Too Strong

„Wir haben gemerkt, dass ihr Too Strong vermisst habt, und uns ging es mit Sicherheit nicht anders“, heißt es auf Internetseite der Ruhrpott-Veteranen. Vier Jahre ist es her, dass Too Strong ihr letztes Album veröffentlicht haben. Jetzt, am 25.07.2005, hat das Warten für alle Silos und sonstigen Fans endlich ein Ende, wenn der fünfte Longplayer „Dreamachine“ erscheint.

Too Strong kann man ohne Zweifel zur deutschen Oldschool-Elite zählen. Seit Anfang der Neunziger rocken sie die deutschen Bühnen und konnten Fans und Silo-Verbündete mit konstanten Releases immer wieder begeistern. Kult-Tracks wie „Rabenschwarze Nacht“, „Der Kurs Ist Vorherbestimmt“ oder „Krank“ werden heutzutage immer noch ausgiebig gefeiert. Nach ihrem Split vor vier Jahren, der während der Produktionphase ihrer letzten LP „Royal TS“ geschah, wurde es ruhig um die Dortmunder Crew. Doch mit der Ruhe ist es nun definitiv vorbei. Mit der ersten Single „Purer Rap“ servierten Too Strong einen leckeren Appetizer auf das Hauptmenü „Dreamachine“. rap.de unterhielt sich mit Doze über die Wiedervereinigung, die neue Platte, die Verknüpfung der Elemente, Too Strongs Problem mit Sido, die Silo-Nation und ein weiteres interessantes Nebenprojekt der Jungs. Aber lest selbst!

rap.de: Ihr bringt nach vier Jahren wieder eine neue Platte heraus. Was war für euch der entscheidende Augenblick oder der bestimmte Auslöser, durch den ihr euch dazu entschieden habt, wieder zusammen zu arbeiten?

Doze: Also, es war ja so, dass wir uns die letzten vier Jahre, nachdem wir uns getrennt haben, während der Produktionsphase von „Royal TS“, gar nicht mehr gesehen haben. Wir haben auch nicht telefoniert oder auf ein Bier getroffen. Da war komplett Funkstille. Der entscheidende Punkt war eigentlich, dass wir DJ Broke wieder getroffen haben, als wir als „Evergreenz“ in irgendeinem Club aufgelegt haben. Da war Broke am Start und meinte, dass der Lange doch auch mal wieder vorbeikommen will usw… Aber keiner wollte so richtig den Anfang machen. Da hab ich ihm gesagt, dass er jederzeit vorbeikommen kann. Das hat dann keine Woche mehr gedauert, da hatten wir uns zum Grillen und einem Bier getroffen. Dann haben wir mal über alles gelabert, worüber wir früher nie gesprochen haben. Das war wohl auch der Fehler damals oder vielleicht auch der Grund, warum wir uns getrennt hatten. Jeder hatte ein Problem mit irgendwas, aber niemand hat etwas ausgesprochen. Wir haben also erst einmal über all das geredet, uns später noch ein paar Mal getroffen – und irgendwann waren auch schon fünfzehn Beats fertig. Dann wurden CDs gebrannt und Texte geschrieben…

rap.de: Wie du auch schon gesagt hast, hattet ihr ja zu dem Langen keinen Kontakt in den vier Jahren. War es da nicht schwer, sich wieder anzunähern?

