Obie Trice

Als neuester Release auf Shady Records hat es Obie Trice heute schwer. Dabei hatte er es doch schon schwer genug. Immer wieder wurde sein Album verschoben, und dann, kurz vor dem Ziel, kommt auch noch ein Mann namens Curtis Jackson . Dieser droppt sein Album vor ihm und setzt somit eine Erfolgsmesslatte, die unerreichbar scheint. An den Vergleichen mit 50 Cent wird Obie wohl nicht vorbeikommen, doch der gebürtige Detroiter lässt sich davon nicht irritieren… Nachdem er der breiten Masse bereits mit seinem Song "Rap Name" vorgestellt wurde, steht sein Album "Cheers" nun seit Oktober in den Läden. Sogleich begibt er sich auf eine kurze Promotour nach Europa. Auch in Deutschland macht er für einen Gig halt – und trotz mangelnder Kenntnis seines Albums und einer schwachen Medienpräsenz schafft es Obie , im gut gefüllten Berliner Columbia Fritz eine tighte Performance hinzulegen und die Crowd zu überzeugen. Obie beginnt seine Show, indem er eine Flasche Klaren ansetzt, als wäre es Mamas Brust für klein Baby. Er beendet sie, indem er 10 Frauen aus dem Publikum zum "Booty-Shake-Contest" animiert. Doch muss ich am nächsten Tag zu meiner Überraschung feststellen, dass Obie nicht die geringsten Anzeichen einer exzessiven Nacht aufweist. Ging es ihm wohl eher darum, dem Albumtitel bühnentechnisch gerecht zu werden…? Ist er denn auch ein richtiger P.I.M.P…? Jedenfalls empfängt mich ein netter, offener und gut gelaunter Obie Trice ohne geringste Anzeichen von Starallüren zum Interviewtermin. Vieles scheint anders als bei 50 Cent…
Doch gleich zu Beginn des Interviews beklagt er sich darüber: Bei den Frauen sahne er nicht so ab wie seine G-Unit Buddies. Auf die Frage: "Did you already bang any European Pamela Lees?" (Zitat: "Rap Name") antwortet Obie nur: "I’m tryin to, but it’s hard" . Er hat es eben schwer, der Obie.
"Wenn ich mit ihnen unterwegs bin, heißt es immer nur G-G-G-G-Unit… dann ziehe ich mein Shirt aus und renne so durch das Hotel (Obie rennt anschaulich quer durch den Raum), aber die Girls merken, dass ich nicht Lloyd Banks bin oder so… also krieg ich keine ab. Es ist eben nur ein grosser Hype, das Gerücht, dass Rapper all die Girls bekämen. Wenn G-Unit oder 50 Cent das Gebäude betreten, ist es anders. Die Frauen sagen sich: Eigentlich mag ich keine Rapper, aber die Typen mag ich irgendwie. Sie sind nicht wirklich Rapper… Wenn sie Obie Trice sehen, sagen sie: Ok, er ist ein Rapper…" Obie war bereits einmal in Deutschland mit Eminem und 50 . Jetzt ist er der Headliner:

"Es zeigt mir: Obie Trice ist berühmt, you know‘ i’m sayin‘? Ich komme in Berührung mit Leuten, die Obie Fans sind, die Obie fühlen, die auf Obies Release so lang gewartet haben. It’s a beautiful thang als alleiniger Artist hier zu sein".

rap.de: Bei der Jimmy Kimmel Live Show hast du auf die Frage, welche Orte, die du während der Tour besucht hast, dir am meisten gefallen haben, geantwortet: London oder Europa allgemein. Warum das?

Obie Trice: Ich mag London, weil wir auf der „Anger-Managment Europe-Tour“ vor der riesigsten Crowd aufgetreten sind, die ich als Teil des Eminem-Camps je gesehen habe. In den USA waren auf der „Anger-Management Tour“ auch eine Menge Leute, aber es kamen nicht 70.000 Leute! Und das auch noch für 3 Tage. That’s like 210,000 people, es war verrückt! Als ich auf die Bühne kam, sangen sie meine Songs, die ganze Crowd

 

rap.de: Wie würdest du dein Album beschreiben, ohne die üblichen Phrasen wie „es ist dope und das beste Album, das dieses Jahr rauskam“ zu gebrauchen?

