Start Blog Seite 3297

„Mehr als 7000 beim splash!“

0
Was das Fortbestehen und die gefühlt stetig sinkenden Zuschauerzahlen des ehemalig größten Hip Hop Festivals Europas angeht, wird seit Jahren gemunkelt. Jedes Jahr wird aufs Neue vermutet, ob das alles auch im kommenden Sommer in der bisherigen Form stattfinden wird und auch die stetig an Beliebtheit gewinnende Veranstaltungskonkurrenz in Form des Open Air Frauenfeld oder des Hip Hop Kemp vereinfachen die Situation für das krisengeplagte splash! nicht.

Schon seit 2006 werden im Gegensatz zu anderen Festivals dieser Art keine offiziellen Besucherzahlen mehr veröffentlicht, was die Zuschauerschwunds-Spekulationen noch mehr anheizt. Aus dem Veranstaltungsumfeld hieß es von einer nicht näher benannten Quelle, dass in diesem Jahr lediglich 7000 Hip Hop Begeisterte den Weg zum neuen Gelände in Ferropolis gefunden haben sollen, dies dementierten die Verantwortlichen nun allerdings gegenüber rap.de.

So sollen sich die Zahlen "analog zu 2008" verhalten, damals kursierte das Gerücht, es wären 12000 Besucher nach Pouch gereist. Insgesamt sei man außerdem "sehr zufrieden" mit dem diesjährigen Verlauf des Festivals, welches im nächsten Jahr definitiv stattfinden wird. Austragungsort ist auch dann wieder das eigentliche Melt-Gelände in Ferropolis.

Für Impressionen vom splash! 2009 checkt unseren ultimativen Nachbericht, jetzt auch mit noch mehr Videos und Fotos. Unser gesamtes spektakuläres Material mit viel Rap, viel Alkohol und viel nackter Haut gibt es in den kommenden Tagen.

Icke & Er

0
Berlin im Jahre 2009. Die Entsolidarisierung der Gesellschaft schreitet voran und Finanzsenatoren schreiben ALG II Empfängern vor, wie man sich von 2 Euro am Tag gesund ernähren kann. Das ist super und gilt als existenzielle Grenzerfahrung, wenn man das mal einen Monat durchhält. Aber ein Leben lang?
Icke & Er, das Fantasieduo aus Berlin-Spandau sind selbst vielleicht gar nicht davon betroffen, aber man muss auch nicht jede Suppe selbst auslöffeln, um zu wissen, dass Spülwasser scheiße schmeckt. Aus diesem Grund organisieren die beiden am 19.07.2009, in der Zitadelle Spandau eine Benefizgala, deren Einnahmen der Berliner Tafel zugute kommen, einer Organisation, die stadtweit Essen einsammelt und dieses dann wiederum an Bedürftige verteilt. Und das sind mehr als man denkt. 
Für uns dann ebenfalls ein Grund, mit Icke & Er ein Interview zu führen.  Übrigens das erste Live Interview, seit 1992, weswegen wir uns dann doch ein bisschen cool fühlen.

rap.de: Wir haben heute eine Premiere. Das erste Liveinterview mit Icke und Er. Wie kommt es, dass ihr jetzt langsam aufbrecht? Es war ja neulich schon eine große Pressekonferenz mit großen Pressevertretern. War ja bislang immer so ein kleines Versteckspiel mit Video und Interviews, man musste die Fragen zu euch schicken und dann habt ihr geantwortet. Wie kommt die neue Offenheit?

Icke: Wir haben unsere Karriere beendet, weißt du ja selber. Danach hat sich ja auch deine Plattenfirma verabschiedet, als wir nicht mehr da waren. Wir waren ja, sag ich mal, das Zugpferd des Labels. Wir hatten ja nie wirklich Bock auf Interviews und Journalisten kennen lernen. Aber dich kennen wir ja schon und außerdem geht es um die Sache. "Ein Hartz für Berlin“. Und dafür spalten wir unsere Prinzipien auf, damit das maximal gut wird.

rap.de: Okay, um was geht es bei "Ein Hartz für Berlin“?

Icke: "Ein Hartz für Berlin“ ist eine große Spendenkonzertgala, die wir zusammen mit unserem alten Nachbarn Bela B. ins Leben gerufen haben. Wir haben uns gedacht, dass die Welt zu retten schön und gut ist, aber wir fangen erst mal mit Berlin an. Hier gibt es ja auch genug zu retten. Dann haben wir uns überlegt, was wir machen und haben dann einfach mal die Leute, die wir bereits kennen gelernt haben in unserer kurzen Karriere, kontaktiert. Wir sind ja jetzt auch noch nicht so lange dabei, sind auch keine richtigen Stars geworden, aber wir haben so richtige Stars kennen gelernt. Unter anderem Bela B. oder sido oder K.I.Z. Anfang des Jahres hatten wir die Idee und dann haben wir die alle angerufen, haben gesagt "Wir wollen ein Konzert machen, also alle hinkommen und umsonst spielen und am Ende gibt es ordentlich Kohle für einen guten Zweck.“ Zum Beispiel jetzt für die Berliner Tafel. Das ist "Ein Hartz für Berlin“.

rap.de: Die Veranstaltung? Oder soll das eine Bewegung werden? Heutzutage gründet man ja nicht nur Labels, sondern man gründet Bewegungen.

Icke: Bewegung wäre schön, aber das kann man nicht vorher wissen. Wir fangen jetzt an mit einer Veranstaltung, die, sag ich mal, magisch sein wird. Ohne jetzt zu viel zu verraten. Aber es wird sehr magisch werden, weil da Sachen passieren, die sonst noch nirgendwo passiert sind.

rap.de: Was könnte das sein? Weil magisch ist ja auch sehr schwammig.

Icke: Magisch ist schwammig, wenn man nicht sehr fantasiebegabt ist. Wie du beispielsweise oder auch andere. Aber für dich und auch alle anderen werde ich es versuchen zu erklären: Es geht darum: Peter Fox, Michael Hirte, K.I.Z., sido, Bela B., The Schreck Pistols und noch ein paar geheime Acts. Die haben ja irgendwie alle schon mal zusammen Musik gemacht, aber das noch nie irgendwo aufgeführt. Dies so als kleiner Hinweis…

rap.de: Also wird eine richtige Jamsession von allen die mitmachen angestrebt. Und eine Hymne entsteht: "Heal The World“.

Icke: Ja, "Heal The World“ jetzt gerade aus gegebenem Anlass nicht. Aber wir haben die Idee einer großen Hymne, wo auch gerne gepfiffen werden darf. (pfeift "Wind Of Change“) Ich will nicht zu viel verraten.

rap.de: Es war ein Kommentar auf rap.de zu lesen, in dem stand, dass solche Veranstaltungen das Feigenblatt des Kapitalismus seien. Also quasi Entsolidarisierung der Gesellschaft, das Kapital wandert ab, die großen kümmern sich nicht mehr, Hartz IV wird ausgezahlt. Könnt ihr diese Kritik nachvollziehen, dass solche Veranstaltungen zwar versuchen, die Symptome zu lindern, aber die Ursache nicht?

Icke: Absolut, absolut. Das ist eine Kritik, die wir verstehen und die äußern wir teilweise auch selber. Wir hatten um ganz ehrlich zu sein im Januar noch die Idee, Großkonzerne mit einzubinden. So dass wir sagen "Tachchen Herr Volkswagen, wir machen da was, gib doch mal 50.000€ rüber.“ Das ist ja nicht so viel für Herr Volkswagen oder Herr Porsche. Wobei, für Herr Porsche ist glaube ich jede Mark grade zu viel. Aber vom Prinzip her hatten wir schon die Idee, Großkonzerne mit einzubinden. Aber das hat überhaupt nicht funktioniert. Die wollten nicht. Die haben zwar gesagt, die könnten nicht, aber die wollen nicht. Dann haben wir uns gedacht "Okay, vergiss die Konzerne, wir machen das von uns aus, von unten aus. “ Deswegen ist es jetzt so, dass jeder, der für 28 Euro eine Karte zuzüglich Vorverkaufsgebühr erwirbt, zum Hauptsponsor der Veranstaltung wird. Der wird dann auch eine Urkunde oder einen Button oder sowas bekommen und wie gesagt, wir wollen nichts kaschieren, wir wollen Spaß haben. Diese Veranstaltung ist nämlich in zwei Teile geteilt. Das ist einmal der Spaß-Teil, die Veranstaltung an sich, in dem ein Jahrmarkt der guten Laune vorherrschen wird. 

rap.de: Was macht Er da?

Icke: Er macht eine weitere Premiere. Wie ich das ganz richtig sehe für das deutsche Internetfernsehn. Er spritzt sich live vor der Kamera Heroin. Das stimmt natürlich nicht, aber ich hab dich kurz zusammenzucken sehen. Heroin ist sag ich mal das Ketamin der Saison. Das Pilates 2009 ist Heroin. Ich hab damit aufgehört, aber Er ist. wie vielleicht der ein oder andere weiß. Diabetiker. Eine lebenslange Krankheit, die viele Fragen auch aufwirft. Die haben wir auch in einem kleinen Diabetikerführer mal beantwortet. Und jetzt wird Er sich live vor der Kamera spritzen. Er tut es gerad…

Er: Mach jetzt nicht so ein Ding draus.

Icke: Ja, mach ich auch nicht. Aber das ist quasi Insulin und das muss er sich mehrmals am Tag spritzen, sonst bekommt er rote Augen wie ein Kaninchen, oder fällt einfach um und redet noch weniger.

rap.de: Ist das dann unangenehm für dich?

