll dein Ding. Das hat mich natürlich auch weiter angetrieben und mir die Stärke gegeben, das durchzuziehen.
Baba Saad
Baba Saad: Ich glaube mich zu erinnern, dass sie aus den Jahren zwischen 2005 und 2009 stammen. Also, da sind nicht nur Songs drauf, die auf meinem letzten Album gewesen wären, das bei Erguterjunge rauskommen sollte. Da sind auch Songs drauf, die wir zu “Carlo Cokxx Nutten 2“-Zeiten gemacht haben. Ich habe mich ein bisschen auf die Suche gemacht. Ich wollte den Leuten, die mir seit Jahren die Treue halten, auch mal was aus der “CCN 2“-Zeit anbieten. Da merkt man auch, dass meine Stimme ganz anders ist.
rap.de: Inwiefern anders? Tiefer?
Baba Saad: Nee, nee, nee. Tiefer geht nicht. Ich bin mit meiner Stimmlage am tiefsten Punkt angelangt (lacht). Ein bisschen heller und bisschen jünger. Man merkt bei den meisten Songs auch, dass ich da übertrieben hungrig war.
rap.de: Soll das heißen, dass du inzwischen schon satt bist?
Baba Saad: Natürlich nicht. Ich habe immer Appetit. Aber mit 19 ist man eben hungriger als jetzt. Auf jeden Fall habe ich früher auch anders gerappt, das ist ja auch ganz klar.
rap.de: Von der Technik und den Reimschemata her?
Baba Saad: Kompromissloser. Ich hab mir in letzter Zeit viele meiner alten Sachen angehört. Und ich persönlich finde die älteren Sachen viel besser als die neuen. Warum auch immer. Obwohl man sich ja mit der Zeit verbessert und bessere Reime und Flows benutzt, aber irgendwie war das früher bisschen cooler, kompromissloser einfach. Einfach scheiß drauf. Klar muss das passen, du kannst nicht Haus auf Maus reimen, aber diese Kompromisslosigkeit, dieses scheiß drauf, lass mich mal einen geilen Song machen – das finde ich cool. Deswegen hat mich das “Abgelehnt“-Album inspiriert, mich wieder auf meine alten Stärken zu besinnen.
Puls030 (Video)
Meine Damen und Herren, eine Weltpremiere:
MoTrip über sein 2011
MoTrip: Guck, wo ich hier sitze. Das Studio und die ganzen Möglichkeiten. Da ist musikalisch auf jeden Fall viel mehr möglich. Sich einfach mal zwei Wochen lang nur Zeit für die Musik zu nehmen, weißte? Das war am Anfang des Jahres noch nicht so, da musste ich noch viel mehr Dinge selber regeln. Jetzt kann ich mich zurücklehnen und einfach Musik machen. Das ist das, was ich immer wollte.
rap.de: Diese Annehmlichkeiten haben sicher auch mit deinem Deal bei Universal zu tun. War der Vertragsabschluss dementsprechend das Ereignis in 2011, das dich am meisten bewegt hat?
MoTrip: (überlegt) Auf jeden. Nach langem Überlegen zwar, aber wenn ich es hart auf hart nehme, ja. Mein Deal. Das macht die große Veränderung aus, ich hatte ja noch nie einen Deal vorher.
rap.de: Ein einschneidendes Ereignis war sicher auch das Splash!, wo du deinen ersten größeren Auftritt hattest. Wie hast du das erlebt?
MoTrip: Das war cool. Ich war zwei Tage da, während die Aufnahmen zu “Cover my Song“ liefen. Deswegen bin ich auch im Song dort immer leicht heiser, weil ich war zwei Tage auf dem Splash!, am ersten hatte ich meinen Auftritt, am zweiten Tag haben wir noch gefeiert und zugeschaut. Es war sehr cool und ich bin sehr gerne wieder dort, wenn ich darf.
rap.de: Am Anfang des Jahres kannten dich ja eher wenige, jetzt fast Jeder. Was macht das mit dir, wenn dich jeder erkennt und auf der Straße anspricht?
MoTrip: Ist natürlich schon komisch, aber ist ja nicht so, dass ich vorher gar keine Musik gemacht hätte. Das war ein ganz gesundes Wachstum, das kam nicht plötzlich von heute auf morgen. Dieses Jahr hat sich zwar viel getan, aber es hat sich langsam aufgebaut. Darauf bin ich auch stolz. Deswegen hat mich das auch nicht geschockt, das wurde immer mehr und mehr und man gewöhnt sich dann langsam daran. Ob das cool ist oder nicht, hängt immer von der Person ab, die dich gerade anspricht. Es gibt überall coole Leute und uncoole Leute.
rap.de: Also war es gar kein schneller Aufstieg?
MoTrip: Nein, es war kein schneller Aufstieg, aber für die Leute kam es so schnell rüber, vor allem wegen “Cover my Song“ und “Albtraum“. Paar gravierende Sachen sind halt passiert, die letztes Jahr nicht passiert sind. Deswegen kam das den Leuten vielleicht so vor, aber für mich war es wie gesagt ein gesundes Wachstum. Natürlich muss man trotzdem aufpassen, dass man nicht abhebt. Aber das sollte jeder.