Obie Trice: Also „Cheers“ ist dope und das Beste, was dieses Jahr rausgekommen ist, aber gleichzeitig feiere ich darauf, dass ich noch hier bin. Es ist ein Privileg für mich, hier zu sein. Der Shit ist so, wie wenn du von der NBA oder der NFL gedraftet wirst. Nicht jeder kriegt diese Gelegenheit. „Cheers“ ist definitiv ein starkes Album, in das ich viel Arbeit gesteckt habe. Und ich liebe dieses Album wirklich, verstehst du? Das ist mein Debüt für die ganze Welt! I’m feelin’ every song on the album. Es gibt keinen Song, den ich mehr mag als einen anderen. Dazu habe ich eine Menge Leute, die mit mir zusammen aufgewachsen sind, verloren. Also ist es auch eine Celebration auf ihre Leben. Auf all meine Homies, meine Niggaz ’n shit, die beerdigt wurden. So it’s all good. Ich tue etwas Positives. Ich bin raus aus dem Hood – arbeite. Ich bin in Deutschland, hatte eine Show letzte Nacht, that was off the hook – ich hatte eine gute Zeit. Es ist großartig, andere Orte dieser Welt zu sehen, die ich wahrscheinlich niemals sehen würde, wenn ich nicht das tun würde, was ich tue. That’s whuz up!
rap.de: Was wäre anders, wenn Eminem und Dr. Dre nicht in die Produktion involviert wären?

Obie Trice: Dann wäre mein Album anders. Es würde nicht klingen, wie es heute klingt.
rap.de: Denkst du, du hättest es selber machen können?

Obie Trice: …unabhängig? Ohne auf Shady Records zu sein…? Das war mein Fokus am Anfang meiner Karriere. Meine eigene Musik herauszubringen… Es würde viel härter sein. Jetzt bin ich auf einem Majorlevel. Indieveröffentlichungen kosten dich eine Menge Geld. Du musst dich selbst promoten und vermarkten. Ich denke, ich hätte es machen können. Aber wer weiß…? Ich bin nicht mehr in dieser Position…
rap.de: Musstest du also viele Kompromisse eingehen mit Eminem und Dre ?

Obie Trice: Nein, Em gab mir die Freiheit, zu tun, was ich verdammt noch mal auf dem Album machen wollte. Er hat nur alles koordiniert. Er gab mir Tips, z.B. bei der Betonung von Wörtern usw. Und er stellte sicher, dass alles qualitativ gleichwertig war, mit dem, was bisher auf Shady erschienen ist. Aber ich hatte die volle Kontrolle über mein Projekt.
rap.de: An welchem Song hast du am längsten gearbeitet?

Obie Trice: …Das war „Don’t Come Down“. Der Song, der meiner Mutter gwidmet ist. 
rap.de: Wie kommt es, dass Busta Rhymes auf „Oh“ gefeatured ist?

Obie Trice: Wir waren im Studio. Ich war mit Dre in L.A. Es war 4 Uhr morgens, und Dre hatte diesen banging Beat am laufen (Obie singt: „Ohhh“)… und dann kamen auf einmal Spliff Star und Busta Rhymes ins Studio. Dre und ich waren am Trinken, waren richtig drunken vom Hennessee und hörten uns den Song an. Dann kam Busta reingesteppt und sagte: „Obie’s Song, Obie’s Song…? I gotta get on this shit son!“ Verstehst du, aus dem Nichts… Also sahen Dre und ich uns an und sagten, warum nicht… Also ging er in die Aufnahme, und er brauchte nur 20 Minuten, um den Hook aufzunehmen. Mein ganzes Album hatte keine bestimmte Richtung, der ganze Shit beruht auf dem Feeling. Ich wollte natürlich die Shady Family auf dem Album haben, mit G-Unit , D12 , 50 und auf jeden Fall Eminem . All der Shit, den ich fühlte, kam über sechs Monate einfach zusammen.
 rap.de: Was ist mit der Reimstruktur bei dem Song? Du rappst die gesamte 2. Strophe auf einen Wortlaut. Hast du ein Konzept, wenn du deine Reime schreibst, oder kommen sie auch spontan?

Obie Trice: Ja, das passiert spontan. Ich habe da kein Konzept. So, wie ich es gerade fühle, mache ich es.
rap.de: Was hast du gehört, als du aufgewachsen bist? Wem würdest du Credits geben?

