Kool Savas

Stilgerechter kann ein Album kaum präsentiert werden: In einer Stretchlimousine und dröhnender Anlage ging es zur "Tot oder Lebendig" Prelisteningsession durch Berlin und während sich die Leute die Nase platt drückten, saßen in dem Ungetüm nur eine handvoll Pressevertreter um sich einen Eindruck über das Album zu verschaffen, das langerwartet ist wie kaum eines. Am gleichen Abend präsentierte Kool Savas eben dieses im Rahmen der Popkomm auch in einem exklusiven Showcase und am Tag danach traf ich den King of Rap in einem Berliner Hotel, wo er geduldig und gelassen meine Fragen beantwortete.

rap.de: Wie war denn der Auftritt gestern Abend?

Kool Savas: Warst du nicht da?

rap.de: Nein, leider nicht.

Kool Savas: Schade, war wirklich gut und hat echt Spaß gemacht.

rap.de: Sind deine neuen Sachen gut angekommen?

Kool Savas: Ich glaube es ist gut angekommen. Ich war ziemlich nervös eben, weil es ja meine neuen Tracks waren, aber ich glaube den Leuten hat es Spaß gemacht und die Resonanz war echt auch cool.

rap.de: Ich habe ja die Möglichkeit gehabt das Album ein Mal Probe zu hören.

Kool Savas: In der Limousine?

rap.de: Genau, und ich finde es ehrlich gesagt schwierig, jetzt mit dir über ein Album zu reden, das ich erst einmal gehört habe, aber irgendwie ist dieses Album natürlich das ganz große Thema im Moment.

Kool Savas: Das ist echt schwierig.

rap.de: Versuchen wir es einfach und wenn das gar nicht klappt, weil sich herausstellt dass ich Sachen grundsätzlich falsch verstanden habe, reden wir über was anderes, ok?

Kool Savas: Klingt nach `nem guten Deal, lass es uns versuchen.

rap.de: Ok, fangen wir so an. Dein letztes Album „Bester Tag meines Lebens“ liegt schon eine Weile zurück, aber wie lange hast du konkret an „Tot oder Lebendig“ gearbeitet?

Kool Savas: Effektiv am Stück, jetzt in Berlin, würde ich sagen sechs Monate. So lange war das, denke ich schon, definitiv.

rap.de: Und es sind geworden 12 Tracks, richtig? Dabei ein Intro, ein Skit…

Kool Savas: Das Intro, danke dass du das sagst, das Intro ist als Track zu werten.

rap.de: Da hätte ich auch gleich eingehakt, für ein Intro ist es ja eigentlich schon zuviel…

Kool Savas: Ja, das ist kein Standard Intro, wir hätten natürlich auch irgendeinen 10 Sekunden Dreck davor setzen können und das „Intro“ nennen können und dem jetzigen Intro dann einen Tracknamen geben können, aber das ist Unsinn, das wollte ich nicht. Und genau, dann gibt es da noch einen Skit. Im Prinzip ist es damit auch aufgebaut wie „Der Beste Tag“, auch von der Länge und so. Und wenn ich jetzt der Meinung gewesen wäre, es wäre zu wenig, dann hätte ich das Release Date auch auf jeden Fall verschoben, aber ich bin der Meinung das alles drauf ist, was drauf sein muss.

rap.de: Du hast gemerkt, dass ich darauf hinauswollte, dass es ein kurzes Album ist…Egal. Du lehnst dich ja öfter auf dem Album an „Bester Tag meines Lebens“ an, gerade auch mit dem Skit.

Kool Savas: Genau.

rap.de: Würdest du sagen, du hast damit auch eine Fortsetzung gemacht?

Kool Savas: Auf eine gewisse Art und Weise natürlich, eine Fortsetzung meines Lebens, das natürlich, aber zu dem Zeitpunkt war ich auch MC-technisch noch auf einem ganz anderen Level als jetzt, da ist auf jeden Fall eine deutliche Veränderung zu hören, denke ich, oder Weiterentwicklung, oder wie auch immer man das nennen möchte. Seit „Der Beste Tag meines Leben“ sind halt auch viele Dinge passiert…

rap.de: …die du auch auf dem neuen Album verarbeitest.