Doze: Jeder der Too-Strong-Charaktere, sei es Der Lange, Funky Chris oder Doze, hatte nach der Trennung das Gefühl, dass etwas gefehlt hat – auch wenn man das nicht in den ersten eineinhalb Jahren gemerkt hat. Irgendwann wurde das aber klar. Auch ohne die ganzen Auftritte, da fehlt einem schon etwas. Ich denke das Verlangen war einfach sehr groß, im Sommer 2004, als wir uns wieder getroffen haben, erstmal über die alten Sachen zu sprechen und alles auszugleichen. Und jeder von uns hatte schon Bock, auch mal wieder auf die Bühne zu gehen und was zu machen – so, wie es halt damals war. Ich denke, von daher war es für jeden kein großes Problem, sich auszusprechen und mal wirklich alles auf den Tisch zu legen, über alles zu reden und alles zu klären, was da in über zehn Jahren Bandgeschichte los war. Da hat sich wirklich viel angehäuft, aber ich denke wir haben alles beseitigt. Wir gehen jetzt auch ganz anders miteinander um.

rap.de: Wie kann man sich die Produktion von „Dreamachine“ vorstellen? Die meisten Beats sind von dir und Chris produziert. Habt ihr über die Jahre Beats gesammelt oder speziell für die Platte produziert?

Doze: Also die Beats, die auf der Platte zu hören sind, sind bis auf „Chill“ und „Liebe Meines Lebens“ alle neu gemacht. Ich hatte ehrlich gesagt – wir hatten ja auch andere Produktionen gemacht in den vier Jahren – erstmal überlegt, wie gehen denn jetzt noch mal Too-Strong-Beats?“

rap.de: Ihr habt in den vier Jahren auch viel elektronische Musik, wie House, gemacht.

Doze: Ja, wir haben auch elektronische Sachen gemacht. Ich denke, die Handschrift würde man auch bei den House-Sachen erkennen. Wir hatten einen obligatorischen Elektro-Track auf jeder Platte. Die waren alle von mir. Ungefähr so sind auch die House-Tracks geworden, nur dass man keine uralten Elektro-Drums mehr benutzt hat, sondern halt Vier-Viertel-Loops.

rap.de: Seid ihr mit einem Konzept an die Beats rangegangen? Habt ihr euch an den alten Platten orientiert?

Doze: Nee, ich denke nicht. Ich glaube, es ist wieder einfach so gekommen. Ich gucke da nicht bei den alten funkigen Dingern, die ich vielleicht für andere Sachen sample, sondern auch bei Soundtracks, obwohl wir dieses Mal keine Soundtracks verwendet haben. Too-Strong-Beats waren ja die Sachen, womit ich angefangen habe zu produzieren. Ich gehe dann einfach zurück, zu den Sachen von damals und schau, was für Samples etc. wir damals benutzt haben. Diese Platten schau ich durch und finde immer wieder Sachen, die noch nicht verwendet wurden und welche absolut zu Too Strong passen. Das prägt die Handschrift dieser Platte, auch wenn natürlich der Sound viel besser ist, als z. B. auf der „Greatest Hits“. Es gibt jetzt nicht fünf Drum-Loops übereinander, sondern eine knallige Bass-Drum, eine geile Snare und vielleicht zwei geile Hihat´s mit Open Hihat usw. Man lernt halt dazu – und auch Mix-Technik und Studio-Equipment sind natürlich innerhalb der Jahre gewachsen. Das lässt sich ja gar nicht vermeiden. Deshalb wird der Sound auch besser und alles klingt nun viel besser als damals.

rap.de: Und im Studio? Schreibt ihr zusammen Texte, oder kommt jeder mit seiner eigenen Textidee?

Doze: Wir haben es eigentlich immer so gehandhabt, dass wir eine Topic für einen Beat suchen und dann sagen: Wir schreiben über das und das Thema. Das kann ein Wort sein, ein Satz o

rap.de: Ihr hattet vor kurzem eure Release-Party, die ja sehr positiv aufgenommen wurde. Hattet ihr irgendwann auch mal Bedenken oder vielleicht sogar Angst, dass sich die Leute nicht mehr für eure Platte interessieren?

