Prinz Pi antwortet auf die Kritik an seinen Aussagen (Gastkommentar)

In einem Artikel unter der Überschrift „Prinz Pi ruft die klassenlose Gesellschaft aus? Einspruch!“ kritisierte unser Autor Jonas Heuten kürzlich einige Aussagen, die Pi in einer Diskussionsrunde machte. In einem ausführlichen Gastbeitrag antwortet ihm dieser nun – und bezieht sich dabei auch auf die Kritik von Till Boettcher, die dieser in einem Artikel auf noizz.de geübt hatte sowie auf die Instagram-Stories von Mine (inzwischen leider gelöscht).

Lieber Jonas,

ich möchte dir etwas auf deinen Artikel entgegnen.

Das Thema ist mir zu wichtig und wertvoll, um deine Behauptungen unbeantwortet zu lassen. Vor allem aber ist es ein komplexes Thema, umso gefährlicher ist es, dieses zu sehr zu vereinfachen. Was du meiner Meinung nach tust.

Zunächst einmal bezieht sich dein Artikel auf die Diskussion über das Thema „Werte“ im HipHop beim New Fall Forum. Um den daraus resultierenden Disput besser verstehen zu können, würde ich den Lesern empfehlen, sich das Panel in voller Länge anzusehen, um meine Aussagen im richtigen Kontext zu verstehen:

Facettenreiche Meinungen

In dieser Diskussion sind verschiedene Menschen zusammengekommen um miteinander zu sprechen. Das Ziel solcher Gespräche sollte ein Zugewinn an Eindrücken, ein produktiver Austausch und ein damit einhergehendes verbessertes Verständnis der jeweiligen Diskussionsgrundlage sein. Hierfür sind facettenreiche Meinungen sehr wichtig.

Leider pickst du dir einzelne Punkte oder Aussagen aus den Dialogen heraus und reißt sie damit aus dem Zusammenhang. Damit verfälscht du meine Aussagen, wie es so manches Paparazzifoto auch vermag.
Eine sehr populäre, aber nicht weniger richtige Bemerkung zu diesem Mechanismus, den du leider beispielhaft ausführst und der bestenfalls toxisch ist, aber sicher keinen Konsens stiftet, findet sich hier:

Struktureller und individueller Rassismus

In der Diskussion, an der ich teilnahm, sahen einige in der Runde auch im Jahr 2019 ein akutes Rassismusproblem in der deutschen Hiphop-Branche. Bei dem Thema Rassismus wird unterschieden – bitte entschuldige, wenn ich hier altklug für einige Leser diese Bemerkung einfüge, aber sie ist wichtig für den Kontext – zwischen strukturellem und individuellem Rassismus.

Selbstverständlich gibt es letzteren sicher sehr oft – im HipHop, wie überall. So musste es zum Beispiel mein Freund Manuellsen erfahren, wie er auch entsprechend beschreibt.

Natürlich verurteile ich Rassismus in jeder Form. Bei diesen Erfahrungen kann und will ich nicht mitreden, da ich selbst noch nie rassistisch beleidigt wurde – bis nach dieser Diskussion versteht sich. Doch dazu später mehr.

Der strukturelle Rassismus ist ein anderes, ebenfalls sehr wichtiges Thema, da er z.B. von staatlichen Organen ausgeübt wird oder sogar in Gesetzen verankert war (oder noch ist). Darum wird er auch oft als „institutioneller Rassismus“ bezeichnet. Das übliche Paradebeispiel hierzu ist die Apartheid in Südafrika. Beschrieben wurde diese Form von Rassismus das erste Mal in dem Buch „Black Power“ (1967, Carmichael & Hamilton).

„Kein struktureller Rassismus in der HipHop-Szene“

Um den strukturellen/ institutionellen Rassismus geht es hier. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ein solcher struktureller Rassismus in der deutschen HipHop-Szene nicht (mehr) vorhanden ist. Das ist meine Meinung. Ich maße mir nicht an, dass meine Meinung richtig ist oder die Meinung einer größeren Gruppe vertritt. Ich bin nun aber seit 20 Jahren in der Szene aktiv und habe vieles erlebt, gesehen und mit vielen Menschen gesprochen – und sehr viele meiner geschätzten Kolleg*innen haben einen Migrationshintergrund und/oder sind weiblich.