Kool Savas: Definitiv. Also gerade das, was die Leute so gerne Battletracks nennen und auch so hören, so nenne ich das nicht mal mehr. Für mich ist das einfach Rap, man erzählt von sich und dazwischen sind wirklich ganz viele Sachen aus meinem täglichen Leben, Erfahrungen, Sachen mit denen ich auch Leute anspreche. Ob es nun das Rap Thema an sich ist, ob es nun mein Verhältnis zu Bestimmten ist, ich verarbeite viel. Ich habe nur versucht, mich von diesem ganzen negativen Kram nicht zu sehr beeinflussen zu lassen, also eigentlich echt gar nicht.

rap.de: Ich finde die Featurewahl ja ganz interessant…Azad war ja nun nahe liegend, den Track mit ihm kann man ja auch als Fortsetzung sehen, der behandelt ja auch ein ähnliches Thema…

Kool Savas: Ja, stimmt.

rap.de: Aber wie kam denn das Curse Feature zustande?

Kool Savas: Curse ist auf dem normalen Album gar nicht drauf, er ist auf der Special Edition für eure Konkurrenz mit drauf. Da wird Curse auf dem „Krank“ Remix zu hören sein…ich weiß gar nicht ob es nicht zu früh ist über so was zu reden. Naja, wahrscheinlich wissen es eh schon ganz Viele.

rap.de: Der Interviewplan sieht „Kool Savas“ eh erst für Mitte Oktober vor.

Kool Savas: Ok, super. Also ich denke bei dem Thema hat sich angeboten, dass Curse auch was dazu macht, ich habe lange nichts mehr mit ihm gemacht und ich hatte echt Bock, mal wieder was mit ihm zu machen, ich schätze ihn sehr und von daher…eigentlich jetzt gar nicht so was Besonderes.

rap.de: Kehren wir doch noch mal zu „Tot oder Lebendig“ zurück und lass uns noch über einzelne Tracks sprechen.

Kool Savas: Ja, cool.

rap.de: Wir haben da unter anderem „Der Beweis“, was muss man als Kool Savas denn noch beweisen?

Kool Savas: Das frage ich im Track ja auch. Aber irgendwie muss man ja doch immer wieder was beweisen, wir leben in einer schnelllebigen Zeit und die Leute vergessen einen, da muss man sich auf jeden Fall wieder ins Bewusstsein rufen. Und ich lese ja auch immer wieder so absurde Sachen über mich wie: „Der macht ja eh nur seinen Flüsterstyle“. Ich habe mir einfach gedacht, ich packe noch mal richtig geile Flows aus und dann habe ich das vielleicht wirklich nicht mehr nötig, jemandem was zu beweisen und kann einfach endlich melodiöse Chillmucke machen, aber da ist natürlich auch immer der MC in mir, der mich immer wieder dazu treibt, so was zu machen.

rap.de: Interessant fand ich auch „Mona Lisa“.

Kool Savas: Das ist ein Beat, den ich mir irgendwann mal ganz alleine angehört habe, zusammen mit ganz vielen anderen und als der kam, habe ich einfach mal so angefangen zu schreiben. Der Beat hieß schon „Mona Lisa“ und ich habe mich dann davon beeinflussen lassen, weil ich das Gefühl hatte, dass der Titel die ganze Sache auch gut beschreibt, habe das ja dann auch für die Hook benutzt. Trotzdem habe ich bei dem lange überlegt, ob ich ihn mit auf`s Album nehme und auch die Hook noch mal veränder, der scheint aber bei den Leuten ziemlich gut anzukommen, merke ich.

rap.de: Das war spontan mein persönlicher Favorit, ehrlich gesagt.

Kool Savas: Ehrlich?

rap.de: Ja, einfach weil der raptechnisch so hoch angesetzt ist.

Kool Savas: Na ja cool. Freut mich.

rap.de: Könntest du den Skit noch für Menschen zusammenfassen, die die türkische Sprache nicht beherrschen.

