„United against Racism“: Demo mit Rap-Einlagen

Rap war schon immer politisch motiviert. Ob 2Pac nun „I see no changes, all I see is racist faces“ rappt oder Marteria „Das Geld muss weg“ schreit – in Raptexten geht es häufig darum, Missstände aufzudecken. Leider ist die Line von Tupac auch 20 Jahre nach Veröffentlichung des Songs noch hoch aktuell. Menschen fliehen aus ihrer Heimat, da sie sich dort in Lebensgefahr befinden und ertrinken dann im Mittelmeer, weil Europa der Meinung ist, „unsere Grenzen schützen“ zu müssen (Schäuble, 2018). Währenddessen gewinnen rechte Parteien mit vermeintlich einfachen Antworten und dem Erschaffen eines Feinbildes in ganz Europa an Wählern.

Um zu zeigen, dass all das nicht mit den Menschenrechten vereinbar ist und schon gar nicht die Meinung der Mehrheit repräsentiert, gingen am Samstag 35.000 Menschen unter dem Motto „United against Racism“ (auf deutsch: „Gemeinsam gegen Rassismus“) auf den Straßen Hamburgs demonstrieren. Unter der bunt gemischten und friedlichen Menschenmenge waren auch einige RapperInnen zu sehen. Auf dem orangenen Wagen der Seebrücke – eine internationale Bewegung, die sich für die Seenotrettung Geflüchteter einsetzt – traten fünf RapperInnen auf. Eine davon ist die Deutschbrasilianerin Yansn aus Berlin:

„Es ist wichtig, sich zu positionieren. Ganz egal, ob man nun Künstlerin ist oder nicht. Jeder Mensch sollte das tun. Unsere Texte passen zu der Thematik, für die wir hier heute alle auf die Straße gehen. Im Rap wird viel Scheiße gelabert, Texte sind oft menschenfeindlich. Viele peilen nicht, dass Rap eigentlich etwas friedliches ist.“

Die auftretenden RapperInnen verknüpfen ihre Liebe zur Musik mit politischen Botschaften, um für ein tolerantes und weltoffenes Miteinander einzustehen. Die breite Hörerschaft blieb bisher jedoch aus. „In der gängigen Rapszene sind wir nicht gerade präsent. Außerhalb davon sind wir aber etabliert, erwünscht und sehr aktiv – man kennt sich.“, sagt Yansn.

Sir Mantis, ehemals Jennifer Gegenläufer, gab den Startschuss bei der Demonstration. Der Transmann performte einen Song darüber, dass einige Polizisten Menschen mit rechtem Gedankengut besser schützen als Menschen mit linker politischer Gesinnung oder solche mit Migrationshintergrund.

„Was tun Nazis? Die werfen nur Mollys in ein Flüchtlingsheim / warum sollte das schon ein Grund zum knüppeln sein? / Das ist maximal eine Sachbeschädigung / dann komm doch aufs Präsidium und mach ne Anzeige – Punkt.“

Die türkische Rapperin Tice beschrieb, welche Erfahrungen sie als Angehörige einer Minderheit in Deutschland machte. Es ging zum Beispiel darum, dass man über 30 Jahren in Deutschland lebt, aber noch nie an Wahlen teilnehmen durfte. Dadurch wird den Menschen die Möglichkeit genommen, an der Demokratie teilzunehmen. Es wird suggeriert, dass sie nicht zu „uns“ gehören, da sie kein Mitspracherecht haben. Tice lässt es sich jedoch nicht nehmen, ihre Meinung der Welt zu offenbaren und schreibt deshalb Raptexte.

Auch Mal Eleve, ehemaliger Sänger der Band Irie Révoltés, trat bei der Veranstaltung auf. Die Band hat sich zwar Ende letzen Jahres aufgelöst, die politische Message bleibt jedoch bestehen und wird weiterhin in die Welt hinaus getragen. Gemeinsam mit Carmel Zoum, die auf Englisch, Französisch sowie Lingala rappt und singt, performten sie den Song „Oury Jalloh“. Darin geht es um den Westafrikaner Oury Jalloh, der 2005 durch einen Brand in seiner Gefängniszelle starb. Damals wurden zwei Polizisten wegen fahrlässiger Tötung beziehungsweise Totschlag angeklagt und freigesprochen. Nachdem der Fall publik wurde, hat die Staatsanwaltschaft die Verhandlungen zu einem der Angeklagten wieder aufgenommen, worauf hin dieser lediglich zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

Den musikalischen Abschluss setze Finna. In ihren Texten geht es hauptsächlich um Gleichberechtigung. Wie alle anderen KünstlerInnen auch, stellt sie sich gegen das Patriarchat, gegen Rassismus und Hass jeglicher Art.

Solange die Zustände in Deutschland und Europa so menschenfeindlich bleiben, wie sie aktuell sind, solange Menschen sterben, die nicht hätten Sterben müssen, sollte jeder die Stimme erheben und sich für die Menschenrechte einsetzen. Dabei ist es ganz egal, ob die Positionierung online, auf der Straße oder beim Einmischen in eine rassistische Diskussion in der U-Bahn geschieht. Mensch ist Mensch. Dafür sollten wir alle kämpfen! Solange, bis alle, nicht nur auf dem Papier sondern in der Realität, dieselben Rechte haben.