Wäre der strukturelle Rassismus (immer noch) ein akutes Problem, so würden es diese Kolleg*innen schwer haben Labels oder Vertriebe zu finden; Radiosender würden sich weigern ihre Musik zu spielen, Firmen würde keine Markenkooperationen mit ihnen eingehen wollen. Die Hitlisten und Fachmedien wären leer von diesen Künstlern mit Migrationshintergrund und/oder weiblichem Geschlecht.

Das Gegenteil ist der Fall, und das ist gut so. Es ist eine für jedermann leicht zu überprüfende Tatsache, dass es aktuell mehr deutsche HipHop-Künstler*innen gibt mit Goldplatten und Nr. 1 Singles, die einen Migrationshintergrund haben, als welche, die keinen haben. Somit wäre die HipHop-Szene eher ein Beispiel für ein Berufsfeld, wo Mitbürger*innen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich erfolgreich sein können.

„The future is female“

Ebenso habe ich darauf hingewiesen, dass speziell weibliche deutsche HipHop-Künstlerinnen verdientermaßen sehr erfolgreich sind in letzter Zeit – „the future is female“ heißt der bekannte Slogan: Shirin David ist die (weltweit) meistgestreamte HipHop-Künstlerin und gerade gestern gewannen Juju und Loredana die EMAs. Es stellt sich also die Frage, warum jemand in 2019 auf die Idee kommen könnte, der deutsche Hiphop habe ein strukturelles Rassismusproblem und/oder würde auch Frauen strukturell daran hindern, zu Erfolg zu gelangen.

Sicher gibt es rassistische Künstler in dieser Szene. Und rassistische Fans. Und bestimmt auch rassistische Leute in der Musikindustrie. Ein strukturelles Rassismusproblem kann ich hier aber auch bei nachhaltiger Auseinandersetzung nicht sehen und ich halte es für gefährlich und falsch, das einfach zu behaupten.

Unter den 100 Topverdienern in der HipHop-Branche sind weitaus mehr Menschen mit Migrationshintergrund und Nachnamen, die auf diesen verweisen, als in anderen Branchen: Wie ist es bei Juristen – wie viele Kanzleien werben mit einem nicht-deutsch-klingenden Partner? Oder in der Finanzbranche, bei den Unternehmensberatern oder sogar in der Ärztekammer? Oder der Politik?

Bei all diesen Bereichen könnte ich den Vorwurf, dass es einen festsitzenden, ekelhaften strukturellen Rassismus gibt, sehr leicht nachvollziehen. Und würde ein Branchenvertreter sagen: „Nein, das gibt es bei uns nicht“ – dann würde man wohl nach eben solchen Beispielen und Statistiken fragen, die das Gegenteil belegen. Ich denke, dass es für viele Branchen schwer wäre aufzuzeigen, dass Menschen mit Migrationshintergrund nicht benachteiligt werden.

Ein Beispiel für solchen nachgewiesenen strukturellen Rassismus in Deutschland ist z.B. der Report des UNO Sonderberichterstatters Githu Miugai von 2009. Dort bemängelt er, dass beispielsweise Migranten im öffentlichen Leben in Deutschland nicht ausreichend repräsentiert sind. Das ist ein TAZ-Artikel von 2009 dazu.

Marx, Kapital und Klassenkampf

Zurück zu dem Punkt, den du, Jonas, machst: An einer Stelle beschreibe ich eine Kernaussage von Karl Marx aus seinem Grundlagenwerk „Das Kapital“ – nämlich den sog. „Klassenkampf“. Anscheinend kennen viele dieses Werk nicht und bezeichnen es als irrelevant. Jedoch hat es die Weltanschauungen vieler Menschen im 20. Jahrhundert so sehr beeinflusst, dass letztlich daraus Strömungen entstanden sind, die große Teile dieser Welt grundlegend verändert haben. Alle sozialistischen und kommunistischen Parteien beziehen sich auf dieses Werk.

Es würde zu weit führen, dies an dieser Stelle als gut oder eher schlecht für die Menschheit zu werten, aber die Kernaussage auf die mich beziehe ist folgende: Eine herrschende Klasse besitzt die Produktionsmittel, die nötig sind, um einen Mehrwert zu erzeugen. Diese Produktionsmittel werden von der nicht herrschenden, der arbeitenden Klasse, zwar benutzt, jedoch mehren sie vor allem den Reichtum der herrschenden Klasse, die Arbeiter erhalten selbst nur genug zum bloßen Überleben.