Kool Savas: Klar. Das ist mein Großvater, und wie Großeltern halt so sind, versuchen sie einem ja immer Lebensweisheiten mitzugeben und diesmal sagt er halt, wie wichtig es ist für Kinder da zu sein, sie gut zu erziehen. Er ist ein pensionierter Lehrer, deswegen war es ihm auch immer sehr wichtig, in die Ausbildung der Kinder zu investieren und dass sich alle darüber bewusst sein müssen, dass das wichtigste die Kinder sind, unsere Zukunft. Und danach kommt halt dieser Song „Krank“, der Skit gehört sozusagen zu dem Track, weil der Track dann halt zeigt wie die Wirklichkeit ist und darstellt, dass viele Leute zwar das Richtige wollen, aber es in Wirklichkeit einfach anders ist.

rap.de: Der Skit ist also ein Vorwort.

Kool Savas: Das ist er auf jeden Fall geworden, es war aber eigentlich nicht so gedacht. Das Album ist halt voll mit so Schicksalsdingen geworden, die irgendwie so gekommen sind, vom Titel über „Mona Lisa“ oder den Skit. Alle Sachen sind irgendwie von selber entstanden, ich weiß auch nicht wie und haben sich dann zu „Tot oder Lebendig“ zusammengefügt, davon war nur ganz wenig geplant.

rap.de: Was möchtest du uns mit dem Albumtitel eigentlich sagen?

Kool Savas: Ich weiß es selber gar nicht mehr so genau, wie der eigentlich entstanden ist, plötzlich war er da und ich hatte das Gefühl, dass er meine Situation ziemlich gut beschreibt oder zumindest wo ich für die Leute da draußen stehe oder auch den Wendepunkt, an dem ich stehe, beschreibt. Oder auch die Diskussion: „Bringt Savas es noch mal oder bringt er es nicht?
Auf dem Track habe ich die Bedeutung aber noch mal verändert und sage: „Ich bleibe eine Legende, ob Tot oder Lebendig“, für mich, muss ich einfach sagen, alles scheißegal, für mich persönlich habe ich es ja schon gepackt, ich habe es geschafft, aber man kann den Titel eigentlich auch auf alles anwenden. „Hip Hop is dead“ war ja auch voll die Kampagne.

rap.de: Ok. Produziert ist das gute Stück komplett von Melbeatz, liege ich da richtig?

Kool Savas: Genau.

rap.de: Die Beats sind auch diesmal wieder ziemlich gewaltig ausgefallen, du hast das letztes Jahr bei uns im Interview zum Optik Takeover  „Weltübernahme Style“ genannt und die gehen ja wieder in die gleiche Richtung.

Kool Savas: Ja?

rap.de: Finde ich. Findest du nicht?

Kool Savas: Ich überlege gerade. Da muss ich selber mal drüber nachdenken. Gehen die in die gleiche Richtung?

rap.de: Die sind halt wieder sehr melodiös, viele Instrumente…spielt ihr die eigentlich inzwischen noch mehr live ein?

Kool Savas: Du hast schon Recht. Einige Sachen schon. Also live jetzt im Sinne von mit Keyboard, aber halt mit anspruchsvollen Soundbanken, das sind dann also Live-Sounds, die abgesamplet wurden,  aber es gibt auch Beats in denen Mel bestimmte Pianos nachgespielt hat, mit Pianosounds, bei denen man hört, dass es Piano Sounds sind, aber sie wollte das auch so lassen, damit man auch die Differenz hört. Bei „On Top“ zum Beispiel, dem Song mit Azad hört man auch, in der Hook läuft das Sample durch, danach hat sie es nachgespielt, und dadurch bekommt es noch mal einen synthetischen Vibe in den Verses. In der Hinsicht sind überall auf dem Album auch Kleinigkeiten versteckt, die dann jeder für sich finden kann.

rap.de: Also auch das richtige für Musikfreaks?

