D-Flame

Vor einigen Wochen erschien das neue Album FFM von D-Flame. Um über seinen neuen Longplayer zu sprechen, trafen wir ihn in unserem Berliner Office. Diese ausgesprochen nette Unterhaltung entwickelte sich zu einem ausführlichen Dialog über seine Vergangenheit, bisherige Erlebnisse, politische Meinungen und seine Zukunft. 20 Minuten Interview waren fest eingeplant, daraus entwickelten sich jedoch 45 interessante und symphatische Gesprächsminuten.

rap.de: Wie manch einer weiß, bist du zwischenzeitlich auch  mit der Sendung „Sounds“ bei You FM beschäftigt. Wie kam es nun zu der Idee FFM zu starten und was steckt dahinter?
     
Flame: Das ist so ein kleiner Mix aus zwei Sachen. Ich war vor 8 Jahren auf Jamaika und habe da eine Werbung von Fame FM gesehen und bin auf die Werbung aufmerksam geworden, weil das Logo an sich schon dieses Feuer hatte, also diesen Verlauf von Gelb ins Rote rein. Und dann denke ich mir, guck mal Flame FM ist eigentlich eine geile Idee. Also ich habe das als Soundsystem-Namen gehabt und war dann mit dem Album „Unaufhaltsam“ zusammen mit Flame FM-Soundsystem unterwegs. Nur für ein Soundsystem habe ich mir dann wieder gedacht, dass das zu sehr auf mich geschnitten ist, und wenn ich da mit vier Selectern unterwegs bin oder noch zwei MC’s, dann ist das zu sehr auf Flame. Deswegen habe ich gedacht: ok, das ist für einen Soundsystem-Namen nicht so gut, aber ich will dieses FlameFM gerne beibehalten. Und dann habe ich mir überlegt, dass, dadurch dass ich jetzt zwei Jahre beim Radio gearbeitet habe, natürlich auch die Idee nahe liegt, das Album nach so einem Konzept zu machen. Bei der Radio-Show war das auch so das erste Mal, wo ich gesagt habe: Ich mache hier meinen Job, aber ich will das spielen, was ich spielen möchte. Und das war dann auch sofort so mein Weg. Das war für sie kein Problem, da hatten sie auch Bock drauf. Dazu kam dann auch noch, dass die Abkürzung von Flame FM FFM ergibt. Das war dann natürlich ein Traum.

rap.de: Bei dieser LP hat man nicht das Gefühl, dass du dich wie z.B. Jan Delay oder du selbst mit „Unaufhaltsam“ auf eine Richtung fokussiert hast, sondern hier sind „Dancehall, Reggae, Rap und reichlich Soul“ dabei. Sind dir die einzeln zu langweilig?