Hier ein Abschnitt aus Wikipedia dazu: Klassenkampf.

Dieses Verhältnis habe ich beschrieben, da es in der Musikbranche jahrzehntelang überdeutlich präsent war. Und es hat sich komplett verändert, wie ich im Weiteren aufzeigen werde: Ohne hier groß auszuholen, will ich skizzenhaft darstellen, was ein Musiker im Jahr 1990 brauchte um Musik zu machen und was an Aufwand 2020, also gerade mal 30 Jahre später, nötig ist.

1990

Musik, die so gut klingen sollte, dass sie kommerziell verwertet werden konnte, musste in teuren Tonstudios aufgenommen und produziert werden. Diese wurden von Plattenfirmen gemietet oder sie gehörten ihnen einfach. Die erfolgreichsten Plattenfirmen besaßen oft die besten und teuersten Studios – natürlich ein glasklares Beispiel für das, was Karl Marx beschreibt: „Abbey Road“ in London gehörte z.B. der EMI, „Ocean Ways“ in Los Angeles Columbia Records. Es waren viele Leute notwendig, um Musik aufzunehmen, zu produzieren, zu mischen und zu mastern. All diese Leute wurden von den Plattenfirmen bezahlt, die wiederum die Künstler in, nach heutigen Verhältnissen, ausbeuterischen Verträgen gefangen hielten. Verbreitungsmedien waren Radio und später Fernsehen, die Platzierung war nur möglich durch Mediabudgets und teilweise Schmiergeld, im amerikanischen Radio gab es dafür extra den Fachbegriff „Payola“.

Die Produktion eines Albums, dass gut genug für den Markt war, sodass ein Konsument es als professionelles Stück Musik annahm, war teuer. Im besten Fall waren es einige zehntausende Mark/US Dollar, im Fall der größten Künstler waren es Millionenbudgets, von Videos, die damals auf Film gedreht wurden und nicht unter 50.000 DM zu bekommen waren, mal ganz abgesehen. Werbung wurde mit Plakaten, Zeitungsanzeigen und anderen zu kaufenden Medienplatzierungen gemacht. Unterm Strich bedurfte es eines Teams aus 10 bis über 100 Leuten, um die Musik zu erzeugen und zu vermarkten.

2020

Musik, die auf Platz 1 gehen kann, wird aufgenommen mit Equipment für… sagen wir ab 2000 Euro. Man kann sie alleine aufnehmen, produzieren und mastern. Man muss keine Leute dafür bezahlen. Ja, Jonas, es ist nicht ganz umsonst. Die Software zumindest ist es (teilweise) schon. Verbreitet wird es über soziale Kanäle – das kostet kein Geld, gibt es das Interesse seitens des Publikums. Ja, Jonas, diese Kanäle gehören großen, bösen Konzernen wie Facebook. Aber die Benutzung durch die Künstler ist dennoch kostenfrei. Vertrieben und verbreitet wird die Musik über Spotify und dergleichen, die Videos über Youtube – ja, Jonas, auch das sind große Konzerne. Die Benutzung ist aber immer noch kostenfrei und steht in keinem Vergleich zu den Kosten, die es früher bedurfte, um ein Video zu drehen und im Fernsehen auf Rotation zu bringen. Unterm Strich könnte all das EINE Person machen.

Es ist völlig klar, dass es um ein vielfaches einfacher und vor allem um ein tausendfaches günstiger ist, heutzutage Musik zu machen, zu veröffentlichen und zu verbreiten. Deine Argumentation belegen zu wollen, dass nicht WIRKLICH JEDER Musik machen kann und es natürlich ein paar Kosten verursacht ist müßig, denn meine ist nicht die, dass es jeder macht, sondern dass es jeder machen KÖNNTE, wenn er es nur wollte.

Gatekeeper wurden wegmodernisiert

Und das ist der Punkt: Jeder dieser 10 bis über 100 Leute, derer es früher bedurft hätte, könnte einem Künstler Steine in den Weg legen wollen, aus vielleicht auch rassistischen Motiven. Diese Leute sind alle weg. Die meisten „Gatekeeper“ wurden wegmodernisiert. Von der Technik, von neuen Strukturen. Das System hat sich grundlegend gewandelt und eine ganze Branche befindet sich seitdem im Umbruch. Wenn du das nicht glaubst, frag einen beliebigen Mitarbeiter bei einer beliebigen Plattenfirma, der dort 30 Jahre arbeitet.