Doze: Natürlich haben wir das am Anfang gedacht. Auf jeden Fall! Wir sind ja auch älter geworden, innerhalb der Jahre. Da überlegst du dir so etwas auf jeden Fall. Ich meine, Der Lange hat eine Frau, ich hab eine Frau, bin sogar verheiratet und da überlegt man schon: Muss ich das wirklich machen? Aber dieser Zwang, was ich vorhin schon meinte, dass man auf jeden Fall wieder auf die Bühne gehen will, der spielt dabei auch eine große Rolle. Aber ja, die Frage oder die Zweifel sind natürlich da gewesen. Wir hatten dann einen Auftritt in Duisburg, der wurde in den Medien nicht groß gehypet. Es hieß einfach: Too Strong ist wieder da und treten in Duisburg auf. Es war aber trotzdem proppevoll und eine supergeile Party. Das hat mir da schon die erste Bestätigung gegeben. Ich hab auch die Leute im Publikum gesehen. Da waren ältere Leute, aus unserer Generation dabei, es waren welche dabei, die schon seit einigen Jahren HipHop hören, es waren aber auch sehr junge mit dabei. Das hat mir schon so ein bisschen die Bestätigung gegeben, dass das wieder funktionieren könnte. Die folgenden Auftritte in Dortmund und in Dresden waren genauso gut besucht und ich dachte, dass das Sinn macht. Und jetzt schauen wir mal, was passiert.

 

 

rap.de: Wie würdest du Leuten, die euch vielleicht noch nicht kennen, den typischen Too-Strong-Style beschreiben?

Doze: Ich würde denen sagen, dass es von 20 Albumtiteln nur zwei kleine Instrumental-Skits gibt, vielleicht zwei Battle-Texte, wo auch vielleicht explizite Worte vorkommen, aber nicht vorkommen müssen. Der Rest ist Storytelling und Themen, die jeder irgendwo mal erlebt hat. Auch wenn der eine sich jetzt nicht mit fünf Tracks identifizieren kann, kann er das vielleicht bei anderen fünf. Das Ganze ist natürlich verpackt auf heißen, supertollen, melodiösen und funkigen Too-Strong-Beats. Was soll ich sagen? Es ist immer schwer, den eigenen Style zu beschreiben. Es ist auf jeden Fall für jeden etwas dabei, ohne dass man den roten Faden innerhalb des Albums verliert.

rap.de: Wen wollt ihr mit der Platte ansprechen? Geht das eher an das ältere Publikum, das euch schon von früher kennt, oder auch an jüngere Generation?

Doze: Also ich denke, was das Album rüberbringen soll, ist an alle gerichtet. Wir haben das Album auf jeden Fall für die Fans gemacht, die uns die ganzen Jahre im Guestbook erzählt haben: „Bitte, bitte, bitte, ich kann nicht mehr ohne euch leben“. Es war wirklich so, ich übertreibe jetzt nicht. Natürlich haben wir es auch für uns gemacht, aus dem Bauch heraus, wie immer, weil wir einfach Bock hatten, wieder ein Too-Strong-Album zu machen. Aber was wir rüberbringen an Texten, Messages und Inhalten: Das geht an alle.

rap.de: Auf „Dreamachine“ befinden sich ein B-Boy-Track, viele Tracks mit Cuts und die Fortsetzung von „The Real Deal“, wo es um Graffiti geht. Wie wichtig ist es für euch, die Elemente zu repräsentieren?

Doze: Total wichtig. Wir sind keine Rap-Crew, sondern auf jeden Fall eine HipHop-Band. Zu HipHop gehören diese ganzen Sachen. Und ohne jetzt als Oldschooler dazustehen, mit erhobenem Zeigefinger, geht es uns einfach darum diese Elemente zu verbinden. Das haben wir auf allen Platten gemacht, und das werden wir auch weiterhin so durchziehen. Das ist nun mal so. Dazu gehört Breakdance, Graffiti, zumindest ein Track, wo vernünftig gescratcht wird und das Rappen auf geile Beats. Das gehört dazu. Das ist HipHop. Das wollen wir repräsentieren und bitte nicht, ohne jetzt jemanden angreifen zu wollen, nur irgendwas von Clubs, Fuffies, Kokain und anderen Drogen. Das kennen wir alle. Das wird irgendwann auch mal langweilig. Wir wollen Abwechslung bringen und zeigen, wie vielfältig HipHop sein kann.