Kool Savas: Auf jeden Fall. Das ist auf jeden Fall auch in der Hinsicht ein sehr anspruchsvolles Album. Für Rap natürlich auch, aber es ist auch nicht unmusikalisch – überhaupt nicht.

 

rap.de: Stimmt, ich denke auch gerade als Rapfan, also Fan der Disziplin „Rap“ kann man „Tot oder Lebendig“ gut hören. Flow und Style hauen halt einfach rein…

Kool Savas: Dankeschön.

rap.de: Ich habe das übrigens trotzdem anders empfunden und eher das Gefühl gehabt, da sind vor allem Battlesachen drauf, wie auch immer man die jetzt nennen mag…

Kool Savas: Ich glaube, was du damit auch meinst, sind die Tracks, die sich mit Rap beschäftigen, die sich mit dem Muckemachen beschäftigen, aber ich sag`s mal so: Bei R’n’B geht es fast immer nur um Liebe, man kann auch über andere Sachen schreiben, aber bestimmte Themen geben halt den Vibe einer Sache gut wieder und bei Rap bietet es sich halt an, immer in dieser „Ich und Du“-Form zu rappen, das was halt oft auch Battlerap ist, aber da kann man ja auch alles andere reinbringen. Und man kann auch ein angeblich deepes Album machen und dann ist es letztlich aber doch nur oberflächliche Scheiße mit total billigen Rhymes ohne Aussage dahinter, aber ich denke echt, dass alle meine Sachen auf dem Album Hand und Fuß haben. Und ich habe für meine Verhältnisse echt `ne ganze Menge Konzept- und Themendinger.

rap.de: Kann sein, dass das beim ersten Mal hören anders rüber kommt. Ich hätte trotzdem gedacht dass man in fünf Jahren einer ganzen Menge Themen begegnet, die man dann entsprechend auch mehr umsetzt.

Kool Savas: Ich habe das doch gemacht. Also ich bin jetzt kein Themenjäger oder so, aber ich habe diesen Mutmachersong mit Azad, ich hab´ den Themensong „Krank“, den mal als sozialkritisch betiteln könnte, ich habe „Nur ein Spiel“, der sich zwar um das Rapgame dreht aber ein Konzeptsong ist, weil ich da die Videogames als Vergleich benutze, dann „Melodie“ in dem es zwar auch um Rap geht, aber „sie haben meine Mucke gefickt“ ist ja die eigentliche Aussage und so weiter. Ich denke, es kommt auch darauf an, was man erwartet und  was man sonst noch für Mucke hört.

rap.de: Bei „Melodie“ möchte ich auch noch kurz einhaken.

Kool Savas: Ok.

rap.de: Das wurdest du vermutlich jetzt auch schon ganz schön oft gefragt, aber wie kommt denn da ein Senna (Monrose) Feature drauf?

Kool Savas: Das wurde ich ehrlich gesagt erst einmal gefragt. Es war so, dass wir für den Track eine Sängerin brauchten oder wollten. Moe hat am Anfang die Hook komplett alleine gesungen, aber ich wollte gerne noch ein Mädchen, das die singt, also hatten wir ein, zwei Sängerinnen im Studio und das hat nicht so gut funktioniert und irgendwann hat Mel vorgeschlagen, dass wir Senna fragen, weil sie mit ihr befreundet ist und die auch gerade in Berlin war. Also haben wir sie gefragt, ihr auch mal eine Roughversion geschickt, sie hat gesagt sie könne sich das vorstellen, ist ins Studio, hat das dann gemacht und ich finde sie hat das auch sehr gut gemacht. Also wenn es scheiße geworden wäre, hätte ich das auch nicht genommen, echt nicht, dann wäre das nicht aufs Album gekommen….Popstars hin, Popstars her, mir war das auch wurst, die machen ihr Monrose -Ding und die machen das vernünftig.

rap.de: Wobei man ehrlicherweise auch zugeben müsste, dass es vermutlich verkaufsfördernd wirkt…

Kool Savas: Ja, aber jetzt mal ganz ehrlich, das war während wir das Album gemacht haben nie ein Argument, das sieht man daran, dass wir vorher ja Sängerinnen im Studio hatten, die überhaupt noch nicht berühmt sind. Es würde mich natürlich freuen, wenn ein paar von deren Fans sich mein Album auch holen und dadurch auf den Rapfilm kommen, aber ich glaube dass es eher nicht so sein wird, ich glaube eher, dass es Leute hören, die wirklich Rap hören.

rap.de: Glaubst du dass dieses Album sowieso deine älteren Fans anspricht oder auch für eine jüngere, neue Zielgruppe interessant sein könnte?