Ich möchte meine These sogar noch erweitern und sagen: Nur WEIL es so einfach und günstig ist, Musik zu machen und zu verbreiten, sind einige große Künstler*innen emporgekommen und wir durften ihr Werk entdecken, Künstler*innen, die es früher nicht geschafft hätten. Einfach weil sie keinen Zugang zu den notwendigen Mitteln oder Strukturen gehabt hätten oder keine Lust auf sie.

Und vielleicht hat diese Veränderung einen Teil zur Verringerung des strukturellen Rassismus beigetragen. Dass dem so ist, ist jedenfalls meine Meinung und ich stehe dazu. Was ich an keiner Stelle behaupte, ist, dass es nur diese eine Veränderung war, die einen sicher in der Vergangenheit sehr präsenten und allgegenwärtigen Rassismus in der Musikbranche geholfen hat auszumerzen. Sowohl du, als auch NOIZZ.de behaupten dies und es ist beides schlichtweg falsch.

Der Weg führt heute direkt vom Künstler zum Hörer. Wenn Capital heute morgen im Treppenhaus einen Track in das Mikrofon seines iPhones rappt – vielleicht sogar ohne Wissen seines Labels – und das Ding in der Story teilt, dann ist der Song da, veröffentlicht, beim Hörer und nichts und niemand steht dazwischen. Keine Zensur, keine Struktur, kein Konzern und kein Rassismus.

Die Musik ist, wie die Gedanken – in diesem Land zum Glück – frei.

Worte an Mine

Zum Abschluss möchte ich mich an Mine wenden. Jene hat mir ein paar Instagram Stories geschickt – diese sind leider nicht mehr online befürchte ich. Darin fragst du mich, liebe Mine, wie ich es mir als (ich zitiere hier) „weißer CIS hetero Mann, der privilegiert ist“ (ich hoffe ich habe das korrekt wiedergegeben) anmaße, mich zu dieser Diskussion zu Wort zu melden.

Wow. In einer Diskussion ÜBER Rassismus bist du komplett unverhohlen rassistisch, indem du jemanden wegen seiner Rasse (weiß), seinem Geschlecht (Mann), seiner Herkunft (privilegiert – wie auch immer man das definiert) und seiner sexuellen Präferenz (hetero) absprechen willst, mitreden zu dürfen? Wirklich – WOW. Ich vertrete in der Diskussion dort MEINE Meinung und behaupte nicht, ich könnte für irgendeine Gruppe, z.B. schwarze Mitbürger oder alle Frauen, sprechen. Ich rede ausschließlich und unmissverständlich von meinen eigenen Erfahrungen und Ansichten als die Person, die ich eben bin.

Und ja, ich bin weiß, hetero und selbstverständlich verglichen mit 99,99% der Weltbevölkerung sauprivilegiert. So wie du übrigens auch. Wir leben in einem Land ohne Krieg und können solche Diskussionen hier führen, ohne dafür gefoltert zu werden oder umgebracht. In dieser Diskussion war etwas anders, als es in deiner Reaktion war: Wir haben uns alle als Menschen betrachtet – mit unterschiedlichen Ansichten, vielleicht unterschiedlichen Geschichten, Herkunftsländern oder sexuellen Präferenzen. Aber das war doch komplett egal: Warum, Mine, spielt das eine Rolle, was für ein Geschlecht ich habe, was meine sexuelle Präferenz ist, oder wie stark oder wenig ich „privilegiert“ bin? Es darf keine spielen, wir sind alle Menschen. Das ist uns hier so wichtig, dass es in unserem Grundgesetz gleich in Artikel 3 steht.

Peace in the middle east.

