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J. Cole über seine Identität

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Letzte Woche haben wir über die neuste Runde der N-Wort-Diskussion in den Vereinigten Staaten berichtet. So richtig kompliziert wird das Ganze aber, wenn sogenannte Mischlinge, also Menschen, deren Eltern unterschiedliche Hautfarben haben, ins Spiel kommen. Dann zeigt sich nämlich erst so richtig, auf welch wackligen Beinen die Identität eines Menschen eigentlich steht.

Mit J. Cole, dessen mit Spannung erwartetes Album "Cole World – The Sideline Story" morgen offiziell erscheint (zu unserer Review geht es hier), hat nun genau so ein Mischling Stellung zu Themen wie Hautfarbe und vermeintlich damit verbundenen Identitäten genommen.

Im Interview mit dem XXL-Magazin erklärte der in Frankfurt am Main als Sohn eines Afroamerikaners und einer hellhäutigen Mutter Geborene, er könne sich wegen seiner Mutter durchaus mit Weißen identifizieren, er habe auch hellhäutige Freunde auf der High School gehabt und deren Sinn für Humor kennengelernt. "I can identify with White people, because I know my mother, her side of the family, who I love. I've had White friends. I know people from high school that I might not have hung out with outside of high school, but I think I got to know them pretty well, so I know they sense of humor."

Trotzdem habe er sich nie "weiß" gefühlt. Er identifiziere sich einfach mehr mit seinem Aussehen, denn diesem entsprechend werde er behandelt. "But at the end of the day, I never felt White. I don't know what that feels like. I can identify. But never have I felt like I'm one of them. Not that I wanted to, or tried to, but it just was what it was. I identify more with what I look like, because that's how I got treated."

Wenn die Polizei ihn kontrolliere, könne er eben nicht seine Ich-bin-Halbweißer-Karte zücken, scherzte J. Cole. Überhaupt würde niemand auf den Gedanken kommen, ihn als halbweiß zu bezeichnen. "But when you get pulled over by the police, I can't pull out my half-White card. Or if I just meet you on the street, you're not gonna be like, This guy seems half-White."

Vielleicht wird die Menschheit eines Tages ja so gründlich durchmischt sein, dass Fragen wie halbweiß oder dreiachtelschwarz einfach keine Rolle mehr spielen werden. Wollen wir angesichts des milden Altweibersommers einfach mal optimistisch sein und genau das hoffen.

 

J. Cole – Cole World – The Sideline Story

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Er ist neben Kendrick Lamar einer der Shooting Stars der aktuellen US-amerikanischen Rapgeneration. Drei hochgelobte Mixtapes und ein Signing bei Jay-Zs Roc Nation-Label erzeugten einen Hype um J. Cole, der in den letzten Jahren seinesgleichen suchte. Somit stiegen nicht nur die Erwartungen an das Debütalbum des gebürtigen Frankfurters mit jedem weiteren Monat, in dem es auf sich warten ließ, weiter in die Höhe, auch die Erwartungen an Cole selbst wuchsen immer mehr. Zum „Retter des Hip Hops“ und zum „Next Big Thing“ wurde er auserkoren, sein Debütalbum von einigen Blogs vorab als das „Illmatic“ dieser Generation bezeichnet. Keine leichte Aufgabe, diese hohen Erwartungen zu erfüllen.

Mehrmals nimmt Cole auf „Cole World: The Sideline Story“ Bezug auf diese Erwartungshaltung. „Some say that rap is alive/ it turns out that I’m the proof„, rappt er etwa auf dem Song „Rise And Shine„. Die Eröffnung des Albums mit einem atmosphärisch dichten Intro, das nahtlos in das großartige und nochmal einen Tick atmosphärischere „Dollar And A Dream III“ übergeht, lässt daran kaum zweifeln. Allgemein versteht es Cole, seine Raps mit stark produzierten Beats, die zu großen Teilen ebenfalls von ihm selbst stammen, zu unterlegen. In erster Linie überzeugt „Cole World: The Sideline Story“ aber auf lyrischer Ebene. Kaum einer versteht es im aktuellen Rapgeschehen so gut, Geschichten zu erzählen. Ob er von den eigenen Abgründen und Problemen berichtet wie auf seinem bisher wohl persönlichsten Song „Breakdown“ oder auf dem großartigen „Lost Ones“ auf sehr authentische Art und Weise Schwangerschaften und Abtreibungen thematisiert – Cole bleibt stets glaubwürdig und überzeugend.