Flame: Das ist bei mir immer so eine Gefühlssache. Ich bin ja mit Basstard rausgekommen und für mich hatte das dann auch  mehrere Bedeutungen. Erst einmal, dass ich als Mensch zwischen zwei Rassen bin, aber ich bin auch ein musikalischer Basstard, in dem Sinne, dass ich genau in der Mitte von Dancehall und Rap bin. Ich liebe beides zu 100% und ich will mich da auch nicht festlegen oder in irgendeine Schublade reinlegen und sagen: Das bin ich!  Weißt du, es gibt viele Leute, die sagen, dass sie nur Rap machen und es gibt welche, die sagen: Nur Reggae. Wenn du auf Jamaika oder in New York bist, siehst du, dass das da gar nicht so ist. D as ist da nicht so verbissen, sondern es verläuft alles. Dann hatte ich aber die Idee von „Daniel X“, weil ich vorher schon mal ein Buch schreiben wollte und mir dann aber gesagt hatte: Nein, ich bin kein Autor. Ich kann mich jetzt nicht mit einer Schreibmaschine da hinsetzen und ein Buch schreiben. Ich bin Rapper. Also habe ich ein Buch in einer Albumform gemacht. Du hast aber halt viel Text und 16er Bars oder 24 Takte, die aber im Reggae wenig vorkommen. Daher habe ich dann einfach ein Konzeptalbum gemacht, was eigentlich eher nur Rap ist außer diesem Mama-Afrika-Ding. Aber wenn du ein ganzes Album lang Rap machst, dann kann man halt auch nicht nur ein Baby voll glorifizieren und dann wieder ein Mix-Album machen, weil dann würde ja Reggae wiederum zu kurz kommen. Also habe ich erst mal wieder ein ganzes Reggae-Album gemacht, mir aber bei beiden Sachen immer wieder gedacht: Man, ich habe aber jetzt auch gerade wieder Bock auf einen Dancehall-Beat ab zu gehen, bin aber gleichzeitig wieder in diesem Konzeptplan drin, wo ich mich nun mal begrenzen muss. Deswegen habe ich mir halt jetzt bei diesem Album gedacht, dass ich das machen möchte, was ich fühle und der sein möchte, der ich bin. Genauso einfach mal eine Hookline singen, wenn ich es fühle. Ich kann ja erst einmal ins Studio gehen und schauen, ob mich meine Jungs da auslachen und sagen: "Hahaha, was ein Schrott!" (lacht selbst). Und es war z.B. bei dieser Anekdote „Flying High“ so, dass ich die Melodie gesungen habe, die mir im Kopf geblieben ist. Ein guter Sänger, Jahmali auf Jamaika, hat mal zu mir gesagt: Wenn du eine Melodie Abends gesungen hast, morgens wieder aufstehst und diese immer noch singen kannst, dann ist es eine gute Melodie. Und das Ding ist mir halt Wochen lang durch den Kopf gegangen. Ich hole da jetzt auch keine Frau, sondern singe das selbst! Und dann hat der Lex Barkley mit einem breiten Grinsen hinter den Mischpulten gesessen. Da habe ich dann halt irgendwann so gefragt: "Sag mal, warum grinst du denn die ganze Zeit so? Singe ich hier so eine Scheiße oder was?" Aber er meinte dann: "Nein, ich grinse, weil sich das gut anhört". Er musste halt darüber schmunzeln, dass ich auch singen kann. Also einfach mal machen und das ist auch das Schöne an dem Album, da ich einfach auf alles geschissen habe und sobald ein guter Beat reinkam, ob das jetzt ein Dancehall-Riddim oder ein geiler Hip-Hop-Beat war, ich habe es einfach gemacht.

rap.de: Hat man gemerkt. Ich hatte das Gefühl, dass du keinen Song einfach so geschrieben hast. Wenn man im ersten Moment in die Tracks reinhört und es zum Beispiel um Party geht, hat man trotzdem den Eindruck, dass immer noch ein Stück weit Selbsterfahrungen mit reingeflossen ist. Ist das einfach so passiert oder hast du dir gesagt, dass du da auf jeden Fall immer noch ein Stück von dir selbst mit reinbringen willst? Erfahrungen oder persönliche Geschichten…

Flame: Oberwichtig! Finde ich gut – du hast gute Gefühle. Wie soll ich sagen? Es ist in letzter Zeit so, dass ich so viel deutschen Hip Hop höre, aber leider dran vorbei hören muss, weil mir Leute was zu erzählen versuchen, wo ich genau weiß, das können die nicht sein…

 rap.de: Stop, stop, stop! Dazu später die passende Frage.

Flame: Alles klar. Für mich war es einfach sehr wichtig, dass der Inhalt meiner Songs von mir kommt und meine Person repräsentiert. Das sind alles persönliche Erlebnisse. Du wirst auch keine überzogene Line von mir hören, wie "Ich bin stark wie Godzilla und habe Füße wie King Kong". Weißt du, was ich meine? Ich finde das auch geil, ich bin da voll Fan von, aber ich wollte halt ein bisschen mehr von mir transportieren. Einfach so ein Ding, wo du dir halt sagen kannst: Geil, so etwas ist mir vor der Diskothek auch schon mal passiert, dass sie mich nicht reinlassen wollten. Ich will einfach, dass jemand sich damit identifizieren kann nicht nur eine geile Line hört und sagt: Fette Line, übertrieben toll, aber das bist nicht du.
rap.de: Also es sind schon ein paar allgemeine Tracks z.B. zum Party machen, aber soll immer noch der Bezug zum Künstler bleiben.