Icke: Das wäre dann unangenehm für mich. Aber um nochmal zur Ausgangsfrage zurück zu kommen: Es ist erst mal Spaß, den wir da haben in den drei Stunden, und es hat aber auch diese gewisse Ernsthaftigkeit. Weil das Geld, was dabei rumkommt, ganz ernsthaft genutzt wird. Das bekommen die Tafeln und die kaufen sich neue Autos davon, weil alle Autos, die die haben, besitzen rote Kennzeichen und die müssen sie am Ende des Jahres abgeben. Deshalb hoffen wir, dass die Leute kommen und sich auch ein Ticket kaufen, damit die Tafel dann auch neue und schöne Transporter haben. Das ist natürlich was sehr reelles.

rap.de: Wie sieht es mit der Kritik aus? Besteht die Idee noch, den Hartz IV Empfänger des Jahres zu küren?

Icke: Wir hatten die Idee, den Hans Hartz der Vierte Award auszurufen, um einfach Leute dazu bewegen sich zu bewerben, die Hartz IV Empfänger sind, die aber was ganz besonderes machen. Leute, die ganz ausgefallene Hobbys haben oder Leuten in der Nachbarschaft helfen, Fahrräder für Kinder zusammenschrauben oder was weiß ich. Das war aber eine von den vielen Ideen, die wir einfach nicht mehr geschafft haben. Wir haben den Hans Hartz der Vierte Pokal schon zuhause stehen und wollten das mit einem Medienpartner zusammen auslosen. Aber dieser Medienpartner hat sich jetzt nicht gerade mit Ruhm bekleckert und dann ist das leider nach hinten über gefallen. Aber die Grundidee, dass wir dem Begriff Hartz auch eine gewisse Würde verleihen wollen, daher auch der Name "Ein Hartz für Berlin“, ist natürlich geblieben. Leute, die Hartz IV beziehen, sind davon natürlich genervt und Hartz IV finden wir auch nicht gut, aber trotzdem kann jemand, der Hartz IV bezieht, ja seine Würde haben und etwas Gutes machen.

rap.de: Ist der Austausch zwischen euch beiden eigentlich wichtig?

Icke: Auf jeden Fall. Viele Leute verstehen das nicht. Fragen "Was ist los mit Er, warum redet der nie?“, aber Er ist einfach einer der sorgfältigsten Beobachter, die ich kenne. Und ich neige persönlich, der ein oder andere, der mal auf einem Konzert von uns war, wird das auch wissen, zum Faseln. Und immer, wenn ich das Gefühl habe, ich fasel zu viel, dann guck ich rüber und hol mir den Abgleich von Er. Und eben meinte Er, ich soll nicht so viel faseln. Er macht immer auf intellektuell.

Er: Das wollt ihr ja auch.

Icke: Auf jeden Fall.

rap.de: Wir wollten das doch auch Maischberger- mäßig aufziehen.

Icke: Genau, also ich bin Helmut Schmidt und du bist Sandra Maischberger.

rap.de: Sandra Maischberger wohnt in meiner Nachbarschaft.

Icke: Da hast du dir wohl den ein oder anderen Kniff abkieken können.

rap.de: Der ausgeschiedene Finanzminister Herr Sarrazin hat Hartz IV Empfängern vorgerechnet, wie sie mit Hartz IV gut leben können. Was haltet ihr von diesem zynischen Kommentar?

Icke:  Zynisch, du hast es ja schon gesagt. Das ist genauso wie Berlusconi, der da durch das Erdbebengebiet in der Provinz fährt und sagt “Kinder, seht es doch einfach mal als schönen Camping Urlaub. Früher haben wir auch gezeltet.“ So was ist natürlich Kokolores. Der Kollege hat ja glaube ich vier Wochen nach Hartz IV gelebt und hat sich dann ein Rezeptplan zusammen gestellt. Das ist natürlich gestört. Ich würde mich so was nicht trauen und an seiner Stelle hätte ich mich so was auch gar nicht getraut. Kein Wunder, dass den keiner leiden kann, uns da mal alle eingeschlossen.

rap.de: Lebt ihr von Hartz IV?

Icke: Nein. Lustigerweise wurde das, als wir mit “Richtig Geil“ unseren kurzen Moment des Ruhmes hatten, sehr oft über uns geschrieben. “Die Hartz IV Rapper aus Spandau“, weil das vielleicht auch nahe lag, da wir mit unserem Kleidungsstil jetzt nicht Haute Couture mäßig  unterwegs sind. Wir haben das jedenfalls nie behauptet und es ist auch Gott sei Dank, ich sag jetzt mal Toi, Toi, Toi, nie passiert. Es interessiert uns natürlich trotzdem, denn jeder, der sich ein bisschen mit der Materie beschäftigt, weiß, es dauert genau ein Jahr und dann bist du da angekommen. Die Fallhöhe ist durch diese Hartz Gesetzte auf 365 Tage reduziert worden und das ist etwas, was ich persönlich sehr traurig finde.

rap.de: Was würdet ihr statt Hartz IV befürworten? Macht ihr euch über große, grundlegende Veränderungen Gedanken?

Icke: Nein, ein guter Arzt weiß, wann er sagen muss “Keine Ahnung, ich überweise sie an den Kollegen“. Das macht einen guten Arzt aus. Ich kann ein paar Sachen ganz gut, aber jetzt einen großen Plan machen, wie man 835 Milliarden Euro im Sozialhilfe Fond umverteilt, da musst du schlauere Leute fragen.

rap.de: Eine große Berliner Tageszeitung hat sich sehr darüber aufgeregt, dass ausgerechnet ihr diese Veranstaltung macht, weil ihr doch die Lügenrapper seid. Es hat sich so gelesen, als hätte sich der Journalist persönlich angesprochen gefühlt, weil ihr ja eine Maskerade macht, euch verkleidet und nicht ihr selbst seid. Warum interessiert das die Leute so sehr, wer ihr wirklich seid?

Icke: Das ist genauso, wie wenn du im Garten stehst und die Kirschen hängen genau einen Meter zu hoch, so, dass du nicht rankommst. Wie fühlst du dich dann?

rap.de: Gut!

Icke: Nein, du fühlst dich nicht gut. Du möchtest an die Kirschen und kommst nicht ran und genauso ging es wahrscheinlich dem Kollegen von der Berliner Boulevardzeitung. Natürlich war uns das klar, dass das die Leute reizt, im Positiven wie im Negativen. Wenn wir jetzt nicht sagen "Das ist Erwin Konnopke, mein Name ist Karl Heinz Paschulke, Sozialversicherungsnummer, steuerpflichtig da und da, das sind wir.“ Also das, was jeder normale Star macht, bis auf die Steuernummer. Das hat ihn geil gemacht und das hat ihn auch aufgeregt. Der saß auch bei unserer Pressekonferenz und hat Sachen gefragt. Der war eigentlich ganz normal, wie die anderen Reporter auch. Alle haben dann am nächsten Tag was Gutes geschrieben, von wegen “Gute Idee, toll, alle machen mit“ und er schreibt am nächsten Tag “Die Rückkehr der Lügenrapper. Sie haben uncoole Baseballkappen auf“. Was ist denn daran uncool? Ich hab vor allem gar keine. Da geht es schon mal los. Schlecht recherchiert und persönlich betroffen, also für mich ist das ein Verwirrter. Im Prinzip hat das die Leute schon ein bisschen angepisst, dass sie nicht wissen, wer das ist und wer dahinter steckt, aber ganz im Ernst, uns ist das vom Prinzip her total egal.

rap.de: Als Phänomen ist es doch völlig unerheblich, woher ihr kommt.

Icke: Genau, das ist auch genau unsere Einstellung. Icke und Er kann jeder sein. Jeder kann Icke und Er sein. Du bist Icke, ich bin Er, das ist unser Prinzip. Das ist keine Hexenwirtschaft, die wir hier betreiben oder Wissenschaft oder sonst was. Wenn man es ganz hoch hängt, kann man auch von einer Demokratisierung des Startums sprechen.

rap.de: Wer ist denn Icke und Er, wofür soll das stehen?

Icke: Erstens sind das wir, zweitens steht es für "Mach es einfach“. So wie unsere ganze Karriere in Anführungsstrichen. Oder jetzt auch unser Festival. Wir haben es einfach gemacht. Wir hatten die Idee, wir hatten die Möglichkeiten, wir haben es einfach gemacht. Jut is.

rap.de: Du müsstest glaube ich ganz kurz noch mal erklären, wer die Berliner Tafel ist, und was die genau machen.

Icke: Die Berliner Tafel ist vom Prinzip her, und deswegen sind wir auch mit denen zusammen, “Mach es einfach“ in Reinform. Da war diese eine Frau, mit der wir oft die Pressekonferenz zusammen gemacht haben. Das ist die Gründerin der Berliner Tafel. Die hat sich gedacht, in Berlin, werden jeden Tag so und so viele Tonnen Lebensmittel weggeschmissen, vom Kaisers, vom Catering oder was weiß ich. Es ist doch Quatsch, dass das weggeschmissen wird, wenn es Leute gibt, die nicht genug zu essen haben. Die gibt es in Berlin und in ganz Deutschland, die nicht genug zu essen haben. Das muss man auch einfach mal so sagen. Sie hat dann die Idee gehabt, man könnte das doch einsammeln, sortieren, die verfaulten Birnen weg, die guten raus und dann verteilen in Berlin für umsonst oder ganz, ganz, wenig Geld. Mit der Idee hat sie angefangen und mittlerweile gibt es um die 180 Tafeln in ganz Deutschland, die etwa vier Millionen Leute täglich mit Essen versorgen. Das war ihre Idee und die hat so eine Rutsche gemacht. Das ist wirklich “Mach es einfach“ in seiner Reinform. Wir haben die kennen gelernt die gute Frau, die wirklich eine beeindruckende Person ist, das muss man wirklich sagen und haben uns sofort gedacht, das ist unser Partner für die Veranstaltung. Da gab es gar keine zwei Meinungen.

rap.de: Schockiert es euch, wenn ihr hört, dass in Deutschland vier Millionen Menschen von so was leben?

