Interview mit DCVDNS und den Inglebirds (rap.de-TV)

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Die Inglebirds, also DCVDNS, Hermann Weiss und Wolfgang H, haben mit „Big Bad Birds“ ein frisches Album am Start, das den Flair von 90er-Jahre Westcoast-Rap und Down South-Geschichten aus demselben Zeitraum in den fiktiven Ort Inglebird transportiert. Wir haben die Jungs im Studio besucht und dort mit ihnen über große böse Vögel, die vermeintliche Idylle von St. Ingbert und ihre Einflüsse gesprochen.

Inglebirds
VÖ Datum: 2014-11-07
Verkaufsrang: 89
Jetzt bestellen ab EUR 28,99

„Big Bad Birds“ ist offenbar eine Hommage an Westcoast-Gangsta-Rap aber auch Südstaatenkram wie das Rap-A-Lot Zeug. Was verbindet ihr mit diesem Sound?

Hermann Weiss: Jeder Rapper hat seine Einflüsse. Warum diese bei uns als Hommage gewertet werden, kann ich mir nur dadurch erklären, dass in Deutschland überwiegend Eastcoast Einflüsse zum Tragen kommen. Also wenn wir den Begriff Hommage weiter verwenden wollen, müssen wir über Deutschrap als Eastcoast Hommage sprechen? Das wäre aber wie immer zu einfach und konstruiert. Schon das Denken in Westcoast/Eastcoast ist Unsinn. Wenn man es schon so herunter brechen will, würde ich sagen, wir sind von technisch anspruchsvollem und abwechslungsreichem Rap inspiriert. Dazu zählen aber beispielsweise auch Fu Schnickens aus New York und viele Nicht-Westcoast-Rapper. Unser Ziel ist es schlicht Rap und damit Flow in Deutschland anspruchsvoller werden zu lassen, weg von starren Mustern, hin zu Funk!

Welche fünf Alben, die euch inspiriert haben, sollte man gehört haben?

DCVDNS: Keins, ich habe gehört Deutschap ist mittlerweile so Facettenreich geworden, da wäre für jeden was dabei. Von Flows bis hin zu den Beats kann mit Deutschland niemand mehr ficken oder Petting machen.

Was macht für euch die Faszination am Gangsta-Lifestyle aus?

Alle drei gleichzeitig: Der hat zwar mehr mit uns zu tun als Max Herre, aber auf unserm Album geht es um Inglebird Lifestyle!

Wart ihr schon mal in L.A./ den Südstaaten?

Hermann Weiss: DCVDNS war mal in L.A., Hermann Weiss mal in New York, Wolfgang H. verreist nicht, sondern grillt im Garten.

DCVDNS: Sag doch einfach nein, du warst noch nicht in L.A oder den Südstaaten.

Hermann Weiss: Ja.

Was glaubt ihr, wie die Leute dort auf eure Musik reagieren würden?

Hermann Weiss: Genau wie hier! Der Großteil würde uns nicht verstehen. Aber die hätten die Ausrede, kein Deutsch zu können.

Wolfgang H., wie schwierig war es, den Sound möglichst originalgetreu hinzubekommen?

Wolfgang H.: Die Frage unterstellt, dass es jemals Ziel gewesen wäre irgendeinen Sound zu kopieren. Dieser Kram ist einfach die einzige Rapmusik, die ich mir anhören kann. Logischerweise fließen meine Einflüsse in meine Beats, doch das Ergebnis ist im Endeffekt etwas eigenes.

Habt ihr Sorge, dass jugendliche Hörer das Album als eine Verarschung von deutschem Straßenrap missverstehen könnten?

Hermann Weiss: Wenn man sich anfängt, sich Sorgen darum zu machen, was irgendwelche Leute denken, hat man ein Problem. Wir machen Kunst und die Aufgabe, Kunst zu interpretieren, liegt seit jeher bei denen, die sie verfolgen. Im Gegenteil wundert es uns immer eher, wenn jemand unsere Kunst zu verstehen scheint. Aber um es noch einmal klipp und klar zu sagen: Dieses Album ist keine Verarschung von deutschem Straßenrap!