Flame: Ja, genau. Zum Beispiel, wenn ich jetzt so einen Party-Track mache, dann denke ich mir natürlich auch, wie würde ich mich fühlen, wenn ich so einen Beat höre? Das ist dann schon cool, wenn „In da Club“ von 50 Cent im Club läuft und dort wirklich einer mit seinen Bitches im Club sitzt und sich sagt: geil, Alter, der rappt gerade von mir! Und da ist es doch auch schon cool, wenn du es mal auf deutsch hörst.Vielleicht catcht dich auch mal so einfach ein Gedanke, wo du mal grade im Club bist und dann hörst du es auch noch im Song. Das ist auch das, was gute Musik oder einen guten Künstler ausmacht.

 

rap.de: "Endlich wieder da". Warum erst jetzt und nicht schon, als er auch endlich wieder da war, der heiße Sommer? Das hätte sich doch bestimmt auch gut als Single gemacht.

Flame: "Endlich wieder da" ist im Winter entstanden; wir hatten ja einen sehr kalten und ekelhaften Winter. Das kann mir ja wohl jeder bestätigen, denn wir haben uns alle die Eier abgefroren. Der Track ist also an einem wirklich sehr kalten Tag entstanden. Das war dann schon so ein Moment, an dem ich mir den Sommer so krass gewünscht habe. Mir wurde klar, dass man auch mal einen Song über den Sommer machen kann, ohne gleich corny zu wirken. Ich mir einfach gedacht, catch doch mal das Gefühl, wie du dich fühlst, wenn er endlich da ist. Der erste Tag, wo du auf einmal so sagst: Boa, Sonne, ich kann ein T-Shirt anziehen, endlich scheint die Sonne! Und dieses Gefühl wollte ich damit übermitteln – endlich wieder da, endlich wieder Sommer, Alter! Wir hatten auch dieses Sample und das hat mich auch voll an Sonne erinnert. Das Lustige daran ist auch, dass dann genau so ein Sommer kam. Somit kam auch gleich dieses beschriebene Gefühl auf. Ich musste direkt schmunzeln und nur an diesen Song denken, weil eigentlich genau das passiert ist, was ich darin beschreibe. Ich war vorausblickend (lacht). Nein, Spaß. Aber du hast recht, leider kommt das Album erst jetzt.
rap.de: Es gibt noch einen weiteren Punkt, der mir durch den Kopf gegangen ist. Es gibt viele Leute, die so was dann mit Absicht machen, einen Song über den Sommer im Winter veröffentlichen.

Flame: Ja, ich bin auch ein absoluter Feind von solchen Geschichten wie: ich muss jetzt im Januar einen Song schreiben und wenn ich  dannnämlich im Februar damit fertig bin, kann ich den schon im April releasen und dann ist das der Sommer-Hit des Jahres. So einfach ist diese programmierte Musik, weißt du? Ich hatte einfach in dem Moment den Vibe, habe den Sommer vermisst und das war bei mir schon einmal so. Da war eine Phase, in der ich Jamaika ohne Ende vermisst habe. Dabei ist auch meine damalige Single "Mach mich glücklich" entstanden. Den Text habe ich aber auch in Frankfurt im Studio geschrieben. Ich finde auch, dass das die geilsten Vibes sind, wenn du irgendwas vermisst, das in deinem Kopf verarbeitest und dadurch einen neuen Text schreibst. Manchmal kannst du es dadurch noch mehr honorieren, als wenn du gerade mittendrin steckst. Wenn man etwas nicht hat, dann bemerkt man erst die ganzen kleinen Dinge, die man vermisst, weil sie einen schon immer geturnt haben.

rap.de: Du gibst auch oft zu verstehen, dass dir deine Familie viel wert ist und dir einer deiner Söhne schon manchmal sagt, dass er dich vermisst und derartiges. Fühlst du dich jetzt wieder bereit so ein Projekt durchzuziehen, das bekanntlich auch wieder viel Zeit in Anspruch genommen hat und nehmen wird?

