Interview mit NF über „Perception“, Eminem-Vergleiche und die Kirche

Perception

Drei Alben in drei Jahren ist die Bilanz von NF (rechts im Bild, links unser Autor Musti) aus Michigan, der bürgerlich Nathan Feuerstein heißt. Der junge Künstler musste in seinem Leben mit Schicksalschlägen und Problemen kämpfen und verpackt das in seine Musik. Der Glaube an Gott und die Passion für Musik ist der stärkste Antrieb für den 26-Jährigen. NF ist schon lange kein Newcomer mehr. 2015 kam das erste Album „Mansion“ und ein Jahr später folgte dann direkt „Therapy Session“. Jetzt ist der talentierte Kerl mit seiner neuen Platte „Perception“ am Start – und erzählt mehr darüber im Interview:

Dein neues Album „Perception“ ist in der ersten Woche auf Platz 1 der Billboard 200 Charts eingestiegen. Wie wichtig ist dir dieser Erfolg?

Das schönste daran war für mich den Support der Menschen zu sehen und wie die Fanbase mit mir gemeinsam wächst. Ich mein‘, du weißt nie, wie etwas ankommt, wenn du es veröffentlichst, aber in meinem Fall gab es vom ersten Album „Mansion“ bis „Perception“ ein kontinuierliches Wachstum an Fans, Verkäufen und Zuspruch. Mit dem ersten Album haben wir 10.000 Einheiten in der ersten Woche verkauft und mit dem zweiten 28.000. Mit „Perception“ haben wir 55.000 Einheiten in der ersten Woche umgesetzt und wenn ich sehe, wie die Fans hinter mir stehen, ist das total ermutigend. Aber viel wichtiger als der erste Platz ist zu sehen, wie die Menge wächst und die Unterstützung immer mehr zunimmt. Es gibt aber unzählige Künstler, die auch den ersten Platz abräumen und deutlich mehr verkaufen als ich.

Warum hast du dein Album „Perception“ genannt und um wessen Wahrnehmung geht es?

Es geht zwar um meine Wahrnehmung, aber wenn du beispielsweise auf das Cover schaust, könnte es die von jedem auf der Welt sein. Die ganze Geschichte hinter dem Cover beschreibt mich. Du siehst mich in einer Zelle mit den Schlüsseln in der Hand, aber die Türen sind dennoch verschlossen. Ich habe das Cover bewusst ausgewählt, weil es das Leben vieler Menschen, aber vor allem meins beschreibt. Ich hatte in meinem Leben wahnsinnige Probleme und ich wusste, dass ich die Fähigkeit habe, sie zu bewältigen, aber nicht, wie ich das anstellen soll. Daher passt das Bild mit den Schlüsseln und verriegelten Türen ganz gut.

In deinem Song „Green Lights“ sagst du „Three records, three years. I don’t like to waste time„. Was tust du, um in den Workflow zu kommen?

Ich liebe es Songs aufzunehmen und bin gerne im Studio. Wenn ich für mein Album alle Parts geschrieben habe, dann will ich nicht einfach nur einen Tag ins Studio fahren und alles runterspielen. Ich nehme mir dafür mindestens eine Woche Zeit oder vielleicht sogar länger. Jeder Song hat einen anderen Flow und transportiert eine andere Stimmung und Gefühle. Wenn du länger im Studio bist, kommst du in den Groove und lässt dich besser drauf ein. 

Die Produzenten David Garcia & Tommee Profitt haben fast das gesamte Album produziert. Du hast mit beiden auf deinen zwei vorherigen Alben schon zusammengearbeitet. Ist es dir wichtig mit Leuten zu arbeiten, die du kennst und denen du vertraust und wie wirkt sich das auf deine Arbeitsweise aus?

Das hat massiven Einfluss auf meine Arbeitsweise. Ich meine, ich bin ein sehr loyaler Mensch. Wenn ich jemanden finde, mit dem es sich gut arbeiten lässt und wir gut harmonieren, dann komme ich sehr gerne auf ihn zurück. Für 99% meiner Videos war bisher immer die selbe Person zuständig. Seit dem ich angefangen habe, hat er, bis auf eine einzige Ausnahme, alle meine Videos produziert. Es gibt auch Produzenten, die sich zu sehr in deine Arbeit einmischen und ich möchte am Ende des Tages selbst über meine Musik entscheiden. Um auf deine Frage zurückzukommen, ja, es ist mir wichtig mit Menschen zu arbeiten, mit denen ich im Vorfeld schon zusammengekommen bin und einfach vertrauen kann. Tommee zum Beispiel hat 85%-90% der Albumproduktion übernommen und David hat hier und da nochmal drüber geschaut und den Rest produziert und das war bei den zwei vorherigen Alben genau so.

