Der Producer von Lil Peep im Interview: Smokeasac

Am 9. November wird Lil Peeps posthumes Album „Come Over When You’re Sober Part II“ erscheinen. Der Künstler, für den eigens das Wort „Emo-Trap“ erfunden wurde, starb am 15. November 2017 an einer Medikamenten-Überdosis. Er hinterließ eine riesige Fan-Base und ein noch nicht ganz fertiges Album. Wir haben uns mit Smokeasac, seinem besten Freund und Producer, getroffen um über Lil Peeps Vermächtnis, Gesichts-Tattoos und natürlich das neue Album zu sprechen.

War „Come Over When You’re Sober Part II“ genau so geplant wie es bald erscheinen wird oder sind es unreleaste Songs von Peep? 

Es war genau so beabsichtigt. „Come over when you’re sober“ war ursprünglich als ein einzelnes Projekt geplant und dann haben wir uns entschieden es in zwei Teile zu splitten, bevor der erste Teil rausgebracht wurde. Es ist also eine Weiterführung des ersten Albums.

Was ist dein Lieblingstrack vom Album?

Ich glaube „Run Away“, weil es mir sehr viel bedeutet. Es ist ein sehr starker, aussagekräftiger Song. Schon beim Aufnehmen habe ich diesen Song ganz besonders gefühlt.

Denkst du, Lil Peep wäre zufrieden mit dem Endergebnis des Albums?  

Ja, ich bin mir sicher, dass er glücklich damit wäre. Als ich Peep verloren habe, habe ich monatelang keine Musik mehr gemacht, aber „Part II“ war meine Motivation weiterzumachen.Zum Zeitpunkt seines Todes war das Demo des Albums schon fertig, aber das Album ohne Peep fertigzustellen, war sehr schwer. Trotzdem war es irgendwie magisch: Ich habe mich gefühlt, als ob er mich durch diesen Prozess begleiten würde. Ich habe mein komplettes Herz in dieses Projekt gesteckt, damit ich mir sicher bin, dass er damit zufrieden wäre.

Ich habe gehört, er war die erste Person jemals, die vor vielen Jahren einen Beat von dir gekauft hat. Erinnerst Du dich an den Moment, wo du Lil Peep das erste Mal begegnet bist? 

Wir haben uns das erste Mal in einem Club getroffen. Es war 4/20 und ein Freund von mir hatte ihn für einen Gig gebucht. Es waren nur 10 Leute im Publikum. Wir hatten gerade den Song „19“ releaset und es endete darin, dass Peep und ich draußen saßen und stundenlang geredet haben. Er hat mir erzählt wie viel ihm der Track bedeutet und geholfen hatte. Wir haben sofort gematcht, ich habe gleich gemerkt, dass er ein toller Mensch ist. Ab dem Zeitpunkt fingen wir an jeden Tag abzuhängen und sind direkt enge Freunde geworden.

Wie sah euer gemeinsames kreatives Arbeiten aus?

Wir haben beide sehr viel Zeit in unsere Projekte gesteckt. Ich habe normalerweise tagsüber angefangen für ihn zu produzieren, direkt nach dem Aufstehen. Er war tagsüber meistens mit anderen Dingen beschäftigt, wie Fotoshoots oder Business-Meetings. Abends kam er dann vorbei und dann haben wir die ganze Nacht durchgemacht. Seine Aufnahmen sind immer so zwischen 5 und 8 Uhr morgens entstanden.

Zusammen mit Peep hast du erstmals mit berühmten Producern wie Rob Cavallo gearbeitet. Wie war das für dich?

Das war ein Riesenschritt für mich. Ich war so nervös, ich hatte Angst, dass sie jemanden wie mich nicht akzeptieren könnte. Aber er war super cool und total die Unterstützung für die Vision, die ich und Peep hatten. Ich finde es toll, wenn Legenden wie Rob Cavallo  offen für neue Stilrichtungen sind. Es war sehr riskant, entweder es hätte sehr gut oder überhaupt nicht funktionieren können.

Gibt es noch andere Künstler, mit denen du gerne mal zusammenarbeiten würdest?

Ja, da gibt es unendlich viele, aktuell bin ich aber erstmal fokussiert auf mein eigenes Projekt. Wenn ich wieder anfange mit anderen zu produzieren, dann würde ich gerne mit Artists wie Future zusammenarbeiten. Mein allergrößter Traum wäre, mal etwas mit My Chemical Romance zu machen.

Wann hast du dir dein Face-Tattoo „Peep“ stechen lassen?

Ein paar Tage nach seinem Tod. Ich wollte es direkt am nächsten Tag stechen lassen, aber mein Tattoo-Artist war selber so unglaublich betroffen von seinem Tod, dass er es erst nicht tun konnte. Das war ein schlimmes Gefühl, ich war kurz davor zu irgendeinem Tattoo-Laden zu rennen, weil es sich wie ein innerer Drang angefühlt hat, ich wusste ich brauch dieses Tattoo. Er hat so viel für mich getan, er verdient einen Platz in meinem Gesicht.

Was denkst du über andere Leute wie Adam 22, die ein Peep-Tattoo im Gesicht haben? Findest du das komisch?

Nein, gar nicht, ich liebe es Leute mit „Peep“-Tattoos zu sehen. Er hat Tattoos selber so geliebt, es scheint nur richtig zu sein, wenn sich andere etwas für ihn stechen lassen. Er hat mir das schon zu Lebzeiten gesagt, wie stolz es ihn macht, wenn sich Leute etwas in Anlehnung an ihn tätowieren lassen. Das „Cry Baby“-Cover hat er mit Absicht so aussehen lassen wie ein Tattoo, mit der Intention dahinter, dass sich das dann Leute stechen lassen können.

Ich denke Peep hatte eine ganz besondere Beziehung zu seinen Fans. Besonders nach seinem Tod haben sich viele Menschen mit Depressionen gemeldet, die gesagt haben, dass seine Lieder ihnen helfen. Denkst du, er wäre stolz auf sich?

Ich denke ja. Sein Vermächtnis ist einmalig. Er hat sein Leben so gelebt wie er es wollte und wird in dem Sinne immer ein Vorbild sein.

 

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