Afu-Ra

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit waren die meisten Amerikaner nicht sonderlich erpicht darauf, über den großen Teich zu reisen und in „good old Europe“ ihr Können zum Besten zu geben. Der „Poisonous TaoistAfu-Ra hingegen fühlte sich in Deutschland schon von jeher sehr wohl.. Letztes Jahr konnte man ihn auf dem Splash! Festival begutachten und dieses Mal kam er, trotzdem er nicht als Lineup-Artist aufgeführt war, zur Freude großer Teile der Massen auf die 2005er HipHop Open nach Stuttgart, um mit Gentleman gemeinsam seine neue Single „Why cry“ zu performen. Wie der gute Mann nun wirklich zu Deutschland, dem „State of the Arts“ und zukünftigen Features steht, konnten wir ihn kurz vor dem Auftritt fragen.

rap.de: Würdest du den Lesern mal bitte einen kurzen Auszug deines bisherigen Werdeganges geben, so dass jeder weiß, wie du zum HipHop gekommen bist.

Afu Ra: Also, der Name Afu-Ra steht für „Body Of The Lifeforce“. Ich habe in Brooklyn, NY, das Rappen kennen und lieben gelernt. Am Anfang habe ich mit Jeru, the Damaja und der Gangstarr Foundation gearbeitet, die mich auch dazu gebracht haben, mein erstes Album aufzunehmen, das es auch nach Deutschland in die Läden geschafft hat und eben „Body Of The Lifeforce“ heißt. Danach kam das Album „Lifeforce Radio“, und nun bin ich hier, um meine neue Single zu promoten. Die Leute kennen mich wegen meiner Martial Arts-Kenntnisse und meiner Spiritualität, die ich in meine Musik mit hineinprojiziere. Natürlich kennt man mich auch deshalb, weil ich viel mit DJ Premier zusammen gearbeitet habe.
rap.de: DJ Premier ist ein gutes Stichwort: Wie seit ihr beiden denn zusammen gekommen?

Afu Ra: Das kam alles durch meine Zusammenarbeit mit Jeru. Da er auch mit Gangstarr ziemlich gut connected war, ging das relativ schnell. Wir waren dann auch gemeinsam auf Tour mit Gangstarr und so lernte man sich näher kennen. Ich arbeite immer noch mit Primo zusammen, er ist auch auf dem neuen Album vertreten. Und wir haben auch jenseits der Musik eine gute Beziehung. Wir sind wie Brüder – nur von einer anderen Mutter.
rap.de: Nun sind die HipHop Open 2005 ja nicht dein erster Auftritt in Deutschland. Wie gefällt dir der Vibe hier in Deutschland? Kann man da Vergleiche zu den Staaten ziehen?

Afu Ra: Ich liebe Deutschländ (er sagt das auf Deutsch). Für meine Musik und bei meinen Auftritten in ganz Deutschland – Stuttgart, München, Berlin, Hannover, Bremen, Chemnitz – haben die Leute mir gegenüber immer sehr viel Respekt und Liebe gezeigt. Das ist meine Inspiration, um an der Sache dranzubleiben und es laufen zu lassen, egal, wie die persönliche Situation auch sein mag. Im Vergleich zu HipHop in Amerika sind viele Dinge relativ ähnlich. Die Liebe zu HipHop ist weltweit die gleiche, nur dass die einzelnen Orte verschiedene Kulturen haben. Die Zuschauer reflektieren die Kultur und die Gesellschaft. Die Deutschen sind ziemlich kraftvoll und sehr frei. So ist das in Deutschland. Man kann nackt zum Strand gehen. Man hat als Mensch mehr Freiheiten. Als HipHop-Liebhaber sind die Menschen sich sehr ähnlich, nur die kulturellen Aspekte unterscheiden sie.
rap.de: Amerikanische Künstler geben meistens an, Deutschland zu mögen, da der Sound hier eher nach den Neunzigern klingen würde. Siehst Du das ähnlich?