Icke: Absolut, deswegen auch Berlin. Denn zum einen ist Berlin für uns am nahliegendsten und zum anderen sind 17 Prozent der Menschen in Berlin Hartz IV Empfänger. In Bayern sind es 3 Prozent, um mal kurz das Spannungsverhältnis in Deutschland auf den Punkt zu bringen. Das ist wirklich schockierend. Die Frage ist halt, wie man da wieder raus kommt.

rap.de: Jetzt wurde euch angedichtet, dass ihr Familienväter seid. Stimmt das?

Icke: Nein, das stimmt nicht. Wir haben nur mit einem Kollegen von der Berliner Zeitung ein sehr nettes Telefon Gespräch gehabt und der musste sich nebenbei immer noch um seine Tochter kümmern, beim Telefoninterview. Dann meinte er, dass er noch einkaufen muss, und da meinte ich, “Ja, das verstehe ich“. Ich habe quasi nur Verständnis geäußert. So wurden wir dann Familienväter. Genau wie wir auch die Hartz IV Rapper waren, weil wir Verständnis geäußert haben.

 

rap.de: Jetzt ist aber das Problem, dass diese 17 Prozent Hartz IV Empfänger mehr Kinder kriegen, als Leute mit akademischen Abschlüssen oder Ausbildungsberufen, sprich es wird bald noch mehr Hartz IV Empfänger geben. Wo führt das hin? Ihr habt ja mal einen schönen Song gemacht, “Das Ende Der Welt“.

Icke: Das war ja weniger über Hartz IV, sondern da habe ich mal schlecht geträumt und hatte Katastrophen Fantasien, von wegen das Brandenburger Tor wird von einem Tornado weggefegt und über den Potsdamer Platz geschleudert. Das war eher ein klassischer Katastrophen Film auf der Tonspur. Wo das in Deutschland mit den Hartz IV Empfängern, beziehungsweise mit der Unterschicht, hingeht, weiß ich nicht. Ich bin mir nur sicher, dass wir in Deutschland ein Oberschichten Problem haben. Das ist das Problem, was wir, wie ich finde, noch gar nicht richtig diskutiert haben. Die Oberschicht macht ja viel mehr Trouble. Ich sag nur Zumwinkel zum Beispiel. Die machen viel mehr Quatsch und schaden auch viel mehr, als Jenny aus Neukölln, die mit 17 schon das dritte Kind hat.

rap.de: Wenn die Landesbank Nordrhein Westfalen Milliarden in den Sand setzt, sind mir aber die Millionen, die dieser Zumwinkel nach Luxemburg verschifft hat, auch scheißegal.

Icke: Aber wer versenkt denn die Milliarden? Das ist die Oberschicht, ganz klar. Das sind ja keine Menschen, die selber unter Hunger leiden, oder nicht wissen, wie sie ihre nächste Rate bezahlen sollen. Die Elite ist unser Problem.

 

rap.de: Habt ihr Interesse an so einer Elite-Debatte? Dass sich eben Eliten weitervererben, wie sich auch Hartz IV weitervererbt?

Icke: Na ja, tut es doch schon immer. Wenn ich richtig informiert bin, ist es in Deutschland am schwierigsten, in die Elite vorzustoßen, wenn man nicht aus der Elite kommt. Die Durchlässigkeit von unten nach oben scheint in Deutschland sehr viel weniger vorhanden zu sein, als in anderen Ländern. Auch wenn das durch die Hartz-Gesetze jetzt eine ziemlich schmissige Dynamik angenommen hat.

rap.de: Ihr seid ja aus Spandau über MySpace in so eine Art Pop-Elite vorgedrungen und…

Icke: … wieder abgehauen.

rap.de: Das war großartig. Das war einer der besten ´“Ich hör auf“-Songs, die es gibt. Warum habt ihr euch dafür entschieden?

Icke: Wir haben ja nicht entschieden, dass wir da jetzt rein möchten, sondern es ist einfach mit uns passiert. Man bleibt ja auch nicht auf einer miesen Party. Wenn du auf einer schlechten Party bist, nimmst du vielleicht die drei Gratisdrinks mit und siehst dann aber zu, dass du Land gewinnst. Vom Prinzip her, war das bei uns und der Musikindustrie genau so. Wir haben uns ja nicht drum geprügelt, da rein zu kommen, das ist einfach so passiert. Plötzlich waren wir bei einer Major-Firma und haben Gespräche mit Großindustriellen von Sony geführt und nach 18 Monaten hat uns das gereicht. Da wird man wirklich wahnsinnig, das ist nur Kokolores, der da verhandelt wird. Musik machen ist eine Sache, das machen wir ja auch nach wie vor, aber die Musikindustrie muss überhaupt nicht sein. Deswegen haben wir eine Tour gemacht, um uns noch mal persönlich von allen zu verabschieden, die uns während der Zeit begleitet haben, und das war auch eine der schönsten Erfahrungen, die wir bisher so hatten. Sogar Er fand das gut. Da habe ich mir vorher schon Sorgen gemacht, ob er das gesundheitlich oder psychisch schafft, sich da so zu exponieren. Gerade vor den ganzen Leuten, aber irgendwann habe ich das Gefühl gehabt, dass Er das auf seine sehr eigene Art dann doch genießt. Dann war Exit und da war auch gleich alles viel ruhiger.

rap.de: Kannst du konkreter sagen, was da so alles Kokolores war?

Icke: Natürlich nicht, ich habe das meiste auch schon wieder vergessen. Das ist das Dankbare, an meinem Siebgedächnis, dass ich mir nur die schönen Sachen merke – wie so eine alte Frau. Den ganzen Quatsch verdränge ich, dafür hat uns der liebe Gott ja auch mit der Gabe der Verdrängung gesegnet. Vom Prinzip her sind das aber Typen, mit denen du plötzlich rumhängst, mit denen du sonst nie rumhängen würdest. Die reden mit dir und du verstehst nur die Hälfte. Da macht man sich wirklich keine Vorstellungen von. Ganz im Ernst: Ich habe da auch nie so wirklich zugehört. Ich habe immer gesagt "Ja, macht mal“, meinen Anwalt alles überprüfen lassen und dann einfach mein Autogramm drunter gesetzt. Das Bild von vorhin ist da wirklich am zutreffendsten: Das ist eine schlechte Party und wenn du da zu lange zugange bist, bleibst du vielleicht hängen. Und das kann nun wirklich keiner wollen.

rap.de: Trotzdem wollen da sehr viele Menschen hin und ihr geht freiwillig wieder raus.

Icke: Antitypisches Verhalten, was meine Mutter mir schon früh beigebracht hat. Nicht mit dem Strom schwimmen.

rap.de: Hat deine Mama dir beigebracht?

Icke: Ja, eine sehr schlaue Frau, der ich sehr viel zu verdanken habe. Unter anderem auch diese einfachen Lebensweisheiten.

rap.de: Musik machen wollt ihr aber schon?

Icke: Das machen wir ja sowieso. Das ist für uns so wie Aufstehen, Kaffeetrinken, Zähneputzen. Man wird auch immer wieder was von uns hören. Bei unserem Festival "Ein Hartz für Berlin“, für das ich übrigens schon lange keine Werbung mehr gemacht habe, werden wir auch den ein oder anderen bisher unbekannten Track performen.

rap.de: Jetzt ist ja Musik machen ohne die Musikindustrie schon ein brotloses Geschäft. Ihr wollt aber auch nicht davon leben, oder?

Icke: Nö. Wir sind ja vorher auch schon gut zurecht gekommen und diese 18 Monate sind jetzt eine Episode in unserer jeweiligen Biografie, die sehr aufregend und sehr schön war. Es ist jetzt aber auch schön, dass sie wieder vorbei ist und wir kommen auch so gut zurecht. Ich brauche auch keine Millionen oder Fame, um jetzt zu deiner Frage "Wer seid ihr wirklich?“ zu kommen. Ich muss das nicht haben, dass ich über die Straße gehe und die Leute sagen "Icke, Alter, allet jut?“ oder "Icke, Alter, ick hau dir auf die Fresse.“ oder "Icke, Alter, willst du mein Kind aufziehen?“. Ich brauche diese Prominenz nicht. Wir haben ziemlich viel Prominenz kennen gelernt und muss wirklich sagen: Erstens haben die ziemlich viel zu tun. Da macht man sich wirklich keine Vorstellung von, jetzt mal so an alle, die da unbedingt reinwollen. Das ist richtig harte Arbeit, alleine was Bela B. alles so macht. Respekt. Auf der anderen Seite hat man ja auch einfach mal gerne seine Ruhe. Alles andere macht blöd auf die Dauer. Dieses gesamte Business macht dich krank und irgendwann glaubst du selbst, dass du der Nabel der Welt bist. Als Star lebt man irgendwie in seiner Blase und denkt wirklich, dass sich alles nur um einen selbst dreht. Das kann ja nicht sein. Wir treffen jetzt übrigens gleich noch Klaus Wowereit, der Schirmherr unserer kleinen Veranstaltung ist. Da wurden wir von der TAZ gefragt, was das soll und warum jetzt Herr Wowereit.

rap.de: Der steht doch für die Politik, weil rot-roter Senat.