Kann man also sagen, dass die menschliche Basis das Grundgerüst deiner Musik ist?

Voll! Wenn ich mich mit einer Person nicht verstehe, dann hat das keinen Sinn.

Du bist in deiner Musik authentisch, selbstkritisch und machst keinen Gebrauch von Schimpfwörtern. Denkst du, dass die deine Fans gerade dafür lieben?

Ich glaube, was meine Fans an mir mögen, ist: Meine Musik ist sehr ehrlich und ich gehe offen mit meinen Gefühlen um. Außerdem glaube ich, dass meine Musik unterschiedliche Facetten mit sich bringt und sich nicht in nur eine Richtung reduzieren lässt. 

Also ist es deine Vielfältigkeit?

Ich denke schon. Ich meine, wenn du den Style eines Tracks von mir nicht magst, drückst du einfach zwei Songs weiter und hörst etwas, das dir vielleicht eher gefallen könnte, weil dort ein anderer Style auftaucht. Außerdem wechseln auch Styles innerhalb eines Songs. In einem Track hörst du beispielsweise eine Gitarre und im nächsten Moment steige ich mit einem gerappten Part ein. Manche Songs klingen sehr nach HipHop und andere nach Rap, aber eine andere Art von Rap wie zum Beispiel bei „10 Feet Down“ oder „Let You Down“. Das mischen von alternativen Drums und HipHop 808-Drums lass ich auch in meine Tracks einfließen.

Im Song „Outcast“ sagst du, dass du durch deinen Style in der Rapszene ein Außenseiter bist und untermauerst die Aussage mit den Zeilen „I guess I don’t fit the mold of rap, cause I’m respectin‘ women„. Was denkst du, wenn du hörst wie andere Rapper in ihren Tracks von Sidechicks reden und Frauen „Bitches“ nennen?

Ich möchte gar nicht darüber urteilen oder irgendjemanden damit beleidigen. Ich wollte mit diesem Song und der von dir genannten Passage einfach nur zeigen, dass ich mein eigenes Ding mache und nicht wirklich weiß, was der Rest so treibt. Ich will Musik machen, die mich mit den Menschen, die sie hören, verbindet. Das soll aber nicht heißen, dass das bei anderen Künstlern nicht so ist.

Du hast in deinem Leben schreckliche Dinge erlebt. Losgelöst von der Musik und Religion, gab es noch etwas anderes, das dich ermutigt hat nicht den Kopf hängen zu lassen?

Musik hat mir zwar sehr stark geholfen, aber um ehrlich zu sein, waren es die Probleme, die mich ermutigt haben, nicht aufzugeben, auch wenn das sehr seltsam klingen mag. Um es anders auszudrücken: Hätte ich all diese schlimmen Erlebnisse nicht durchgemacht, wäre ich nicht die Person, die jetzt vor dir sitzt. Wenn meine Mutter nicht gestorben wäre als ich 18 war, würde ich dennoch über emotionale Dinge rappen, aber dann hätte es den Song „How could you leave us“ nicht gegeben. Zumindest nicht so, wie es ihn jetzt gibt. Die Probleme haben mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin und meine Musik resultiert daraus.

In deinem Song „How could you leave us“ sprichst du über den Tod deiner Mutter. Der Song ist voller Emotionen und Schmerz und ich denke, du hast eine Menge Menschen berührt, die etwas ähnliches in ihrem Leben durchmachen mussten. 

Als das Lied rauskam, hatte das letzte Album eines seiner größten Momente. Ich erhielt eine Vielzahl an Nachrichten von Fans und meinem Umfeld. Dass solch ein Song natürlich Einfluss auf viele Menschen nimmt, die sowas erleben mussten, war mir bewusst. Mir war allerdings nicht klar, dass es in diesem Maße stattfindet und mehrere Millionen Menschen sich das Video ansehen und den Song runterladen.

Hattest du das Gefühl, dass du mit diesem Song Menschen helfen konntest?