In „Sideline Story“ legt Cole seinen bisherigen Werdegang nieder und macht deutlich, dass er es satt hat, sich auf den „Sidelines“ zu befinden. Die kürzlich aufgekommenen Gerüchte, er sei von Roc Nation gedroppt worden, adressiert Cole – ob nun ganz bewusst oder einfach aus Zufall – mit klaren Worten. „I made it to the roc/ even though they tried to box me out […] Some nigga ask me why Jay never shout me out/ Like I’m supposed to give a fuck.

Kein Zweifel, „Cole World“ ist eines der stärksten Alben der letzten Jahre. Doch wo viel Licht ist, gibt es eben auch Schatten. In erster Linie krankt das Album an dem deutlich erkennbaren Versuch, eine erfolgreiche Single zu kreieren. Das vor mittlerweile eineinhalb Jahren veröffentlichte „Who Dat“ hat es nicht einmal auf das Album geschafft, „Workout“ wurde zum Bonustrack degradiert. Immerhin „Can’t Get Enough“ mit Trey Songz ist gut auf dem Album platziert und überzeugt. Ob dies jedoch auch auf kommerzieller Ebene der Fall sein wird, muss sich zeigen. Dementsprechend scheint es eigentlich wenig verwunderlich, dass Cole mit „Lights Please“ und „In The Morning“ die beiden Songs auf das Album gepackt hat, die im bisher am meisten Gehör verschafften. Dass diese bereits auf Mixtapes erschienen sind und der Song „Lights Please„, der letztendlich ausschlaggebend für das Signing bei Roc Nation war, schon über zwei Jahre alt ist, war Cole dabei egal, hinterlässt aber einen etwas faden Beigeschmack.

Gut, eigentlich nur halb so schlimm, denn diese beiden Songs sind es nicht, die wirklich störend auffallen. Dafür fallen „Mr. Nice Watch„, auf dem Cole und Jay-Z über einen Beat mit den derzeit so schicken Dubstep- und Electronica-Einflüsse rappen, und der Titeltrack „Cole World“ negativ ins Gewicht. Zwei potenzielle Skipstationen, die den Eindruck machen, als würde Cole auf Teufel komm raus den aktuellen Szene-Trends hinterherlaufen und es irgendwie jedem rechtmachen. Dass er derlei wenig appetitliche Anbierderungen eigentlich nicht gar nötig hat, beweist er auf starken Tracks wie „Nobody’s Perfect„, das mit einer überzeugenden Hook von Missy Elliot daherkommt, „Rise And Shine“ oder „God’s Gift„.

Es wird für „Cole World: The Sideline Story“ vermutlich nicht zum „Illmatic“ dieser Generation reichen. Dafür ist es einfach zu wenig bahnbrechend und weist mit den beiden angesprochenen Tracks auch Skipkandidaten auf, die definitiv nicht zeitlos, sondern eher unangenehm zeitgeistig sind und einem Klassikerstatus somit eindeutig im Weg stehen. Zumal Nas, als er „Illmatic“ aufnahm, ja auch gar nicht vorhatte, unbedingt einen Klassiker zu produzieren und dementsprechend praktisch auf keinerlei Erwartungshaltungen Rücksicht nehmen musste – ein Umstand, der ihn von J. Cole eben deutlich unterscheidet. Dennoch ist dieses Album sehr gut, stellenweise sogar großartig, und löst durchaus berechtigte Vorfreude auf die kommenden Cole-Releases aus. Und wer weiß, Vielleicht kommt in Zukunft ja doch noch J. Coles persönliches „Villematic“ auf uns zu – sag niemals nie.