Icke: Genau und man muss ja auch einfach mal sagen, dass er Berufspolitiker ist. Wir haben uns aber sehr gefreut, dass er als Schirmherr unsere Veranstaltung betreut, weil wir eben nicht nur Hip Hopper da haben oder Leute, die auf Indie-Rock stehen. Wir wollen natürlich ganz Berlin damit ansprechen und deswegen fanden wir es sehr wichtig, dass jemand dabei ist, der vom Prinzip her ganz Berlin repräsentiert. Und das tut er ja durch seine Funktion als Bürgermeister.

rap.de: Wir bedanken uns für das Interview.

Tattoos gegen Filmkarriere

0
50 Cent, seines Zeichens Hans Dampf in allen Gassen, sprich Modedesigner, Vitaminsafthersteller, Verlagsbetreiber, manchmal auch Rapper und eben Schauspieler, möchte zugunsten letzterer Tätigkeit einen Teil seiner Persönlichkeit opfern. Im prüden Hollywood sind Tattoos nach wie vor eher ungern gesehen, weshalb Curtis den Körperschmuck an seinem rechten Arm nun entfernen lies. Grund dafür ist scheinbar der massive Zeitaufwand, der benötigt wird, um die bunten Bildchen für die Kamera verschwinden zu lassen.

“I took some of the tattoos off because on the movie set, if we got a six o’clock call time, I have to be there two o’clock the night before,”  So der Rapper gegenüber allhiphop.com. “I gotta go through four hours of make up before we go ahead and play the role. So, I just took it off my arm. My right arm."

Mr. Jackson behält allerdings seine 50 Cent Signatur im Nacken und seine “Southside Tattoos“.

Doch das G- Unit Oberhaupt entfernt nicht nur seine Tattoos, seine unmittelbare Konkurrenz möchte er am liebsten gleich mit entfernen. Wie kürzlich durchsickerte, will der Eminem Schützling sein neues Album “Before I Self Destruct“ am selben Tag veröffentlichen wie Jay- Z sein “Blueprint 3“, nämlich am 11. September. Wahrscheinlich geht es darum der Welt zu zeigen, wer der wahre King of New York ist. Wir erinnern uns zurück an die letzte 50 Veröffentlichung, als der Rapper ebenfalls ein Verkaufsbattle anzettelte, damals mit Hova Protegé Kanye West und wie wir alle noch wissen, kläglich verlor. Damals sprach der Hip Hop Geschäftsmann vom sicheren Rücktritt, falls er nicht mehr Platten verkauft als Ye.

Ob im Vorfeld wieder ähnlich großspurige Ansagen getätigt und ob jene dieses Mal auch konsequent in die Tat umgesetzt werden, wird sich zeigen
 

Prodigy bringt Autobiographie

0
Prodigy, eine Hälfte des Infamous Queensbridge Duos Mobb Deep, wird in naher Zukunft eine Autobiographie veröffentlichen. Dies postete der seit Oktober letzten Jahres in Haft sitzende Rapper in einem offiziellen Blog an seine Fans.

Das Werk wird zeitgleich mit seiner Entlassung erscheinen und neben seinen Erfahrungen im Business vor allem Weisheiten und Informationen für folgende Generationen beinhalten. Ein Autor scheint auch schon gefunden zu sein und zwar ein Creative Writer der Cartoon Serie "THE BOONDOCKS".

Prodigys Wahl fiel  auf diesen Mann, nachdem er eine Episode der Sendung sah, in der Martin Luther King Jr. parodiert wurde.  So erklärte er: "I’ve been watching the Cartoon and they got this Episode about Martin Luther King Jr. living in the new Millenium. It was the best sit I ever saw in years. Whoever  wrote that Episode is an intelligent Individual. We need more people, like that Writer, to step up and get creativ. I would like to sit down whit that Writer and build some ideas."

Weiter hieß es seitens des H.N.I.C., dass die Aktualität und Relevanz seiner Autobiographie mehr als 100 Jahre überdauern wird: "My Autobiography will be relevant 100 years from now cause its not like written some bullshit written just to sound good. People will learn from my book and can even share the information with their children."

Jedoch scheint er nicht der einzige US-Rapper zu sein, der das Patentrezept für immerwährenden Erfolg gefunden hat. Glauben wir den Worten seines Hip Hop-Kollegen Twista, so sieht auch der sich als alles andere als ein One Hit Wonder.

So erklärte er kürzlich in einem Interview: "I’m not really with continuing the trend of rating myself with numbers and first weeks and stuff like everybody else does, I survive no matter what my first week is. I’m still here eating off rap. I don’t be focusing on that. I focus on it on the business end; but, on the artistic end I don’t focus on it"

Der selbsternannte Norman Bates im Rapbusiness spielt schließlich seit mehr als 18 Jahren mit im Game, vielleicht ein Grund mehr, um über folgenden Satz nachzudenken: "That’s the one thing I learned, you’re only as big as your last hit and that mentality will keep you going hard in the game…2009 and beyond…"

Wenn das keine zeitlose Erkenntnis ist, dann wissen wir auch nicht.
 

Backspin vor dem Aus?

0
Eine, trotz der allseits bekannten Krise der Printmedien doch überraschende, Meldung, fanden wir soeben auf der Website unserer Kollegen von der Backspin. Einer öffentlichen Mitteilung nach, wird man aufgrund interner "Umstrukturierungen" noch einige Zeit auf die nächste Ausgabe des Magazins warten müssen.

Auf Backspin.de heißt es:

"Liebe Freunde.

Backspin #103 wird vorerst nicht gedruckt. Wir müssen die Zukunft des Magazins neu ausrichten und die Weichen für die nächsten Jahre stellen.

Aus diesem Grund wird es aller Voraussicht nach erst zum Ende dieses Quartals eine neue Ausgabe geben. Für Fragen zu euren Abos oder sonstigen Anliegen stehen wir euch selbstverständlich unter info@backspin.de zur Verfügung.

Auf Bald, die Redaktion."

Ob es sich hierbei wirklich nur um eine Neuausrichtung oder vielleicht sogar den entgültigen Abgang der Zeitschrift, deren erste Ausgabe vor 15 Jahren erschien, handelt, ist bis dato nicht bekannt. Wir drücken auf jeden Fall für ein Weiterbestehen die Daumen.

splash! 2009

0
Bei diesem Bericht hier handelt es sich lediglich um einen Vorboten zu dem, was euch splash!-mäßig noch alles bei uns erwartet. Von Interviews aus dem Backstage-Bereich und jeder Menge Fotomaterial, bis hin zu Videoreportagen von der Männertoilette und unseren spektakulären sowie großartigen "Schlag den YeLm"-Aktionen.
da wir aber keine Zeit verlieren und die euphorische Stimmung noch ein bisschen auskosten wollen gibt es vorab schon mal den ultimativen Festivalbericht. Impressionen von und mit der rap.de Redaktion. Rausch, Rap, Rucksackträger und Randale – wir liefern euch die umfassendste Nachberichtserstattung zum verregneten Spektakel am See.

Abfahrt und die Geschichte vom Defender

Wir treffen uns Donnerstagabend 19 Uhr, um loszufahren. Schließlich wollen wir ja die K.I.Z.  Record Release Party nicht verpassen. Schließlich sind wir ja alle schon heiß aufs Festival und schließlich ist 19 Uhr jetzt auch nicht die absurdeste Zeit, wenn man so gegen 22 Uhr ankommen möchte. Hahaha. Um 19 Uhr waren tatsächlich alle da. Mit Schlafsäcken und Zelten und Bier und Wodka. Wir haben getrunken und auf das Auto gewartet. Eigentlich wurde uns ein Landrover versprochen, doch die Frau, die uns den Jeep ausleihen wollte, war den ganzen Tag nicht zu erreichen gewesen, weswegen wir dann bei einem Bauern aus Gräfenhainichen einen Anhänger gemietet haben. Hinfahren wollten wir dann mit einem VW Bus. Als dieser dann kam, stellte sich heraus, dass wir da gar nicht alle rein passen. Zu viele Menschen. Zu viel Gepäck. Plan B? Es gibt keinen Plan B, aber die Frau mit dem Landrover meldet sich. Handy vergessen, deshalb nicht zurück gerufen und so weiter. Wir fahren hin. Es ist mittlerweile kurz vor 21 Uhr. Bis wir den Landrover verstanden haben und alles Papiere unterschrieben haben und tausend mal geschworen haben, dass wir gut auf das gute Stück aufpassen würden und überhaupt vergeht wieder etwas Zeit. Losgefahren sind wir um 22:30. Den K.I.Z. Auftritt haben wir verpasst. Dafür gab’s beim splash!-Check In einen giftgrünen Kräuterschnaps, der erst nach dem dritten Glas ganz gut schmeckte.  Es wurde ein toller Abend.