Flame: Generell ist auch eben dieser Sohn einer von denen gewesen, die gesagt haben:"Man, Papa jetzt kannst du aber auch mal wieder. Wir wollen auch mal wieder ein Video von dir sehen. Wann kommst du mal wieder auf Viva und MTV?" Die stehen auch voll hinter mir. Aber auch wenn z.B. mein Jüngster etwas in dieser Richtung sagen würde, würde ich auch wieder sofort ein oder zwei Jahre Pause machen. Bei mir sind es insgesamt drei Jahre geworden, da ich den glücklichen Zufall hatte, diesen Job beim Radio zu bekommen. Dadurch konnte ich mich trotzdem auf die Musik konzentrieren und mich um meine musikalischen Projekte kümmern Aber trotzdem ist die Familie sehr wichtig, das Hauptding, das Heiligste weiß du? Gerade wenn du als Mann versagt hast, willst du als Vater nicht auch noch versagen. Es gibt da so ein Lied von Edo G and the Bulldogs, das "Be a father to your child" heißt. Das hat mich als Jugendlicher schon sehr geturnt. Das Lied ist auch mein Grundgedanke, wo ich sagen kann: Ich will Vater für meine Kinder sein, sie stehen vor meiner Person, meinem Leben und allem anderen. Auch wenn ich jetzt arbeitsmäßig viel zu tun hätte, aber eines meiner Kinder krank wäre, ein Problem hätte oder mich anriefe, würde ich sofort zurück nach Frankfurt fliegen.


rap.de: Bei dir spielt das grüne Gewächs noch immer eine große Rolle. Künstler wie Samy Deluxe distanzieren sich inzwischen von ihren damaligen, Gras verherrlichenden Aussagen. Sie sehen sich als Vorbild für die Jugend. Wie stehst du dazu?

Flame: Für mich ist Gras keine Droge, sondern ein Genussmittel. In meinen Augen muss Marihuana legalisiert werden: manche Nationen sollten sich Holland zum Vorbild nehmen, denn dort ist seit der Legalisierung die Kriminalitätsrate und die Anzahl der Drogentote zurück gegangen. Alkohol ist die viel gefährlichere Droge, da man zu schnell die Kontrolle über sich selbst verliert. Ich kenne das von mir selbst, aber auch Leute aus meinem näheren Umkreis und meiner Familie sind daran schon zugrunde gegangen. Ich hab z.B. auch noch nie jemanden auf  Weed "aggro" gesehen. Und auf „Alk“ gehe selbst ich hoch wie ´ne Bombe. Des Weiteren wird hierzulande viel zu viel falsch gemacht. Oliver Bierhoff macht in der Halbzeitpause Werbung für eine Biermarke und genau das ist das Fatale. Es handelt sich bei Fußball um einen Sport, der von vielen Kindern begeistert verfolgt wird. Gerade die Jugend lässt sich dadurch sehr leicht beeinflussen. Aber allgemein ist es heute sehr schwer ein wirkliches Vorbild für Kinder zu sein. Man dürfte keine Zigarette rauchen, weder ein Glas Sekt noch einen Kaffee trinken. Das Beste ist defintiv frei von allem zu sein. Ich bewundere Leute wie DJ Desue oder Stylewarz, die ohne jegliche legale oder illegale Droge zufrieden leben. Ich bin sicher kein Vorbild, allerdings sind die meisten Erwachsenen keine Vorbilder für die Jugend. Und auch wenn die irgendwie von Einstiegsdroge reden, dann müssen sie auch wieder anfangen, wie in Al Capone-Zeiten und Alkohol auch verbieten, weil das ist die schlimmste Einstiegsdroge. Es gehört jedoch leider zur „Kultur“.

rap.de: Kommen wir zu den Features. Außer Xavier ist kein Standard-Feature aus Deutschland dabei. Wie sind allgemein die Kollabos entstanden? Hattest du selber Favoriten?