Marokkanischer Rapper verhaftet

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Dass Rap durchaus eine Rolle in den Volksaufständen in den afrikanischen und arabischen Ländern spielt, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr (wir berichteten und wir berichteten).

Dieser Eindruck bestätigt sich nun erneut: In Marokko wurde Mouad Belghouat alias El-Haked (dt. der Empörte) festgenommen. Er wird beschuldigt, Mitglieder der königstreuen Allianz in dem nordafrikanischen Land angegriffen zu haben. Sein Anwalt Mohamed Messaoudi besteht jedoch darauf, dass El-Hakeds einziges Verbrechen sei, der Bewegung des 20. Februar anzugehören. "Mouad hat niemals jemanden angegriffen."

Die Bewegung des 20. Februar organisiert Demonstrationen gegen den seit 1999 regierenden König Mohammed VI. Marokko ist seit 1192 eine konstitutionelle Monarchie, der König ist jedoch nicht nur weltliches, sondern auch geistliches Oberhaupt der Marokkaner und ernennt den Ministerpräsidenten sowie die Minister. Dementsprechend gering (37%, davon 19% ungültig) war die Beteiligung an den letzten Parlamentswahlen 2007.

El-Haked nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er in seinen Texten über Marokko rappt. Er thematisiert die verzweifelte Lage der Armen und prangert gierige und korrupte Mächtige an, die die Gesellschaft zerstörten. Seit zwei Wochen sitzt er für seine offenen Worte nun schon im Knast. Eine Facebookseite zu seiner Unterstützung wurde eingerichtet.

Auf arte.tv gibt es eine interessante Dokumentation über den jungen, wütenden Rapper:

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DJ Khaled droppt die N-Bombe

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Es ist und bleibt eine leidige Diskussion: Darf man das N-Wort, also den ursprünglich rassistisch gemeinten Begriff „Nigger“, der heute in amerikanischen HipHop-Kreisen gang und gäbe ist, verwenden? Und wenn ja, wer darf das? Nur Afroamerikaner oder auch andere, zum Beispiel Weiße, die in einem afroamerikanisch geprägten Umfeld aufgewachsen sind und das Wort dort wie selbstverständlich übernommen haben?DJ Khaled, US-Amerikaner mit palästinensischen Wurzeln, hat zu diesem Thema nun auch einen Debattenbeitrag geliefert und seinen häufigen Gebrauch des Begriffs verteidigt. Er ging sogar soweit, zu behaupten, seiner Meinung nach sei das N-Wort gar nicht mehr negativ konnotiert.

Er sehe sich selbst als Nigger, erklärte er seinem Kollegen DJ Green Lantern in dessen Radioshow. Er sei damit aufgewachsen, es sei einfach Slang. Außerdem sei es sogar ein positives Wort, wenn man es richtig verwende. „“I’m a nigga. If somebody ever took that in an arrogant — If someone thinks it in another way, they dumb. I grew up like that. It’s slang. It’s actually a positive word the way that I use it, the way that Ace [Hood] is using it.

Als er Jünger gewesen sei, hätten Afroamerikaner ihn wegen seiner arabischen Wurzeln als „Sand-Nigger“ tituliert. Das sei aber erst recht ignorant. „What makes me mad, when I grew up, n*ggas was calling me sand n*gga. That’s ignorant, because there’s only one way to say it. You can’t say, ‚Yo what up my sand n*gga?‘ That’s not the way we grew up in the streets.“ Kurzum, für ihn sei das N-Wort völig normal und er werde es weiter verwenden.

Kürzlich waren auch die beiden hellhäutigen Rapperinnen Kreayshawn und V-Nasty wegen ihres angeblichen (Kreayshawn) oder tatsächlichen (V-Nasty) Gebrauchs des N-Wortes kritisiert bzw. verteidigt worden. David Banner hatte in seinem Track „Swag“ gerappt: „A White girl call us nigga and we just sit back and laugh/ we call it swag„.
Mistah F.A.B. hatte die beiden jungen Damen hingegen kürzlich in Schutz genommen. Der Begriff sei heute nicht mehr kontrovers, befand er. Man sei zusammen in der gleichen Hood aufgewachsen. „“First of all, you motherf*ckers need to wake up. It’s 2011. Nobody gives a f*ck about that sh*t no more. We grew up in the same communities, same neighborhoods. It’s not the same as how people once looked at it.