Prima MC

Nach der Donnerstag-Nacht-Weisswein-mit-Redbull-plus-Jim-Bean-pur-Eskapade steht plötzlich ein junger Mann bei unserem Camp. Völlig ruhig steht er da, bis irgendwer von uns den Fehler macht und ihn anspricht. Mit schnellen Schritten ist er in unserer Mitte, tauscht ein paar Belanglosigkeiten aus, sagt dann plötzlich den verhängnisvollen Satz „Ich bin ja auch Rapper“ und fängt einfach an zu freestylen.
Während man am Anfang noch milde lächelt, und sich denkt "Hach-HipHop-lebt-ja-auch-von-seiner-Spontanität-trotzdem-rappt-der-echt-grottenschlecht“, ist man nach zwei Minuten "Yo, ich weiss zwar nicht was ich sagen soll, trotzdem rocke ich den Scheiß bis alle sagen, toll!“ völlig entnervt und komplimentiert den hoffnungsvollen Nachwuchsrapper hinaus. Noch während er uns verlässt, rappt er vor sich hin und dreht sich immer wieder in unsere Richtung um. Wir winken, schütteln unsere Köpfe und steigen in den Bus nach Dessau, um uns an Schweinshaxen und Kohlrouladen zu laben.

Pissen am Zaun

Warum die verbesserten hygienischen Bedingungen der neuen Location nicht genutzt wurden ist uns auch drei Tage nach Beendigung des Festivals nicht wirklich ganz klar. Vielleicht ist es einfach die bloße Befriedigung eines satten Freiluftschiffs, was Abend für Abend die Massen in die Nähe unseres Wagens kommen ließ, der dummerweise in der Nähe eines Zaunes stand. Die Tatsache ungehemmt gegen einen Zaun pissen zu können, erfüllt offensichtlich weite Teile der männlichen Bevölkerung mit so viel Wohlbehagen, dass wir dem nicht entgegen treten wollten, auch vor allem, wenn mit so viel Begeisterung auf den Schwanz des Nachbarn geschielt wird. Da halten wir doch lieber drauf und dokumentieren. Dann haben wir alle was davon.

Pension und LIDL

Während der männliche Teil der Redaktion wahnsinnig maskulin und unter massivem Einsatz von Dosennahrung und Bier gezeltet hat, verschlug es die stellvertretende Chefin samt mitgereister Freundin in eine kleine Pension. Einen knappen Kilometer von der nächsten Straße entfernt und inmitten von verlassenen Schrebergärten. Während des Frühstücks erzählt die Wirtin, dass sie kürzlich Großmutter geworden ist. Bilder gibt es davon natürlich auch, der weibliche Teil der rap.de Redaktion bekommt alle zu Gesicht. Wirklich alle. Später bei LIDL werden diverse splash!-Besucher angetroffen. Man erkennt sie schon von weitem daran, dass sie ausschließlich Alkoholika einkaufen. Manche schleppen auch noch Cola und Orangensaft zum Shuttle-Bus – man braucht ja auch was zum Mischen. Vor dem Discounter sitzen vier Franzosen und beweisen, dass es im Land der kulinarischen Genüsse auch bei sintflutartigem Wetter noch lustig zugehen kann. Es wird gesungen und vor sich hinkomplimentiert, dass es eine wahre Freude ist.

Unser Stand

Zugegeben, andere Festivalteilnehmer hatten stylischere Stände, aber an keinem war so viel Spaß und Unterhaltung und Action geboten, wie bei uns. Aus diesem Grund dürfte der etwas bescheidenere Auftritt locker zu verzeihen sein und auf den Spruch "Home Of The Stars“ sind wir auch stolz, auch wenn wir manchmal selber darüber lachen mussten. 

 

Aruba Stage

Auch wenn die Meinungen bezüglich der neuen Location sehr weit auseinander gehen, durfte man sich als splash! Nostalgiker vor der Aruba Stage fast wieder ein bisschen wie in Ober Rabenstein fühlen. Die Bühne lag direkt am Strand und damit am See und das Gelände war abfällig. Von oben hatte man alles fest im Blick. Man kann fast von einer Miniatur Version der alten Chemnitzer splash! Bühne sprechen.

Heltah Skeltah

Wo wir schon bei Nostalgie und der Aruba Stage sind, Heltah Skeltah! Während Sean P auf dem letzten splash! bereits einiges an Wirbel machte, gab es Ruck und Rock dieses Jahr wieder gemeinsam auf der Bühne zu sehen. "Ruck and Roll", Vielmehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.

                                                                 

Talib Kweli

Es gibt Momente im Leben, in denen man einfach nur noch resigniert nickt und sich zu schwach fühlt, um einem Geschehnis die angemessene Aufgebrachtheit entgegen zu bringen. Die Tatsache, dass Talib Kwelis Auftritt einfach mit dem von Deichkind getauscht wurde, ohne dass dies vorher ausreichend kommuniziert wurde, war kein solcher Moment. Da durfte sich gebührend aufgeregt werden. Deichkind dann aus Prinzip nicht mehr angeguckt und diese Entscheidung nach euphorischen Schilderungen der Anwesenden bereut. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass Mos Def und Q-Tip abgesagt haben.

Bobbelle und die Liebe

Es hat wohl alles irgendwo zwischen Talib Kweli und Heltah Skeltah angefangen und endete in einer Schaar von Jüngern, die einem rap.de Mitarbeiter folgten. Lassen wir uns nun eine Person, nennen wir sie Bobbelle,  vor unserem inneren Auge erscheinen: ca. 1.95m kräftige Körperstatur, kurzes dunkles Haar, hessischen Akzent und einen Blick, der die mehr als 10 Bier und diverse Mixgetränke deutlich erkennen ließ.
Diese besagte Person beabsichtigte, neben einem unbeschreiblichen Spaßfaktor für den Beobachter, tatsächlich, die Liebe auf das splash! Festival zurück zu bringen.
Da unsere Community aktuell hauptsächlich Hass zu beinhalten scheint, begab sich Bobbelle in die von Gangsterrap geprägten Abgründe der vermeintlichen Hip Hop Fans auf die Odyssee seines Lebens. Jeder, egal welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Geschlechts, wurde im starkstromalkoholischen Zustand mit einem heroischen Schrei der LIEBE beglückt.
Dasselbe geschah dann auch beim Auftritt von Dizzee Rascal. Inmitten eines Pogo-Kessels stand der fast zwei Meter Mann und schrie wiederholt und fordernd "Liebe!!!“ in die tobende Menge.  Danach bedankte sich der Koloss und verschwand wieder zwischen den schwitzenden Massen. 

Kralle

4:30, Samstagmorgen. Ziemlich zerstört irrt man über das Festivalgelände, während die Röhrenjeansträger-Gang die ganze Zeit von Boys Noize faselt. Unangenehmerweise geht die Sonne langsam auf. Zwei Mädchen tanzen ein bisschen verwirrt mitten auf dem Gelände, zu irgendwelchen Musikfetzen, die der Wind herweht. Man gesellt sich kurz zu ihnen und hält ein bisschen Smalltalk. Wie aus dem Nichts erscheint plötzlich ein etwas abgewetzt aussehender Typ, der Flyer verteilt. Seine etwas unangenehme Aura verscheucht sofort die Mädchen, die sich vorher mit uns unterhalten haben. Beim Betrachten des Flyers stellt sich raus, dass es sich um einen Berliner Rapper handelt, der vor geraumer Zeit einen etwas größeren Skandal aufgrund eines etwas dummen Lieds hatte, da sich er und sein Rapper-Kumpel an der sexuellen Ausrichtung einiger Menschen stießen. Er fragt nach einer Zigarette, im Gegenzug fragen wir ihn nach diesem Lied. Schwer getroffen hält er eine imposante Verteidigungsrede, die nur aus einem Satz besteht. "Wir sind keine Schwulenhasser, wir wollen Party machen!“ Dazu kann man dann nichts mehr sagen. Wir verabschieden uns, um eine weitere Nacht in einem Landrover Defender zu verbringen, während um uns herum die Sonne aufgeht und die letzten ihre Kochbananen erbrechen.

Curse redet über Kunst 

Im Morgengrauen erhebt sich die Aruba Stage aus dem Nebel und versprengte Tänzer halten noch immer aus. Ein fast poetischer Anblick. Wir unterhalten uns mit Curse über die aktuelle Finanzpolitik und das Verhältnis von Rap, persönlichen Sprachbildern und Kunst. Das ganze ist wahnsinnig spannend, endet aber ergebnisoffen mit der Feststellung, dass wir noch mehr trinken müssen. Dies wurde augenblicklich in die Tat umgesetzt in der Hoffnung, dass dies nicht der Schlusspunkt einer interessanten Diskussion war. Wenn wir uns auch nicht mehr all zu deutlich erinnern konnten. Es war herrlich. Definitiv.