Flame: Xavier ist schon immer einer meiner Lieblingskünstler gewesen. 2000 habe ich ihn auf Jamaika kennen gelernt; dort haben wir zum ersten Mal miteinander geredet. In seiner CD-Tasche war unter anderem mein Debütalbum Basstard verstaut und dadurch fühlte ich mich ernorm geehrt, denn auf Reisen hat man im Normalfall nur seine absoluten Favorites dabei. Zu wissen, dass Xavier meine Musik schätzt, war schon ein tolles Gefühl. Während der Brothers Keepers-Zeit vertiefte sich unser Kontakt. Anlässlich des zweiten Albums haben wir in Ostdeutschland eine Schul-Tour gemacht, bei der mit den Jugendlichen über Rassismus und Gewalt diskutiert wurde. Auf einer Fahrt von Leipzig nach Berlin haben Xavier und ich Musik gehört und uns zahlreiche Lieder vorgespielt. Da war auch ein Beat von DJ Desue dabei. Xavier fing sofort an zu singen und ich dachte mir nur, dass der Typ auf den Beat passt wie die Faust aufs Auge. In Berlin angekommen, gab er mir dann sein Einverständnis für das Feature. Noch in der selben Nacht sind wir zu Desue in sein Studio gefahren und haben die Vocals aufgenommen. Allgemein kann ich aber sagen, dass jedes Feature auf meiner Platte und in der Vergangenheit zufällig entstanden ist. Aus einer freundschaftlichen Beziehung ist einfach ein Feature entstanden. Feature-Partner haben sich praktisch von allein gefunden, mein Management war mit solchen Aufgaben nie beschäftigt. Auf dem Basstard-Album ist ein Feature mit Steele von der Bootcamp Clik. Das ist auch durch einen Zufall entstanden. Damals war ich in Queens unterwegs und unterhielt mich mehrere Minuten mit einem kleinen Jungen. Danach stellte sich raus, dass Steele der Vater war. Wir haben uns dann super verstanden und sofort einen Track aufgenommen. Auch Sean Price lernte ich zu jener Zeit kennen. Auf dem „Art of War“ von DJ Desue folgte dann ein Feature von uns beiden.
rap.de: Wie wirst du eigentlich von den Leuten in Jamaika wahrgenommen? Wirst du voll und ganz akzeptiert oder gehen die Leute bei Fremden auf Distanz?

Flame: Von meinem Äußeren und meinem Erscheinungsbild bin ich einer von denen. Manche denken, ich sei ein Jamaikaner aus New York. Sobald sie erfahren, dass ich aus Deutschland komme, weckt das bei ihnen ein sofortiges Interesse. Für sie ist das eine große Ehre, dass sich jemand für ihre Kultur interessiert. Wenn du ihnen Liebe gibst, dann geben sie auch dir Liebe. Ein weiteres Beispiel ist Gentleman: der ist Deutscher aber singt in ihrer Sprache, was diese Leute sehr Stolz macht. Er verbreitet diese Musik in ganz Europa und auf der ganzen Welt und dafür wird er wohl mehr respektiert als mancher einheimische Künstler. Musik ist für die Jamaikaner einfach wie ein sehr wertvoller Schatz, so wichtig wie ein Nahrungsmittel.

rap.de: Beim Hören der Platte fällt auf, dass du dich textlich und technisch weiterentwickelt hast. Hast du speziell auf technische Neuerungen einen großen Wert gelegt oder hat sich das alles von alleine ergeben?

Flame: Natürlich habe ich viel experimentiert und auch nach neuen Styles gesucht. Des Weiteren war es mein Ziel den Hörer zu überraschen. Ich bin praktisch gegen den Strom geschwommen und habe das gemacht, was nicht jeder erwarten würde.  Ich hab mir mit Blaze z.B. bei dem „Zu Viele Gimmix“-Beat  gedacht, dass jeder zu diesem schnellen Beat auch dementsprechend schnell flown würde. Wir haben uns dann eben gedacht: nein,  das machen wir nicht, sondern lass uns richtig diesen Slow-Flow nehmen. Dabei hast du auch viel mehr Ausdruck und es schmeißt zusätzlich jeden erstmal aus dem Konzept. Somit hat auch das Aufnehmen extrem viel Spaß gemacht.
rap.de: Persönlich sind mir auch so Sachen wie mehr Power in der Stimme bzw. Emotionen positiv bei so Sachen wie "Nett mit mir" oder "Wir Bleiben" aufgefallen.