War es schwierig die Gangsta-Attitüde vor dem Hintergrund des vermeintlich beschaulichen St. Ingbert zu adaptieren? Apropos: Wie idyllisch ist St. Ingbert denn wirklich?

Hermann Weiss: Seltsamerweise denkt jeder, St. Ingbert wäre idyllisch und kein Dreckloch! St. Ingbert ist weder noch und doch beides. Es hat rund 50.000 Einwohner und ist eine Art Vorstadt der Rotlichthochburg Saarbrücken, das direkt an der französischen Grenze liegt. St. Ingbert war einst eine industriell geprägte Arbeiterstadt, heute hängt es wie das ganze Saarland dem wirtschaftlichen Wandel hinterher. Aber wir reden auf dem Album von Inglebird, nicht von St. Ingbert. Die Wahrnehmung der Welt, die einen umgibt, hängt immer auch damit zusammen, in welchen Kreisen man verkehrt und den damit verbundenen Erlebnissen. Wir haben uns immer in einer wenig beschaulichen Welt bewegt, Inglebird. Für den Arztsohn aus St. Ingbert trifft das natürlich nicht zu. Oder drücken wir es anders aus: Wer sich in der Unterschicht bewegt, kann dir auch was darüber erzählen. Jedenfalls mussten wir nichts adaptieren.

Ihr habt aus St. Ingbert für das Album Inglebird gemacht, offensichtlich auch angelehnt an den Los Angeles Bezirk Inglewood. Wie muss man sich diesen fiktiven Ort vorstellen?

Hermann Weiss: Inglebird wurde daraus nicht nur für dieses Album gemacht, aber ich denke das Album vermittelt ein klares Bild von diesem Ort!

Woher rührt eigentlich eure Leidenschaft für Vögel?

Hermann Weiss: Wir scheißen auf Vögel!

DCVDNS: Wir scheißen wie Vögel! Von oben auf alles und jeden. (Kein Gelächter, nicht mal ein Schmunzeln ist zu erkennen)

Seht ihr nicht die Gefahr, dass unser Crewprojekt von vielen als Anhängsel an euer prominentestes Mitglied DCVDNS gesehen wird?

Hermann Weiss: Welche Gefahr sollte denn dabei bestehen ein prominentes Mitglied zu haben? Viele DCVDNS-Fans sehen das sicher so, aber erstens haben wir uns noch nie für Meinungen von Fans interessiert und zweitens wird, wenn das Album erscheint, jeder merken, dass hier niemand im Schatten eines anderen steht und das Ganze eine sich ergänzende, runde Sache geworden ist.

DCVDNS, kann man als Westcoast-G überhaupt jemals wieder rote Pullunder tragen?

DCVDNS: Den Pullunder habe ich ja getragen, als ich schon ein kleiner Gee war. Der diente nur, um mich in die Szene zu schleichen, die Konkurrenz sollte mich nicht als Gefahr sehen. Ich wollte ganz gemütlich an meinen Opfern vorbei schleichen, bis ich mitten im Game bin. Der Plan ging natürlich auf. Dann begann ich, ein bisschen ungezielt um mich zu schießen, weil ich nicht ganz feige von hinten kommen wollte. Mittlerweile werde ich als Gefahr erkannt bzw. peilen die ersten, dass ich der beste deutsche Rapper bin. Auf dem Inglebirds-Album wurde es also langsam Zeit gezielter zu schießen, sowohl auf der Straße als auch flowtechnisch. Außerdem hängt der Pullunder ja mittlerweile im Kleiderschrank von Stefan Raab und Lacoste stellt die Teile auch gar nicht mehr her… es würde auch einfach keinen Sinn mehr machen. Außer ich möchte mich irgendwann mal in die Schauspielzene schleichen.