Obie Trice: Ich hörte EPMD , Redman , Big Daddy Kane , Kool G Rap , Scarface , N.W.A. , Ice Cube … Ich hörte Del The Funky Homosapien , HieroglyphicsTribe Called Quest , Mc Lite , Monie LoveX-Clan , Biz Markie , Masta Ace , Craig GPac , Biggie , Jay-ZOutkast … Shit, ich hörte eine Menge Musik… Wem ich heute Credits im Business gebe? Ich gebe Credits an Jay-Z . Ich denke, Jay-Z ist ein Bruder, der ins Game kam und dieses Business voll und ganz kontrollierte. Er hat den Unternehmergeist geweckt. Er war erfolgreich, erkannte, was für eine Macht er mit der Musik hatte, und brachte es auf ein anderes Level. Dafür respektiere ich ihn.

Angefangen hat Obie natürlich, wie jeder andere auch, schon in seinen frühen Kindertagen. Mit Hilfe von einigen Independent- Releases machte er sich darauf in Detroit einen Namen. Doch trotz guter Qualität ließ der Durchbruch auf sich warten. Erst sein Homie Bizarre von D12 verschaffte ihm eine Audienz bei Detroits Aushängeschild Nummer Eins – Eminem . Doch war dies nicht ein gewöhnlicher Vorsprechtermin, wie man sich solch einen vielleicht vorstellt. Mr. Mathers ist ein vielbeschäftigter Mann, und so kommt es, dass Obie für eine Minute seinen Kopf in Ems bereits anfahrendes Auto stecken darf, drauf los spittet und ihm seine CD in die Hand drückt. Was er damals rappte, weiß er heute nicht mehr. Aber er erinnert sich, dass er nicht wirklich etwas erwartete. Zu viele Leute hatten ihm schon die wildesten Versprechungen gemacht, so dass Obie der Sache eher nüchtern gegenüber stand. Als sich dann allerdings Ems Plattenfirma bei ihm meldete, schien sich das Blatt zu wenden… and the rest is history. Oder, um es mit Obie’s Worten zu sagen: „Smiles and handshakes my man…“!

rap.de: In dem Innencover deines Albums hältst du eine Pistole. Wer oder was ist dein Ziel?

Obie Trice: Mein Ziel ist jeder Motherfucker, der auf dem falschen Weg auf mich zukommt. Ich bin so ein Typ: Ich versuche nicht, eine Rolle als harter Kerl zu spielen, denn ich bin ein „cool dude“. Aber zur gleichen Zeit heißt es „don’t fuck with me“. Es zeigt auch meine Zeit als Ticker in irgendwelchen Scheißgegenden. Aber ich will diesen New-Mcs mit auf den Weg geben, dass sie nicht die Gangstarolle spielen müssen. Du kannst tun, was du willst. Du brauchst keinen Existenzkampf durchgemacht zu haben, um ein HipHop Artist zu sein. You know, du kannst machen, was du willst, und kannst trotzdem ein glaubwürdiger Künstler sein. Rede über dein Leben. Bleib deiner Musik treu und bleib dir selber treu. Denn ich kenne die schlimmsten und verrücktesten Motherfuckers, die dich umbringen. Die sind keine Angeber und labern Scheiße.

rap.de: So, was ist für dich das Enttäuschendste im Rapgame?

Obie Trice: …media is a motherfucker. Ich mag sie nicht all zu sehr. Sie entwickeln zu viele Hypes aus irgendwelchen Shit….

rap.de: Viele sagen, es geht im Rap Game nur noch um die Kohle. Wie siehst du das?

Obie Trice: Yeah… all diese Plattenfirmen machen mit dir Geld. Du kriegst selber auch Geld, doch sie kriegen den größeren Teil. Ich sehe es so: Entweder geht es so ab, oder zurück zum Hoodlife. I’m lovin it, you know what I’m sayin. Ich hab jetzt Geld und kann machen, was ich will, für den Rest meines Lebens! Andere Künstler haben eine andere Herangehensweise, deeper, „fight the power“ type shit. Ich sage, das ist alles, was ich habe! Ich liebe jede Minute in dem Game. Alles, was ich tun kann, ist, aus meiner Situation das Beste für mich zu holen. Aber solange du nicht dein eigenes Business, dein eigenes Label hast, werden sie dich gnadenlos ficken...
rap.de: Danke für das Interview.

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