Prinz Pi

27 KOMMENTARE

  1. Hallo Zusammen,

    Da kann und muss ich dem Prinzen voll und ganz zustimmen. Ich denke, dass die größte Problematik, die leider immer wieder durch Rap-Medien oder auch einfach Medien generell ausgelöst wird (und damit möchte ich jetzt gar nicht gegen die Medienbranche hetzen), sich in der Zusammenhanglosigkeit willkürlich auserwählter Diskussionsteile liegt. Jeder der die Diskussion bis zum Schluss gesehen hat, und das rate ich jedem, wird bemerkt haben, dass Pi sich mit allen Themen sehr intensiv beschäftigt hat, und genauso sehe ich seine Argumentation in allen Bereichen als sehr nachvollziehbar. Eine andere Meinung in diversen Bereichen zu haben, ist vollkommen ok. Einzelne Aussagen aus dem Kontext zu reißen um seine Meinung zu manifestieren leider nicht…passiert aber zu häufig…..

  2. Lieber Prinz Pi,

    nimm es Jonas nicht allzuübel. Irgendein Müll muss ja verzapft werden, um dieser Seite eine Art „Content“ zu bieten.
    Rassismus funktioniert da immer recht gut, weil das Thema so schön polarisiert und Leser anlockt. So läuft es ja in den Medien, siehe Christkindldebatte, da kann man auch sehr gut erkennen, wie gerne Nachrichtenmedien eine irrelevante Sau nach der anderen durchs Dorf treiben. In dem Sinne wollte der gute Jonas einfach nur mal ein bisschen klugscheißen und seinem Chefredakteur zu ein paar harten Nippeln verhelfen, denn bei dem Wort „Rassismus“ wird er immer ganz feucht. Hilft auch der eigenen Karriere.

    • Lieber Wahrheit,

      Nimm es mir nicht allzu übel aber da du rassistische Äußerungen einer im Bundestag vertretenden Partei, man behalte die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen unseres Landes in den letzten 100 Jahre im Hinterkopf, als durchs Dorf getriebene, irrelevante Sau bezeichnest und unter dem Statement eines Künstlers, der sich, unter anderem, zu Sexismusvorwürfen äußert, die Phrasen „harte Nippel“ und „feucht werden“ benutzt, rate ich dir, das von dir gesagte nochmal zu überdenken und zu überlegen ob du dem angeprangerten hier wirklich einen Gefallen tust.

      Wenn man schon so ein explizites, waghalsiges Statement in die Welt hinausposaunt würde ich dir außerdem dazu raten nicht mit deinem Namen dafür zu stehen.

      ……. Achso 🙂

      Beste Grüße,

      Fabian Greiner

  3. Im Mine-Teil ist der gute Pi leider etwas abgerutscht: Es geht darum, dass Deine Meinung als weißer Hetero-Mann zu sexistischen oder rassistischen Themen eben nur bedingt zählt, vor allem, wenn Du ernsthaft meinst, dass sowas in der deutschen Rap-Szene ja gar nicht so stattfindet. Natürlich nimmst Du, der von diesen Fällen aufgrund Deiner privilegierten Herkunft nie betroffen war/ist und offensichtlich auch keine derartigen Vorfälle mitbekommen hat, das so wahr, aber genau dadurch ist Deine Ansicht zu diesen Themen eben auch komplett überflüssig. Du bist weder Ausländer noch eine Frau oder schwul, von daher überlass‘ es doch den betroffenen Leuten, eine realistische Einschätzung von innen heraus zu geben und nicht als „Zuschauer“ von außen.
    Dieser Reflex erinnert mich etwas an unreflektierte weiße Kids, die bei der N-Wort-Diskussion immer gerne mitreden wollen und den Gebrauch des Wortes damit verteidigen, dass der-und-der es ja auch sagt oder sie eben Kumpels haben, die schwarz sind und damit kein Problem haben. Aber das ist wieder ein anderes Thema…