Kool Savas: Nicht wirklich, ich glaube dafür ist meine Musik zu wenig kontrovers, um neue Leute anzusprechen und ich denke die Kids sind weniger an Wortspielen und anspruchsvollem, authentischen Rap interessiert als an „Bang Bang Hardcore Shit“, Mutter ficken und so weiter. Das ist einfach für die nachzuvollziehen und wahrscheinlich auch logisch, dass man in dem Alter lieber so was hört, als das, was ein 30jähriger zu sagen hat, kann ich auch nachvollziehen.

rap.de: Du hast schon wahnsinnig viel erreicht, Stichwort Leistungsdruck…

Kool Savas: Der wird immer höher, bei diesem Album habe ich es echt gemerkt, der Leistungsdruck war enorm hoch aber vor allem halt der Druck, den ich mir selber gemacht habe, um meinen Ansprüchen gerecht zu werden, was ich raptechnisch und musikalisch und als Gesamtprodukt dann auf die Beine stellen wollte.

rap.de: Glaubst du, du kannst dich selbst noch toppen?

Kool Savas: Ja, auf jeden Fall, indem man gute und noch bessere Songs macht. Der Interviewer vor dir hat auf meine Frage, ob er meine Musik eigentlich hört, gesagt, dass er glaubt, ich habe das beste deutsche Rapalbum aller Zeiten gemacht und ich habe ihn gefragt: „Welches?“ und er meinte: „Dein Neues.“, das war schon krass. Das war auch geil, einer der nicht in der Vergangenheit lebt, obwohl er auch meine alten Sachen kennt. Ich bin auch der Meinung, dass das, was ich jetzt mache, anspruchsvoller ist als „King of Rap“, als „Neongelb“, als „Till up Joe“, als alle Songs, die die Leute feiern. Es hat also auf jeden Fall eine Verbesserung stattgefunden.

rap.de: Bist du ein Perfektionist?

Kool Savas: (nickt sehr bestimmt) Ja… .

rap.de: Das klang jetzt auch so.

Kool Savas: (lacht) Echt? Ja, ich bin auf jeden Fall einer.


rap.de: Ich habe mir gerade überlegt, ob jemand in deiner Position nicht vielleicht auch irgendwann sagen könnte: „Ich habe jetzt x-Singles rausgebracht, so und so viele Clips auf MTV….“

Kool Savas: Das man dann satt ist?

rap.de: Na eher, dass man seinen Höhepunkt erreicht hat und bevor es bergab geht…

Kool Savas: Ach, das ist doch Quatsch. Bergab kann es nur gehen, wenn man Musik aus anderen Motiven macht. Wenn man die Musik liebt, was heißt dann schon bergab? Es kann höchstens kommerziell bergab gehen, dass man nicht mehr so erfolgreich ist, aber ich denke bei den meisten Musikern geht es dann bergab, wenn sie selber keine Lust mehr haben und nicht mehr fokussiert sind. So ist das doch zum Beispiel auch bei Schauspielern. Aber wenn man Leuten die Möglichkeit gibt sich neu zu erfinden, neue Kraft zu schöpfen, dann kann es auch genauso wieder bergauf gehen. Man gucke sich nur John Travolta an, der war so out, so abgesägt und nur durch „Pulp Fiction“ ist der wieder an den Start gekommen und guck mal wie erfolgreich der jetzt ist. Der hat wieder zu sich gefunden, das ist genau das, was Sylvester Stallone zum Beispiel bräuchte. Der hat das auch probiert mit „Copland“ und der ist jetzt halt gezwungen immer nur Fortsetzungen zu machen und ich denke bei Musikern ist das genauso: Wenn der Hunger nicht da ist, dann heißt es aus die Maus, ich meine wenn man eh keinen Bock hat, Musik zu machen, dann sollte man es lassen.

rap.de: Während ein Album entsteht, lässt du da andere Leute quasi eine „Qualitätskontrolle“ durchführen, also fragst du auch andere nach ihrer Meinung oder ziehst du einfach dein Ding durch?