Ich denke der Song hat viele Menschen miteinander verbunden. Bei meinen Konzerten kann ich beobachten, wie die Leute weinen und miteinander ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Der Song verbindet Menschen, ohne dass sie sich kennen oder vorher miteinander geredet zu haben. Wenn der Beat läuft und ich mit den Zeilen beginne und die Leute Tränen in den Augen haben, dann ist das ein sehr, sehr emotionaler Moment. Die Menschen sehen sich nur gegenseitig an und fühlen, dass der gegenüber dasselbe oder etwas ähnliches erlebt hat. Ob der Song jemanden geholfen hat, kann ich nicht beantworten, aber er hat definitiv dafür gesorgt, dass Menschen aufeinander zugegangen sind und ihren Schmerz mit jemanden teilen konnten.

I always felt like no-one listened to me, that’s how I grew up, church is where I found God, but it’s also where I learned to judge“ rappst du auf „10 Feet Down“. Was denkst du wäre aus dir geworden, wenn die Kirche kein Teil deines Lebens wäre?

Um ehrlich zu sein weiß ich es nicht. Ich glaube an Gott und je älter ich wurde, desto mehr begriff ich, dass das Leben etwas verrücktes ist. Als Teenager gab es auch eine Zeit, in der ich nicht an die Existenz von Gott geglaubt habe, weil ich dachte, das ist nichts reales. Mit dem Alter kam die Reife und ich sehe das mittlerweile aus einer anderen Perspektive. Ich glaube fest an Gott und ich fühle ihn in Form der Natur, wie beispielsweise Gras und Luft, und wie Dinge funktionieren. Wie wir als Menschen funktionieren und was alles dahinter steckt.

Besser gesagt: Du willst es gar nicht wissen oder?

Genau. Also, ich denke vom Verstand her wäre ich genau so wie jetzt und auch all die aufgezählten Dinge würden mich nach wie vor interessieren. Aber ich denke ohne die Kirche wäre aus mir ein Mensch mit einem schlechteren Urteilsvermögen geworden. Es gibt nämlich mehr als nur Ja/Nein, Richtig/Falsch und Schwarz/Weiß, so einfach ist es nicht und das habe ich in der Kirche gelernt.

Könntest du einen traurigen Text in einer fröhlichen Stimmung schreiben? Oder musst du immer in derselben Stimmung sein, wie auch der Track am Ende klingen soll?

Schon, ja. Ich meine „How could you leave us“ ist das perfekte Beispiel: Als ich den Beat zum ersten Mal hörte, war ich sofort voller Emotionen und fing direkt an meine Gefühle in Worte zu fassen und aufs Papier zu bringen. Im Endeffekt höre und fühle ich einen Beat und er diktiert mir dann, was ich zu schreiben habe.

In einem Interview bei The Wade-O Radio Radio hast du gesagt, dass der ständige Vergleich zwischen dir und Eminem nervig sei. Ein für alle Mal, was unterscheidet dich von Eminem?

(lachend) Das ist ein sehr altes Interview. Das müsste die Zeit meiner ersten EP gewesen sein, also 2014 rum. Eminem war meine allergrößte Inspiration und ich war damals genervt weil ich mir dachte, Mann, ich will doch meinen eigenen Style haben und nicht die Kopie von jemanden sein. Selbst wenn dieser jemand Eminem ist. Ich meine, welcher Rapper will denn mit einem anderen Rapper wirklich verglichen werden.

Verstehe ich. Gerade im Rap ist es ja wichtig, einen eigenständigen und markanten Style zu haben.

Absolut! Außerdem haben mich auch andere Künstler nachhaltig geprägt, die nicht wirklich viel mit Rap zu tun haben. Das Album „21“ von Adele lief bei mir rauf und runter und Ed Sheeran hat mich als Musiker schon immer beeindruckt und in meiner Musik beeinflusst. Das kam aber erst etwas später, mit 19 oder 20. Mittlerweile bin ich nicht mehr genervt von dem Vergleich, sondern es ist mir einfach etwas egal geworden. Als das Interview entstand, war ich noch etwas jünger und wollte unbedingt als eigenständiger Künstler akzeptiert werden. Wenn jetzt einer sagt „Ah, der klingt wie Eminem„, dann ist das halt so.

Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn du deinen Song „Intro“ beim Spiel von EA Sports „Madden NFL“ hörst?

Es fühlt sich sehr cool an. Der Track hat Energie und geht nach vorne, das passt ja zum Sport, weil man oft Musik hören will, die einen antreibt. Football ist sehr populär und ich war sehr dankbar. Das war ein richtig cooler Moment.

 

 

 

 

 

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