rap.de: Ihr seid mittlerweile welche von den wenigen, die das noch so tun. Heutzutage geht es vermehrt um Images und darum, schnellstmöglich die dicke Kohle zu machen. Wie nimmst du persönlich die deutsche Szene wahr? Interessierst du dich dafür und hörst dir die Sachen an?

Doze: Ja, klar interessiere ich mich dafür. Ich hör mir jetzt nicht unbedingt die Platten an, aber ich gucke auf jeden Fall Musikfernsehen und bekomme gelegentlich Promos von unbekannteren Gruppen. Und ich muss sagen: Entweder kopieren die Unbekannteren die Großen, und die Großen…? Ja, wer sind die Großen? Da müsste man wieder anfangen zu schauen, wer das jetzt eigentlich ist. Wer hat, sagen wir jetzt mal in dieser Zeitspanne, als es Too Strong nicht mehr gab, was gemacht? Da gibt es halt nicht viele. Und ich muss sagen, dass es echt ein Phänomen ist, was Aggro Berlin geschafft hat. Dass sie mit ihren Sachen so viele Platten verkaufen können, dass Sido dreimal bei Stefan Raab sein und Joints im öffentlichen Fernsehen rauchen kann… Irgendwo ist auch mal ´ne Grenze. Die Leute, die HipHop hören, sind auch teilweise dreizehn oder vierzehn Jahre alt. Die können sich das nicht von morgens bis abends reinziehen. Das geht einfach nicht klar. Es sollte Aufkleber geben, auf den jeweiligen Platten, wie es sie in Amerika auch ist. Worte da rauspiepen kann auch ganz cool sein, denn jeder weiß sowieso, was gemeint ist. Aber so, wie ich gerade sagte, geht es auf jeden Fall nicht, finde ichder irgendein Zitat. Wir schreiben Texte eigentlich allein, unbeeinflusst von den anderen. Man soll halt sein eigenes Ich einbringen, als Charakter Der Lange oder als Charakter Doze, aber eben über eine bestimmte Topic. Das passt eigentlich immer supergut zusammen. Einen Chorus schreiben wir aber zusammen. Das hat es damals vielleicht nicht so oft gegeben, aber da sind jetzt ein paar mehr dabei.

rap.de: Ihr veröffentlicht das Album auf dem Independent-Label The-A-Label. War das für euch von Anfang an klar, oder habt ihr versucht einen Major zu finden?

Doze: Nein, wir haben nicht versucht, zum Major zu gehen. Das war eindeutig von vornherein klar. Ich will nichts gegen Virgin-Records oder so sagen, aber das Arbeiten mit einem Major-Label ist halt was anderes, wenn man jemand wie Too Strong ist. Beim Major musst du dich schon an strikte Regeln und Zeitpläne halten. Wenn wir nicht zufrieden sind mit Sachen und künstlerisch noch etwas umgestalten möchten, dann erfordert das Zeit. Das kannst du aber nur machen, wenn dir das frei steht. Es gibt beim Major viel Druck und Zwang. Der Lange ist damit auch nicht gut mit klargekommen. Das z.B. war auch ein Faktor, wodurch wir uns immer weiter voneinander abgewandt haben und es dann zur Trennung kam. Deshalb kam jetzt ein Major für uns gar nicht in Frage. Wir arbeiten aber trotzdem mit einem Label zusammen. Mit einem kleinem Independent-Label aus Berlin – The-A-Label. Der Name steht für The-Artist-Label und es ist ein junges Label. Die haben da aber auch Mitarbeiter mit Major-Erfahrungen. Ich denke, das macht für uns schon Sinn. Man kann auch nicht alles alleine machen. Wir machen hier schon Musik, Master und Videoschnitt und das alles. Man muss da schon was abgeben können, was dann halt andere Leute machen.