    • Institutioneller Rassismus wird hier an den Haaren herbeigezogen und ist, auch wenn man mal genau hinguckt, schlicht nicht auffindbar, weil nicht vorhanden. Den strukturellen Rassismus gibt es in diesem Beispiel einerseits nach Pis Argumentation folgend und andererseits faktisch nicht. An welcher Stelle ist das nicht nachvollziehbar? Hat Pi sich immer noch nicht deutlich genug ausgedrückt?
      Warum zählt seine Meinung also nicht? Weil er ein Mann ist? Ich glaube, wir Männer bevölkern zur Hälfte diesen Planeten und wir haben leider auch eine Meinung dazu, so wir zum Beispiel auch eine Meinung zu karierten Socken haben. Wenn das sich Menschen, die sich gerne empören, darüber empören wollen, dann empört euch doch, trotzdem werden weiterhin Männer ihre Meinung sagen und Menschen wie Mine bestenfalls belächeln.
      Wenn ein Mann behauptet, wo auch immer Rassismus zu sehen, dann wird er gerne gehört, aber wenn er dann plötzlich anderer Meinung ist, dann ertönt irgendwo aus der Empörungsblase ein „Wie kann er sich dazu nur äußern?“ obwohl er bestens argumentiert hat, warum es hier eben keine institutionellen Rassismus gibt. Sowas ist bestenfalls lächerlich. Wenn man dieser Logik folgt, dann ist Rassismus überall, in jedem Schuhkarton und in jeder Spardose und wer das als Mann abstreitet, streitet es ab, weil er ein Mann ist. Einfach Schwachsinn.

      • Woran macht der Rassismus-Experte Prinz Pi das denn fest?
        du stellst das hier so als Tatsache dar, dabei sind das doch auch nur Erfahrungswerte. Da kann man dann schonmal fragen ob die persönlichen Erfahrungswerte eines Weißen zu Rassisismus in Deutschland oder eines Mannes zu Sexismus in unserer Gesellschaft konstruktiv zu dieser Diskursion beitragen

  4. Wenn nur noch Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht und nicht die Validität eines Arguments selbst darüber entscheidet, ob eine Meinung gehört wird, dann können wir uns komplett von der empirischen Wissenschaft verabschieden.

    • Schwachsinn. Es geht hier nicht um Wissenschaft. Es geht darum, dass es uninteressant ist, was jemand, der noch nie in Japan war, für eine Meinung über den japanischen Nahverkehr hat. Ganz einfach. Aber rechte Holhköpfe machen es ja nie unter dem Untergang des scheiß Abendlandes.

    • Prinz Pi ist nicht in der Lage vollumfänglich und empatisch beurteilen zu können, ob es noch ein Rassismus oder Sexismusproblem gibt, weil er nicht selbst betroffen ist.

      Das ist so wie wenn ein Unternehmen einen extrovertierten Mitarbeiter fragt, ob er der Ansicht ist, dass die Unternehmenskultur ausreichend an die Bedürfnisse introvertierter Mitarbeiter angepasst ist. Wie soll er das denn beurteilen können?

      Die Frage die ich mir jetzt stelle ist, warum die Veranstalter ausgerechnet ihn eingeladen haben und was sie erwartet bzw. sich erhofft haben dadurch? Ich meine es kann ja auch nicht Ziel gewesen sein, dass Pi 1,5 Stunden dasitzt und sagt „dazu erlaube ich mir keine Aussage, ich bin selbst nicht betroffen“, was meiner Meinung nach die beste Antwort gewesen wäre…

      Vielleicht hätte man einfach eine weibliche Rapperin einladen sollen???

      • Punkt. Schade, dass an dieser Stelle vielen jungen Männern heutzutage die geistige Fähigkeit fehlt, sowas nachvollziehen zu können.

  5. Pi beschreibt hier die Produktuonsmittel wären für alle zugänglich, ja. Aber nur weil die Konzerne diese zur Verfügung stellen und dennoch an anderer Stelle auf eine andere Art und Weise ihren nutzen draus ziehen. Ohne konzerne kein insta spotify mit werbung von noch größeren konzernen usw. – also das was marx beschreibt ist noch genauso präsent wie immer. Zumal es damals vor allem den arbeiterinnen gedacht war – deren realitäten und ausbeutungsverhältnisse heute zumeist die selben sind…was ich sagen will pi beschreibt richtig aber lässt viel zu viel ausser acht sodass seine aussagen am ende zu pauschalisierend sind. Das gilt auch für die anderen von ihm angesprochenen punkte

  6. Prinz p wurde eingeladen,WEIL es auch um SEINE Meinung ging. Wenn irgendwer von euch das uninteressant findet, dann ist das ok, aber tut nicht so, als würdet ihr eine höhere Wahrheit vertreten.

