Bizarre

Besonders bizarr drauf war er ja nun nicht, der Dicke mit der Duschhaube. Da hatten wir uns unter einem Treffen mit Bizarre schon etwas mehr vorgestellt, als wir uns auf den Weg zum Interview mit selbigem machten. Schon unser Fotograf hatte in der Frühe seine liebe Müh, aus dem D-12-Member irgendeine Regung für machbares Fotomaterial herauszuholen. Nach dem Shoot gab es aber erst mal etwas zu essen für Bizzy – und Hoffnung für uns, denn wer weiß, am Ende kommt er durch Nahrungsaufnahme zu Höchstform. Aber auch das war so nicht wirklich der Fall. Und so brachten wir ein fünfzehnminütiges, lasches Frage- Antwortspiel hinter uns, bekamen noch mit, wie der Kollege, welcher nach uns das „Vergnügen“ mit dem Mann aus Detroit hatte, mindestens ebenso enttäuscht aus der Interview-Suite schlich, und machten uns wenig motiviert daran, die äußerst knapp gehaltenen Antworten auf Papier zu bringen. Bizarre im Interview: Here we go.


rap.de:  Bizzare, du bist nach Eminem der erste Rapper der D-12-Bunch, der ein Solo-Album veröffentlicht. Bist du stolz auf diesen Fakt?

Bizarre: Definitiv! Ich hatte zuvor, genauer 1997, schon einmal ein Album draußen, aber das war eher ein kleineres Projekt, im Vergleich zu meinem jetzigen Album „Hannicap Circus“.
                     
rap.de: Hattest du irgendwann, während des Entstehungsprozesses und den Aufnahmen zum Album, irgendwelche Zweifel?

Bizarre: Nein, da waren niemals Zweifel. Ich habe einfach bloß auf die richtige Zeit gewartet. Tatsächlich hatte ich nämlich die ganze Zeit vor, ein Solo-Album zu machen.

rap.de: Ist es jetzt schwierig oder eigenartig für dich, alleine auf Promotion-Tour zu gehen, nachdem du bei D-12 immer von deinen „Brüdern“ umgeben warst?

Bizarre: Am Anfang musste ich mich schon erst einmal daran gewöhnen, aber die Leute von Sanctuary Records sind cool, und ich bringe auch immer ein paar von meinen Homies mit.

rap.de: Würdest du selbst sagen, dass „Hannicap Circus“ persönlicher und ernster ist, als das meiste, was man von dir kennt? Auf Tracks wie „Hip Hop“ (featuring Eminem) oder „Coming Home“ (featuring Raphael Saadiq & Kuniva) hört man ja auch mal deine emotionale Seite. 

Bizarre: Ich wollte ein bisschen mehr Abwechslung auf meinem Album haben, und nicht nur Blödsinn, wie bei D-12. Ich wollte den Leuten auch mal eine andere Seite von mir zeigen, etwas über mein Leben und auch meine Probleme erzählen. Viele kennen mich ja nur als den verrückten Dicken mit der Duschhaube. Aber ich bin mehr als das und wollte mein Album so interessanter machen.

rap.de: Ich war tatsächlich auch überrascht, als ich dein Album gehört habe. Da ich nur Sachen von dir mit D-12 kannte, hätte ich nicht gedacht, dass du auch konzeptuelle Texte schreiben kannst. Klingt nach starker Weiterentwickelung – oder war dir das schon länger ein Anliegen?

Bizarre: Bei D-12 habe ich immer nur eine Rolle gespielt. Wenn man eine Gruppe von sechs Leuten hat, hat jeder seine Aufgabe. Auf den D-12-Alben bin ich fast immer als Letzter oder in der Mitte zu hören. Ich sollte halt Abwechslung in die Tracks bringen. Marshall hat mir immer gesagt, dass ich etwas Humor in die Songs bringen soll, da die anderen sehr ernst rappen. Ich habe also quasi eine Aufgabe in der Gruppe, die ich erfülle.

rap.de: Manche Menschen denken aber bestimmt auch, dass du wirklich das verkörperst, was du sagst. Spielst du gern mit diesem Image?