 

rap.de: Glaubst du, dass die Rapper, welche du auch angesprochen hast, zu wenig Verantwortung übernehmen?

Doze: Ja, auf jeden Fall. Das ist genau das, was du vorhin gesagt hast. Es geht nur um Images, und das ist deren Image. Wenn du jung bist, dann findest du das halt irgendwie toll. Wir fanden das auch toll, als damals jemand etwas von Fucker oder Motherfucker erzählt hat. Aber da gab es das Wort halt nur einmal im Text oder auf der LP. Da war das voll krass. Aber das kann halt nicht zur Gewohnheit werden. Das meine ich damit. Das die Leute so etwas dann vielleicht zu ihren Eltern sagen oder zu ihrer Oma – das kann nicht sein! Man muss da aufweisen, dass es sich um explizite Platten handelt. Dann also zumindest ein Aufkleber drauf. Ich hab auch gehört, dass mittlerweile Platten indiziert worden sind und auf der schwarzen Liste stehen. Aber das bringt auch nichts im Endeffekt. Die Kids sind heutzutage fit. Die ziehen sich das aus dem Netzt oder so.

rap.de: Auf eurer Internetseite kann man den Track „Insekten“ hören, welcher stark in Richtung Sido schießt. Kannst du etwas über den Hintergrund erzählen und warum ihr den Track gemacht habt?

Doze: Auf jeden Fall, das ist ganz einfach: Die haben zu der Zeit, als wir die „Royal TS“ produziert haben, Tapes gemacht – ich erzähl das jetzt so, wie ich informiert bin – und haben sich auch Royal TS genannt. Das haben wir erst gar nicht mitgekriegt, weil wir diese Tapes gar nicht kannten. Wir haben unser Album auch „Royal TS“ genannt. Das war schon der Arbeitstitel und ist dann auch der VÖ-Titel geworden. Das ist das ganze Ding. Die Jungs hatten uns damals auf drei Tracks, auf ihrem Tape gedisst, deshalb geben wir nun die Antwort. Ganz einfach. Wir wollen keinen Krieg anfangen, aber es wäre natürlich schön, wenn einer der Jungs antworten würde, denn dadurch würden wir noch bekannter. Wir haben auf jeden Fall die Antwort auf sie gegeben. Das waren wir uns und unseren Fans, die das mitbekommen hatten, schuldig.

rap.de: Man könnte euch natürlich vorwerfen, dass ihr „Insekten“ nur aus Promo-Gründen gemacht habt?

Doze: Das könnte man auf jeden Fall machen. Sicher. Wir haben eine Antwort gegeben, auf Sachen, wofür man auf seiner Platte eigentlich gar kein Platz verschwenden sollte. Aber wir haben es auch aus dem Grund gemacht, dass Too Strong noch nie jemand gedisst hat. Das waren nun die ersten – und deshalb müssen wir auch eine Antwort geben.

rap.de: Wie sieht das eigentlich mit der Silo-Nation aus? Kannst du kurz den Lesern, die davon vielleicht noch nichts gehört haben, etwas drüber erzählen und sagen in wie weit diese noch aktiv ist?