Afu Ra: Also, ich persönlich denke, dass die Deutschen dem amerikanischen Zeug schon sehr nah sind. Die Produktion ist ja schon beinahe gleichwertig, was man an der Soundqualität und den Beats im Allgemeinen feststellen kann. Vielleicht trifft das in Bezug auf die Artists zu: In Amerika gibt es da viel größere Unterschiede zwischen den Künstlern. Es gibt in Deutschland viel weniger Musik-Kategorien. Man ist vielleicht in der Entwicklung noch nicht ganz soweit, aber die Musik ist fast die gleiche. Und darum geht es auch in meinem neuen Album „State Of The Arts“ – um das Gefühl des Kreierens. In Amerika ist die Industrie viel größer als in Deutschland. Dort hat HipHop auch begonnen. Ich jedoch denke, dass Deutschland das Land mit den meisten zahlenden Käufern ist. Die Leute hier kaufen die meiste Musik. Sie sind da eindeutig voraus.

rap.de: Auf deinem neuen Album zeigst du dich ja auch sehr flexibel, was die Abschweifungen in andere Genres angeht. Einige Sachen zeigen sich sehr stark von Reggae beeinflusst. Hast Du da auch einen engeren Bezug zu?

Afu Ra: Bei meinen vorherigen Alben habe ich ja auch jeweils zwei bis drei von Reggae beeinflusste Stücke drauf gehabt. Meine Wurzeln reichen bis in die Karibik, nach Trinidad. Deshalb fühle ich auch diesen Reggae- / Calypso-Vibe. Außerdem mag ich es, verschiedene Musikrichtungen miteinander zu verbinden. Persönlich liebe ich auch R’n’B, HipHop, Soul, Reggae, jede Richtung der Black Music, aber auch Rock’n’Roll und Klassik. Ich möchte, dass meine Musik das reflektiert, da ich den Menschen ja durch meine Musik zeige, wer ich bin. Ich glaube, dass dies der einzige Weg ist, mit der Musik weiter zu machen, da die Leute so mich kennenlernen und ich die Leute.

rap.de: Wie kam es denn zu deiner Zusammenarbeit mit Gentleman?

Afu Ra: Gentleman habe ich vor zwei Jahren hier auf den HipHop Open getroffen. Bei den vielen Besuchen, die ich hier in Deutschland machte, habe ich seine Musik gehört, seine Videos gesehen, und ihn auf Parties getroffen. Ich habe mich in seinen Musikstil verliebt, diese spezielle Art, wie er die Reggae-Musik transportiert. Das hat mich an Zuhause erinnert. Dann haben wir halt mal unsere Nummern getauscht und dadurch kam der Kontakt zu Stande. Dann hatte ich die Idee mit dem Song („Why Cry“, Anm.d.Verf.), der stark von Reggae und Rock beeinflusst ist. Ich wollte den Song mit sozialen Inhalten füllen und dafür fiel mir Gentleman ein. Ich habe ihn dann angerufen und die Idee für den Song vorgestellt. Ihm hat es sehr gefallen, worauf wir den Track aufgenommen haben – und bald wird es das passende Video dazu geben. Das wird die erste Single aus dem neuen Album und es wird weltweit released. Wir wollen die Leute mit dem Song etwas zum Nachdenken bewegen.
rap.de: Ein Feature fällt extrem aus der Rolle – und zwar das mit Ex-Shady Member Royce, the 5‘9‘‘. Kannte man sich schon vorher?