Kool Savas: Natürlich, ich habe alle meine Freunde gefragt, ich hatte die Reaktionen meiner Freunde, meiner Freundin. Mel war auch die ganze Zeit dabei, die hat auch immer ihren Senf dazu gegeben, die sagt ja immer was. Und was mir wirklich logisch erschien, oder wenn mehrere Leute das Gleiche gesagt haben, dann habe ich auch darauf gehört, aber am Ende des Tages zählt das eigene Gefühl und da muss man dann versuchen, für sich zu entscheiden: Kann ich dahinter stehen oder nicht? Das ist einfach ein Bauchgefühl. Ich bin total zufrieden mit meinem Album und jetzt ist auch die Last weg, das merke ich und mein Bauch sagt mir: Schön, dass du es so gemacht hast und nichts daran anders ist.

rap.de: Was sind denn die nächsten Schritte bei Optik Records, wie geht es weiter?

Kool Savas: Vor meinem Album kommt noch das Mixtape von Amar, einen Monat nach meinem Album kommt das Caput Album „Caputalismus“, wo wir im Rahmen meiner Promo dann natürlich auch versuchen werden, seine Sachen zu pushen, das ist nämlich auch ein super Album geworden, sehr abwechslungsreich, sehr anspruchsvoll, viel Storytelling, viel mehr als auf meinem Album, Thementracks, Konzepte. Nächstes Jahr kommen dann Franky und Kaas, die auch komplett auf Storytelling setzen, also für Leute die sich echt Geschichten erzählen lassen wollen sind Franky und Kaas perfekt. Dann wird es für mich persönlich noch mal interessant, weil ich mit Moe und Mel endlich ein R’n’B-mäßiges Album schreiben möchte.

rap.de: Stimmt, das hattest du letztes Jahr schon angekündigt…

Kool Savas: (lacht) Ja, und es ist immer noch mein großer Traum, ich merke das immer wieder. Mit Moe kann ich perfekt zusammen arbeiten und ich denke zu dritt wird das eine sehr gute Kombi.

rap.de: Wie ist eigentlich deine Arbeitsweise beim Tracks schreiben? Hast du erst ein Thema oder erst den Beat und dann ein Thema?

Kool Savas: Genau so, Mel macht erst einen Beat und schickt mir den dann als mp3, ich höre mir den dann an und sage sie soll den saven, dann packt sie ihn in einen extra Ordner nur für mich. Ansonsten höre ich auch Beats immer wieder, manchmal picke ich dann einen Beat von dem ich nie gedacht hätte, das ich den nehme, bei manchen Beats ist die Entscheidung echt erst im Studio gefallen, bei Anderen wusste ich es von Anfang an. Beim Intro zum Beispiel wusste ich von Anfang an, dass der das Intro werden würde und den Beat von „Beweis“ habe ich einmal gehört und wollte den sofort. Aber es ist auf jeden Fall so, dass Mel mit dem Beat erst Mal so das Grundgerüst vorgibt.

rap.de: Und du machst dann darauf den Text.

Kool Savas: Genau.

rap.de: Ok. Wunderbar, hätten wir das auch geklärt. Hast du noch ein schönes Schlusswort?

Kool Savas: Hab ick nich. Ich sage immer: „Bleibt gesund, nehmt keine Drogen“

rap.de: Dem kann ich mich anschließen, definitiv.

Kool Savas: (lacht) Gut. Dann danke fürs Interview.

rap.de: Ich danke und wünsche viel Erfolg mit „Tot oder Lebendig“. 

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