Und auch das neue Bad Boy-Signing, der bekanntlich ebenfalls hellhäutige Machine Gun Kelly, gab seinen Senf zum N-Thema ab und betonte mit einem Augenzwinkern, die einzigen N-Wort, die er benutze, seien Ninja, Napalm, Nasenspray und Nippel. Letzteres sei sogar sein Lieblings-N-Wort.

Obwohl Deutschland einen Ruf als Land der ewigen Grundsatzdiskussionen zu verteidigen hat, ist uns bisher nichts von einer ähnlichen Diskussion hierzulande bekannt, des Inhalts, wer wann wo wie und wie oft das deutsche Pendant zum N-wort, das K-Wort Kanake benutzen darf…

Orsons mit Savas auf Tour

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Im rap.de-Interview stellte Ahzumjot die Orsons kürzlich in eine Reihe mit Marteria und Casper und prognostizierte ihnen, der nächste große Act zu werden. Nun, nach dem kürzlich eingetüteten Major-Deal (wir berichteten) ist das durchaus nicht ausgeschlossen. Jedenfalls, das steht jetzt schon fest, werden die Orsons Anfang nächsten Jahres Teil eines imposanten Line Ups sein, und zwar bei der Tour "Savas und die Liga der außergewöhnlichen Mcees".

Wie der Titel der Tour verrät, ist Kool Savas der Kopf des Ganzen. Ebenfalls mit an Bord sein werden Olli Banjo, Laas Unltd. und Komiker Buddy Ögün. Laut Presseerklärung möchte Savas mit dieser Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz an die guten, alten Zeiten wieder aufleben lassen, in denen HipHop-Aktivisten von Jam zu Jam reisten, Rucksack im Blackbook oder umgekehrt, Blut, Schweiß und Tränen. Von Stadt zu Stadt wechselnde Überraschungsgäste, abwechselnde Features und die interaktive Einbeziehung des Publikums sollen für einen unvergesslichen Abend garantieren.

"Ich möchte die HipHop-Fans überraschen", wird Savas zitiert. "Die Leute die auf guten Rap stehen und eine atemberaubende Liveshow sehen wollen, müssen mir vertrauen und einfach vorbei schauen. Dieses Konzept ist einzigartig in Deutschland und so haben uns die Fans noch nie auf der Bühne gesehen.

Da um für eine intimere Atmosphäre zu sorgen eher kleinere Venues gebucht wurden, empfiehlt es sich wohl, rechtzeitig Tickets zu kaufen, was ihr hier tun könnt.

Die Tourstops im Einzelnen:

29.03.2012 Kassel – Nachthallen
30.03.2012 Neu Isenburg/Frankfurt – Hugenottenhalle
31.03.2012 Würzburg – Posthalle
01.04.2012 Dortmund – FZW
03.04.2012 Ulm – Roxy
04.04.2012 Mannheim – Alte Feuerwache
05.04.2012 Bern (CH) – Bierhübeli
06.04.2012 Basel (CH) – Reithalle
07.04.2012 Salzburg (A) – ARGE
09.04.2012 Nürnberg – Hirsch
10.04.2012 Paderborn – Capitol Musiktheater
11.04.2012 Bremen – Schlachthof
12.04.2012 Erfurt – Centrum
13.04.2012 Dresden – Reithalle

HipHop geht ins Kino

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Auch auf dem – haha – Rapfilm hängengeblieben? Umso besser. Gleich über zwei legendäre Hiphop-Acts aus den USA sollen demnächst Filme gedreht werden.