Afu Ra: Die meisten Künstler auf meinen Alben habe ich schon vorher kennengelernt. Royce und ich haben uns schon vorab an verschiedenen Plätzen getroffen. An Silvester habe ich in Montreal, Kanada, eine Show gespielt und er ist da auch aufgetreten. Dann haben wir ein bißchen Hennessy getrunken und uns ist aufgefallen, dass wir uns sehr oft über den Weg laufen und es eine gute Idee wäre, mal Nummern auszutauschen. Vielleicht könnten wir in Zukunft ja mal was zusammen machen, dachten wir uns. Der Beat zu dem Song („Pusha“, Anm.d.Verf.) ist halt Street-Style, und als ich den zum ersten Mal hörte, wusste ich sofort, dass man da so ein „Hustle“-Ding draus machen musste. Wir als „Independent Artists“ müssen uns da zusammenschließen, da wir ja auch „hustlen“ müssen. Also habe ich Royce den Beat gezeigt und es passte eben: Er hat ihn sofort gefühlt und hatte auch dieselbe Idee wie ich. Deshalb haben wir da so ein „Hustle“-Ding draus gemacht. Ich habe darauf meine Verse sowie den Chorus geschrieben und es ihm nach Detroit geschickt. Er hat dann seinen Vers dazu geschrieben und noch ein paar Adlibs hinzugefügt, also am Track gearbeitet, als ob es sein eigenes Ding wäre. Ich bin sehr glücklich darüber, mit Leuten wie Royce, Gentleman, DJ Premier, P.F. Cuttin und so arbeiten zu dürfen. Mein Album beinhaltet Beats von zehn verschiedenen Produzenten. Ich wollte den Leuten zeigen, dass es mehr ist als Musik. Es bringt Menschen zusammen. HipHop will ja genau das erreichen. Er bringt Leute weltweit zusammen und deshalb wird man sich ewig an ihn erinnern.

 

 

rap.de: Auf „Ghetto Hell“ bist du ja von der Vortragsweise eher in die Rolle eines Predigers abgerutscht. Wolltest du damit etwas Besonderes zum Ausdruck bringen?

Afu Ra: Wenn man sich die Ghettos so anschaut, dann stellt man fest, dass die alle sehr abgefuckt sind. Dort sind die Leute absolut arm und auch soziale Einrichtungen, die ihnen Hilfe ermöglichen könnten, findet man nicht. Dies wollte ich in einem Song verarbeiten. In jedem Ghetto ist ein bisschen von der Hölle enthalten. Dieser Rock-Beat, der verwendet wurde, hat mir gesagt, dass ich meine Vortragsweise in dieser Art gestalten sollte. Ich wollte die Atmosphäre und die negativen Aspekte hiermit stärker ausdrücken. Der Song ist für alle Menschen weltweit, die in einem Ghetto hausen. Das ist einer meiner Favorite-Tracks des Albums.
rap.de: Nachdem du nun mit Gentleman gearbeitet hast und schon viele Eindrücke in der deutschen HipHop-Szene sammeln konntest, kannst du dir vorstellen, in Zukunft noch weitere Features mit deutschen Künstlern zu machen? Wer hat dich denn besonders begeistert?

Afu Ra: Ich finde Torch ziemlich cool. Wir kennen uns auch schon seit vielen Jahren und haben schon miteinander auf derselben Bühne gestanden. Er erinnert mich irgendwie an einen deutschen DMX, aber eher Oldschool. Er ist ein sehr netter Kerl. Ich mag Kool Savas, Harris und … Afrob ist der Shit! Er ist einer der ersten deutschen HipHop-Künstler, auf den ich bisher aufmerksam geworden bin. In Interviews hat man mir immer von ihm erzählt, dass er sehr gut wäre und wir doch mal was zusammen machen sollten, was wir leider nie getan haben. Mit DJ Desue durfte ich schon mal zusammen arbeiten und wir haben einen Remix zu „Whirlwind Through Cities“ von meinem zweiten Album gemacht. Unglücklicherweise habe ich noch nicht so viele Produzenten kennen gelernt. Mit den Jungs aus Kassel (Gambit Entertainment, Anm.d.Verf.) habe ich was aufgenommen und ein Video gibt es dazu auch. Ich will mit vielen Leuten arbeiten. Heute habe ich Torch mal wieder getroffen und wir haben darüber gesprochen, vielleicht auch in Zukunft mal was zusammen zu machen. Außerdem möchte ich mein Label Lifeforce Records etwas weiter aufbauen.
rap.de: Okay, halte uns auf dem Laufenden. Möchtest du abschließend noch ein paar Worte an die rap.de Leser/Innen richten?

Afu Ra: Ja, ein Shoutout geht raus an rap.de, da Ihr den HipHop so pusht und gute Vibes versprüht! Macht weiter so! (Er spricht weiter auf Deutsch) Afu-Ra, „Wie geht’s dir“, „Ich liebe Deutschländ“, „Alles klar“, HipHop for life!

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