  

Schweinegrippe

Samstagmorgens, an der VIP-Bushaltestelle. Leichtes Unwohlsein, verursacht durch einen Toilettenbesuch. Denn selbst nach einer sonst so desinfizierenden Dusche hat man das Gefühl, sich einen Haufen exotischer Darmkrankheiten eingefangen zu haben. Und während man also leicht gekrümmt an der Bushaltestelle steht, fahren auf einmal zwei Krankenwagen mit Blaulicht an einem vorbei. Im Fahrerraum sitzt ein Sanitäter, der komplett mit Schutzanzügen und Atemmaske bedeckt ist. Ungläubiges Glotzen. Auch der Fahrer des zweiten Wagens sieht aus wie ein Darsteller bei "Outbreak“. Ungläubige Blicke. Natürlich hat man das unangenehme Wort "Schweinegrippe“ im Kopf, als es jemand ausspricht, fühlt man sich gleich noch ein bisschen schlechter. Hätte man gestern wirklich mit diesem Assi-Jungen mit dem Lippenpiercig aus einem Becher trinken sollen? Hat man die Luft angehalten, als diese Dreadlock-Schnappe einen zugequatscht hat? Hat die nicht auch immer so röchelnd gehustet? Auf dem Gelände erzählen wir erst mal allen, die wir treffen, von der unheimlichen Begegnung. Geteiltes Leid und so. Den ersten Wodka an diesem Tag wird tatsächlich mit dem Gedanken, "Alkohol desinfiziert!“ getrunken. Nach dem Vierten ertappen wir uns dabei, wie wir einen Assi-Jungen mit Lippenpiercing erklären, dass es an unserm Stand keine Geschenke gibt. Sind das da Schweiss-Perlen auf seiner Stirn?

Warten auf den Shuttle-Bus

Das Warten auf den Shuttlebus in Gräfenhainichen hingegen gestaltet sich wenig überraschend sehr ermüdend. Nur eine Frau aus dem Mehrfamilienhaus gegenüber der Haltestelle hat ihren Spaß. In feinster Dorf-Klatschweib-Manier hängt sie eine gefühlte Dreiviertelstunde aus ihrem Küchenfenster und starrt die Festivalbesucher an. Man munkelt, dass sie dabei nicht einmal geblinzelt hat. Auch ihr Mann gesellt sich für kurze Zeit dazu, beweist aber weniger psychopathisches Durchhaltevermögen. Als der Bus endlich da ist, findet man sich zwischen wahnsinnig vielen, wahnsinnig schwer bepackten Menschen wieder. Schnell wird klar: Der Großteil der Männer schwitzt bereits Wodka.

Meet and Greets

Weil wir unser splash!09-Motto "rap.de – Home Of The Stars“ heimlich doch ein bisschen ernst meinen, gab es natürlich auch das ein oder andere Meet and Greet an unserem Stand respektive dem Auto. Nach leichten Anlaufschwierigkeiten bei Casper am Freitag, geriet das Ganze spätestens bei Prinz Pi, der auf dem Jeep "Keine Liebe“ performte und sich danach der wartenden Menge zuwandte, so richtig ins Rollen und lief bei Fiva MC, Marteria und Olli Banjo nahezu problemlos ab. Nur Curse ließ ein bisschen auf sich Warten, was den YeLm dazu nötigte, die gierige Meute mit Kasperle Theater Spielchen a la "Jetzt rufen wir ihn alle mal gemeinsam. Er hat gesagt, dass er nur kommt, wenn ihr gaaaanz laut seinen Namen ruft. Köhööörs!“ hinzuhalten.

In-Look 2009

Auch wenn das Style-Bewusstsein der meisten Festivalbesucher stark zu wünschen übrig ließ, manche Menschen haben sich doch noch in Schale geworfen für das ehemals größte Hip Hop Festival Europas. Das wissen wir zu schätzen und besonders bei diesem Traum in Grün kommen wir ins Schwärmen. Wir sagen, weiter so.

Körperdusche inklusive temporärer Amnesie

Eines der Highlights schlecht hin war die Dusche am vergangenen Samstag. Ein Mitarbeiter, der weder wusste, wie er am Abend davor vom Festivalgelände auf den Zeltplatz gekommen ist oder was er am vergangen Abend getan hatte, erhielt diesbezügliche Hilfe von freundlichen Nachbarn und das sah in etwa so aus: “Na moin, bist du der, der gestern Abend bei uns gepennt hat? – “Nee man, ich hab in meinem eigenen Zelt geschlafen.“ – “Alter verarsch mich nicht, wir haben dich doch gestern vom Gelände mitgenommen.“ – “Echt jetzt?“  “Ja, wir haben dich auf einen Stuhl gesetzt und du hast noch zwei Sätze geredet und bist eingeschlafen“ – “Vegiss es, daran könnte ich mich doch erinnern“. Nach dem ihm das Beweisfoto vorgelegt wurde, ging er beschämt duschen.

Wasted German Youth 

Backstage und VIP Party. Das hört sich alles saugut an, ist aber im Endeffekt auch nicht anders als die Schulabschlussparty vom letzten Jahr. Vor allem sind die Ergebnisse stets dieselben. Wasted German Youth und wir haben eine kleine Auswahl für Euch zusammengestellt, damit ihr wisst, was ihr verpasst habt und euch ärgert. Denn nachmachen, zu hause, kann man diesen Quatsch leider nicht, oder ist in Eurem Dorf die Farbkombination Gelb-Grün, in dieser Saison etwa in Mode? Wir wollen es nicht hoffen, aber auf dem splash! hat es funktioniert. Und zwar richtig gut und bis halb 7 Uhr morgens, auch wenn manch anderer das gar nicht mehr so richtig mitbekommen hat. Selber Schuld. 

Kaas featured Major Tom

Kaas hat auf seiner niemals endenden Liebesmission dieses Jahr auch auf dem splash!-Festival Halt gemacht und neben jeder Menge Seifenblasen und einem talentierten Background Tänzer, (Der einen nahezu perfekten Kaas getanzt hat)  einige Remixe aus der Euro Trash und Neue Deutsche Welle Fraktion dabei gehabt. Die wunderbar am See gelegene Abura Stage war Austragungsort der “Kaasiade“ und auf den Plätzen drei, zwei und eins gab es für die rund 100 Mann nur einen Sieger: Kaas. Selbst die Orsons waren vertreten, jedoch “leider“ nur als Zuschauer in mitten der feiernden Menge. Kaas hatte sich innerhalb seines Auftritts drei Mal umgezogen, die Ghostbusters (Die die Geister der Liebe vertrieben haben) engagiert und verließ die Stage mit einem grandiosen Showdown. “Völlig losgelöst von der Erde“ flog er im “Raumschiff der Liebe“ auf einem Peter Schilling Remix von der Bühne und hinterließ restlos begeisterte Fans im Rausch der Glückseligkeit.

Wall Of Death

Die Wall of Death hat vor allen in härteren gitarrenlastigen Genres ihre Tradition. Spätestens aber seit K.I.Z und Olli Banjo finden auch immer mehr Rapfans gefallen an der Massenkeilerei auf der Tanzfläche. Das hat scheinbar auch Curse mitbekommen, denn für "Lass Uns Doch Freunde sein“, ließ der Mindener ebenfalls eine Gasse im Publikum bilden um die geteilte Menge gegeneinander anrennen zu lassen. Nächstes Jahr dann aber bitte bei "Und Was Ist Jetzt“.

Bühnenbild K.I.Z.

Es war eines der besten Bühnenbilder auf diesem splash!. Genauer gesagt, war es das einzige wirklich ausgearbeitete Bühnenbild überhaupt. K.I.Z. stahlen mit ihren Richterpulten und den "Sexismus gegen Rechts“ Fahnen im Hintergrund, der Konkurrenz die Show. Mit ihrem Auftritt sowieso, obwohl nach Curse wohl eine der größten Publikumsumwälzungen des Festivals stattgefunden haben dürfte. Diejenigen, die es dann auf den Platz geschafft haben, hatten ihren Spaß bei Riesenpimmeln, Geldregen und Schweinegrippe Desinfektion.

Unbekannter kackt in die Menge und Menge johlt

Das unglaublichste Erlebnis hatten wir dann am Samstagabend, als sich ein unbekannter, junger Mann tatsächlich auf den Platz vor der Hauptbühne hockte und zwischen die Besucher kackte. Das ganze ging so schnell, dass wir gerade noch den Fotoapparat hochreißen konnten, um das ganze bildlich festzuhalten. Es war unglaublich.
Noch unglaublicher war hingegen die Reaktion des Publikums. Nach anfänglichen ausrufen des Ekels hatte die umhersitzende Menge ihren Spaß daran, Menschen dabei zu beobachten, die auf den Kackehaufen zugingen. Verpasste der Nichtsahnende den Haufen, machte sich ein Laut der Enttäuschung breit, der einem, sich steigernden Laut der Spannung folgte, ähnlich einer Menge im Fußballstadion beim Eckball. 
Schließlich aber trat dann doch einer, volle Kanne in die Scheiße und das Publikum jubelte und johlte als wäre endlich das erlösende Tor gefallen.
Wir kamen zu dem Schluss, dass der Mensch an sich seltsam und immer bereit ist, das beste aus einer Situation zu machen. Das finden wir gut.

Taktlo$$

Nachdem der Battlerapking tagsüber bereits im Mathelehrer Outfit T- Shirts an zahlreiche willige Fans aus einer Reisetasche verkaufte, wollten abends so viele Menschen den letzten tighten Nigga sehen, dass, das Zelt wegen Überfüllung geschlossen wurde. Für die Draußengebliebenen, Drinnen gab es Plastikwaffen, Fußballtrikots und die gewohnten Punchlines des maskulinen Westberliners zu bestaunen.

Curse versöhnt sich mit Maxim

An diesem Abend schien der gute Curse ein wenig Stress anzuziehen. (siehe auch das Curse Video Interview, das demnächst folgt). Durch Fehlinterpretationen, eine missglückte Anmache des Mindeners in Richtung den K.I.Z. Freundinnen und eine anschließende unflätige Geste führten zu einer Schießerei inklusive Rumgeschubse zwischen Maxim von K.I.Z. und Curse. Doch schnell glätteten sich die Wogen und am Ufer des Sees konnten alle Unstimmigkeiten aus dem Weg geräumt werden. Was vielleicht auch an der tatkräftigen Unterstützung von glatzköpfigen, bärtigen Männern gelegen haben könnte. Auf jeden Fall wie immer. Großes Kino.