Bizarre: Na klar. HipHop ist Unterhaltung. Und man hört Musik ja auch fast immer einer gewissen Stimmung wegen. Meine Musik ist meistens aufheiternd, weil meine Lyrics absurd lustig sind. Und wenn ich eben dafür bekannt bin, ist das gut so. Ich habe ja bewiesen, dass ich auch mehr kann.

rap.de: Was ist die bizarrste Sache, die du je gesehen, gehört oder selbst gemacht hast?

Bizarre: Ich habe viele verrückte Sachen gemacht. Einmal bin ich in Irland in Boxer-Shorts und mit einem grünen irischen Hut auf die Bühne gegangen…

rap.de: Du hast den Song „Bad Day“ mit Eric Sermon von EPMD gemacht, einer Parodie auf Ice Cubes „It Was A Good Day“. Ist dieser Song so etwas wie eine Hommage an deine Idole?

Bizarre: Nein, nicht wirklich. Dieser Song war Eric Sermons Idee. Er meinte, der Beat höre sich wie „It Was A Good Day“ an und ich solle eine andere Version davon machen. Also haben wir es „Bad Day“ genannt. Es war toll, mit Eric zu arbeiten.

rap.de: In dem Track „Rockstar“ redest du von Leuten wie Elvis oder KISS. Hast du eigentlich Respekt vor diesen Leuten, oder ist das eher komische Musik für dein Empfinden?
 

Bizarre: Ich habe eigentlich nicht speziell über die Musik von Elvis oder KISS geredet. Wenn ich von einem Rockstar rede, meine ich nicht, dass man in einer Rockband sein muss. Sondern es geht darum, dass man wilde Partys feiert und Spaß hat, nicht weiß, was man in der Nacht davor gemacht hat und morgens seine Boxer-Shorts nicht findet.

rap.de: Fühlst du dich manchmal selbst wie so ein Rockstar?

Bizarre: Ja. Vor ein paar Tagen, habe ich z.B. meine Unterhose nicht gefunden…

rap.de: Hast du bei der Auswahl deiner Single mit Absicht auf einen Track gesetzt, der von Eminem produziert wurde?

Bizarre: Nein. Es war einfach der erste Song, den wir für dieses Album aufgenommen haben. Es ging nicht spezifisch darum, eine Produktion von Em als erste Auskopplung zu nehmen.

rap.de: Eine andere Frage: Ich habe gelesen, dass Du der erste von D-12 warst, der Royce da 5’9’’ gedisst hast, ich glaube auf einem Mixtape von DJ Butter. Wie sieht es aus: redet ihr wieder miteinander?
 

Bizarre: Ich habe Royce seit dem Streit nicht wieder gesehen. Soweit ich weiß, ist der Beef aber vorbei. Wir machen unsere Sachen, er macht seine. Wir versuchen, Detroit zu stärken, und da ist es Blödsinn, dass die Besten Detroits sich streiten. Detroit ist zu klein dafür, so etwas können wir uns nicht leisten, wenn wir Detroiter Talente fördern wollen.

rap.de: Und es gibt viele Talente in Detroit, wie Binary Star…

Bizarre: Ja, Mann. Wir haben die Platinum Pied Pipers, und aus dem Umfeld ein weißes Mädchen namens Invincible, Binary Star, Athletic Mic League und Sun. Es gibt verdammt viele geile Gruppen in Detroit und Umgebung.

rap.de: Du bist aber nach Atlanta umgezogen. Wieso?

Bizarre: Ich wollte einfach vor der Kälte in Michigan fliehen. Aber ich bin mindestens zwei Mal im Monat in Detroit.

rap.de: Du hast jetzt auch dein eigenes Label. Ist dein Album über dein Label herausgekommen?

Bizarre: Ja, ich habe einen Kooperations-Deal mit Sanctuary.

rap.de: Willst du schon etwas darüber sagen, was für Artists du in Zukunft unter Vertrag nehmen wirst? 

Bizarre: Ich habe schon zwei Künstler gesignt. Eine Rockband namens Sindee Syringe und den Rapper Young Miles aus Detroit, die auch beide auf meinem Album sind. 

rap.de: Ich habe außerdem noch gehört, dass ihr jetzt einen Film macht. Was ist da dran?

Bizarre: Ja, wir – D-12 – machen einen Film namens „Runyon Cash“ über die Zeit, bevor wir berühmt waren, und in Detroit gewartet haben, dass Eminem uns mitzieht. Wir haben noch nicht mit dem Drehen angefangen, aber das wird bald passieren. Watch Out.

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