Wu-Tang-Legende Raekwon sprach kürzlich über seine diesbezüglichen Pläne. Die Idee zu dem Film, der nach dem 1994-Wu-Tang-Klassiker "C.R.E.A.M." (Abkürzung für Cash Rules Everything Around Me, Geld regiert alles um mich herum) benannt werden soll, sei ihm bei den Aufnahmen zu seinem letzten Studioalbum "Only Bulit 4 Cuban Linx II" gekommen. Die Story sei schon fertig aufgeschrieben. "When I was working on my album [Only Built 4] Cuban Linx II, I actually sat down with a couple of my guys from my company and we wrote a story basically about my life."

Es soll ein Biopic über ein Straßenkid werden, das genau wie Raekwon in einer urbanen Nachbarschaft aufwächst und mit allen möglichen Alltagsproblemen zu kämpfen hat. "It's a great biopic film about a kid such as myself growing up in an urban neighborhood and having to deal with the day-to-day [problems]."
Raekwon sagte weiter, er habe mit der Story den Jugendlichen, die auch daherkämen wo er selbst herkomme, zu zeigen, was er durchgemacht habe, weil sie einen Bezug dazu hätten. "I just wanted to put it in a great storyline and basically give the young kid that's coming from where I'm came an opportunity to see the things that I've been through because he may be able to relate [to it]."

Doch nicht nur in New York, sondern auch an der Westküste tut sich was. Der Regisseur John Singleton (u.a. "Boyz N The Hood", "Poetic Justice" und "2 Fast 2 Furious" verhandelt derzeit mit Ice Cube über seine mögliche Beteiligung an einem Film über N.W.A.. Singleton selbst hat auch schon signalisiert, dass er dabei sein könnte. Er bestätigte, mit Cube in Verhandlungen zu stehen und bezeichnete die Story als sehr, sehr interessant. "Cube and I are talking about doing the N.W.A. story… The script is really, really good, and so we're just figuring it out. New Line really wants to make it." Konkreter werden wollte er aber noch nicht.

Vor einem Jahr hatte Ice Cube erste Details über den Film bekannt gegeben. Er solle die Geschichte der kontroversen Crew um Dr. Dre, Eazy-E, Ice Cube, MC Ren und DJ Yella erzählen, und zwar, so Cube, von dem Moment an, als Dre erste Partys für seine Mutter veranstaltet habe bis zu Eazy-Es tragischem Tod 1995.

 

Troy Davis hingerichtet

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Alle Proteste haben nichts genützt: Troy Davis, der wegen Polizistenmord verurteilt war, wurde gestern abend im US-Bundesstaat Georgia mit einer Giftspritze hingerichtet. Davis saß 20 lang in der Todeszelle und hatte stets seine Unschuld betont. Doch selbst Gnadengesuche von Ex-US-Präsident Jimmy Carter, dem Ex-FBI-Chef William Sessions und Papst Benedikt (der gerade Berlin unsicher macht) konnten die Hinrichtung nicht stoppen.

Dabei gab es eigentlich berechtigte Zweifel an Davis' Schuld. Im August 1989 soll er einen Polizeibeamten umgebracht haben, so die Anklage. Der Polizist Mark MacPhail wurde mit einem Schuss ins Herz getötet, als er einen Streit zu schlichten versuchte. Zahlreiche Zeugen, die Davis zunächst belastet hatten, widerriefen jedoch ihre Aussage, andere Zeugen wiederum gaben an, ein anderer Mann habe sich zu der Tat bekannt. Klare Beweise für Davis' Schuld gab es nicht, weder wurden am Tatort DNA-spuren gefunden noch Fingerabdrücke. Dennoch verurteilte ihn Geschworenengericht 1991 zum Tode.

Die amerikanische HipHop-Szene nahm großen Anteil an Davis' Schicksal – schließlich ist man sehr sensibel, wenn es um vermeintliche oder tatsächliche Rassendiskrimierung geht. Big Boi von OutKast etwa betonte noch kurz Davis' Hinrichtung gegenüber dem Atlanta Journal, er könne nicht beurteilen, ob der Mann schuldig oder unschuldig sei, es gäbe aber zuviele Zweifel an Davis' Schuld, als dass man ihn hinrichten könne."I’m not here to say who is innocent or who is guilty, but if you’re going to execute a man you need to make sure he is 100 percent guilty. There is too much doubt."