Red Bull Zelt im Nebel

Manchmal gab es dann auch einen kleinen Moment der Ruhe. Einen Moment der Meditation. Einen Moment des Innehaltens und des Nachdenkens. Diese Momente waren rar gesät in den drei Tagen des Festivals. Aber es gab sie und sie sahen wunderschön aus. Einfach so.

  

Wiener Geschichten

Als einer unserer Mitarbeiter Sonntagmorgens sein Zelt öffnete und sich auf seinem Camping Stuhl niederließ, um über die Unklarheiten des vorherigen Abends zu sinnieren, wird er von einer aufgebrachten Wienerin mit den Worten “Weißt du eigentlich, dass du ein Hurensohn bist?“ begrüßt. Nach mehrmaligem Nachfragen wird ihm endlich die Begründung für sein Hurensohn-Dasein offen gelegt. Er soll Schnaps, Unterwäsche sowie einen Schlafsack gestohlen haben. Darüber hinaus wirft man ihm vor, die Reifen des Vehikels des österreichischen Fräuleins zerstochen zu haben. Der Mitarbeiter hingegen ist sich sicher, die Dame noch nie zuvor gesehen zu haben.

Bier zum Frühstück

Disziplin ist eine der wichtigsten Tugenden in dieser Gesellschaft. Menschen mit Disziplin sind bewundernswert und man muss sie schützen. Wer am dritten Festivaltag aus einem fremden Zelt stolpert, bei dem er sich nicht mehr erinnern kann, wie er da rein gekommen ist und dann trotzdem den Tag mit einem kräftigen Schluck Stütz Bier beginnt, beweist Disziplin. Definitiv. Big up für diese Leistung.

Schwimmen

Am Sonntagmittag herrschte redaktionsinterne Katerstimmung, bei manchen Mitarbeitern wurde sich sogar darüber gewundert, dass sie überhaupt noch leben. Das für splash!-Verhältnisse nahezu sonnig anmutende Wetter drängte den ein oder anderen Redakteur an den See mit Sandstrand, Monsieur Staiger brachte es außerdem zu einer nahezu David Hasselhoff-liken Schwimm-Vorführung. All eyes on him. Einmal mehr. Beinahe kommt Urlaubsstimmung auf.

Abfaulende Füße

Der Regen. Die Nässe. Die Kälte. Selbst wenn am dritten Tag die Sonnen lachte, die Kälte der 2 ersten Festivaltage konnte sie nicht aus unseren Herzen brennen.
Letztendlich erinnerte unser splash! Ausflug an die Dschungelkämpfe von Che Guevaras und seinen Männern, deren Hauptproblem die Feuchtigkeit der karibischen Regenwälder war. Nasses Schuhwerk, faulende Socken, offene Füße. Vor diesem Hintergrund ist die Leistung der Kubanischen Revolution doppelt hoch anzuerkennen. Unsere Füße sahen nach drei Regentagen schon so aus. Ihr wisst, was wir meinen.

Doc Köllewood

Bei "Schlag den Yelm“ trinkt ein leicht verwirrter junger Mann mit einem  prächtigen Oberlippenflaum zwei Liter Milch in gefühlten 40 Sekunden. Gegröhle, der junge Mann wird mit Anerkennung überschüttet und dann von den Zuschauern dazu gezwungen, einen weiteren Liter zu trinken. Daraufhin erbricht er sich an einen Zaun und steht zitternd etwas abseits, während ihm Milchkotze vom Oberlippenflaum tropft. Er zwängt sich in seine gewonnenen Ecko-Klamotten und schlingert über das Gelände. Videomaterial dazu folgt.

Schlafen im Jeep

Der Schlaf kommt, wenn man ihn am wenigsten erwartet. Manchmal kann man ihn eigentlich auch gar nicht gebrauchen, aber man muss eben nehmen, was man kriegen kann und wer mit so viel Eleganz und Grandezza schlafen kann, wie dieser junge Mann aus unserer Redaktion, der hat Stylerprops verdient. Bravo! (Vor allem danach aufstehen und einfach weiter feiern, das ist dann wirklich die ganz hohe Schule.)

Kamp & Whizz Vienna

Das Publikum besteht aus gefühlten 30 Personen, von denen fünf namentlich begrüßt werden. Auf der Bühne werden Zigarettenpausen seitens der Protagonisten eingelegt. Anschließend wird Wodka und Bier unter den Zuschauern verteilt. Kamp lässt sich erst zu einer Zugabe bewegen, als Gegenstände auf die Bühne fliegen. Großartig!

Dis is wo ich herkomm

Samy Deluxe spielt seinen heisserwarteten Auftritt. Beinahe das gesamte Camp sammelt sich vor der Mainstage. Nach dem Intro manifestiert sich die Spannung physisch, einige zarte Gemüter erbrechen sich. Dann die ersten Takte von "Dis is wo ich herkomm“. Massenhysterie. Der Atzen-T-Shirt-Träger umarmt glücklich den Jungen mit dem "Immortal Technique“-Pullover. Dreadlock-Mädchen tanzen entrückt und wiegen ihre Arme über den Kopf. Der Himmel reißt auf und die Sonne strahlt auf Samy Sorges Haupt, der beide Arme nach oben reißt und immer wieder "Deutschland!“ ruft. Die Menge tut es ihm gleich. Aus 6000 (die Veranstalter sprechen von ca. 12.000 Besuchern) Kehlen schallt es, "DEUTSCHLAND!“. Eine riesige Deutschlandfahne wird hinter der Bühne gespannt, atemloses Gegröhle. Tausende Arme bleiben starr in der Luft stehen. Dann die Nationalhymne. Keinen hält es mehr auf seinen Plätzen, alle rennen vor die Bühne, die Security kapituliert unter dem Ansturm. Zwei rotgesichtige 150-Kilo-Männer mit Imbiss Bronko-Shirts heben Samy Deluxe auf ihre Schultern und tragen ihn durch das Meer aus Leibern. Die Menge ruft "Samy-Deutschland, Samy-Deutschland“, Zeppeline fliegen über dem See, als auch die dritte Strophe gespielt wird, die Nationalhymne verwandelt sich in ein Pochen und Stampfen in meinem Schädel. Plötzlich klopft es. Verwirrt löst der Mitarbeiter sein verschwitztes Gesicht von der Fensterscheibe des Defenders. "Ey, nich’ hier pennen. Samy tritt gleich auf!", sagt mir ein Assi-Junge mit Lippenpiercing. "Gibt’s hier eigentlich was umsonst?“ Müdes Kopfschütteln, irgendjemand reicht einen Becher.

Schlägerei

Unangenehme Situation nach dem großen Yelm Finale oder besser gesagt währenddessen. Ein sehr betrunkener, sehr aggressiver Mensch versuchte dem souveränen Gewinner den Badeanzugsstring vom Leib zu reißen, was ihm auch gelang, allerdings in einer Keilerei endete. Staiger sprang daraufhin vom Auto und versuchte dazwischen zu gehen. Das Ganze endete irgendwie in einem Handgemenge und der Betrunkene biss Staiger in den linken unterarm. Bei so viel Schaum vor dem Mund eine unangenehme Erfahrung.

Jedi Mind Tricks

An dieser Stelle würden wir auch am liebsten von unserem persönlichen Headliner Jedi Mind Tricks berichten, anstatt dessen werden wir uns über die organisatorischen Talente der Veranstalter beschweren und eine Anekdote über verärgerte Fans erzählen. Denn: Leider war es uns aus arbeitstechnischen Gründen nicht möglich, rechtzeitig zum Joint der Philly MCs zu kommen und mussten, wie einige andere auch, zu unserem Ärger feststellen, dass das Samoa Tent bereits von den freundlichen Sicherheitsleuten des Festivals abgesperrt wurde. Zu viele Leute. Okay dachten wir, unter dem Zelt durch und rein zur Party. Pustekuchen. Noch nie haben wir einen so enttäuschenden Sound erlebt und als ob es nicht genug wäre, konnten wir weder etwas sehen, noch auf irgendeine Art in die Nähe der Vibes kommen, die das Trio im Normalfall verbreiten. Angepisst haben wir uns auf den Weg zu Hiob und Morlockk Dilemma gemacht und dort ist die Bombe endgültig geplatzt. Es waren vielleicht 50 Leute anwesend und wir dachten “Hätte man das nicht absehen können?“ Nicht dass wir etwas gegen Dilemma haben, im Gegenteil, aber hätte man die Location nicht einfach tauschen können? War es nicht abzusehen, dass mehr Leute zu Jedi wollen, als zu Hiob und Dilemma? Am Zelt versammelte sich währenddessen ein Mob von ebenso enttäuschten Fans, die Dreck und Müll auf das aktuelle splash!-Festival Poster warfen und es bespuckt haben. Außerdem wurde die Veranstaltung nachdrücklich für tot erklärt.

Interviews

Am Sonntag erwischten wir dann Marteria zum Interview. Dieser hatte zu diesem Zeitpunkt offensichtlich noch nicht geschlafen gehabt und erklärte uns auch, dass dies noch ein bisschen so weiter gehen würde. Schließlich könne man ja am Montag oder Dienstag noch genug nachschlafen und wenn das nicht geht, halt später… wenn man tot ist. 