    Ich kann auch eine Meinung zum japanischen Nahverkehr haben, ohne da gewesen zu sein

  7. Mine.hat ja auf FB noch Mal reagiert. Wie so oft, bei diesem themenkomplex, wird schön aneinander vorbei gesprochen. Aus meines Text lese ich heraus, dass Rassismus gegen weissen nicht existiert – im akademischen Kontext wird das afaik über kolionalisierung hergeleitet. Das ist in gewisser weise Gelaber aus dem elfenbeinturm. Diese vermeintlich kognitive diskussion übers privilegiertsein und ihr vermeintlich akademische Begründungen, reflektieren hier in Teilen beispielhaft, wie sich die Diskussion, die grossen Missverständnisse auch im gesamtgesellschaftlichen Kontext darstellen.

    • Dieses ganze „Rassismus gegen Weiße“ Ding Dient sowieso nur dazu, damit sich Weiße angesprochen fühlen, damit dann wiederum andere zumeist Weiße behaupten können, erstere Weiße würden sich getriggert fühlen. Es gibt so viele diskriminierungsformen, Rassismus ist nur die eine, auf die sich die Medien momentan eingeschworen haben, der andere Teil ist halt nicht so wichtig.
      Wenn ich mich in irgendeiner Weise diskriminiert fühle, dann sage ich das auch, ungeachtet meines Geschlechts. Davon abgesehen sind diese „Es gibt keinen Rassismus gegen Weiße“-Schreihälse sowieso nur irgendwelche irrelevanten Darmwinde im Orbit (eben hast noch kurz gestunken, aber jetzt haben sie sich schon wieder verzogen) die sich immer vorher überlegen müssen, ob sie sich beleidigt fühlen dürfen oder ob sie dann schon uncool sind. Lächerliche Affen halt.

  8. Hab gerade Euren Slogan gelesen – zum ersten Mal. „Rap und HipHop, keine Kompromisse“. Und dann lese ich (bzw natürlich nicht, eher „sehe ich“) zum zweiten Mal einen ellenlangen Bullshit-Artikel über ein Feuilleton-Thema, das wirklich keinen Schwanz interessiert außer ein paar abgebrochenen Philosophie- und Germanistikstudenten.
    Konzentriert Euch doch mal auf vernünftige Musik. Das reicht doch völlig aus. Marx, Rassismus, Kulturbegriff – das ist gar nicht Eure Baustelle.
    PS: Neues Album von Muggs X Tha God Fahim kommt am 22. November. Prezident mit neuer EP. Hinz & Kunz bald mit neuem Album. Wieso lese ich davon nix? Immer nur diese Kloppos, die Ihr hier abfeiert.

  9. ach, fick doch prinz pi. lächerlicher bonzenlümmel in den midlifecrises.
    als ob ich mir diesen ganzen unfug durchlese. dumme mistsau.

  10. An deiner Expertise zu zweifeln, aufgrund deines Geschlechts und deiner Herkunft sind doch legitim, wenn du in dem Interview von deinen Erfahrungen sprichst.
    Das Rassismus zu nennen, wirkt als wüsstest du nicht was das ist, das illustriert doch irgendwie ganz passend deine Rolle in diesem Diskurs.
    Ganz abgesehen von der ignoranten Verharmlosung von Rassismus.
    Wie man es übrigens von einem Priviligierten weißen Cis-Mann KLISCHEE erwarten würde.
    WOW