Auch Chuck D. von Public Enemy, Busta Rhymes, Russel Simmons und Ice-T, der dereinst mit seiner Band Body Count einen handfesten Skandal durch den Song "Copkiller" ausgelöst hatte, äußerten ihren Unmut über die Vollstreckung der Todesstrafe an Davis. Simmons etwa forderte, man solle Exekutionen live im Fernsehen zeigen, damit jeder den Barbarismus sehen könne, der da stattfinde. "I think executions should be broadcast live on television. Let us see the barbarianism we've sanctioned." rap.de sagt dazu nur: Word.

Nur eine zeigte sich von Davis' Schuld unbeirrbar überzeugt: Die Witwe des erschossenen Polizisten. Davis habe genug Zeit gehabt, seine Unschuld zu beweisen, erklärte sie – offenbar ist ihr der Rechtsgrundsatz der Unschuldsvermutung, nach dem einem Angeklagten seine Schuld zweifelsfrei nachgewiesen werden muss, und nicht umgekehrt, leider nicht bekannt.
 

Schwule Rapper?

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Wir schreiben das Jahr 2011. Obwohl die Aufklärung viel erreicht und viele Vorurteile geduldig widerlegt hat, gibt es doch immer noch jede Menge irrationale Feindseligkeiten. Nicht nur, aber auch in der HipHop-Kultur, in der Homosexualität immer noch mit einer ähnlichen Lockerheit wie im Vatikan oder unter den Mullahs im Iran behandelt wird.

So sah sich 50 Cent nun gezwungen, die Behauptung seines Ex-Schützlings Game zurückzuweisen, er sei heimlich schwul. Game hatte den G Unit-Boss Anfang des Monats nämlich als homosexuell geoutet. Via Twitter forderte er 50 dazu auf, zu seiner vermeintlichen sexuellen Orientierung zu stehen. Er, Game, habe überhaupt kein Problem mit Schwulen, der Friseur seiner Freundin sei schwul, aber cool, und er höre sehr gerne die Musik von Elton John.
"My girl hair stylist is GAY & he kool." "If your GAY be GAY !!! I don't have a problem with GAY people… I like Elton John's music a lot."

"Frag einfach die jungen Damen", blaffte 50 jetzt in einem Radio-Interview mit Funkmaster Flex zurück, offensichtlich wenig angetan von seinem vermeintlichen Zwangsouting. "If that's a valid question, they really need to ask the young ladies." Games Problem sei, dass er verzweifelt um Aufmerksamkeit bettele. ""I got a word, I came up with a word for everything that you see from that guy. It's desperation."

In einem Radiointerview hatte Game seine Ansichten über Homosexuelle näher erläutert und dabei betont, er habe kein Problem mit Schwulen, solange diese sich offen dazu bekannten. Es gäbe aber eine ganze Reihe von heimlich schwulen Rappern und das fände er verlogen. "I think there are several rappers that are in the closet and gay, and see those are the type of gay people that – the only type of gay people that I have a problem with." Schwule sollten stolz darauf sein, schwul zu sein, verkündete er. "Be gay and be proud."

Das sieht ein gewisser DMX allerdings ganz anders. Vom XXL Mag auf den Titel von Lil Bs Album "I'm Gay" (was sowohl "ich bin schwul" wie "ich bin fröhlich" heißen kann) angesprochen, reagierte er fassungslos. Ob das wirklich kein Scherz sei, erkundigte sich der Ruff Ryder, schmähte Lil B sehr originell als Lil Bitch und betonte mehrfach drohend, aber schwammig, man solle mit Worten vorsichtig umgehen. "Serious? You serious? Lil B? Lil B? Lil B*tch? There is power in words. There is power in words. You gave us power and the word, think before you speak that way when I speak you know I'm gonna teach. There is power in words." Äh, alles klar.

Insgesamt wird jedenfalls klar, dass es noch eine Weile dauern wird, bis ein unverkrampfter Umgang mit dem Thema auch in der HipHop-Szene möglich sein wird.

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