Doze: Ja, das ist immer so ein Ding. Es gibt ja kein Club Silo-Nation, welcher so und so viele Mitglieder angehören, die von irgendjemanden in irgendwelchen Listen erfasst sind. Es gab lediglich eine Party, für die wir die Silo-Nation erfunden haben. Das war ein Wortspiel zwischen Zulu und Silo, weil es da einige Differenzen gab, u.a. mit Advanced Chemistry. Das hat sich heute alles geregelt. Der Lange hat sogar schon einen Song mit Torch gemacht. Wir haben das propagiert, und irgendwann haben die Leute nach T-Shirts gefragt. Unsere Propaganda war: Seid aktiv! Lasst euch nicht durch irgendwelche Vorurteile irgendwie, irgendwas streitig machen, oder euch auf den falschen Weg führen! Bildet eure eigene Meinung und akzeptiert jeden Typen, egal welcher Religion er angehört, und so weiter… Die Zulu-Nation hat genau das gleiche gesagt: Bekämpft euch nicht mit Messern, sondern macht das in den Kategorien Tanz oder Rap oder beim Scratchen oder was auch immer. Das ist halt auch die Silo-Nation. Wer sich dem verbunden fühlt, der soll gerne mitmachen. Alle Aktivisten sind dazu aufgerufen, der Silo-Nation beizutreten. Aber es gibt keine Ehrenmedaille.

 

 

rap.de: Also wenn man dabei sein will, ist man dabei?

Doze: Genau, dann ist man einfach dabei. Man kann sich auch so ein T-Shirt kaufen, um das auszudrücken. Man kann das aber auch sein lassen, wenn man einfach selber weiß, dass man Silo ist. Das hat jetzt nichts mit Merchandise zu tun. Das wollte ich nur noch mal bekräftigen, weil ich gerade von den T-Shirts sprach. Es ist schwierig zu erklären. Die Leute brauchen einfach irgendwas, um sich daran aufzuhängen. Die Silo-Nation ist so ein Ding. Es ist eigentlich nur diese Definition. Es gibt ja Sympathien und Antipathien, aber es geht darum, wirklich mal tief zu gehen und Respekt zu zeigen. Z.B. sollte man nicht sagen: Sido ist auf jeden Fall superscheisse, als Mensch, denn das weiß man ja nicht. Man kennt ja nur seine komische Musik und seine komischen Texte…

rap.de: Ihr habt einen Film gedreht. Worum geht es und wie kamt ihr auf die Idee?

Doze: Oh, das ist eigentlich alles streng geheim. Es wird auf jeden Fall ein Science-Fiction-Abenteuer werden. Das heißt, es spielt im Weltraum und auf diversen Planeten. Es soll heißen: „Nostromo, im Weltraum hört dich niemand rappen“. Mitspielen werden: Shokking Murray, Der Lange, Inferno 79, Pure Doze, Funky Chris, Lord Vee und noch diverse andere.

rap.de: Gibt es einen Bezug zu HipHop? Ich meine, der Untertitel heißt ja „Im Weltraum hört dich niemand rappen“…

Doze: Der Film wird ungefähr 40 Minuten andauern. Und es wird leider zu bestimmten Szenen verschiedene Resumes geben, die als kurzer Videoclip auf der gleichen Location auftauchen, obwohl ich mir mit dem Regisseur einig war, dass es, z.B. in den Disney-Filmen, schrecklich ist, wenn zwischendurch gesungen wird. Die dauern dann halt nur eine Minute. Zu diesen kleine Rap-Sequenzen werden dann komplette Lieder entstehen, wozu es ein Album geben wird – sozusagen ein Nostromo-Soundtrack, auf dem diese ganzen Lieder die Geschichte des Films in ausgeschmückter Form mit drei Strophen und so weiter sein werden. Ich versuche, das im Moment auch erst selber alles so zusammen zu kriegen. Die Story könnte ich jetzt noch nicht zusammenhängend erzählen. Es sind halt ohne Ende Special-Effects mit dabei, Raumschiffe, viele Städte in Deutschland werden leider kaputtgehen….durch Atombomben. Schauen wir mal, was passiert.

rap.de: Wo wird man den Film sehen können?