 

Außerdem trafen wir Kaas beim Essen und nötigen ihm dieses Interview auf, auf das er eigentlich keine rechte Lust hatte. Aber weil Kaas ein extrem netter und höflicher Mensch ist, kann er uns den Wunsch leider nicht abschlagen. Wir reden ein bisschen mit ihm über Kollegah und dessen spirituelle Erfahrungen. Nicht schlecht für ein kleines Dinnergespräch.

La Coka Nostra

Anfangs war es noch relativ leer vor der Hauptbühne, aber spätestens als die Fanfaren von House of Pains "Jump Around“ einsetzten, kamen panikartig Festival Besucher aus allen Winkeln des Geländes gekrochen, um sich vor der Bühne die Köpfe einzuschlagen. Sehr schönes Bild. Außerdem während des La Coka Nostra-Auftritts: Ein Typ mit 2001-HipHop-Uniform, bestehend aus Schlabber-Pulli und ausgefranster Dickies-Hose, rennt komplett besoffen in Richtung Toilette. Plötzlich sagt einer der LCN-Rapper so etwas wie "Are you here for Rap?“ Wie von der Tarantel gestochen wirft er sich herum und schreit "JAAA!“ Ill Bill fragt die Menge "Or should we go?“ Eine Welt bricht für den jungen Mann zusammen. "Noooo!!!“ brüllt er, dabei fällt er auf die Knie. Ill Bill veranstaltet ein Bühnenspielchen, "When I say Pizza, you say Blowjobs!“ Der junge Mann versteht zwar kein Wort, brüllt aber Fantasieenglisch mit und macht dabei diese etwas unangenehme Rapper-Handbewegung. Langsam richtet er sich auf. Bei den ersten Takten eines Liedes rennt er besinnungslos in Richtung Bühne und schreit dabei.

Simon und Kaas

Unfassbare Kombinationen haben sich ergeben, unfassbare Freundschaften wurden geknüpft. splash!-Veteran Rhymin Simon im brüderlichen Small Talk mit Kaas. Der Kingpint und das Einhorn. Schöner wäre nur noch Staiger mit Immo. Aber auch das werden wir noch erleben.

Die Heimfahrt

"How many Roads must a man walk down, before you can call him a man?" Zumindest die eine mit Staiger und dem Rest zusammen in einem Landrover Defender auf der Heimreise von Gräfenhainichen nach Berlin. Es war einer aus der 110er Reihe, der in sich mehr Rost als Stahl vereinte und  bei über 140 Stundenkilometer das Gefühl vermittelte, im Innern eines russischen Panzers zu sitzen. Wie auch immer, zumindest schlafen konnte man notgedrungen auf der Rückbank. Start auf dem splash! war so in etwa gegen 24 Uhr Sonntagabend, angekommen in Kreuzberg sind wir circa gegen Vier.  Irgendwann dazwischen wurde eine Pause bei Maeckes eingelegt, danach verabschiedete sich der Chef zu einer Runde Powernapping.

Als keiner mehr mit einer Weiterfahrt gerechnet hatte, läutete das Signalhorn und Staiger war aus seinem künstlich herbeigerufenen Tiefschlaf erwacht. Back on the Highway. Als der Rest der Redaktion aus einer Erschöpfungsbedingten Dösigkeit erwacht, befand man sich bereits in der Hauptstadt. Nun hieß es zu sich kommen, die restlichen Sachen aus der Redaktion in den Defender packen und endlich den Heimweg antreten. Eigentlich sollte es kaum mehr als zehn Minuten in Anspruch nehmen, nur noch schnell einen Mitarbeiter, der etwas außerhalb der Frankfurter Allee zu wohnen schien, raus lassen und ab ins Bett. Alle waren in genau der Stimmung, in der sich jeder befindet, wenn er sich vier Tage von der Zivilisation abwendet,  und sich auf dem Nachhauseweg nichts sehnlicher wünscht, als endlich wieder in der Gesellschaft anzukommen.

Als wir von der Frankfurter Allee bis zur Allee der Kosmonauten gefahren waren, kam es zu folgendem Dialog zwischen dem im Osten wohnhaften Mitarbeiter und Staiger: “Sag mal, soll ich die Unterführung durchfahren oder rechts vorbei?“ – “Ja, ich weiß ja nicht, wo ihr hin wollt.“ – “Na, wir wollen dich nach Hause fahren“ – “Ach so, aber ich wohn doch Landsberger Allee“  -“Alter, was meinst du denn, wo wir hier noch hinwollen? Wir müssen alle in die andere Richtung!“ – “Sorry, das wusste ich nicht.“ – “Du bist der verrückteste Mensch, den ich kenne.“

Schlussendlich kamen wir doch alle genau da an, wo wir hinwollten. In unserem Bett. Wir sind immer noch geschädigt von vier Tagen Rap, Suff und Schlafentzug, aber was soll’s. Wir sind für euch da. Immer wieder gerne.

Nas und Kelis legen Finanzen offen

0
Die Wirtschaftskrise macht einfach vor niemandem halt. Nachdem Kelis bereits vor einiger Zeit darauf aufmerksam machte, dass sie dringend auf die Unterhaltszahlungen und Gutmütigkeit ihres Ex-Manns Nas angewiesen sei, da sie sich ansonsten nicht in der Lage sehe, ihr Kind angemessen groß zu ziehen, legte das frühere Pärchen nun ihr monatliches Einkommen sowie ihre Ausgaben offen.

Der ehemalige Bewohner eines sozialen Wohnbaus in Queensbridge schafft es auf ganze 147.165 Dollar im Monat, allerdings sollte man zu Bedenken geben, dass er auch stolze 70.000 Dollar im Monat ausgibt. 10.000 Dollar davon gehen allein für Nas´ Frisur, Kleidung und Hygiene Artikel drauf, berichtete tmz.com  Seine ehemalige Gattin bringt es dagegen nur auf läppische 20.000 Dollar im Monat, was exakt jener Summe entspricht, die sie vom Vater ihres ungeborenen Kindes an Unterhalt erwartet. Laut eigenen Angaben möchte die R´n´B Sängerin mit dem Geld eine fähige Nanny engagieren, Windeln kaufen und auch der eigene Lebensstandart soll aufrecht erhalten werden. Schenkt man ihren Worten glauben, geht es um nichts weniger als die eigene Existenz: "Mein Überleben hängt von Nas‚ Willen ab."

Nastradamus
hingegen ist der Meinung, dass 5.000 Dollar im Monat reichen sollten, um ein Kindermädchen und ein paar Pampers zu bezahlen, handele es sich bei dem Betrag laut dem Rapper doch um eine "vernünftige Summe".

Während sich das ehemalige Hip Hop Traumpaar wegen “unüberbrückbarer Differenzen“ getrennt hat, ist ein anderer Rapper wesentlich leichter zufrieden zu stellen, zumindest was das Zwischenmenschliche betrifft. Snoop Doggs absolute Traumfrau muss lediglich zwei Kriterien erfüllen, nämlich “Nackt sein – und, sie macht was ich will. Genau, sie macht was ich will und ist nackt!”. Der Doggfather weiß aber nicht nur, wie er sich selbst, sondern auch seine Mitmenschen glücklich macht. Gemeinsam mit Tourpartner Stephen Marley, wurde ein Pizza Lieferdienst mit Freikarten und Merchandise-Artikeln entlohnt, statt mit den 900 Dollar, die für die Rechnung fällig gewesen wären.
 

Kein Bock auf Battle-Rap

0
Battle-Rap darf mittlerweile wohl als die medienwirksamste, spektakulärste und zugleich auch unterhaltsamste Sparte des Sprechgesangs gesehen werden. Fast jeder tut es, selbst Rapsoul haben sich vor nicht all zu langer Zeit getraut und in Richtung Bushido geschossen. Manche Karrieren werden sogar erst dadurch ansatzweise ins Rollen gebracht, dass sämtliche etablierten Künstler der HipHop Szene erst mal ordentlich eins vor den Latz kriegen und dass man selbst der allerbeste Rapper ist, den die Welt je gesehen hat, ist ja sowieso schon eine obligatorische Selbsteinschätzung.

Aus dem Geburtsland des Hip Hop, den USA nämlich, kommt jetzt allerdings ein Mann, dessen geheimer Auftrag es zu sein scheint, alles, aber auch wirklich alles, anders zu machen, als seine Kollegen. Asher Roth heißt der rotblonde Jüngling, der vornehmlich über Geschichten aus dem Leben eines weißen College-Kids rappt, und in einem Interview mit der NY Post Folgendes gesagt hat:

"I’m not a battle MC, I don’t like using my powers to tell people they suck. I’d rather just rap about what’s going on in my head." Um so überraschender scheint es dementsprechend, dass der Rapper, der seinen Durchbruch mit der Single "I Love College" schaffte, permanent mit DEM weißen Rap-Musiker überhaupt, Eminem nämlich, verglichen wird. Der ist schließlich ein versierter Battle-Teilnehmer und hatte noch nie ein Problem damit, anderen Leuten detailliert mitzuteilen, warum genau sie in seinen Augen wack sind.

Mit derartigen Vergleichen hat der gute Asher allerdings auch kein Problem. Natürlich nicht. "As far as content and substance, I don’t think so, but you never really know. I’m just happy I’ve been given a platform. Being white spawns [comparisons] right off the bat, but I think time is on my side, and people will see that there’s something really here."

Featured