Flame: Cool, das freut mich. Du bist auf jeden Fall ein Kenner, es macht Spaß mit Kennern zu reden. Ja ich hab da auch manchmal versucht an Grenzen zu stoßen. Gerade bei der Sache mit "Wir Bleiben", das ist ja ein "Ding"-Remix von SEEED, wo auch langsam gerappt wird und da hab ich mir dann aber überlegt, dass man da aber auch mal richtig Zunder geben müsste. "Nett mit mir" war dann z.B. so eine Sache, wo ich viele Wörter benutzt habe, aber trotzdem noch diese einfache "Es reicht jetzt"-Aussage drin haben wollte.

rap.de: Um auf die Frage von vorhin zu kommen: Battle-Rap hat sich hierzulande etabliert und eine wichtige Rolle eingenommen. Wie siehst du derzeit die Entwicklung von Rap in Deutschland?

Flame: Auf jeden Fall bin ich sehr froh, dass ich das ganze Geschehen schon seit vielen Jahren beobachten kann. Ich habe mitbekommen, wie das Baby geboren wurde; nun kann ich beobachten, wie das Kind Fahrrad fahren lernt. In den USA hat das Kind bereits einen Führerschein und fährt dicke Schlitten. Hier in Deutschland gibt es einfach immer noch einen großen Unterschied zu den Staaten. Zum Thema Battle-Rap habe ich natürlich auch eine Meinung. Ich persönlich bin ein absoluter Fan von gutem Battle-Rap und finde, dass es auch nötig war, dass auch diese Seite von Deutsch-Rap so präsentiert worden ist. Dabei gibt es aber viel zu viele Leute, die nur durch die Musik zum Gangster geworden sind. Ohne die Musik sind sie aber nur kleine Krümel, die keiner Eier haben. Man hört z.B. auf 8-9 von 10 Platten "Ich bin der Beste", "Ich ficke deine Mutter", "Ich ficke alle deine Jungs" und das wars. Wo ist da jetzt die Nachricht? Wenn du das Mic weglegst, dann gebe ich dir ne Backpfeife und du fängst an zu heulen. Man hat es ja dann auch gesehen, wo dann die Leute sich erst einmal eingekackt haben, wo man jetzt aber nicht weiter darauf eingehen muss. In Deutschland ist es inzwischen wichtiger Skills zu haben, anstatt ein guter Mensch zu sein. Ich habe lieber 2-3 Punchlines weniger, kann mich dafür aber menschlich und musikalisch weiter entwickeln. Battle-Rap ist geil, aber ein Rapper muss meiner Meinung nach mehr vorweisen können. Jay-Z ist das perfekte Beispiel. Er ist einer der besten Battle-Rapper überhaupt, allerdings weiß er auch mit Lieder wie „Song Cry“, die Emotionen und Gefühle widerspiegeln, zu überzeugen. Sogar 50 Cent hat auf „Get Rich or Die Tryin’“ gezeigt, dass man mit persönlichen Geschichten eine riesige Fanbase für sich gewinnen kann. Also es ist zwar  geil , dass  es jetzt  fahradfahren gelernt hat,  aber  es muss jetzt nicht die  ganze Zeit, versuchen Leute zu  überfahren. Und  da  werden sich auch  noch  viele  Leute  umgucken, wie  ernst sowas manchmal  genommen wird.
rap.de: Um noch einmal auf deine Vergangenheit zurückzukommen. Ist Eimsbush komplett Vergangeheit oder bestehen  die Kontakte  weiterhin?

Flame: Speziell mit Eißfeldt habe ich noch sehr viel zu tun. Er war auch derjenige, der mich damals zu Eimsbush geholt hatte. Somit ist er auch ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben geworden. Samy ist inzwischen ein Geschäftsmann mit eigenem Labe und Vater geworden.  Ein regelmäßiges Treffen ist dadurch natürlich nur sehr schwer möglich. Wenn wir uns sehen, dann ist aber alles cool und jeder freut sich sein Gegenüber zu sehen. Eimsbush vermisse ich natürlich irgendwie, das war schon eine sehr schöne Zeit. Aber wie gesagt, Beef oder Ähnliches wird es zwischen uns nie geben, dafür schätzen wir uns gegenseitig zu sehr.

rap.de: Vielen Dank für das Interview!

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