Doze: Es wäre natürlich schön, wenn wir eine DVD bekommen könnten, um den bekannt zu machen. Wenn man den jetzt auf eine bekannte DVD packt, wie „Independence Day 2“, sag ich mal. Aber auf jeden Fall werden wir den Film selber auf DVD herausbringen. Wenn sich Sachen kinotechnisch anbieten, auf irgendwelchen Festivals oder so, werden wir das natürlich auch versuchen. Aber da ist noch nichts geplant, weil der Film erstmal fertig werden muss. Den Trailer kann man aber schon auf www.nostromo-derfilm.com sehen.

rap.de: Kurze Fragen zum Abschluss. Ist Broke jetzt wieder festes Mitglied bei Too Strong.

Doze: Nein, ist er nicht. Weder Live noch auf der Platte. Er kommt zwar in einigen Texten vor, besonders in meinen Parts, denn ich hatte keine Lust, das zu ändern, als sich herausgestellt hat, dass Broke dann doch nicht wieder bei Too Strong ist. Ich bedauere das auch sehr. Er ist aber eben in der Produktionsphase nie vorbeigekommen und hat sich nie mit uns getroffen. Er hat da vielleicht auch ein Problem oder möchte das alles auch gar nicht. Ich kann eigentlich nicht sagen, was wirklich der Grund ist, weil man das aus dem Typen nicht heraus bekommt.

rap.de: Wird es eine Tour geben?

Doze: Wir planen eine Tour für Oktober / November. Im Moment startet sie glaube ich um den 04.10.2005. Wir haben Deutschland da so ein bisschen eingeteilt in ein paar Zonen, so dass wir alles abdecken können und nicht jemand aus München extra nach Hamburg fahren muss. Es sollen ungefähr zwölf bis vierzehn Dates werden – inklusive Österreich und der Schweiz. Die genauen Informationen gibt es dann unter www.toostrong.de.

rap.de: Habt ihr vor, eine Live-DVD zu veröffentlichen? Es gab da doch schon mal solche Gerüchte?

Doze: Ich hatte schon einmal geplant – das war schon vor dem Treffen mit dem Langen – eine „Greatest Hits 2“ zu machen. Das sollte wirklich eine Best Of Too Strong werden, inklusive unveröffentlichter Mixe und Live-Versionen. Remixe von zwei Tracks sind auch fertig. Im Endeffekt ist der Audio-Part für diese Platte komplett fertig. Nur wir wollten das Ding zusammen mit einer DVD machen, wo unter anderem Live-Material von Too Strong drauf gewesen wäre. Dann kam es natürlich so, dass wir uns reunited, alle Auftritte mit sechs Kameras aufgenommen haben, und uns jetzt überlegen, das Ganze anders aufzuziehen. Die Geschichte mit „Greatest Hits 2“ ist aber trotzdem nicht gestorben. Vielleicht können wir die zwischendurch rauswerfen, damit die Leute, die die alten Platten nicht mehr kaufen können, dann die ganzen Knaller auf einem Album haben. Eine Best Of eben, aber in der Form, dass du keine Version hast, die schon mal da war. Alle Versionen sind editiert oder noch mit Skits versehen und auf jeden Fall anderes Material. Das war der Sinn von „Greatest Hits 2“, und ich denke die wird auch kommen.

rap.de: Wird das zweite Solo-Album vom Langen jemals erscheinen?

Doze: Wir haben erst letztens wieder darüber gesprochen, wie denn manche Tracks werden sollen und so weiter. Ich glaube, er hat acht Tracks fertig, aber nicht gemischt, sondern nur aufgenommen. Geplant ist es auf jeden Fall, und ich denke auch, dass es kommen wird, aber wahrscheinlich nicht mehr in diesem Jahr.

rap.de: Letzte Worte?

Doze: Kauft die neue Too-Strong-Platte „Dreamachine“, ab dem 25.07 im Laden, und wir werden wieder alle glücklich mit HipHop in Deutschland. Auch wenn das jetzt auf die Kacke gehauen ist, aber so ist es.

rap.de: Vielen Dank für das Interview.


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