  11. Das ist also jetzt aus Hop Hop geworden?
    Ein paar intellektuelle die irgendwelche Interviews auseinander diskutieren bis ihnen ihr Coffeeinfreier Soyalatte kalt wird und nicht mehr schmeckt, was sie so richtig ärgert und sie ihr ganzes erworbenes Wissen in ihrem Bullshit Studium nutzen, um ihren ganzen Frust, der sich aufgestaut hat, weil sie ja in einer ach so furchtbaren Gesellschaft leben müssen, zu entladen.
    Das ist eine Kultur die sich entwickelt hat, als alternative zur Gewalt.
    Menschen (schwarze Menschen, ja Schwarz, nicht dunkle Hautfarbe, Schwarz) haben sich an Mülltonnen gestellt und sich gegenseitig beleidigt, anstatt sich zu erschießen.
    Die kannten wirklichen Rassismus übrigens auch noch und nicht wie ihr deutschen Hip Hop „Künstler“, die sich den ganzen verfluchten Tag über Rassismus beschweren, obwohl er ihnen zumindest in der Musik die sie machen und in der dazugehörigen Szene höchstens als Teil ihrer Sprache als Stilmittel entgegen tritt.
    Ich habe noch kein Battle, Interview oder was weiß ich was für eine moderne scheiß Aussage, über irgendwelche sozialen Kanäle gesehen die in irgend einer Form irgendwie Rassistisch gewesen wäre.
    Zumindest mal nicht gegenüber Menschen, dunkler Hautfarbe.
    Anders herum eigentlich ständig, aber obwohl es mich ja bis zum multiblen Orgasmus triggern müsste, tut es das nicht.
    Ich finde es persönlich nicht cool und die Doppelmoral überhaupt, aber mich darüber aktiv beschweren?
    Ehrlich gesagt, habe ich einfach diese sinnlose Dauerausrede von solchen Künstlern satt, dieses ständige auf dieses Thema versteifen, dieses rum Heulen.
    Von solchen Schreiberlingen die uninteressanten Müll in Zeitschriften oder jetzt eben in Blogs und Online(wie nennt sich dieses Format hier eigentlich?) schreiben um durch peinlich reißerische Überschriften Leute zum klicken zu animieren, um Werbegelder erwirtschaften zu können, um ihre peinliche Existenz zu rechtfertigen,bin ich nichts anderes gewöhnt.
    Aber das sich nun auch Musiker hinstellen und total hochtrabend über Rassismus diskutieren, obwohl es den in ihrer Musik überhaupt nicht gibt, ist armselig, einfallslos und lächerlich.
    Generell in unserem Land Rassismus bekämpfen zu wollen ist wie ein Bayern München Fan zu werden, wenn die schon 30 Punkte vorn sind.
    Meine fresse, wir nehmen die halbe Welt auf, auf jeder Schule steht ohne Rassismus, kein Mensch würde sich überhaupt noch erdreisten irgendwas zu sagen, was man entfernt als Rassismus auslegen könnte. Jede Diskussion über Rassismus gibt es nur, weil irgendwelche Spacken Aussagen aufgreifen, sie solange zerpflücken bis der Sinn komplett verdreht ist um sich denn ausführlich darüber zu beschweren, daß es rassistisch ist.

    Das ist Hip Hop.
    Da beleidigen sich Menschen gegenseitig und tadaa zu 99 Prozent meinen die das überhaupt nicht ernst.
    Da muss ich mir auf der SZ oder dem Spiegel schon Monatelang schwachsinnige Zitate von Kollegah anhören, die ja angeblich so mega antisemitisch sind und nun fangen die Medien die aktiv in dieser Szene sind, auch noch damit an, obwohl sie es besser wissen müssten.
    Im Hop Hop gibt es keinen erwähnenswerten Rassismus.
    Der wird schlichtweg einfach nicht geduldet und noch niemals habe ich ein ernsthaft zu nehmendes Mitglied dieser Community gesehen, das sich rassistisch geäußert hätte.
    Nur einen Haufen idioten die meinen ein Teil davon zu sein, die sich ständig darüber beschweren.

    Prinz Pi hat in diesem Punkt recht, ob man ihn nun mag oder nicht.
    Und ich glaube der hat definitiv ne Menge Hip Hop erlebt, egal ob er jetzt eher Pop lastige Musik macht.
    Der hat sich entwickelt, ob zum guten sei mal dahin gestellt.
    Entwickelt hat sich auch die Hip Hop Szene und das definitiv zum schlechteren.
    Anstatt einfach zu machen und zu genießen, das man aus sportlichen Gründen einfach alles sagen darf, kommen irgendwelche Moralapostel aus ihren scheiß Hörsälen gekrochen, um eine Kultur für sich zu vereinnahmen mit der sie so viel zu tun haben, wie die britische Küche mit dem Wort Gourmet.

  12. Bei der kindlich-naiven Marx-Exegese war ich mir sicher, jetzt hat der Prinz den Tiefpunkt erreicht, aber als er es sich dann beim Mine-Post in der Opferrolle richtig bequem gemacht hat wurde selbst das noch einmal unterboten. Chapéu Friedrich Engels Kauz, auch wenn du ein sehr selbstreflektierter Musiker bist, wäre es sinnvoll auch im politischen mal ein wenig Introspektion an den Tag zu legen. Du sagst, heutzutage lesen die Leute ja nicht mehr, und du hast recht.

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