Interview mit OK KID

 rap.de: Gibt es noch andere Features, die ihr auf zukünftigen Projekten gerne mit drauf hättet?

Raffael: Savas!

Jonas: Bei Savas würden wir auf keinen Fall nein sagen. Ich hab den früher auch ziemlich krass gefeiert.

Raffael: Natürlich muss man auch schauen, ob das überhaupt passen würde. Klar, jeder der mit Rap anfängt würde sich ein Feature mit dem alten Savas wünschen, aber ob das passt ist eine andere Frage. Ich muss auch zugeben, dass ich das Projekt XAVAS gar nicht feier. Wir würde auch nicht um des Features Willen ein Feature machen. Wir schauen schon, ob es zusammen passt. Wenn ein Song das hergibt und jemand wirklich Bock hat mit uns was zu machen, dann kann der Song wirklich davon profitieren. Bei Gerard war es zum Beispiel so. Der Song wäre wahrscheinlich auch ohne ihn geil geworden, aber es hat einfach so perfekt gepasst, dass man wirklich von einem geilen Feature reden können. Das Feature muss auch gar nicht rap-beschränkt sein, man könnte zum Beispiel auch einen Gast aus dem Bereich elektronische Musik oder Rock auf die Platte packen, solange es zum Soundbild passt.

Jonas: Wir haben unsere Gäste auch nicht deshalb ausgesucht, damit unsere Platte mehr nach Rap klingt. Wir haben uns mit beiden Künstler echt lange zusammengesetzt und überlegt, wie man zusammen einen geilen Track aufnehmen kann, um das Album zu bereichern.

Moritz: Es sollte nicht so sein, dass wir nur was vorgeben und das Feature dann seine Strophe abgibt und fertig, nein, wir wollten schon, dass wir gemeinsam an einem Track schreiben. Und das hat auch mit Olli und Gerard geklappt.

rap.de: In den Medien wurdet ihr auch schon als die Retter des Pop betitelt. Sind solche Vorschusslorbeeren eine große Bürde?

Jonas: Wir sind auf keinen Fall die Pop-Rapper… äh Pop-Retter.

Raffael: Wir würden niemals sagen, dass wir Retter von irgendwas sind. Wenn das jemand so sieht, dann ist das okay, aber wir sagen das über uns nicht.

Jonas: Wir würden uns vielmehr freuen, wenn man Popmusik nicht negativ sieht. Grade hier ist dieses Genre noch viel zu sehr verschrien. Wir wollen Popmusik abliefern, die Anspruch hat und cool ist. So, wie das Zeug, was Marteria macht. Das ist ja eigentlich Popmusik. Wir wollen, dass man anspruchsvolle, geile Mucke auch im Mainstream hören kann und das man mit Stolz sagen kann, dass man Popmusik hört. Das würden wir extrem feiern. Aber wir sehen uns auf keinen Fall als Retter. Wir wollen einfach nur Popmusik mit Attitude machen, weil das ist unserer Meinung nach das wichtigste, was diesem Genre fehlt. Unsere Musik soll einfach eine gewisse Roughness, Deepness und vor allem Ästhetik besitzen, aber das ist nur unser persönlicher Anspruch und unsere Vision von geiler Mucke. Wir schreiben ja auch sehr gerne poppig und das heißt ja auch nichts schlechtes.

Raffael: Das Problem ist leider, dass viele neue Bands, die gerade anfangen, jetzt auf Englisch singen und wenn man nachfragt, warum das so ist, dann ist die Antwort, dass es auf deutsch einfach nicht gut klingt. Dabei checken die gar nicht, dass ihre Texte in den USA genauso beschissen wären, wie sie es hier auf Deutsch wären. Wenn man mit Rap aufgewachsen ist, dann checkt man einfach schneller was peinlich ist und was geht oder auch nicht geht. Leider fehlt dieser Geist bei Popmusiker heutzutage, dass sie sich trauen, einfach was auf deutsch zu veröffentlichen.

Jonas: Es gibt leider einfach extrem wenig gute deutsche Popmusik. Wir haben echt ein Problem im Bereich Deutscher Pop. Die Deutschen kommen halt vom Schlager und da geht es vorwiegend um Einfachheit und alles ist ziemlich plump. Ich glaube, dass Rap eine extrem gute Schule für Popmusik ist, weil man einfach lernt, wie man sich frisch und innovativ ausdrückt. Man achtet viel mehr auf seine Reime und den persönlichen Stil. Mehr Rapeinschlag würde der heutigen Popmusik einfach gut tun.

Moritz: Künstler sind dann viel mehr sprachfixiert. 

Jonas: Genau. Jeder, der mal Rap gehört hat, der wird nur mit dem Kopf schütteln, wenn man teilweise die Phrasen aus deutschen Popsongs hört. Popmusik ohne Phrasen, das wäre mal was geiles. Künstler müssen Bilder schaffen, die bisher noch nicht da waren. Das kommt ja genau so aus dem Rap. Innovative Sachen, Wortspiele oder Bilder erschaffen, die vorher so noch nicht da waren. Die Popmusik in Deutschland ist einfach so wack, dass immer die selben Bilder benutzt werden und das schlimmste daran, es funktioniert auch noch. Leider laufen wir aus diesem Grund auch nicht überall im Radio. Wir sind vielen Leuten einfach zu kantig. Wir haben auch schon den Vorwurf bekommen, dass wir in einem Text zu sexistisch sind. Wenn du aus dem Rapbackground kommst, dann ist das für dich einfach harmlose Mukke, die auf keinen Fall frauenfeindlich ist, aber im Radiobereich wird das leider anders gesehen. Natürlich könnten wir auch einen stumpfen Popsong schreiben, der im Radio laufen könnte, aber das ist nicht unser persönlicher Anspruch.